Jede Ausgabe des Staates beruht auf einem Verzicht des Volkes. Ludwig Erhard, 1897-1977, deutscher Wirtschaftsminister, Bundeskanzler

7 ArbeitsmarktBildungWachstum

MINT-Akademiker und berufliche Bildung wichtig für Wachstum

Wachstum braucht Innovationen. Um die Innovationskraft zu erhalten und zu verstärken braucht die Wirtschaft gut ausgebildete Fachkräfte. Durch den demographischen Wandel gehen Deutschland in naher Zukunft die Fachkräfte aus. Zeit zu handeln. Aber wie?

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Das aktuelle EFI-Gutachten macht zu recht deutlich, dass künftige Arbeitskräfteengpässe bei Ingenieuren und Informatikern die Innovationskraft schwächen und damit das Wachstum gefährden. Wie bereits der INSM-Innovationsmonitor betont hatte, sieht auch der EFI-Bericht vor allem die Aktivierung von Frauen und Bildungsaufsteigern sowie eine Stärkung der Zuwanderung hier als wichtige Handlungsempfehlungen an die Politik. Im Unterschied zum EFI-Gutachten betont der INSM-Innovationsmonitor aber auch die Bedeutung der beruflichen Bildung.

Entscheidend für den gesamtwirtschaftlichen Fortschritt und die Zukunftssicherung eines Wirtschaftsraumes ist die Tiefe und Breite, mit der Innovationen hervorgebracht werden. Für die wirtschaftliche Dynamik einer Volkswirtschaft sind verschiedene Innovationstypen entscheidend: Zum einen die Gruppe der Technologievorreiter, beispielsweise junge Innovatoren aus der Spitzentechnologie, zum anderen aber auch die Gruppe der Innovatoren ohne eigene Forschungs- und Entwicklungstätigkeit. Die Innovationsmuster reichen von „Science, Technology and Innovation“ bis zu „Doing, Using and Interacting“. Der EFI-Bericht betont mit Bezug zu den Spitzen- und Hochtechnologieunternehmen die besondere Bedeutung von MINT-Akademikern. Die in diesen Bereichen steigenden Engpässe gefährden Innovation und Wachstum in Deutschland. Daneben – und dies zeigt die Unternehmensbefragung des INSM-Innovationsmonitors – sind zusätzlich breite berufliche Qualifikationen für den Innovationserfolg von hoher Bedeutung, insbesondere bei den inkrementellen Innovationen. Der Innovationsmonitor betont hingegen, dass eine erfolgreiche Innovationspolitik bereits bei der Bekämpfung von Bildungsarmut und Sicherung der Ausbildungsreife beginnt.


Das EFI-Gutachten 2012 finden Sie hier.

Die Studie “Innovationsmonitor 2012: Die Innovationskraft Deutschlands im internationalen Vergleich” finden Sie hier.

  • Autor

    Prof. Dr. Axel Plünnecke

    ist stellvertretender Leiter des Wissenschaftsbereichs Bildungspolitik und Arbeitsmarktpolitik und Leiter des Kompetenzfelds Humankapital und Innovationen beim Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW).

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  • Diese Notwendigkeiten konlfigieren heftig mit dem Versuch vor allem des BMFSFJ durch ein intensives Rühren der Werbetrommel, mehr Männer in die “KITA” zu bekommen, als Erzieher. Mir scheint die Politik in dieser Hinsicht den Gipfel der Abstrusität erreicht zu haben: Wenn MINT-Fächer belegt werden, dann werden sie nach wie vor häufiger von männlichen Studenten belegt, aber männliche Studenten sollen jetzt verstärkt gewonnen werden, um Erzieher in der “KITA” zu werden. Von männlichen Studenten wissen wir, dass sie lieber Erzieher in der “KITA” werden (im Aggregat betrachtet), als dass sie MINT-Fächer belegen, aber ausgerechnet sie sollen für MINT-Fächer gewonnen werden.

    Bin ich der einzige, der diesen Gender-Ideologischen-Schwachsinn als solchen ansieht? Wäre es nicht an der Zeit, den Damen (BMFSFJ, BMAS) in den Ministerien zu vermitteln, dass man Ressourcen nur einmal und nicht mehrmals verteilen kann oder “that there’s no free lunch”?

  • Wenn man mehr MINT Akademiker möchte, dann sollen die Löhne steigen.Weiterhin soll man erklären, wenn es denn einen Engpass gäbe, wieso 50% der ausgeschriebenen Stellen im MINT Bereich befristet und/oder auf Leiharbeitsbasis sind. So schlimm kann es also nicht sein.

  • MINTler

    MINT-Akademiker sind zu rund 90 Prozent unbefristet beschäftigt.
    Die Einstiegslöhne von MINT-Akademikern sind nach einer neuen HIS-Studie in den letzten Jahren stark gestiegen. Ein Problem für den Arbeitsmarkt und das Wachstum besteht eher darin, dass zuviele Studierende abbrechen.

  • Surp

    Das Problem besteht eher darin, dass der Großteil der Mints (ich finde den Nemn passender nur wegen der Rechtschreibung) “jobs” ausüben die man überhaupt nicht benötigen würde.

    Ich sag nur Banken und Versicherungen.

    Ich kann auch bis 3 zählen, sollte wohl dafür reichen, was die Meisten von euch tatsälich leisten.

    Aber so ist unsere Welt!

  • Kammerjäger

    Ich habe selber einen MINT Abschluss (und einen im BWL), arbeite aber im typischen BWL Bereich: Bessere Arbeitsbedingungen, geringere fachliche Anforderungen, besseres Sozialprestige, geringes Risiko der Arbeitslosigkeit wegen geringerer Spezialisierung und besser bezahlt. Wenn die MINT Tätigkeiten so wichtig sind, dass sollte man sich fragen, warum dann die Karriere in den meisten Unternehmen in diesem Bereich unattraktiv ist, und daran nichts gemacht wird?

  • Joachim

    Super, dann bilden wir nur noch MINTs aus. Das ist ohnehin eine Tendenz…

  • MINTler

    Die MINTler sind keine homogene Einheit. Wirtschaftsingenieure, Maschinen- und Elektroingenieure verdienen glänzend. Viele machen gerade im Mittelstand Karriere. Und ein Einstiegsgehalt eines Ingenieurs bei VW, Siemens und anderen Großunternehmen – da träumen fast alle anderen Akademiker davon.

    In Banken arbeiten Mathematiker und Physiker und verdienen auch sehr gut. Wenn bei @Kammerjäger die Arbeit sehr leicht ist, mag das sein. Meine ehemaligen Kommiltonen in Banken haben da sehr komplexe Aufgaben. Und deren Image ist im Vergleich zum Ingenieur bei Porsche inzwischen eher bescheiden.

    Zum Thema Arbeitslosigkeit differenziertes Bild bei MINT: Bei Elektroingenieuren und Maschinenbauingenieuren ist quasi Vollbeschäftigung. Bei Biolog(inn)en sieht es eher nicht so gut aus.