Der Griff in die Staatskasse entspricht nicht den Prinzipien des ehrbaren Kaufmanns, des redlichen Bürgers. Paul Kirchhof, *1943, ehem. Bundesverfassungsrichter

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Heilsamer Ölpreisschock

Der Ölpreis steigt und die Gefahr einer höheren Preissteigerungsrate wächst im Gleichschritt. Sogar eine Rezession ist dadruch denkbar. Trotzdem  heißt es jetzt: Ruhe bewahren und die Preissignale nicht unterdrücken. Denn ein hoher Ölpreis hat auch sein Gutes.

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Seit 2011 steigt der Ölpreis steil an. Anders als in den Jahren 2005 bis 2008 liegt dies jedoch nicht an der erhöhten Nachfrage  aufgrund der guten Weltkonjunktur, sondern an der politisch angespannten Situation im Nahen Osten. Es herrscht die Angst vor einer plötzlichen Angebotsverknappung.

Der steigende Ölpreis ist ein reales Risiko für die Konjunktur im europäischen Raum. Die ökonomische Wirkungskette hierbei ist klar: Der steigende Ölpreis schlägt sich in den Energiekosten der Unternehmen wieder – die Güterpreise steigen und die reale Kaufkraft sinkt. Am Ende gefährdet das dringend benötigte Wirtschaftswachstum. Zwar ist dieser Effekt schwächer als in den siebziger Jahren, weil in Deutschland die Ölabhängigkeit deutlich geringer geworden ist. Doch auf Grund der stärkeren Abhängigkeit vom Öl in den USA, könnte ein hoher Ölpreis die Konjunktur dort bremsen, was am Ende auch uns treffen würde. Zudem besteht die Gefahr, dass die Kaufkrafteinbußen durch Lohnsteigerungen ausgeglichen werden. Es droht eine „Lohn-Preis-Spirale“, die zu hoher Inflation führen könnte. Die EZB wäre in diesem Fall gezwungen dem entgegenzusteuern, indem sie die Zinsen, entgegen der jetzigen Politik, erhöht. Die Folge wäre eine schwächere Investitionstätigkeit der Unternehmen und ein Einbruch der europäischen Konjunktur.

Die Politik ist alarmiert und will gegensteuern. Laut wird über eine Senkung der Mineralölsteuer oder eine Erhöhung der Pendlerpauschale nachgedacht. Was die Autorfahrer freuen würde hätte aber fatale Fehlanreize zur Folge. Durch Steuerreduktion würde der Preis, als Knappheitsindikator eine Fehlinformation senden. Die Energiesparmaßnahmen würden zu gering ausfallen und die zukünftige Ölintensität wäre zu hoch. Steigende Ölpreise würden uns in Zukunft noch härter treffen. Eine Steuerreduktion heute, ist der Ölpreisschock von morgen.


Dieser Beitrag ist als Langfassung in der WirtschaftsWoche erschienen.

  • Autor

    Prof. Dr. Michael Bräuninger

    ist als Professor an der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg und als freier Autor und Berater im Bereich Economic Trend Research tätig.

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  • “Die EZB wäre in diesem Fall gezwungen dem entgegenzusteuern, indem sie die Zinsen, entgegen der jetzigen Politik, erhöht. ”

    Was soll das bringen? Indem ich die Geldmenge reduziere, reduziere ich doch nicht die Preise des Öls. Eine Zinserhöhung funktioniert bei solch einer Preissteigerung nicht.

  • Markus

    “..sondern an der politisch angespannten Situation im Nahen Osten.”
    Das ist leider nur die halbe Wahrheit. Ein großer teil der Preissteigerung ist – wie so oft – den spekulativen Maßnahmen geschuldet, und gleichzeitig erfolgte eine “versteckte” Preiserhöhung an den Zapfsäulen. Dies können Sie leicht nachrechnen.

    “Durch Steuerreduktion würde der Preis, als Knappheitsindikator eine Fehlinformation senden”
    Nicht jede Unternehmung kann die Sofortinvestition tätigen, um dies zu kompensieren. Fakt ist, dass wir in Deutschland eine enorm niedrigen Benzinpreis haben – wenn man die staatlichen Belastungen nicht betrachtet. Fakt ist weiterhin, dass der größte Nießnutzer einer Ölpreiserhöhung der Staat ist – durch steigende Steuereinnahmen. Fakt ist, dass viele Konsumenten keine annehmbare Substiturionsmöglichkeit haben, zB auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen.
    Fakt ist, dass die Besteuerung der Kraftstoffe DOPPELT verzinst wird. Fakt ist auch, dass Sie sich beim Verfassen ihres kleinen Artikel eben nicht die Zusammensetzung des Bezinpreises angeschaut haben.
    Und letztlich gibt es für diese unsäglichen Kraftstoffpreise nur eine Option: Der Staat muss endlich die enormen Belastungen mindern, die jedem Pendler zugemutet werden. Dies würgt unsere Wirtschaft ab. Aber immerhin, für die Umwelt ist es ja so toll….global betrachtet ist dies völliger Unsinn.
    Kraftstoffe sind notwendige Güter für die Industrie und den Konsumenten, unsere Politik behandelt Kraftstoffe jedoch wie demeritorische Güter. Ein Widerspruch in sich.