Das höchste Ziel des Kapitals ist nicht, Geld zu verdienen, sondern der Einsatz von Geld zur Verbesserung des Lebens. Henry Ford, 1863-1947, US-amerikanischer Unternehmer

6 ArbeitsmarktBildungEuropaWachstum

Europa 2020: Bildung als Wachstumsstrategie

Die Wachstumsstrategie “Europa 2020” der EU setzt auf Bildung und Forschung. Die Industrie soll in Zukunft vor allem wissensbasiert und innovativ sein. Dafür ist Bildung die Voraussetzung. Kann in diesen Bereichen die Qualität in Europa verbessert werden, hat das nicht nur für die Mitgliedstaaten, sondern für ganz Europa eine stabilisierende Wirkung.

(mehr …)

Ist es Zufall, dass  gerade die krisengebeutelten südeuropäischen Länder in Forschung und Entwicklung schlecht sind? In den drei von der EU ausgewiesenen Indikatoren ihrer Wachstumsstrategie „Europa 2020“ schneiden Spanien, Portugal, Griechenland und Italien unterdurchschnittlich ab. Lediglich beim Anteil der Hochschulabsolventen schert Spanien aus der Gruppe aus und zeigt mit rund 40% einen ausgesprochen hohen und die Zielvorgaben der EU erfüllenden Ausbildungsstand an. Bei einer Arbeitslosigkeit von derzeit über 20% sind aber selbst für die Akademiker im Land die Perspektiven düster.

Mit der Wachstumsstrategie „Europa 2020“ will die EU vor allem in drei Punkten das Bildungsniveau in Europa erhöhen und die Unterschiede nivellieren:

  • Investitionen in Forschung und Entwicklung sollen 2020 einen Umfang von 3 % des BIP erreicht haben.
  • Die Schulabbrecherquote soll von derzeit 15% auf unter 10 % reduziert werden.
  • Der Anteil der Hochschulabsolventen an der Gesamtbevölkerung soll von 31% auf 40 % erhöht werden.

Diese Ziele sind von erheblicher Bedeutung für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Europa. Schließlich hängt die Fähigkeit, Strukturwandel und Krisen möglichst unbeschadet zu überstehen, auch maßgeblich von guter Forschung und einem guten Bildungssystem, bzw. einem guten Bildungsstand der Bevölkerung ab.

Die Leitlinien für Industriepolitik der Wachstumsstrategie „Europa 2020“ teilen die Mitgliedsstaaten in vier Ländergruppen ein. Die Gruppe mit der Bezeichnung „arbeitsintensive Industrie mit niedriger Wissensintensität“ besteht aus den südeuropäischen Mitgliedsländern und spiegelt eines ihrer grundlegenden Probleme wider. Aufgrund ihrer schwachen Innovationsfähigkeit sind Strukturwandel und Krisen für diese Industrien problematischer. Wissensbasierte und technologisch fortgeschrittene Industrien, wie sie vor allem in Mittel- und Nordeuropa bestehen, sind hingegen krisenresistenter. Der Unterschied besteht in der Innovationskraft. Innovationen sind nicht nur Wachstumstreiber und damit Verursacher von Strukturwandel, sondern dienen auch als vorwärts gerichtete Entwicklungspfade. Der Wechsel zu mehrheitlich innovativen, wissensbasierten Industrien ist daher auch Teil der Wachstumsstrategie der EU.

Innovationsstarke Industrien benötigen gut ausgebildete Fachkräfte und ein hohes wissenschaftliches Potential. Die schnellstmögliche Erreichung der Zielvorgaben der EU-Wachstumsstrategie im Bereich Forschung und Bildung stärkt also die Stabilität der Mitgliedsstaaten und ist ein wichtiger Baustein für ein zukunftsfähiges und wohlhabendes Europa. Investitionen in Forschung und Bildung steigern in erster Linie die Lebensqualität der Menschen, indem ihnen eine gute Ausbildung mehr Chancen für eine freie Lebensentfaltung bietet. Außerdem ist eine wissensbasierte Industrie die Grundlage für nachhaltiges Wachstum und die Bewältigung bevorstehender Krisen.


Mehr Informationen zur Wachstumsstrategie „Europa 2020 – Die Wachstumsstrategie Europas“.

Dies ist ein Beitrag aus der Reihe “WachstumsBlog”. In einem bis zwei Beiträgen pro Woche beschäftigen sich Wirtschaftsexperten im ÖkonomenBlog mit Themen rund um nachhaltiges Wachstum.

Sie wollen keinen Beitrag des WachstumsBlogs verpassen? Dann abonnieren Sie die Beiträge mit diesem RSS-Feed!

  • Autor

    Markus Mill

    ist wissenschaftlicher Mitarbeiter des Direktors beim Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW).

    Alle Beiträge

  • Surp

    Der Großteil der Stundeten studiert aber parasitäre Fächer wie Jura oder BWL etc. (Musik und Kunst wären nicht so schädlich für den Wohlstand der Bevölkerung), daher ein schöner Traum und die wollen alle ihren Einkommensplatz, obwohl sie niemals einen produktiven Beitrag in ihrem Leben leisten können.

    Darf man das eigentlich in einem Ökonomenblog sagen?

    Den einzigen, den ich hier derzeit noch einigermaßen ernst nehmen kann, ist Herr Straubhaar, immerhin hat er angefangen darüber nachzudenken, dass vielleicht vieles an was er “geglaubt” hat Schwachsinn ist.

  • LiFe

    Lieber Surp, wenn sie nur wüssten, wie es mit dieser Kunst steht. (Musik/Kunst). Lange vor der Krise, dabei deutete alles auf eine bevorstehende Krise hin, hätten einige Leute sich Grillparzers Intuition angeeigenet, der immerhin 100 verausschauend urteilen konnte wohin die Menschheit sich bewegen wird, wenn…

    Alleine an Musikschulen wurden Einkünftte wie Gehalt auf Honorarbasis umgewandelt. Wer Musiker oder Komponist der E-Musik ist, hat Ärger mit einer Gesellschaft, die rigoros ist. Darum hört man auf Weihnachtsmärkte kaum Kling Glöckchen. Wer will heute noch Musiker werden?

    Kunst ist noch brotloser.

    Journalisten geht es nicht besser. Es sind überwiegend freie Mitarbeiter, die stets abrufbereit sein müssen und mehr als 60 Stunden in der Woche arbeiten.
    Für einen Hungerlohn. Auch auf Honorarbasis! Ach ja Fotographieren müssen sie auch können. Noch erschwinglicher.

    Neulich traf ich einen Biologen. Promoviert und eigentlich für Forschungsdienste äußerst geeignet. Da er eine Familie gegründet hat flüchtete er sich lieber mit/trotz seiner Intelligenz in den Schuldienst, da ihm die Stelle primo: (zukunfts)sicherer war. Secundo: schien ihm die freie Marktwirtschaft oder andere Einrichtungen (Institut) unberechenbar zu sein.

    Was Fleiß und Mitarbeit betrifft: Gerne würde der Mensch sich einbringen, nur muss für ihn auch ein abgesicherter Arbeitsplatz geschaffen werden.

  • Markus

    Die Ziele sind bemerkenswert, sagen jedoch nichts über eine Qualitätssteigerung aus. So sehe ich bei Hochschuldozenten & Professoren, dass gerne “gute” Noten vergeben werden, damit die Studenten keine Nachprüfung ablegen müssen – Denn dies wäre zusätzlicher Aufwand und die Statistik der Hochschule würde ins Taumeln geraten (vor allem private Institutionen mit wirtschaftlichen Motiven). Bedeutet: Die Studenten & Schüler werden dadurch nicht besser, nur die Statistik. Dies ist schon seit Jahren gängige Praxis. Deshalb stehe ich solchen Zielen recht kritisch gegenüber.

    SURP
    Parasitäre Fächer würdeich so nicht stehen lassen, sondern eher dann als solche bezeichnen, wenn das Ergebnis so erscheint. Bedeutet, ein BWLer (als Beispiel) kann durchaus produktiv sein. ich würde das nicht vorweg nehmen – denn letztlich entscheidet dies seine künftige Tätigkeit und nicht sein Studium.

    Im Grundsatz sehe ich auch keinen Fachkräftemangel, sondern die Ursache in zwei deutlichen Indizien:
    1. Bildungsinflation: auch für einfache Tätigkeiten werden höhere Voraussetzungen definiert
    2. Sicherheit: Arbeitnehmer sind bereit auf Lohn zu verzichten, wenn Sie hierfür Arbeitsplatzsicherheit erlangen. Dies ist aber nicht gegeben (es wird mit der latenten Angst gearbeitet). Entsprechend entscheiden sich Arbeitnehmer genau für diese Unternehmen, welche die Sicherheit bieten. Also ein Umverteilung.

    Man könnte weiterhin noch mit der Work-Life Balance geschichte argumentieren. Freizeit und Familie sind wieder wichtiger geworden (vielleicht auch Dank der Krise). Man möchte also keine 70 Stundenwoche – egal wie hoch das Einkommen ist.

    das Biologenbeispiel von LIFE beschreibt dies eigentlich ziemlich genau.

  • Surp

    Naja wenn ein BWLer Maurer oder Farbikarbeiter wird, kann er evtl. gesellschaftlich sinnvoll produktiv tätig sein, außer er baut Bürogebäude oder Bürostühle.

    Ich will damit etwas ganz anderes sagen: Wir bilden Parasiten aus und diese Menschen sind nicht gut oder böse, aber sie sind nutzlos oder richten einen hohen Wohlstandsschaden an, da sie zwangsläufig Ressourcen verschwenden, die man sinnvoller einsetzten könnte.

    Irgendwie haben wir den Blick für sinnvolle Arbeit und Bildung fast komplett verloren.

    Die Schuld daran tragen fast ausschließlich Juristen und Wiwis bzw. ihre verrückten Vorstellungen von Freiheit und Wohlstand.

    Wir müssen uns einfach fragen wie soll unsere Zukunft aussehen, wie wollen wir miteinander umgehen, was ist Leistung und was ist Wohlstand etc.?

    Die letzte und wohl inzwischen die entscheidende Frage, brauchen wir tatsächlich Wachstum in seiner derzeitigen Defintion?

    Ich sage nein, dieses Wachstum führt uns in die Apokalypse (auch wenn das polemisch klingt)!

  • Ist auch nur so ein Spruch!
    Viele Länder haben ausgezeichnete Bildungssysteme und trotzdem hohe Arbeislosigkeit.

  • Markus

    @ lena
    Ist richtig, da die Beziehung zwischen Arbeitslosigkeit und Bildungssystem eben nicht zwingend positiv korreliert (nur in manchen Ländern/ Regionen).
    Vgl. Strukturelle Arbeitslosigkeit – Was helfen viele Schulen/ Unis wenn keine Arbeitgeber vor Ort sind? Die Leistungsträger verlassen das Land/ Region. In genau diesen Regionen/ Ländern haben wir auch den berühmten Fachkräftemangel, da diese Regionen eben nicht sehr anreizkompatibel sind.
    Daraus jedoch eine allgemeingültige Ableitung zu erstellen führt zu Fehlindikatoren resp. Fehlannahmen mit den Folgen der unangemessenen Reaktion (siehe disskutierter Fachkräftemangel für Deutschland im Gesamten).