INSM – ÖkonomenBlog, Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) Welche Reformen braucht unser Land? Wie erreichen wir mehr Wachstum und Beschäftigung? Experten geben Antworten – diskutieren Sie mit!

 

Wachstumspolitik braucht Willen

Frankreich hat entschieden: Sarkozy ist abgewählt. Der neue französische Staatschef hat im Wahlkampfgetöse die Neuverhandlung des Fiskalpakts angekündigt. Mehr Wachstum, weniger Sparen – so lautet sein Rezept. Dabei ist Sparen und Wachstum kein Widerspruch. Man muss das vorhandene Geld nur anders ausgeben.

„Der Fiskalpakt ist beschlossen und muss jetzt weiterbearbeitet werden“, sagte die deutsche Kanzlerin mit Blick auf den Wahlausgang in Frankreich. Noch ist unklar, welche Punkte im Fiskalpakt neu verhandelt werden sollen. Klar hat der neue Präsident Hollande aber gemacht, dass er für die Einführung der Schuldenbremse in Frankreich nicht viel übrig hat. Das heißt aber sicher nicht, dass der Fiskalpakt wieder aufgekündigt wird. Denn dies wäre das Signal an die Finanzmärkte, dass die EWU die Krise nicht beherrscht. Das wird auch die neue französische Regierung nicht wollen. Dennoch gerät eine tragende Säule des Paktes schon jetzt unter Beschuss. Denn auch eine Schuldenbremse mit Verfassungsrang – angenommen Frankreich würde eine einführen –ist nur so viel wert, wie der politische Wille der Regierung, sich daran auch zu halten.

Präsident Hollande hat recht damit, dass Europa zur Bewältigung der Schuldenkrise auch wachsen muss. Es ist aber ein Fehlschluss zu glauben, dass Sparen und Wachsen nicht im Einklang miteinander stehen. Die schwere Eurokrise hat ihren Ursprung ja gerade darin, dass Regierungen sich übermäßig verschuldet haben. Diese Verschuldung war nicht wachstumsfreundlich, sondern hatte ihre Begründung zuvorderst darin, dass es politisch sehr schwierig ist, wirtschaftspolitische Strukturreformen durchzuführen und verkrustete Märkte aufzubrechen. Wenn es doch gelingt, kann es die Regierung den Arbeitsplatz kosten – das musste Bundeskanzler Schröder nach den sehr erfolgreichen Arbeitsmarktreformen im Jahre 2003 erleben.

Hinzu kommt: Wachstum auf Pump ist nicht mehr möglich, weil die Finanzmärkte jetzt schon einen Bogen um Europa machen. Die Konsequenz ist klar: Man muss die vorhandenen Mittel sinnvoller einsetzen. Streicht man beispielsweise Subventionen und verwendet das gesparte Geld für öffentliche Investitionen, die sich wirklich lohnen -wie z.B. Bildung- wird damit der Grundstein für Wachstum gelegt. Wenn in Deutschland jedes Jahr 10 Prozent der Subventionen nach der Rasenmähermethode gestrichen werden, wären im ersten Jahr 16 Mrd. Euro, im zweiten über 30 Mrd. Euro und im 3. Jahr annähernd 44 Mrd. Euro mehr an Mitteln verfügbar. Weitere Impulse können durch die bereits genannten strukturellen Reformen, z.B. Steuer-Struktur-Reformen und Marktöffnung auf den Arbeitsmärkten, gegeben werden. Politisch ist dieser Weg der schwierigere, und es dauert einige Zeit, bis die Früchte geerntet werden können. Aber es lohnt sich. Letztlich zählt auch hier der politische Wille.


Dies ist ein Beitrag aus der Reihe “WachstumsBlog”. In einem bis zwei Beiträgen pro Woche beschäftigen sich Wirtschaftsexperten im ÖkonomenBlog mit Themen rund um nachhaltiges Wachstum.

Sie wollen keinen Beitrag des WachstumsBlogs verpassen? Dann abonnieren Sie die Beiträge mit diesem RSS-Feed!

  • LiFe

    Dass Wachstum und Sparen kein Widerspruch sei war mir klar. Doch da müsste man Sparen und Ausgaben definieren. Wer spart in der Tat? Der Staat! Auf wen lasten Ausgaben? Die Bürger! Angenommen Bürger Otto von Beruf (nicht relevant) entwickelt eine vielversprechende Innovation. Eine Idee, die jedoch viel Einsatz (Recherchen,Kapital) erfordert. Wie kann Otto so viel Risiko auf sich nehmen? Der Staat spart! Auf Otto lasten Ausgaben, Kürzungen und eine Menge Blockaden!
    Ja, hier hat Wachstum keine Chance. Ideen in Schubladen und das war’s.

    “Sobald ein Geist auf ein Ziel gerichtet ist, kommt ihm vieles entgegen” (Goethe)

  • http://endlessgoodnews.blogspot.com/ chriwi

    “Die schwere Eurokrise hat ihren Ursprung ja gerade darin, dass Regierungen sich übermäßig verschuldet haben.”

    Auch Spanien und Irland? Die Ursache der Eurokrise liegt primär in der Finanzkrise vorher. Wenn Staatsverschuldung ein so großes Problem wäre, warum steht Deutschland besser da, als Spanien obwohl die Schulden dort niedriger waren als die deutschen? Sie machen es sich ein wenig zu einfach Herr Freytag.

    “weil die Finanzmärkte jetzt schon einen Bogen um Europa machen”
    Darum bekommt Deutschland Kredite nahe 0% Zinsen und teilweise mit negativen Zinsen? Da die EZB das Geld der Eurozone “herstellt” sollte das Argument nicht zählen. Schließlich konnten Banken auch ohne weiteres gerettet werden.

    “Subventionen sind Gift. Sie kosten viel Geld, bremsen das Wachstum und richten in der Sozialen Marktwirtschaft erheblichen Schaden an. Jetzt ist es an der Zeit, Subventionen den Garaus zu machen.”
    Das machen sie woran fest? An ihren gut funktionierenden Wirtschaftsmodellen, welche die Finanzkrise so schön vorhergesagt habe?

    Wenn ich 10 Prozent an Subventionen streiche habe ich erst einmal diese 10 Prozent weniger im wirtschaftlichen Umlauf. Es müssen in bestimmten Bereichen Menschen entlassen werden. Somit steigen die Sozialausgaben und die Einnahmen werden sinken. Wenn das Geld nur umgeleitet wird, dann gewinnt man gar nichts. Per se zu behaupten das Subventionen unsinnig seien ist unseriös.

    “Steuer-Struktur-Reformen”
    Sprich Steuersenkungen. Investitionen (eventuell mit Hilfe von Subventionen) haben meist deutlich höhere Multiplikatoreffekte als Steuersenkungen. Vor allem innerhalb einer Krise. Die Menschen werden eher sparen als zu konsumieren. Somit bleibt der Nachfrageimpuls aus oder fällt niedriger aus. Jospeph Stiglitz führt dies sehr ausführlich in verschiedenen Arbeiten aus.

    “Marktöffnung auf den Arbeitsmärkten”
    Eine einfache mathematische Frage an einen Wirtschaftsprofessor. Sie haben 10 Arbeitslose und 2 Jobs. Was passiert, wenn ich die Arbeitsmärkte öffne? Ich hätte immer noch 10 Arbeitslose und 2 Jobs. Das ist nun einmal die Situation in der EU.

  • Kammerjäger

    “Dabei ist Sparen und Wachstum kein Widerspruch.”

    Natürlich ist es das.

    Wenn ich spare, um B zu leihen, dann geht B irgendwann pleite. Wenn ich spare, und ins Ausland verleihe, kann mir B keine Waren verkaufen, die Wirtschaft schrumpft (Gehen Sie mal in ihre Unibibliothek und schlagen sie unter dem Schlagwort “Havelmoo Theorem” nach).

    Der Nexus zwischen Sparen und Wachstum wird sogar noch deutlicher, wenn man im endogenen Geldmodell argumentiert. Dort ist das Wachstum direkt abhängig von der zweiten Ableitung der Schuldenstandes (aller Wirtschaftsteilnehmer).

    Nur wenn sie mit Sparen nur den Staatssektor meinen, dann ist ihre Aussage richtig. Aber auch nur dann, wenn die Deutschen ihren Leistungsbilanzüberschuss reduzieren, d.h. dem staatlichen sparen müsste ein größeres Entsparen des privaten Sektors gegenüberstehen.

  • http://www.mcrass.de Michael Crass

    @chriwi: Spanien und Irland haben sich doch auch verschuldet. Die Rettung der Banken war ein Fehler. Wer solche Risiken eingeht, der muss auch haften. Da finde ich Frank Schäfflers Beitrag “Banken müssen in Konkurs gehen können” sehr hilfreich. Die Staatsverschuldung muss außerdem immer im Zusammenhang mit dem Vertrauen in die Politik und die Fähigkeit zur Zurückzahlung betrachtet werden. Obwohl ich auch denke, dass Deutschlands Verschuldung deutlich zu hoch ist, wird von den Geldgebern Deutschland eben wg der guten Wirtschaftslage besser eingestuft.

    Zu den Subventionen: Auch wenn manche Leute vielleicht der Meinung sind, dass nicht alle Subventionen schlecht sind, so muss man sich doch mal fragen, wie sinnvoll es ist chinesische Firmen zu subventionieren (http://www.n-tv.de/politik/Koalition-stimmt-Solar-Kuerzung-zu-article5881296.html)? Oder wie sinnvoll es ist den Unternehmen Anreize zu geben Produktion auf Nachstunden oder auf Sonn- und Feiertage zu legen? Oder warum man 244 Millionen (2010) ausgibt um Airbus im Wettbewerb mit Boing zu helfen?
    Subventionen werden von allen Bürgern mitfinanziert und helfen nur einigen wenigen Unternehmen, die nur laut genug danach schreien.

  • http://endlessgoodnews.blogspot.com/ chriwi

    @Michael Crass
    Die Verschuldung Spaniens liegt aktuell immer noch unter der von Deutschland. Probleme bekam das Land aufgrund der hohen Zinszahlungen. Diese wurden hochgeschraubt, weil das Vertrauen fehlt. Allerdings bestimmen Agenturen im wesentlichen das Vertrauen, welche unfähig waren eine Weltfinanzkrise kommen zu sehen.

    “Deutschland eben wg der guten Wirtschaftslage besser eingestuft.”
    Deutschland wird besser eingestuft, weil es größer ist. Denn die Probleme hier sind auch offenkundig. Die Exportüberschüsse sind deutlich zu hoch. Wenn die europäischen Krisenländer zahlungsunfähig werden, dann trifft das vor allem deutsche Unternehmen, welche ihre Kredite nicht zurück bekommen.

    “so muss man sich doch mal fragen, wie sinnvoll es ist”
    Natürlich muss man das. Man muss jede Ausgabe auf die Notwendigkeit hinterfragen. Warum subeventionieren wir massiv die Banken? Diese Leihen für 1% bei der EZB und verleihen ohne Risiko für 6-8% an die Krisenstaaten.
    Warum subventionieren wir die FDP, welche mit Steuergeldern gerade Wahlkampfbriefe und Kinowerbespots dreht?

    Sinnvoll können Subventionen dennoch sein. So kann zum Beispiel der Nahverkehr preiswerter gestaltet werden. Das reduziert den Verkehr, schont die Umwelt, reduziert die Belastung der Brücken und Straßen, spart Ressourcen. Kindertagesstätten werden ebenfalls subventioniert. Dadurch setzt man Produktivkräfte frei. Das kann ebenfalls volkswirtschaftlich sinnvoll sein. Auch Grundlagenforschung wird subventioniert. Viele moderne Technologien würde es gar nicht geben ohne diese Form der Finanzierung.

    Das sind nur einige Beispiele. Man muss das Thema Subvention differenziert betrachten.

  • Kammerjäger

    “Warum subventionieren wir massiv die Banken? Diese Leihen für 1% bei der EZB und verleihen ohne Risiko für 6-8% an die Krisenstaaten.”

    Die Subventionierung der Banken ist noch umfangreicher und unmittelbarer: Wenn eine Bank eine Bundesanleihe kauft, dann bucht sie eine Forderung (Anleihe) gegen Verbindlichkeit (Buchung eines Guthabens auf des Girokonto der Finanzagentur). Sie hat sich das Geld vorher nirgendwo geliehen, sondern durch den Buchungssatz erzeugt.

    Für diese Buchung bekommt die Bank Zinsen vom Staat, d.h. dem Steuerzahler.

    Die Höhe kann man überschlägig ich wie folgt schätzen: Schuldenstand des Staates liegt bei etwa 2T, wenn die Hälfte davon bei den Banken liegt (1T), und davon die durchschnittliche Verzinsung bei 3%, liegt die Höhe der unmittelbaren Subventionierung der Banken in Deutschland direkt vom Staat bei etwa 30 Mrd.

  • http://www.mcrass.de Michael Crass

    @chriwi: Wie groß dürfen Exportüberschüsse denn sein? Soll die Politik das festlegen? Das zeigt lediglich, dass Deutschland wettbewerbsfähiger ist. Ich denke auch, dass Deutschlands Abhängigkeit vom Export bzw. eben dem Import anderer Länder zu groß ist.

    Wenn Banken sich billig Geld von der EZB leihen können (ich finde die Zinsen zu niedrig) und dann Geld teuerer an Staaten verleihen, dann zeigt das für mich nur, dass Staaten mit ihren Einnahmen auskommen müssen, um nicht von Ratings abhängig zu sein. Warum sollten Banken eigentlich günstiges Geld der EZB einfach billig an Staaten weitergeben, wenn die Gefahr so groß ist, dass es nicht mehr zurückkommt, also ein Schuldenschnitt notwendig ist? Ich würde Griechenland auch kein Geld leihen.

    Ich vertrete nicht den Standpunkt, dass Bildungs- bzw. Forschungsausgaben gekürzt werden sollten. Allerdings bin ich bez. der Subventionen für Nahverkehr oder Kindertagesstätten anderer Meinung. Wenn man der Meinung ist, dass KiTas ein Bestandteil des Bildungssystems sein sollten, dann kann man sie verpflichtend und kostenfrei machen. Andernfalls sollte man den Eltern auch bei KiTas insofern die freie Wahl lassen, als dass man von Steuergeldern das mitfinanziert. Ich bin hier der Ansicht, dass man dies rein privat organisieren sollte.

    Statt über die Parteienfinanzierung der FDP durch den Staat würde ich mir eher Sorgen über die staatliche Parteienfinanzierung der NPD Sorgen machen.

  • http://endlessgoodnews.blogspot.com/ chriwi

    “Das zeigt lediglich, dass Deutschland wettbewerbsfähiger ist.”
    Es zeigt aber auch, dass sich Deutschland nicht an die Inflationsziele von 2% gehalten hat. Die höhere wettbewerbsfähigkeit ist eine der Ursachen für die Eurokrise. Da die anderen Länder nicht gegenüber Deutschland abwerten konnte, baute sich ein enormes Außenhandelsgefälle auf. Nun zahlen die deutschen Steuerzahler doppelt. Erst verzichten sie auf Löhne (für den Wettbewerb) und jetzt haften sie für die Kreditausfälle (der Unternehmen die ihnen keine angemessenen Löhne zahlen wollten).

    “Warum sollten Banken eigentlich günstiges Geld der EZB einfach billig an Staaten weitergeben,”
    Das ist nicht die Frage. Die Frage ist, warum kann die EZB das Geld nicht direkt leihen? Das Risiko für die großen Banken ist faktisch Null. Das haben die großen Bankenrettungsschirme und die Greichenlandrettung gezeigt.

    “Statt über die Parteienfinanzierung der FDP durch den Staat würde ich mir eher Sorgen über die staatliche Parteienfinanzierung der NPD Sorgen machen.”
    Ich stimme dem zu, aber wer fordert noch mal einen schlankeren Staat?

  • http://www.mcrass.de Michael Crass

    Die Bundesregierung legt kein Inflationsziel fest. Das ist Sache der EZB.

    Wenn die EZB direkt Geld an Staaten verleihen würde, welchen Anreiz hätten die Staaten dann noch zu sparen?

    Die Banken haben bereits Geld verloren. Es ist nur richtig davon auszugehen, dass Staatsanleihen nicht risikolos sind. Entsprechend dem Risiko dürfen sie auch einen Preis (Zins) verlangen. Der Fehler war es die Banken als systemrelevant zu retten, anstatt deren Verluste, wie auch deren Gewinne privat zu belassen. Auf diesem Blog gab es von Frank Schäffler dazu ein gutes Modell.

    Ein schlankerer Staat beginnt nicht zuerst bei den Kosten der Demokratie, das ist für mich ein eigenes Kapitel.

  • http://endlessgoodnews.blogspot.com/ chriwi

    “Die Bundesregierung legt kein Inflationsziel fest.”
    Es wurde innerhalb der Euro Länder mittels Verträge auf 2% festgelegt. Deutschland blieb drunter, die Südeuropäer drüber, im Schnitt war alles gut.

    http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,678880-2,00.html
    http://endlessgoodnews.blogspot.de/2011/10/keynote-lecture-von-heiner-flassbeck.html

    “Der Fehler war es die Banken als systemrelevant zu retten, anstatt deren Verluste, wie auch deren Gewinne privat zu belassen.”
    Nun wurde und wird dies aber gemacht. Damit sind die Zinsen keineswegs ein realistisches Bild der Situation, denn das Risiko durch die Rettungen ist nun einmal sehr niedrig. Das die Banken am Schuldenschnitt stark beteiligt wären ist auch ein Märchen.
    http://www.nachdenkseiten.de/?p=11127
    Die Zinsen werden in erster Linie durch die Ratings bestimmt. Zeigen diese ein schlechtes Bild, dann steigen die Zinsen deutlich an und die Staaten kriegen Probleme. Somit stimmt das Rating. Diese Situation ist absurd.

    Somit ist die Preisfindung vollkommen ausgehebelt und der Preis wird durchs Mitlaufen bestimmt. Die Grundannahme der effektiven Preisfindung an den Märkten stimmt also nicht. Würde diese Annahme zutreffen, dann hätten die Griechen viel früher schlechter bewertet werden müssen. Die Ungleichgewichte innerhalb der Eurozone waren seit Jahren bekannt.

  • Markus

    @Kammerjäger

    “Dabei ist Sparen und Wachstum kein Widerspruch.”

    – “Natürlich ist es das. ”

    Ja, ist es, unter der Prämisse: Gilt nur für die Volkswirtschaft (in der BWL kann es durchaus anders sein) und dass die Ausgaben im Land bleiben. Denn sonst entsteht das Wachstum im Ausland und in der eigenen Bilanz zeigt sich kein Effekt. Global betrachtet stimmt es in jedem Fall.

  • http://www.mcrass.de Michael Crass

    @chriwi: In den Verträgen steht kein Inflationsziel. Wenn ich es irgendwo übersehen haben sollte, bräuchte ich eine Quelle.

    Das Ratingagenturen eigene Ziele verfolgen können und nicht unbedingt seriös sind, ist kein Geheimnis mehr. Dem kann man aus dem Weg gehen, in dem man keine Schulden mehr macht.

  • Surp

    @ Michael Crass

    Wenn man keine Schulden mehr machen möchte bzw. sogar diese zurückführen, was ich auch für richtig halte.

    Wie krass werden die Verteilungskämpfe werden?

    Werden wir dann irgendwann verstehen, dass Wiwis und Juristen nur Schmarotzer sind?

    Das man besser Geld verschenken kann als jeden zu überwachen?

    Das Konzerne enormen Wohlstand kosten, obwohl sie die besten Arbeitsplätze bieten?

    ICH GLAUBE DAS NICHT, DAFÜR SIND WIR NOCH NICHT BEREIT!

  • http://endlessgoodnews.blogspot.com/ chriwi

    Bei der Einführung der EZB wurde ein Inflationsziel festgelegt. Wenn einige Länder es deutlich unterschreiten, dann werden sie natürlich wettbewerbsfähiger und destabilisieren auf Dauer die Währungsunion. Umgekehrt geht es natürlich auch. Wenn einige Länder deutlich über dem Ziel liegen, dann bekommen sie irgendwann Probleme.

    http://flassbeck.de/pdf/2011/August2011/IntereconomicsAug2011.pdf

    “Das Ratingagenturen eigene Ziele verfolgen können und nicht unbedingt seriös sind, ist kein Geheimnis mehr.”
    Wenn dem so ist und das alle wissen, wieso können die Agenturen dennoch die Zinsen für Staatsanleihen beeinflussen? Irgendetwas scheint dann doch auf den Finanzmärkten falsch zu laufen, oder?

    “Dem kann man aus dem Weg gehen, in dem man keine Schulden mehr macht.”
    In einem Kreditbasiertem Geldsystem keine Schulden mehr machen bedeutet im Umkehrschluss, dass es A) kein neues Geld mehr gibt (schlecht, denn wie will man die Zinsen bezahlen?) und B) keine neuen Gläubigerpositionen aufgebaut werden können, sprich die Geldvermögen stagnieren.

  • http://www.mcrass.de Michael Crass

    zu Ratingagenturen: selbsterfüllende Propheteiungen. Das ist die Psychologie der Massen. Aber das sollte man wissen, wenn man sich auf das Spiel einlässt.

    Für zu hohe Schulden gibt es immer noch den Schuldenschnitt. Geld als Gut an sich sollte m.M.n. auch nicht einen so hohen Stellenwert haben, sondern eher ein Tauschmittel. Wer Geld verleiht, muss sich der Risiken bewusst sein.

  • http://endlessgoodnews.blogspot.com/ chriwi

    “Aber das sollte man wissen, wenn man sich auf das Spiel einlässt.”

    Der kleine Mittelständler in Griechenland hat sich nicht auf das “Spiel” eingelassen und verliert trotzdem. Den Arbeitslosen in den USA geht es ähnlich. Es gibt also viele Menschen, welche die Folgen der Fehlspekulationen tragen müssen, obwohl sie sich nicht auf das “Spiel” eingelassen haben.

    “Wer Geld verleiht, muss sich der Risiken bewusst sein.”
    Wenn man die Risiken gleich weiterverkauft, dann braucht man sich dem nicht bewusst sein. Man verdient über Gebühren Geld und nicht über die Zinsen. Aus diesem Grund war die Kreditvergabe der Banken in den USA auch so leichtfertig. Man konnte sich nicht vorstellen, dass so viele Kredite gleichzeitig platzen. Somit kauften Finanzmarktteilnehmer bereitwillig die Kredite der Banken. Sie vertrauten darauf, dass die Banken eine vernünftige Risikoprüfung gemacht hatten. Aber wozu sollten diese das tun, wenn die Banker und Banken nur an den Gebühren für die Vermittlung der Kredite verdienen? Die kurzfristigen Interessen ließen eine große Blase entstehen. Jospeh Stiglitz beschreibt dies sehr eindrucksvoll im “Freien Fall”. Alle vertrauten auf Modelle in denen es Krisen nicht gab. Alle glaubten die Preise steigen ewig. Trotz dieser Unvernunft sollen die gleichen Institutionen nun Länder adäquat bewerten können und dürfen? Mit welcher Berechtigung? Offensichtlich funktionierte der Markt nicht richtig, aber jetzt tut er es auf einmal?

    “Geld als Gut an sich sollte m.M.n. auch nicht einen so hohen Stellenwert haben, sondern eher ein Tauschmittel. Wer Geld verleiht, muss sich der Risiken bewusst sein.”
    Das ist naiv. Man kann natürlich fordern, dass die Menschen in Frieden und eintracht leben sollen. Selbst wenn man sich den Risiken bewusst ist, nützt das nicht immer. Wenn ein Manager weiß in 5 Jahren ist eine Blase so groß, dass diese Probleme bereitet. Er investiert bis dahin trotzdem in steigende Werte. Denn er verdient viel Geld in dieser Zeit. Selbst wenn die Bank dann pleite gehen würde, stört ihn das nicht. Er hat sein Geld verdient und verliert sicherlich nicht seine Existenz, weil er entlassen wird. Verantwortung trägt er auch keine. Wie will man Ihm Vorsatz nachweisen? Wenn sein Lohn niedriger wäre, dann hätte er vielleicht ein Interesse daran, dass er seine Arbeit behält. Sicher ist das aber nicht. Das kurzfristige Anreizsystem kann zu langfristigen Problemen führen. Die Probleme dürfen diejenigen Schultern die im Allgemeinen nicht die Verursacher der Probleme waren. Allerdings wird Ihnen eingeredet, dass auch sie Schuld seien (billige Kredite aufgenommen, zu hohe Lohnabschlüsse, zu großer Sozialstaat, etc.)

  • http://www.mcrass.de Michael Crass

    Niemand gibt dem griechischen Mittelständler Schuld an einer Krise. Ich habe nicht einmal die griechische Steuermentalität als Grund genannt. Die Politik muss klare Rahmenbedingungen setzen, unabängig vom Finanzmarkt sein und marktwirtschaftliche Regeln durchsetzen. Wer spekuliert, kann sein Geld verlieren – dieses “Spiel” habe ich gemeint.

  • http://endlessgoodnews.blogspot.com/ chriwi

    @Michael Crass
    “Niemand gibt dem griechischen Mittelständler Schuld an einer Krise.”

    Das habe ich auch nicht geschrieben. Er ist nicht Schuld, badet die Probleme aber aus. Diejenigen die massiv vor der Krise profitiert haben retteten ihr Vermögen in die Schweiz. Nun könnte Griechenland das Geld zurückfordern (ähnlich wie es die USA tut), aber das steht bei den Sparbeschlüssen der EU Troika nicht einmal zur Debatte. Die Profiteure zahlen also nichts. Die hohe Arbeitslosigkeit und die schwindende Kaufkraft trifft aber den Mittelständler. Dieses Phänomen existiert weltweit.

  • Surp

    Am Enden zahlt immer der, der greifbar ist^^

    In unserem “vermeintlichen” Rechtssystem sind nur die Mitte und die Unterschicht greifbar.

Der Autor:

Prof. Dr. Andreas Freytag

ist Professor für Wirtschaftspolitik an der Friedrich-Schilller-Universität Jena.

Alle Beiträge von