Alle Bemühungen, eine Wettbewerbsordnung zu verwirklichen, sind umsonst, solange eine gewisse Stabilität des Geldwertes nicht gesichert ist. Walter Eucken, 1891-1950, deutscher Ökonom

14 Wachstum

Grünes Wachstum allein reicht nicht

Grünes Wachstum ist hilfreich und geradezu notwendig, um ressourcenschonender zu arbeiten und industrielle Prozesse umweltfreundlicher zu machen. Doch es reicht nicht. Die Fokussierung auf green tech und green growth drängen das eigentliche Problem an den Rand: die globale Klimaerwärmung.

(mehr …)

Wenn es um Technik geht, ist die Bundesrepublik immer noch in vielen Industrien weltweit spitze. So ist es kein Wunder, dass auch deutsche Unternehmen mit ressourcenschonender Technik einen Weltmarktanteil von 15 Prozent haben, in einigen Branchen sogar sagenhafte 30 Prozent. Und sie werden vermutlich ihren Anteil weiter ausbauen, denn der Markt ist viel versprechend: Fielen 2007 rund acht Prozent des hiesigen Bruttoinlandsprodukts auf Umwelttechnologien, werden es laut einer Umfrage der Unternehmensberatung Roland Berger bis 2020 etwa 14 Prozent sein.

Das ist ein großer Erfolg, doch leider verdeckt er das tatsächliche Problem, um das sich kaum einer tatkräftig kümmert. Oder kümmern will. Denn nachdem in den vergangenen Jahren ein Klimagipfel nach dem anderen mehr oder weniger im Fiasko endete, versuchen uns verschiedene Institutionen, darunter die Enquetekommission der Bundesregierung oder auch das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (Unep), einzureden, dass sich der Umbau der Energieversorgung und das Arbeiten mit Rohstofferhaltenden Techniken auch ohne Klimaschutz lohne. Grüne Technologien beleben nicht nur das Wirtschaftswachstum, sondern lösen praktisch wie nebenbei das Klimaproblem, so die ökologisch-ökonomischen Apologeten. Die nachhaltigen Techniken seien effektiver als jedes Ergebnis einer Klimaschutzkonferenz.

Grünes Wachstum allein ist aber keine Lösung. Es hilft, um die Energiewende zu unterstützen. Und es kommt natürlich vielen Unternehmen gelegen, um neue Wachstumszielen zu definieren und anzupeilen.

Richtig ist: Wir müssen weiter versuchen, die zur Neige gehenden fossilen Energieträger irgendwann komplett durch die erneuerbaren Energien zu ersetzen. Doch die Klimaerwärmung ist ein globales Problem. Globale Probleme verlangen globale Lösungen.

Deswegen brauchen wir endlich funktionierende und ergebnisorientierte Klimaverhandlungen. Sie werden bislang aus verschiedensten Gründen blockiert. Die einen fürchten um ihre Ressourcenrenten, die anderen setzen zurzeit mehr auf Wachstum als auf Nachhaltigkeit, wieder andere haben politische Motive. Kurzum: Es gibt Konflikte zwischen Wachstumspolitik und Umweltschutz.

Wie lösen wir diese Konflikte? Nun, grüne Technologien können als Ergänzung zum Verhandlungsprozess sinnvoll sein. Doch wir brauchen endlich den Mut, für alle unsere wirtschaftlichen und politischen Entscheidungen als höchstes Ziel die langfristige Sicherung unserer natürlichen Lebensgrundlagen zu setzen. Wir werden es sicherlich nicht mit der Brechstange schaffen, vor allem die Schwellenländer zu einer sofortigen Senkung der Treibhausgasemissionen zu drängen. Das wird nur dann funktionieren, in dem wir Chinesen und Indern und anderen helfen, schnellstmöglich zu flächendeckendem Wohlstand zu kommen – und sich damit auch Umweltschutz leisten zu können.


Dies ist ein Beitrag aus der Reihe “WachstumsBlog”. In einem bis zwei Beiträgen pro Woche beschäftigen sich Wirtschaftsexperten im ÖkonomenBlog mit Themen rund um nachhaltiges Wachstum.

Sie wollen keinen Beitrag des WachstumsBlogs verpassen? Dann abonnieren Sie die Beiträge mit diesem RSS-Feed!

  • Autor

    Dominique Döttling

    ist geschäftsführende Gesellschafterin der Döttling & Partner Beratungsgesellschaft mbH, Uhingen und Mainz und Botschafterin der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft.

    Alle Beiträge

  • Markus

    “Das wird nur dann funktionieren, in dem wir Chinesen und Indern und anderen helfen, schnellstmöglich zu flächendeckendem Wohlstand zu kommen – und sich damit auch Umweltschutz leisten zu können.”

    Der ist gut, den muss ich morgen mal meinen Kollegen erzählen. Die sind nämlich offen für solche Witzigkeiten.

    Deutschland – der Retter der Welt. Der Retter der Ökologie. Wir retten einfach alle! Egal wie, aber wir machen das! (so ungefähr haben Sie das formuliert).

    Ähm – wie hoch ist das jährliche Wirtschaftswachstum von China? Wie genau wollen Sie helfen? Wieviele Menschen wohne in China? Ach so, China ist Entwicklungsland (schliesslich zahlen wir Entwicklungshilfe – aber die können wir ja noch aufstocken, um zu helfen).

    Lesen Sie eigentlich Ihren Beitrag selber?

  • Philipp

    Schonmal von Simultanpolitik gehört? Ein möglicher Weg für globale Lösungen!
    http://de.simpol.org/index.php?id=69

  • Dem Beitrag von Markus ist nichts hinzuzufügen.
    „Am deutschen Wesen mag die Welt genesen”

  • Markus

    @ Philipp

    Simpol: ““Die schlichte Wahrheit über die Klimapolitik ist, dass kein Land bereit sein wird, seine Wirtschaft zu opfern, um dieser Herausforderung gerecht zu werden”. [Früherer Premierminister Tony Blair; The Guardian 03.11.05]”

    Die Idee der Initiative ist zwar gut, aber realitätsfern. Das Zitat – von der Simpol Webseite – von Tony Blair erklärt alles, und eben auch warum solche Initiavtiven eher ideologisch sind. Schauen Sie sich nur mal die Entwicklung des Kyoto-Protokoll an. Auch im Grundsatz gut, aber…..realistisch in einer globalen Wirtschaftswelt? Eher nicht.

    Die Lösung muss zwingend mit der Wirtschaft einhergehen – es muss durch die Einsparung von Energie ein Wettbewerbsvorteil herrschen. Z.B. wenn der Ölpreis sich vervielfacht. Mit Idealsimus gewinnen Sie keine Ökonomie, sondern nur mit hertane Zahlen. Und selbst wennn die Bürger eines Landes sensibilisiert sind (wie die Deutschen), so werden dennoch im individuellen Verhalten anderen Maßstäbe angesetzt. Schauen Sie sich die deutschen Zulassungsstatistiken an, den massiven Verkehr auf den Strassen – auch am Wochenende. Aber ne PV-Anlage auf dem Dach.

  • Surp

    Vielleicht begreifen die Menschen irgendwann, dass es sogar billiger wird.

    Ich muss, obwohl ich überzeugter Kapitalist bin (evtl. war) wirklich gestehen, dass es so nicht weitergeht, alle verlieren und wir zerstören den Planten für nichts.

    Warum?

    Wir leben in einer unglaublichen Überflussgesellschaft, uns stehen die Technologien zur Verfügung es anders zu machen, warum tun wir es nicht?

    Wirklich nur, wegen Arbeitsplätzen?

  • Markus

    @ Surp

    nein, nicht direkt wegen den Arbeitsplätzen. Aber niemand möchte auf Geld, oder Bequemlichkeit verzichten. Jeder ist dafür, aber nur sehr, sehr wenige Idealisten gehen den Weg tatsächlich.

    Fangen wir doch mal direkt bei Ihnen an: Verzichten Sie bitte künftig auf Kunststoffe.

    Schauen Sie, es ist so dass man viel mehr machen könnte – wenn man lernt zu verzichten. Da man jedoch beim Verzicht sehr alleine ist, dann stellt man sich die Sinnfrage. Wieso soll ich auf meinen Urlaub in Mallorca verzichten, wenn mein Nachbar 3 mal im Jahr nach Sardinien fliegt? Wir sind vom Überfluss so beeinflusst, dass es schwerlich möglich ist, wieder zurückzukommen. Ich halte es sogar für völlig unmöglich. Wir zerstören den Planten, für unsere Belange, unseren Luxus. Es steht ausser Frage für mich, dass es so ist. Es ist vielmehr eine Frage der Zeit. Da wir aber nur rund 80 Jahre leben, ist es uns weitgehend egal – denn wir spüren die Veränderung kaum. Und wenn Wissenschaftler von Zeiträumen von zB 1000 Jahren sprechen, dann ist auch für mich diese Zeitspanne nicht greifbar.

  • Surp

    @ Markus

    Wir können eigentlich so weitermachen, wenn wir 100% Nachhaltigkeit erreichen, was garnicht so schwer ist.

    Aber es wird verhindert von unseren Konzernen, durch denn Volbeschäftigungswahnsinn etc..

    Die Möglichkeiten unserer Zeit sind unglaublich.

  • Markus

    @ Surp
    Nein, wir können eben nicht so weitermachen – denn genau so erreichen wir keine Nachhaltigkeit.
    Schauen Sie doch nur mal als Beispiel die seltene Erden an. Deren Gewinnung vernichtet unglaublich viel Natur. Nicht regenerierbar. Aber diese Seltene Erden benötigen wir für unsere Konsumgüten, zB Mobiltelefone. Derzeit sind auch keine Alternativen bekannt, welche die gleichen Eigenschaften aufweisen. Wie wollen Sie hier Nachhaltigkeit erreichen?
    Schauen Sie auf den Textilmarkt. Jedes Textil muss gefärbt werden, dies ist nur durch chemische Stoffe möglich – es existiert keine Alternative. Wie wollen Sie hier ernsthafte Nachhaltigkeit erreichen?
    Die Mobilität scheint vor Allem den Deutschen ein enorm wichtiges Gut. Niemand will verzichten. Wie wollen Sie heir Nachhaltigkeit erreichen?

    das Problem hat nichts mit Vollbeschäftigung zu tun, sondern es ist das Denkverhalten der Menschen – mich mit eingenommen. Es fehlt m.E. an der grundsätzlichen Überzeugung zur Notwendigkeit des Umdenkens. Denn ein ökologisches Fehlverhalten führt zu keinem direkten Nachteil. Die Konsequenzen werden sogar noch auf alle verteilt, so dass der Vorteil individualisert, die negativen Folgen jedoch solidarisiert werden.

    Es gibt also keinen “spürbaren” Grund für ökologisch verantwortungsvolles Verhalten.

  • Surp

    @ Markus

    Solange es Armut gibt, wird es kein Umenken geben, dass ist das größte Problem.

    Mobilität ist nicht das Problem, wenn man konsequent eine Wasserstoffwirtschaft verfolgt. Obwohl man schon fragen muss wofür man extr4eme Mobilität brauch, nur für sinnlose Erwerbstätigkeit?

    Man muss halt alle Produkte so designen, dass sie 100% wiederverwertbar sind und alle Produkte, die das nicht sind extrem hart besteuern, damit kein Schwein sie kauft und man sollte alles mit einem hohen Pfand versehen, damit die Menschen nicht alles wegschmeissen.

    Eigentlich ist alles einfach, aber das geht alles nicht, wegen unserem verrückten System.

    Das Grundproblem ist immer die Vollbeschäftigungsidiologie und die Konzerne, die Fortschritt verhindern.

  • “Mobilität ist nicht das Problem, wenn man konsequent eine Wasserstoffwirtschaft verfolgt.”

    Wasserstoff muss produziert und gelagert werden. Das sind nur zwei Probleme. Die Produktion sollte nachhaltig sein. Somit brauchen wir nicht nur erneuerbare Energien für Strom, sondern auch noch für den Verkehr. Es existiert eine riesen Lücke. Noch ist es ein Problem.

    Die Lagerung von Wasserstoff ist auch nicht gelöst. Die Tanks müssen sehr groß sein, damit möglichst kein Wasserstoff diffundieren kann.

    Auch die Umwandlung von Wasserstoff zurück in Energie ist eine offene Frage. Brennstoffzellen sind teuer und haben eine kurze Lebensdauer. Verbrennen ist wegen dem niedrigen Energieinhalt von Wasserstoff keine wirkliche Option.

    In allen Bereichen muss noch sehr viel geforscht werden. Kein Problem sieht anders aus.

  • Surp

    @ chriwi

    http://www.bio-wasserstoff.de/h2/

    Finde ich total genial, aber dann brauch man keine Energiekonzerne mehr und viele andere Dinge auch nicht.

    Nur das kostet soviel Arbeitplätze, das geht also nicht, auch wenn es 100 mal klüger wäre. Wir sind doch langsam bei unsere Arbeitsgesellschaft absolut hirntot, dass trifft ja nicht nur diesen Bereich, es trifft fast 80% unserer Erwerbsarbeitswelt.

    Wir verwalten uns zu Tode, vorallem in unserer vermeintlich effizienten Privatwirtschaft, da arbeiten nur noch Verwalter und andere Schmarotzer.

  • Markus

    “Man muss halt alle Produkte so designen, dass sie 100% wiederverwertbar sind und alle Produkte, die das nicht sind extrem hart besteuern, damit kein Schwein sie kauft ..” usw.

    Damit würden Sie wohl viele Innovationen auslöschen. Es geht einfach nicht, dass alles 100$ wiederverwertbar ist, das ist unmöglich. Sagen Sie mir doch mal ganz einfach, wie Sie das Verpackungsproblem lösen wollen. Alleine schon die Ideologie der wiederverwertbaren Flaschen ist Zynismus, denn die Lagerung, der Rücktransport, die Reinigung, usw. verbraucht mehr Rohstoffe als die Produktion. Sie betrachten nur die Oberfläche, aber alle notwendigen Prozesse im Hintergrund – weöche ebenfalls Resssourcen verbrauchen – lassen Sie aussen vor.

    Ausserdem müssen Sie die Produktion von Verbrauchsgütern effizient gestalten. Auch das ein Grundproblem – siehe Fleischproduktion. Nun – Sie würden dies exorbitant hoch besteuern, weil es ein Klimakiller ist. Gut, und wie ersetzen Sie die Ernährung? Oder sollen wir nun alle Vegetarier werden (Der Mensch ist kein Vegetarier, sondern Allesfresser).

    Nach Ihrer Tehorie sitzen wir in 50 Jahren alle lautlos auf einem Stein in der Wüste, essen täglich ne handvoll Gras und Laub und Trinken nur noch Regenwasser.

  • Surp

    @ Markus

    Doch das geht, man muss es nur wollen, aber das bedingt natürlich ein extrem effizientes Wiederverwertungssystem (nur verbrennen ist total daneben).

    Wenn wir weiterhin soviel Wertstoffe vernichten, stoßen wir sehr bald an krasse Grenzen, da im Prinzip der ganze Globus so leben will wie die westlichen Industrienationen und nach oben ist alles offen.

    Mal eine ehrliche Frage, woher wollen sie die ganzen Rohstoffe nehmen?

    Was spricht grundsätzlich dagegen 1 – 2 mal die Woche (dafür extrem hochwertiges) Fleisch zu verzehren und 1 – 2 mal Fisch.

    Man kann bei der Fleischproduktion viel optimieren, derzeit ist Fleisch eigentlich fast nur Wasser mit Antibiotika, vorallem gilt das für Schweine- und Geflügelfleisch, aber auch in großen Teilen für Rind, da es viel zu schnell hochgezüchtet wird und die Tiere nur Dreck zu fressen bekommen (daher “fressen” wir als Konsumeten im Prinzip auch nur Dreck mit all den Medikamenten, die für Massentierhaltung unausweichlich sind).

    Wenn wir so weitermachen wie bisher, sitzen wir defintiv eher in einer Wüste.

    Aber wie heißt es so schön “nach mir die Sintflut”, so leben wir eben und so sind wir sozialisiert und das wird sich so schnell nicht ändern, vielleicht sogar niemals.

  • Markus

    @Surp

    Ist doch eine ganz einfache Erklärung: Wenn Sie die Wahl haben, Fleisch zu essen oder kein Fleisch zu essen, dann würden Sie wohl die erste Alternative wählen – so handelt auf jeden Fall die Masse der Menschen. Alleine aus Idealismus daruaf zu verzichten ist durchaus lobenswert, aber eben nicht ökonomisch für das Individuum.

    Sie haben mit Ihren Ausführungen völlig recht, auch Ihrer Prognose stimme ich zu. Ändern können wir es jedoch nur, indem die Preise reguliert werden. Niemand wird bei diesen Preisen auf Fleisch verzichten. Weiterhin müssen entsprchend Substitute bereitgestellt werden – bitte auch dies bedenken.

    In Einkommensschwachen Ländern/ Regionen ist Fleisch ein Luxusgut. Und steigt das Einkommen – steigt auch der Konsum (siehe zB China). Je mehr wir also verdienen, desto mehr beuten wir die Rohstoffe aus und verschwenden Ressourcen – weil wir es uns finanzielle leisten können und die Folgen nicht hier und heute auftreten, sondern in einer Zukunft die wir nicht erleben werden – und diese Zukunft ist solidarisiert – d.h., die Fehler treffen einen niemals selbst, sondern alle – egal wie sie sich Verhalten. Wo ist da der Anreiz, seinen Konsum zu ändern?