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05.04.2012 Wachstum

Schluss mit dem Guten-Unternehmer-Gequassel

Mit der Finanzkrise hat sich das Bild des “gierigen Unternehmers” festgesetzt. “Verantwortungslos” seien viele.  Seit dem wird viel wird diskutiert: Gibt es den guten Unternehmer noch? Und was macht ihn aus? Doch um innovativ und erfolgreich zu sein, haben die Unternehmer keine Wahl.

Das zurzeit ständige Gerede vom „guten Unternehmer“ ist kaum mehr zu ertragen. Natürlich hat das gravierende Fehlverhalten vieler Manager und Unternehmer und die Gier vieler privater Investoren dazu geführt, dass die Welt 2008 in eine unvergleichliche Finanz- und Wirtschaftskrise geraten ist. Aber jetzt den „guten Unternehmer“, den „vir bonus“, den „virtù“, diese Mischung aus Odysseus, Ghandi und Robert Bosch als den Helden einer neuen Wirtschaftsepoche zu feiern, ist langweiliges, sentimentales und fast absurdes Geschwaller. Es wäre etwa so, als ob man plötzlich wieder grüne Äpfel priese, nachdem wir jahrelang lila Äpfel gegessen hätten. Äpfel sind eben genauso wenig lila, wie ein Unternehmer eine amoralische, gierige und verantwortungslose Person zu sein hat.

Und wenn dann – vor allem in der Presse – immer wieder die großen Unternehmertugenden heraufbeschworen werden, ist das weniger ein tatsächlich hehrer Ruf nach Verbesserung, sondern eher ein Armutszeugnis dafür, wie wenig diese so genannten Kritiker Einblick in die Wirtschaftswelt haben, in der Tausende von mittleren und kleinen Unternehmen den lieben langen Tag nichts anderes tun, als sich um ihre Mitarbeiter zu kümmern. Dass müssen sie tun, damit diese in guter und gesunder Arbeitsumgebung qualitativ optimal arbeiten können. Es gibt die guten Unternehmer in Deutschland – zu Tausenden!

Es drängt sich der Verdacht auf: Das Gut-Unternehmer-Gerede soll nichts anderes bewirken, als ein paar einzelne Gestalten in die Schlagzeilen zu bringen und Auflage zu machen – oder besser gesagt Aufträge und Geld. Zum Beispiel beim Meinungsinstitut Forsa. Dieses hat jetzt die Bürger befragt (wie originell!), wie sie sich den „idealen Unternehmer“ vorstellen. In einer Zeit, in der Bürger die besseren Bundespräsidenten stellen, muss das ja ein ziemlich klares und zukunftsweisendes Ergebnis bringen – haben die sich bei Forsa wohl gedacht.

Doch bringt das Ergebnis natürlich nichts Neues: 93 Prozent der Befragten meinen, ein guter Unternehmer müsse offen und ehrlich gegenüber der Belegschaft sein, 91 Prozent glauben, er müsse sich um das Vertrauen seine Mitarbeiter bemühen und für 91 Prozent muss er innovativ sein und für einen Ausgleich zwischen Beruf und Familie sorgen. Ein Ergebnis – so umwerfend neu wie der Untergang der Titanic.

Es sind natürlich Aussagen, die man ernst nehmen muss. Aber nicht, um einen guten Unternehmer zu charakterisieren, sondern um überhaupt unternehmerischen Erfolg zu haben. Denn in einer Welt des Fachkräftemangels und harten globalen Wettkampfs muss jedes Unternehmen alles tun – gerade in seiner Personalarbeit und -führung – um die geeigneten Mitarbeiter zu bekommen. Nur damit wird es innovativ und zukunftsfähig bleiben und wachsen können.

Wir sollten endlich aufhören, darüber zu jammern, was alles sein könnte, wenn die Bedingungen, in denen wir arbeiten und leben müssen, anders wären. Viele Probleme entstehen, dass wir es nicht akzeptieren können, dass die Welt, in der wir momentan leben, nicht so ist, wie wir sie gerne hätten. Wir sollten daher aufhören, weiter von gutem Unternehmer zu träumen (Es gibt ihn!) und ständig den moralischen Kapitalismus zu fordern (den brauchen wir ohnehin!), sondern endlich beginnen, loszulassen von unseren Empfindlichkeiten, uns der Gegenwart zu stellen und einfach unsere Arbeit zu machen.


Dies ist ein Beitrag aus der Reihe “WachstumsBlog”. In einem bis zwei Beiträgen pro Woche beschäftigen sich Wirtschaftsexperten im ÖkonomenBlog mit Themen rund um nachhaltiges Wachstum.

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  • Surp

    “Denn in einer Welt des Fachkräftemangels und harten globalen Wettkampfs muss jedes Unternehmen alles tun – gerade in seiner Personalarbeit und -führung – um die geeigneten Mitarbeiter zu bekommen. Nur damit wird es innovativ und zukunftsfähig bleiben und wachsen können.”

    Gehören sie jetzt dem Reichsminesterium für Propaganda an?

    Es wird niemals einen tatsächlichen Fachkräftemangel geben, das bedingt der logische Menschenverstand.

    Angenommen wir hätten absolute Vollbeschäftigung (nicht den VWL-Quatsch) dann würde ein Unternehmen, wenn die Fachkräfte zu teuer werden, eben woanders produzieren, bei unserem Leistungsbilanzüberschuss, eine extrem erstrebenswerte Entwicklung.

    Achja, wir sind ja nicht mehr im….

    Wir sollten uns darüber klar werden, wer gebraucht wird, damit man den tatsächlichen Wohlstand erhöht und wer nicht (darüber sollten sie nicht nachdenken Herr Roos, aber das wissen sie glaube ich auch).

  • Markus

    In der Wirtschaft kann es immer nur eine oberste Priorität geben: Kapitalismus.

    Ohne Rentabilität und die damit verbunden wirtschhaftlichen Leistungen – sowie Lohnzahlungen – ist ein gutes Unternehmertum nicht möglich.

    Die Diskussion ist richtig, muss aber in jedem Fall aufgrund der simplen Logik immer hinter der Prämisse “Geld verdienen” stehen. Der Versuch, zwischen den beiden Argumenten einen Verbindung herzustellen ist gut und richtig. Doch sind die Unternehmen genauso individuelle wie die Angestellten. Daher sind die Erkenntnisse aus der Umfrage immer spezifisch zu betrachten – denn die Antworten lassen einen sehr großen Interpretationsspielraum offen. Unstrittig ist jedoch, dass sich eine wachsende “Work-Life-Balance” entwickelt hat. Unternehmer, welche dies beherrschen, können auch auf mehr Arbeitskräfte zurückgreifen. Dies ist jedoch unabhängig vom sog. Fachgkräftemangel, denn auch einfache Tätigkeiten müssen zB mit den Familienplanung übereinstimmen.

    Als Beispiel: Arbeitnehmer sind heute bereit auf Lohn zu verzichten, wenn es dadurch eine Beschäftigungsgarantie gibt. Arbeitnehmer sind bereit auf Lohn zu verzichten, wenn die Arbeitszeiten weitgehend flexibel sind. Arbeitnehmer isnd bereit auf Lohn zu verzichten, wenn das Image der Unternehmung hoch ist. Die weichen Faktoren spielen eine enorme Rolle – zugespitzt durch das Internet als anonyme Informationsquelle.

    Dennoch: Angestellte können auch einen Unternehmer als “gut” bewerten, wenn dieser ausschliesslich den Shareholder Value betrachtet. Es kommt eben darauf an!

  • Mücke

    Ehrlichkeit, Vertrauen, Innovativ… beschreiben damit die Befragten einen idealen Unternehmer oder einen idealen Menschen?
    Zu erst sollten doch einmal das wirtschaftliche Gespühr, der Wille Kasse zu machen vorhanden sein, um den Weg zum idealen Unternehmer zu ebnen.
    Und die bösen kaltherzigen Bosse erscheinen beim nächsten Abschwung gar nicht mehr so gemein, wenn Sie ihr Unternehmen gekonnt durch stürmige Zeiten steuern.
    Danke, Herr Ackermann.

  • Surp

    @ Mücke

    Herr Ackermann hat mal eben den Wert seines Unternehmens halbiert, komisch, dass man dafür soviel Geld bekommt.

    Wir beschenken leider die Falschen!

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Der Autor:

Dr. Martin Roos

ist freiberuflicher Journalist. Er arbeitet als Autor, Ghostwriter und Redenschreiber für Unternehmen und Topmanager.

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