INSM – ÖkonomenBlog, Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) Welche Reformen braucht unser Land? Wie erreichen wir mehr Wachstum und Beschäftigung? Experten geben Antworten – diskutieren Sie mit!

 
17.02.2012 Allgemein, Europa

Griechenland braucht zwei Jahrzehnte!

Griechenland kann nicht von heute auf morgen gerettet werden. Nicht nur die Verschuldung ist aus dem Ruder gelaufen, hinzu kommt ein völlig marodes Staatswesen, dass dringend modernisiert werden muss. Aber so ein Prozess braucht vor allem eines: Zeit.

Portugal, Spanien, Italien, Irland und Griechenland – das sind die Sorgenkinder Europas. Alle Länder sind so hoch verschuldet, dass sie sich nur noch mit Mühe bzw. überhaupt nicht mehr am Kapitalmarkt refinanzieren können. Dabei muss Griechenland einen größeren Spagat als die anderen Krisen-Länder vollbringen. Denn neben Konsolidierungsaufgaben steht Griechenland vor einem Prozess der nachholenden Modernisierung. Und damit ist nicht nur die marode Industrie gemeint, sondern vor allem die tatsächliche Unfähigkeit elementarer Verwaltungsstrukturen. Wie will man den Haushalt konsolidieren, wenn das Kassenhäuschen geschlossen ist?

Mit der Restrukturierung der Volkswirtschaft ist in Griechenland die Modernisierung des gesamten Staatswesens nötig, vergleichbar mit dem Wiederaufbau Ostdeutschlands. Und dieses Beispiel zeigt: Von heute auf morgen ist das nicht zu bewältigen. Fast zwei Jahrzehnte waren bei uns notwendig und so lange wird’s auch in Griechenland dauern – mindestens!

Dazu braucht Griechenland permanente Hilfe. Es macht keinen Sinn, dass alle zwölf Wochen einmal die Troika die Lage betrachtet. Es muss eine permanente Begleitung geben. Dafür muss sich Griechenland aber öffnen. Denn – und das steht fest – alleine ist die Misere für Griechenland nicht bewältigen.


Der Beitrag basiert auf einem Interview mit dem Deutschlandfunk.

7 Kommentare zu “Griechenland braucht zwei Jahrzehnte!”

  1. “Dazu braucht Griechenland permanente Hilfe. Es macht keinen Sinn, dass alle zwölf Wochen einmal die Troika die Lage betrachtet. Es muss eine permanente Begleitung geben. Dafür muss sich Griechenland aber öffnen.”

    Wenn ich sie richtig verstehe Herr Hüther fodern sie nichts weniger, als das die Demokratie in Griechenland zugunsten einer europäischen Kontrollinstanz abgeschafft wird.

    “Und damit ist nicht nur die marode Industrie gemeint, sondern vor allem die tatsächliche Unfähigkeit elementarer Verwaltungsstrukturen.”

    Der Staat ist an allem Schuld. Eine Frage habe ich hierzu. Nehmen wir an Griechenland modernisiert sich auf wunderbare Weise (wie dies ohne Investitionen geschehen soll weiß nur ein Wirtschaftsprofessor). Danach ist das Land wettbewerbsfähig. Kann es seine Schulden dann mittels eines Exportüberschusses abbauen? Sicherlich nicht, da Deutschland seine Vize-Exportweltmeisterschaft nicht abgeben will. So etwas geschieht seit Jahrzehnten bei den Entwicklungsländern. Man streicht ihnen in steter Regelmäßigkeit die Schulden, lässt aber nicht zu das diese mehr exportieren können. Das heißt, dass die Lösung der Probleme in Griechenland eben nicht nur in Griechenland sondern auch in Deutschland liegen.

  2. @ Chriwi

    in diesem Fall ist der Staat wirklich komplett Schuld, da muss man mal ehrlich sein.

    Der ganze Dreck aus Korruption und Vetternwirtschaft wird uns gerade in Griechenland vorgeführt.

    Das Schlimme daran ist, kein europäisches Land ist ernsthaft besser, man denke nur an Wulff oder auch Berlusconi etc..

    Eine kleine Elite (der Name allein ist ein Witz, man sollte Verbrecher sagen), die sich inzwischen komplett von allen entfernt hat, zwingt den Menschen eine Plutokratie auf.

  3. zu der “Affäre” Wulff
    Was Wullf machte, ist sehr oft der übliche Handelsbrauch. Übrigens gilt auch immer noch die Unschuldsvermutung. Es ist nicht angemessen, im Vorfeld zu verurteilen. So wie es die Medien gemacht haben. Das war und ist kein objektiver Journalismus, das ist einfach nur unsachlich und hat genau zu diesem Rücktritt geführt. Man erkennt die Macht der Medien. Wieso kritisieren Sie das nicht? Der Springer Verlag hat die Macht, hochrangige Politiker zu stürzen, ohne dass diesen ein rechtswidriges Verhlaten nachgewiesen wurde.

    Surp, Sie sind auch nicht besser, denn Sie haben genauso in das gleiche Horn geblasen, aber predigen hier täglich von einer besseren Welt.

  4. Keynesianer sagt:

    Wenn Herr Prof. Hüther doch endlich einmal von der “Hauswirtschaftslehre” mit der fehlerhaften Modellwelt, neoklassische Theorie genannt, auf Volkswirtschaftslehre umsteigen würde.

    Die “schwäbische Hausfrau” funktioniert so nur aus der Perspektive von einem privaten Einzelhaushalt. Bei der “schwäbischen Hausfrau” bleiben im Gegensatz zu einer Volkswirtschaft welche sich in die Krise hineinspart die Einnahmen stabil.
    Bei einer Volkswirtschaft hingegen endet das sehr leicht in dem was man ein Sparparadoxon nennt.

    => Noch mehr Schulden

    Was den Vergleich mit den NBL (ehem. DDR angeht), so sollte man beachten, daß Währung immer etwas mit Ausgleich zu tun hat. Die DDR war marode aber nicht so marode wie Polen. Die vorschnelle Währungsunion, welche der den NBL (ehem. DDR) eine zur eigenen Volkswirtschaft massiv überbewertete Währung gebracht hat, sorgte für eine unnötige völlige Deindustrialisierung. Das marodere Polen konnte mit einer weichen Währung aufholen und wurde nicht so flächendeckend deindustrialisiert. Die NBL blieben zurück, obwohl man eine Menge an Geld aufgebracht hat, welches Polen nie zur Verfügung stand. Wenn man ein Land völlig deindustrialisiert, dann wird das teuer und ist schwer zu beheben.

    Wenn man eine Währungsunion hat, dann sollte Deutschland nicht mit Hilfe einer in Relation zur eigenen Volkswirtschaft unterbewerteten Währung in Verbindung mit Lohndrückerei (die Menschen in der Breite vom Kuchen und Kuchenwachstum abhängen) die Währungsunion sprengen.
    Doppeltes makroökonomisches Ungleichgewicht geht nachhaltig betrachtet nicht gut! Die Lobbyorganisation INSM hatte stets die falsche Rezeptur!

    Was die aktuellen Rezepte zur Lösung der Krise angeht:
    Die Rezepte, die man auf Griechenland und andere Länder anwendet werden uns noch teuer zu stehen kommmen!

  5. Keynesianer sagt:

    @Surp

    Man könnte der Lobbyorganisation INSM (Gesamtmetall) ja vorschlagen sich für ein Stoppen des Rüstungswahnsinns in Griechenland einzusetzen. Hier könnte man massiv sparen und es würde der griechischen Wirtschaft nicht schaden. Panzer , U-Boote, …, …, bringen der griechischen Wirtschaft nichts. Ausserdem geben wir solchen Exporten ja bereits Kredite mit und/oder nehmen im Gegenzug faule Papiere entgegen wo der deutsche Steuerzahler kollektivistisch dafür den Kopf hinhält.

  6. @ Markus

    Zu Wulff, er lässt seine Schwester verleugnen.

    Aber er ist ein kleines Licht und das was er gemacht hat, würde wahrscheinlich jeder machen. Aber er war der Bundespräsident, dieser Mensch hat wohl die stärkste Vorbildfunktion im Staat, daher geht das nicht.

    Was mich total ankotzt, dass so ein Mensch auch noch 200k Ehrensold pro Jahr bekommen soll, da krankt unser System.

    Unser System ist weit korrupter und widerlicher als der Wahnsinn in Griechenland, aber eben legal.

  7. @ Keynesianer
    Sie setzen aber eine funktionierende Infrastruktur voraus, welche auch Wettbewerbsfähig wäre. Vgl. auch DDR Beispiel. Halten Sie dies für gegeben?
    Die 2 Jahrzenhte des Autors kann man doch gar nicht abschätzen, da die makroökonomischen Einflüsse sich kaum kalkulieren lassen.

Kommentieren Sie den Beitrag

Der Autor:

Prof. Dr. Michael Hüther

ist Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW).

Alle Beiträge von