Sparmaßnahmen muss man dann ergreifen, wenn man viel Geld verdient. Sobald man in den roten Zahlen ist, ist es zu spät. Jean Paul Getty, 1892-1976, US-amerikanischer Industrieller und Kunstmäzen

3 Europa

Lernt die Währungsunion ihre Lektion?

Die Euo-Zone ist in Schieflage geraten. Vor dem Neustart brauchen wir eine umfassende Fehleranalyse. Klar ist: Die institutionelle Ausgestaltung der Währungsunion war mangelhaft. Aber welche Konsequenzen ziehen wir daraus? Welche Fehler waren besonders schwerwiegend?

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Am Beginn jedes erfolgreichen Neustarts steht die Fehleranalyse. Um die aktuelle Krise der Währungsunion nachhaltig zu überwinden müssen deren strukturellen Probleme beseitigt werden. Es stellt sich die Frage: Wie konnte das Projekt „Euro“ in eine so dramatische Schieflage geraten?

Zurecht wird die schlechte institutionelle Ausgestaltung kritisiert. Vier Schwachpunkte sind besonders schwerwiegend. Erstens, die Auswahlkriterien für Mitglieder der Währungsunion wurden nicht strikt eingehalten, nicht nur bei Griechenland. In vielen weitern Ländern wurden in den 90er Jahren die Kriterien zurechtgebogen. Zweitens, der gemeinsamen Währung stand keine Koordination der Wirtschaftspolitiken gegenüber. Drittens, der Stabilitäts- und Wachstumspakt wurde in der Praxis nicht konsequent durchgesetzt. Fahrlässig ignoriert wurde insbesondere die Gesamtverschuldungsgrenze von 60%, die für eine langfristige Stabilitätspolitik von zentraler Bedeutung ist. Es ist bezeichnend, dass zu keinem Zeitpunkt der öffentliche Schuldenstand im gesamten Euro-Raum unter 60% lag. Viertens, fehlende Wechselkurse im Euroraum führten dazu, dass Anreize für fiskalische Disziplin und strukturelle ökonomischen Reformen reduziert wurden. Die internationale Wettbewerbsfähigkeit von Schlüsselindustrien wurde so in einigen europäischen Ländern entscheidend geschwächt.

Allein diese kurze, überblicksartige Fehleranalyse zeigt den Bedarf für eine umfassende Reform der Währungsunion. Will man die gemeinsame Währung nicht aufs Spiel setzen müssen nachhaltige Lösungen und strikte institutionelle Regeln geschaffen werden.


Dieser Blogbeitrag basiert auf dem Aufsatz „EMU at Crossroads“, von Prof. Dr. Bodo Herzog, erscheint 2012 in: CESifo Forum, Sonderausgabe zur Krise der Europäischen Währungsunion.

  • Autor

    Prof. Dr. Bodo Herzog

    ist Professor für Volkswirtschaftslehre, insbesondere für Geldpolitik und Makroökonomik an der ESB Business School, Hochschule Reutlingen.

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  • “Fahrlässig ignoriert wurde insbesondere die Gesamtverschuldungsgrenze von 60%, die für eine langfristige Stabilitätspolitik von zentraler Bedeutung ist. Es ist bezeichnend, dass zu keinem Zeitpunkt der öffentliche Schuldenstand im gesamten Euro-Raum unter 60% lag. ”

    Oh ja das ist ganz schön fahrlässig. Wie viele Werte standen und stehen den Schulden gegenüber?

    Beispielsweise weisen
    “alle Unternehmen in Österreich zusammen (inklusive Finanzwirtschaft) eine Verschuldungsquote von 350 % des BIP auf, worüber sich niemand beschwert.”

    Wie können also Schulden gut und schlecht sein Herr Herzog? Als Verständnishilfe

    http://www.sektionacht.at/images/files/schuldenmythen_sektion8.pdf

  • Kammerjäger

    “Fahrlässig ignoriert wurde insbesondere die Gesamtverschuldungsgrenze von 60%, die für eine langfristige Stabilitätspolitik von zentraler Bedeutung ist. ”

    Ob das richtig ist, hängt davon ab, was sie unter langfristiger Stabilitätspolitik verstehen. Für die Stabilität des Euros oder die Zahlungsfähigkeit Griechenlands ist die Gesamtverschuldung der öffentlichen Haushalte nur insofern von Bedeutung, als diese eine Komponente der gesamten Außenverschuldung eines Landes sein kann. Falls Sie Reinhard/Rogoff oder Schularick in ihren historischen Untersuchung gelesen haben, werden sie feststellen, das in der Vergangenheit nicht die Verschuldung des öffentlichen Sektors für die Zahlungsfähigkeit eines Landes ausschlaggebend waren, sondern die Vorboten der Staatspleiten immer die Außenverschuldung durch langfristige Leistungsbilanzdefizite und der Verschuldungsgrad des privaten Sektors waren.

    Beide Hauptfaktoren können ohne Finanzierung durch den Bankensektors oder sich gar nicht ausbilden. Deshalb ist die langfristige Stabilitätspolitk eher eine Frage der Bankenregulierung als der Haushaltspolitik der Länder.

    “Viertens, fehlende Wechselkurse im Euroraum führten dazu, dass Anreize für fiskalische Disziplin und strukturelle ökonomischen Reformen reduziert wurden.”

    Das ist insofern richtig, als der Target 2 Mechanismus die Zentralbanken zu Aufrechterhaltung von Ungleichgewichten zwingt.

  • Johannes

    Danke für den Graphen. Also noch mal zum Festhalten. Seit 1999 bis zum Ausbruch der Finanzkrise sind die Staatsschulden innerhalb der Währungsunion um 5% relativ zum BIP gesunken?
    Und jetzt macht man die Staatsschulden hauptverantwortlich für die Euro-Krise???

    Der Graph zeigt doch sehr schön, dass die Staatsschulden ganz offensichtlich nichts mit der Euro Krise zu tun haben. Ja klar, wenn die Wirtschaft zusammenbricht, dann steigen auch die Staatsschulden, aber man wird unsere Wirtschaft nicht mit der Reduzierung der Staatsschulden reparieren können.