Eine freiheitliche Wirtschaftsordnung kann auf die Dauer nur dann bestehen, wenn und solange auch im sozialen Leben der Nation ein Höchstmass an Freiheit an privater Initiative und Selbstvorsorge gewährleistet ist. Ludwig Erhard, 1897-1977, deutscher Wirtschaftsminister, Bundeskanzler

14 EuropaFinanzmarkt

Die Brandmauer aus Zunder, eine Billion Euro groß

Selbst 700 Milliarden sind jetzt nicht mehr genug. Die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, OECD, fordert die Rettungsfonds ESM und EFSF auf mindestens eine Billion Euro aufzustocken. Doch die “Mutter aller Brandmauern” birgt hohe Risiken und könnte sich als Zunder für einen Flächenbrand erweisen.

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Eine Billion: Die Zahl kursiert immer wieder. Kein Wunder: Eine Billion klingt natürlich runder als 850 Milliarden. Und nun hat auch die OECD nach dem Mega-Mega-Schuldenschirm gerufen. Angel Gurría, der OECD-Generalsekretär, will “die Mutter aller Brandmauern” errichtet wissen.

Sprache kann verräterisch sein. Das von Gurría verwendete Bild stammt aus dem Krieg. So wie amerikanische Soldaten eine bunkerbrechende Superbombe “Mutter aller Bomben” getauft haben; wirkt diese falsche Brandmauer. Sie ist aus hochentzündlichem Material gebaut, inflationär geschöpftem Papiergeld. Da kann die “Mutter aller Brandmauern” noch so hoch, so breit, so tief sein. Schon bald wird durch weitere Spekulation auf Staatsinsolvenzen und Bailouts die Lunte an den Billionen-Schuldenschirm gelegt. Dann wird sich herausstellen, was schon bei den vorherigen Schuldenpaketen und -schirmen zu beobachten war: Brandmauern aus Zunder verschlimmern das Feuer und legen alles in Schutt und Asche.

Sprache kann aber auch verschleiernd sein. Was ist denn überhaupt eine Billion? Es ist eine Million mal eine Million. Oder tausend mal tausend mal tausend mal tausend. Es ist eine unfassbare Zahl. Wir können sie uns zumindest ansatzweise vorstellen, wenn wir uns vor Augen führen, dass mit dieser Summe alle Einwohner von Köln auf einen Schlag zu Millionären gemacht werden könnten.

Wenn so viel Geld da ist, dass alle Millionäre sein können, sind die Millionen wertlos. Auf dem Weg dorthin ziehen wir aber immer tiefere Gräben zwischen den Europäern. Die sind so tief, dass man sie auch mit Fantastilliarden nicht zuschütten könnte.

  • Autor

    Frank Schäffler

    war bis 2013 Abgeordneter der FDP-Fraktion im Deutschen Bundestag.

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  • Tim

    Würde mich sehr freuen, wenn Frank Schäffler eine seriöse liberale Partei gründet. Genau so etwas fehlt in Deutschland.

  • “Was ist denn überhaupt eine Billion? Es ist eine Million mal eine Million. Oder tausend mal tausend mal tausend mal tausend. Es ist eine unfassbare Zahl.”
    Da Geld etwas fitives ist, sehe ich das Problem nicht.

    “Wenn so viel Geld da ist, dass alle Millionäre sein können, sind die Millionen wertlos.”
    Wir haben 10 Billionen als Vermögen in Deutschland. Sind die Millionen deshalb nichts Wert? Was sie vergessen ist, dass die 1 Billionen bereits existiert. Es geht nur darum dafür zu sorgen, dass sie nicht verloren geht. Die Kredite sind gezahlt, dass Geld ist im Umlauf. Wenn die Brandmauer (in dieser Höhe brechtigt oder nicht) nicht exisitiert und die Südeuropäer pleite gehen, dann verlieren die Sparer 1 Billionen Euro an Vermögen. Das heißt ihre Köllner Millionäre wären pleite.

  • Frank Schäffler sollte gemeinsam mit anderen ESM-krit. MdB’s umgehend aus der Partei austreten, aber den MdB-Sitz auf jeden Fall behalten! Sie sollten eine gemeinsame Gruppe/Fraktion unabhängiger MdB’s bilden. Damit fiele Merkel’s Regierung um. Es gäbe ggf. eine große Koalition und trotzdem den ESM, aber Gauck könnte das Gesetz blockieren. Es braucht im Parlament eine 2/3tel Mehrheit, um den ESM zu beschließen. Kontaktieren Sie ihre Abgeordneten-MdB’s aus Ihrem Wahlkreis, nerven Sie deren Sekretärinnen, sagen Sie, dass sie den ESM nicht wollen. Würden Schäffler et al. austreten, wäre das ein Fanal. Und JEDER Bürger würde die Austretenden beim nächsten Mal wählen. Diese MdB’s müssten nur eine Partei a la UKIP/England gründen. Damit wäre Ex-FDJ-Sekretärin Merkel weg vom politischen Wahlurnen-Fenster. Lasst und wieder Bürger sein! Lasst uns alle Gaucks werden!!

  • Christian

    Die einzig wahre liberale Partei ist die Partei der Vernunft!!

  • Nun gut, das ist eine eher sprachkritische, leicht esoterisch angehauchte Kritik am Rettungsschirm. Der Rettungsschirm verschlimmert also die Lage? Ist Schaeffler auch in der Lage, dies argumentativ zu untermauern? Es findet sich im Text kein einziges oekonomisches Argument. Das ist schwach!

    Das Problem besteht darin, dass die bisherigen Rettungsschirme fuer kleine Laender wie Griechenland, Irland und Portugal ausreichen. Spanien dagegen hat Schulden von deutlich mehr als einer Billion EUR. Sobald das Land gezwungen sein wird, unter den Rettungsschirm zu fluechten, waere dieser tatsaechlich zu klein.

    ich empfehle folgendes zur Lektuere: http://blog.tagesanzeiger.ch/nevermindthemarkets/index.php/7324/die-wahre-bombe-liegt-in-spanien/

    Das Problem von Rettungsschirmen dieser Groesse liegt darin, dass sie sich letztlich ueber das Grundkapital hinaus auch am Markt finanzieren. Der ESM macht nichts anderes als sich Bonitaet zu borgen, und zwar groesstenteils von Deutschland – dem einzigen grossen Euroland, das noch Triple-A hat. Sobald der Rettungsschirm zu gross wird, ist diese Bonitaet aber in Gefahr. Das Resultat waere, dass der Rettungsschirm ganz genau wie Spanien, das er eigentlich retten soll, Probleme bekommt sich an den Maerkten zu annehmbaren Konditionen zu refinanzieren.

    Da die derzeitige Sparpolitik Spanien in eine Rezession bisher ungekannten Ausmasses stuerzen wird – man koennte auch sagen, der “erfolgreiche” griechische Weg (minus 11% Wachstum in 2 Jahren, totaler oekonomischer Zusammenbruch) wird nun auch in Spanien gegangen – ist absehbar, dass Spanien unter den Rettungsschirm fluechtet. Das koennte bereits in ein paar Wochen geschehen. Der einzige Ausweg besteht letztlich darin, die ganzen Rettungsschirme abzuschaffen und stattdessen die EZB direkt einspringen zu lassen. Dann bleiben die Zinsen fuer Staatsanleihen niedrig, fuer Konsolidierung ist mehr Zeit und die unmittelbare Krise waere ueberwunden. Dass dieser Weg nicht gegangen wird, liegt einzig und allein an der ideologischen Verbohrtheit insbesondere deutscher politischer und wirtschaftswissenschaftlicher Kreise. Haben die sich schon mal gefragt, warum es keine Dollar-, Pfund- oder Yenkrise gibt, obwohl Amerika, Grossbritannien und Japan teilweise viel hoeher verschuldet sind, als die meisten Eurostaaten? Tja, die haben eben Zentralbanken, die tun, was Zentralbanken eben tun. Die USA wachsen uebrigens wieder, waehrend Europa in der selbstverschuldeten Sparwahn-Rezession versinkt. God bless the USA!

  • Surp

    Geld ist beliebig vermehrbar, ich versteh daher die ganze Diskussion überhaupt nicht.

    Das was daran traurig ist, dass jemand Geld erfindet und dafür Realgüter erwerben kann, schade, dass das nicht jeder Mensch kann.

    Wo ist nun der Fehler und wer ist schuld?

  • Zentralbanker

    die EZB ist bereits jetzt rechnerisch Pleite, wenn sie die Griechenbonds zum Marktwert bewerten würde. Was soll die noch retten?
    Das was die USA hervorragend können, ist über ihre Medienmaschinerie von den eigenen Problemen ablenken.
    Sieh dir mal die USA genauer an: die sind Pleite! 40 Millionen Bürger sind von Lebensmittelmarken abhängig etc. (http://www.wiwo.de/bilder/ausland-zehn-unangenehme-wahrheiten-ueber-die-usa/4706306.html). Mich wundert es, dass es noch zu keinen gröberen Aufständen gekommen ist, aber dazu sind sie zusehr vom “American Dream” gebrainwashed worden.
    Das letzte was den Amis noch bleibt ist der Dollar und der wird militärisch verteidigt, damit das Öl weiter in USD abgerechnet wird…

  • Für Merkel, Schäuble und Rösler hat diese Brandmauer die Wirkung einer Atombombe. Die sollten uns mal ihre Sprüche erklären.

    http://rundertischdgf.wordpress.com/2012/03/30/endlich-verfugen-auch-merkel-rosler-und-schauble-uber-atombomben/

  • @ Zentralbanker

    Angesichts ihrer Pseudonyms sollten sie eigentlich wissen, dass Zentralbanken nie pleite im eigentlichen Sinne gehen können. Geld wird aus dem Nichts geschöpft, und in diesem Nichts gibt es mehr als alle Schulden der Welt.

    Den USA geht es gewiss nicht hervorragend. Sie fahren aber eine intelligentere Politik als das die Europäer derzeit tun. Eine Gläubigerpanik, die den Staat in die Pleite führt, kann dort nicht passieren. Übrigens hatten die USA schon einmal eine viel höhere Verschuldung als heute. Nach dem Zweiten Weltkrieg nämlich. Damals sind sie über eine konsequente Wachstumspolitik, die übrigens auch massive Geldtransfers (Stichwort Transferunion) über den Marshallplan beinhaltete, aus dem Schuldturm herausgewachsen. Jedenfalls hat Washington damals angesichts von 120% Staatsverschuldung (http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/d/d7/USDept-de.png) keine extreme Austeritätspolitik gefahren wie dies auf Druck Berlins heute in Europa passiert.

  • @Sozialdemokraten gegen den Fiskalpakt

    Schönes Bild über die Verschuldung in den USA. So weit ich mich erinnere startete diese erst richtig in den 50er und 60er Jahren. Das heißt Schulden können abgebaut werden. Allerdings darf man nicht vergessen, dass es dort eine über 70%ige Spitzensteuer und vieles mehr gab, was die Ungleichheit der Wohlstandsverteilung reduzierte. Offensichtlich sorgten diese Steuern auch dafür, dass das Haushaltsdefizit auch nominell sank. Dennoch sind bei all den Schuldenbremsengesprächen höhere Steuern für die Spitze nie im Gespräch.

  • @ chriwi

    Francois Hollande hat einen Spitzensteuersatz von 75% ja nicht zu unrecht ins Spiel gebracht. Die Frage ist, ob die kleinen Leute die Krisenfolgen und den Schuldenabbau bezahlen, oder ob die Lasten gerecht verteilt werden. Statt des ökonomisch unsinnigen Fiskalpakts bräuchte es einen europäischen Steuerpakt, der Steuerdumping verhindert. Dann klappt’s auch mit dem Schuldenabbau ohne dass die Wirtschaft völlig zusammenbricht wie augenblicklich in Griechenland, Portugal und Spanien.

  • @Sozialdemokraten gegen den Fiskalpakt
    Keine Frage. Man muss zusammenarbeiten. Das ist innerhalb der EU aber scheinbar nur bedingt gewünscht. Anstatt sich gegen den Weltmarkt zu wappnen, kämpft man lieber auf dem europäischen Binnenmarkt gegeneinander.

  • Das europäische Wirtschafts- und Währungssystem wird wie das amerkanische in Rauch aufgehen.

    In einer Welt, in der eine Billion Euro zur Rettung der Banken zur Verfügung stehen, aber die 0,00007 Billionen für eine Schlecker-Auffanggesellschaft abgelehnt werden, müsste ein Aufschrei durch das Land gehen. Das ist Sozialismus, Sozialismus nur für die Wohlhabenden!

    Der Kapitalismus funktioniert, aber im Kapitalismus sind Banken, die pleite sind auch pleite und die Bänker müssen stempeln gehen wie die Schlecker-Mitarbeiterinnen.

    Die Dikatatur ist nicht ganz ausgereift, sie übt noch!

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