Märkte sind wie Fallschirme: sie funktionieren nur, wenn sie offen sind. Helmut Schmidt, 1918-2015, dt. Politiker

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Innovationen: Deutschland kann mehr!

Die Innovationsfähigkeit einer Nation und der Erfindergeist der Menschen sind der Schlüssel für den wirtschaftlichen Erfolg eines Landes. Die Studie „Innovationsmonitor 2012: Die Innovationskraft Deutschlands im internationalen Vergleich“ zeigt, wie gut aus Sicht der deutschen Unternehmen die innovationsrelevanten Standortbedingungen in Deutschland im Vergleich zu anderen OECD-Ländern einzuschätzen sind.

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Innovation ist der Motor für Wachstum und Wohlstand. Die gute Nachricht: Deutschland ist auf dem richtigen Weg zu einer Innovationspolitik, die dazu beitragen wird, langfristiges und nachhaltiges Wachstum zu generieren – das zeigt der Innovationsmonitor 2012. Von 28 untersuchten OECD-Staaten belegt Deutschland einen guten sechsten Platz. Angeführt wird das Ranking von Finnland und der Schweiz, deren Rahmenbedingungen aus Sicht deutscher Innovatoren exzellente Voraussetzungen für eine hohe Innovationskraft bieten.

Doch trotz des Etappenerfolges: Deutschland kann mehr. Um innovativ zu sein, brauchen Unternehmen in Deutschland in erster Linie gut qualifizierte Arbeitskräfte mit hohen mathematisch-naturwissenschaftlichen Kompetenzen. Mit dem Ausbildungs- und Hochschulpakt hat die Bundesrepublik zwar schon wichtige Fortschritte zur Stärkung der Qualifikationen erzielt. Doch der demografischen Wandel wird künftig das Angebot an innovationsrelevanten Arbeitskräften reduzieren. Bei den Rahmenbedingungen zur Erschließung von Fachkräftepotenzialen gilt es anzusetzen: zwar haben beispielsweise die Reformen des Zuwanderungsrechts die Tür für Zuwanderer geöffnet, doch fehlt eine Willkommenskultur für Zuwanderer. Auch reichen erste Fortschritte bei der Förderung von Jugendlichen aus bildungsfernen Schichten nicht aus, um Bildungsarmut deutlich zu reduzieren und die Ausbildungsreife der Jugendlichen zu stärken. Auch bei den Rahmenbedingungen zur Umsetzung neuer Ideen besteht Verbesserungsbedarf. In zahlreichen Technologiebereichen (z.B. Biotechnologie) erfolgt in Deutschland eine gemessen am internationalen Standard innovationshemmende Beschränkung der Möglichkeiten für Forschung und unternehmerische Innovationsaktivität. Deutschland und die anderen innovationsstarken europäischen Volkswirtschaften stehen vor der Herausforderung einer wachsenden Konkurrenz durch China. Die Volksrepublik wird vom Imitator zum Innovator. Vor allem bei den Aufwendungen für Forschung und Entwicklung oder bei der Ausbildung technisch-naturwissenschaftlicher Arbeitskräfte konnte das Land in den letzten fünf Jahren auf die führenden Staaten der Eurozone aufholen. Auch wenn die Bundesrepublik auf einem guten Weg ist  – gerade als Exportland muss Deutschland auf den verschärften Wettbewerb reagieren um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten.


Hier können Sie die Studie „Innovationsmonitor 2012: Die Innovationskraft Deutschlands im internationalen Vergleich“  runterladen.

Mit diesem Beitrag startet die ÖkonomenBlog-Serie “WachstumsBlog”.  In einem bis zwei Beiträgen pro Woche diskutieren und interpretieren Wirtschaftsexperten den Wachstumsbegriff und geben Antworten.

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  • Autor

    Prof. Dr. Axel Plünnecke

    ist stellvertretender Leiter des Wissenschaftsbereichs Bildungspolitik und Arbeitsmarktpolitik und Leiter des Kompetenzfelds Humankapital und Innovationen beim Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW).

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  • “Innovationen: Deutschland kann mehr!”

    Rankings sagen so wenig aus. Bei Hochschulen “versagen” sie ebenso wie bei Länderbewertungen. Qualitativ kann man vielleicht noch eine Aussage treffen, aber quantitativ ist das hoffnungslos. Das liegt schon alleine daran, dass gemessene Werte gewichtet werden müssen. Wie dies geschieht hängt drastisch vom Arbeitgeber ab.

  • Kammerjäger

    Der Erfolg vieler innovativer Unternehmen und damit des Standortes Deutschland hängt an Mitarbeitern mit mathematisch-naturwissenschaftlicher Qualifikation. Trotz einem häufig vorgebrachten Mangel an diesen Qualifikationen (und einem nie Beklagten Mangel an Wirtschaftswissenschaftlern) sind Gehälter und Karrierperspektiven nicht vergleichbar mit dem kaufmännischen Tätigkeiten.

    Deutschland hat den gesellschaftlichen Fehler gemacht, Berufe in den mathematisch-naturwissenschaftliche Bereich mit hohen Risiko- und Opportunitätskosten zu versehen. Daher ist der Arbeitskräftemangel in diesem Bereich nicht überraschend.

    Ein Umdenken muss hier vor allem in den Unternehmen stattfinden, die einen Strukturwandel von tradierten Gehaltsstrukturen und ins Nichts führenden Karrierepfaden für talentierte Ingenieure finden müssen.