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Wachstum braucht Geldwertstabilität

Langfristiges und nachhaltiges Wachstum braucht eine stabile Währung. Die deutsche Bundeskanzlerin hat das erkannt und setzt sich im Euro-Raum für mehr Geldwertstabilität durch verbindliche Schuldenbremsen ein. Dafür muss sie aber auch Kritik einstecken: Statt Sparkurs soll mit neuen Krediten die Konjunktur stablisiert werden und Staatsschulden monetarisiert.

Die Gefechtslage ist derzeit klar: Hier kämpft eine deutsche Bundeskanzlerin, die oft karikierte Variante der schwäbischen Hausfrau, für mehr Geldwertstabilität durch verbindliche Schuldenbremsen im Euro-Raum. Sie fordert Strukturreformen in den notleidenden Mitgliedsstaaten ein. Erklärtes politisches Ziel der Kanzlerin ist mehr finanzpolitische Stabilität und eine stärkere Wachstumsdynamik aufgrund steigender Wettbewerbsfähigkeit in ganz Europa.

Auf der anderen Seite versammelt sich ein Heer von Kritikern: Die deutsche Opposition ist selbstverständlich dabei – und erhebliche Teile der Bevölkerung in den betroffenen Ländern, die amerikanische Regierung sowie die US-Notenbank und natürlich der unvermeidliche Paul Krugmann. Auf ihn beziehen sich rund um den Globus Politiker, Gewerkschafter und Berufskollegen, wenn er zum wiederholten Mal den deutschen Weg als platte Austeritätspolitik stigmatisiert, die zu einer Verschärfung der Krise führen könne. Wie viele Neo-Keynesianer reklamieren sie alle reflexartig in wirtschaftlichen Krisensituationen neue Kredite zur Konjunkturstimulierung und natürlich die unbegrenzte Monetarisierung der Staatsschulden durch die Notenbanken. Inflationssorgen kennen sie nicht. Für sie existiert nur die gegenteilige Bedrohung, die Deflation. Konsolidieren darf man nur in konjunkturellen Blütezeiten, so wie es der gute alte Keynes vor nunmehr achtzig Jahren propagierte, dem über den kompletten Konjunkturzyklus immer die Nullverschuldung vorschwebte.

Doch seine Jünger in Politik und Wirtschaft, in Medien und Wissenschaft leiden offensichtlich unter partieller Amnesie. Sie erlebten und erleben immer nur Rezessionen, in denen nicht gespart, sondern deficit spending praktiziert werden muss(te). Die vielen Konjunktur-Hochs müssen sie vergessen haben, in denen eigentlich der Defizitausgleich nach John Maynard Keynes hätte bewerkstelligt werden müssen.

Doch wir alle kennen die gesellschaftspolitischen Realitäten: Sprudeln die Steuereinnahmen, dann ist immer eher die Zeit für neue Wohltaten. Bestes Beispiel sind wir Deutschen. Trotz der höchsten Steuereinnahmen aller Zeiten und bester Beschäftigungslage seit langem musste Deutschland auch 2011 gesamtstaatlich Dutzende Milliarden Euro neue Kredite aufnehmen.

Ich kann die makroökonomischen Beschwörungsformeln der Neo- und Vulgär-Keynesianer nicht mehr hören. Sie faseln von Deflation und negieren alle Preisblasen auf den Rohstoff- und Immobilienmärkten dieser Welt, die durch exzessive Konjunkturprogramme und durch die Flutung der Märkte mit billigem Notenbankgeld ausgelöst wurden.

Nein: Langfristiges und nachhaltiges Wachstum braucht vor allem Geldwertstabilität. Und die gewinnt man nicht mit dem Heilsversprechen der unerschöpflichen Kreditfinanzierung, sondern nur mit einer wettbewerbsfähigen Markt- und Wirtschaftsordnung und soliden öffentlichen Budgets. Die deutsche Bundeskanzlerin zumindest hat das erkannt.

 

8 Kommentare zu “Wachstum braucht Geldwertstabilität”

  1. Herr Metzger ich hoffe nicht das sie in der nächsten Legislaturperiode in den Bundestag gewählt werden. Selektives, engstirniges Denken gibt es schon genug im Bundestag.

    Europa rutscht in eine Rezession, Dank des deutschen Spardrucks. Wenn alle sparen, wer soll dann mehr kaufen? Griechenland hat vorgemacht wie gut Sparanstrengungen funktionieren können. Am Ende steigen die Schulden und der Wohlstand sinkt. Wo sie Inflationsgefahren sehen ist mir auch nicht klar. Wahrscheinlich rechnen sie insgeheim die Ölpreissteigerung Dank des iranischen Embargos mit ein. Dieser Preisanstieg ist dann aber nicht der Geldpolitik geschuldet.

    “Die vielen Konjunktur-Hochs müssen sie vergessen haben, in denen eigentlich der Defizitausgleich nach John Maynard Keynes hätte bewerkstelligt werden müssen.”
    Weil Leute wie ihre Freunde bei der INSM kommen. Diese Leute fordern bei Überschüssen dann Steuersenkungen. Wie soll man denn Defizite zurückzahlen, wenn der Staat zu fett ist?

    http://www.insm-oekonomenblog.de/allgemein/40-milliarden-mehr-im-sackel/
    http://www.insm-oekonomenblog.de/allgemein/subventionen-abbauen-steuern-senken/
    http://www.insm-oekonomenblog.de/SteuernundFinanzen/einzelinteressen-hinten-anstellen/
    “Trotz der höchsten Steuereinnahmen aller Zeiten und bester Beschäftigungslage seit langem musste Deutschland auch 2011 gesamtstaatlich Dutzende Milliarden Euro neue Kredite aufnehmen.”

    Ja eine Wirtschaftskrise gab es nicht. Die HRE mit über 100 Mrd. Euro musste nicht gerettet werden, ebensowenig wie Griechenland einen Rettungsschirm braucht. Im Übrigen wären die Steuereinnahmen, wenn sie nur mit der Inflationsrate gestiegen wären, ohne Krise heute höher. Fairerweise müssten sie den Haushalt Kaufkraftbereinigt betrachten. Dann sieht es nämlich nicht so rosig, sondern eher normal aus. Leider sind die Belastungen dank der Wirtschaftskrise gestiegen.

    “Langfristiges und nachhaltiges Wachstum braucht vor allem Geldwertstabilität.”
    Wann ist ein Geldwert stabil? Bei 0% oder 10% Inflation, oder irgendwo dazwischen?

  2. Andreas sagt:

    Ich stimme Herrn Metzger größtenteils zu. Die Schuldentilgung zu “guten” Zeiten wird schlichtweg nicht realisiert, stattdessen werden es immer mehr Schulden. Wir zahlen in Deutschland schon seit Jahren mehr als 35 Mrd. € Zinsen pro Jahr!

    Was bringt uns das tollste Wirtschaftswachstum, wenn dieses inflationsbereinigt gleich wieder aufgefressen wird. Inflation schürt Ängste, meine Eltern haben dies schmerzlich beim Zusammenbruch der Sowjetunion erlebt, sämtliche Ersparnisse über Nacht verpufft. Meines Erachtens ist der Wert von max. 2% Inflation vollkommen in Ordnung und diesen Wert stabil zu halten ist die oberste Aufgabe der EZB.

    Frau Merkel muss den derzeitigen Kurs beibehalten, ansonsten können wir das tripple A bald vergessen.

  3. @Andreas
    “Die Schuldentilgung zu “guten” Zeiten wird schlichtweg nicht realisiert, stattdessen werden es immer mehr Schulden.”
    Die Gründe habe ich angeführt. Vor einem Jahr waren die Prognosen für die Steuereinnahmen besser als erwartet. Obwohl der Staat immer noch Neuschulden aufnehmen musste, wurde in Think Tanks wie diesem hier über Steuersenkungen philosophiert. Aus diesem Grund bringt auch sparen nichts. Würde der Staat massiv sparen (wenn es denn überhaupt funktionieren würde) und Überschüsse erwirtschaften, dann würde man sich nicht freuen sondern entweder mehr Leistungen oder weniger Steuern fordern. Der Spareffekt wäre weg.

  4. Keynesianer sagt:

    Bin doch gespannt ob Herr Oswald Metzger, wenn die Gewinne Sprudeln und die großen Vermögen steigen, wirklich höhere Steuern für Bessergestellte fordert.
    Das wäre ein Novum für Oswald Metzger und ein Novum für die INSM.
    Den geistigen Vätern der “alten” sozialen Marktwirtschaft wäre das sogar zuzutrauen, der Lobbyorganisation INSM mit ihrem Kunstprodukt der neuen “sozialen Marktwirtschaft” wohl eher nicht.

    Zum Rest vom Artikel möchte ich auf FOLGENDES hinweisen:
    http://www.wirtschaftslexikon24.net/e/sparparadoxon/sparparadoxon.htm

  5. Alle Keynesianer sollen bitte mal realisieren, daß praktisch alle westlichen Staaten seit Jahrzehnten ein permanentes Keynes-Programm auf Hochdruck fahren. Bei Staatsquoten zwischen 40 und 50 Prozent muß sich niemand wundern, daß zusätzliche staatliche Ausgabeprogramme nichts mehr bringen.

    Wir brauchen mehr Schweiz (= Fiskalföderalismus) in Deutschland.

  6. @ Tim

    Die Staatsquote liegt doch eher bei 90% – 100%, wenn man alle Gesetze einbezieht, ich bin in meinem gesamten Leben noch keinem Menschen begegnet, der nicht indirekt vom Staat abhängt.

    Daher ist eher die Frage, warum sind wir alle so ungerecht zueinander?

    Ich glaube, dass wichtigste wirtschaftswissenschaftliche Buch, das jemals geschrieben wurde ist “Momo”.

  7. Keynesianer sagt:

    @ Tim

    Sie verwechseln da etwas!

  8. [...] zu wachsen, ist eine stabile Währung nötig. Aus diesem Grund setzt sich Angela Merkel für mehr Geldwertstabilität ein. Diese soll mit verbindlichen Schuldenbremsen erreicht werden. Die Gegner sind der Meinung, [...]

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Der Autor:

Oswald Metzger

ist Buchautor und ausgewiesener Haushalts- und Finanzexperte. Von 1994 bis 2002 gehörte er dem Deutschen Bundestag an.

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