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28.05.2012 Europa, Wachstum

Moralische Aufrüstung

Griechenland ist im Dilemma. Einerseits muss ein harter Sparkurs eingeschlagen werden. Andereseits lässt dieser die Wirtschaft weiter abstürzen. Sie aus der Eurozone zu entlassen, würde das Land ins Chaos stürzen. Ihnen weiter Geldgeschenke zu machen, dazu fehlt die Bereitschaft der Zahler. Kann moralischer Beistand den Griechen helfen?

Die einen Europäer schreien „Sparen“, die anderen wollen noch mehr Geld geben. Ein genauerer Blick auf den in den vergangenen Monaten oft erinnerten Marshall-Plan zeigt, was früher richtig war, und was heute noch gelten sollte:  Mit dem vom damaligen US-Außenminister Marshall inspirierten European Recovery Program gelang der Wiederaufbau der vom Krieg zerstörten europäischen Länder. Die USA wussten, dass auch sie selbst nur gut wirtschaften konnten, wenn sie ansatzweise gleichwertige Partner hatten. Also gewährten sie Europa zwischen 1948 und 1953 insgesamt 13,1 Milliarden US-Dollar (das wären heute etwa 100 Milliarden Euro). Deutschland alleine bekam 1,4 Milliarden US-Dollar. Nur die Engländer (3,4 Mrd.) und die Franzosen (2,8 Mrd.) erhielten mehr.

Die Leistung der Amerikaner ist kaum hoch genug einzuschätzen. Vor allem die noble Geste, auch dem bestialischen Kriegstreiber Deutschland großzügig Aufbauhilfe zu ermöglichten, ist einmalig.

Jetzt zu Griechenland (kein Kriegsgegner, sondern befreundeter europäischer Nachbar!). Natürlich verhalten sich die Griechen wie borstige Teenager, die seit ihrem Euro-Zonen-Eintritt so gut wie alles falsch gemacht haben und nichts einsehen wollen. Dennoch: Sie zu verstoßen hieße, sie ins Chaos zu entlassen. Ihnen zu helfen, wahrt die große Chance, dass sie auf einen guten Weg finden. Dieser wird nur mit Geduld gelingen. Auf allen Seiten.

Gerade die deutsche Bereitschaft für den Süden noch mehr zu zahlen, ist nicht sonderlich hoch. Angesichts unserer Geschichte – angefangen bei 1948 – muss man sich aber wirklich fragen: Warum eigentlich nicht? Ist eine solche Haltung fair? Wir sollten endlich aufhören, zu jammern, dass sich Europas Länder auf unseren Portemonnaies ausruhen. Es stimmt nicht. Wir haben durch den Euro wie kein anderes Land wirtschaftlich gewinnen können. Seien wir doch stolz darauf, dass wir es uns leisten können, den anderen zu helfen. Seien wir so hilfsbereit wie einst die Amerikaner zu uns waren!

Wer zu dieser Haltung nicht fähig ist, weiß auch nicht das Glück zu schätzen, wie schön es ist, in einem Land zu leben, dass einem Bildung und Arbeit geben kann und dass unternehmerisch denkenden Menschen Chancen auf einem freien Arbeitsmarkt ermöglicht. Wir haben eine starke Wirtschaft – wovor haben wir Angst? Und warum? Man kann doch nicht nur dann Verantwortung tragen wollen, wenn‘ s was zu feiern gibt! Und wenn’s eng wird, die Türen zu machen.

Natürlich muss gespart werden. Absolut notwendig. Aber Sparen allein kann das Problem in Europa nicht lösen. Viele Ökonomen sind sich einig: Mit dem Rückgang der öffentlichen Aufträge schrumpft die Wirtschaftsleistung der Griechen – damit sinken ihre Steuereinnahmen – und dann muss noch mehr gespart werden. Es ist ein nun wirklich verbindlicher Plan nötig, der erstens diszipliniertes Haushalten vorschreibt (und Fehlleistungen bestraft) und zweitens Finanzmittel zur Verfügung stellt, um in Schieflage geratene europäische Staaten wieder aufzubauen. Wie er dann heißt – „Fiskalpakt plus Ergänzung“ oder Hollande-Doktrin oder Merkel-Plan – ist egal. Der aktuelle Vorschlag des Brüsseler Währungskommissars Olli Rehn, einen „Europäischen Investitionspakt“ zu beschließen, scheint jedenfalls in diese Richtung zu gehen.

Und noch was: Die Generation nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt nicht nur Hilfe durch den Marshall-Plan, sondern auch durch die sogenannte Oxfort-Gruppe, die als Moral Re-Armament  (MRA) – was so viel wie „Moralische Aufrüstung“ bedeutete – besonders unter deutschen Studenten der 50 Jahre viele Anhänger fand, die dann Deutschland in den 70er und 80er Jahren als Politiker und Manager zur Blüte verhalfen. Heute würde man wohl für den recht pädagogischen Begriff der „Moralischen Aufrüstung“ eher den bundespräsidialen Ausdruck der „Freiheit in Verantwortung“ wählen. Sie täte nicht nur europäischen Wirtschafts- und Finanzpolitikern gut.


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  • http://endlessgoodnews.blogspot.com/ chriwi

    Was für ein schlechter Beitrag. Ein Beispiel:
    “Natürlich verhalten sich die Griechen wie borstige Teenager, die seit ihrem Euro-Zonen-Eintritt so gut wie alles falsch gemacht haben und nichts einsehen wollen.”
    Die Griechen erhöhten ihre Löhne über der Zielinfaltionsrate von 2%. Das ist so weit richtig. Deutschland blieb aber drastisch darunter. In einer Währungsgemeinschaft kann dies nicht zielführend sein und bringt mittelfristig Probleme.
    Weiterhin hätte man sich das jetzt geplante Aufbauprogramm sparen können, wenn die Sparziele realistisch gewesen wären. Man zerstört eine Volkswirtschaft, um dann moralisch ein wenig Geld für den Wiederaufbau hinzuwerfen. Die aktuelle Situation war vorhersehbar und somit vermeidbar. Die Refinanzierung hätte eine Zeitlang mit Auflagen über die EZB erfolgen können. Riesige Rettungspakete für Banken waren schließlich auch kein Problem. Komisch, dass sobald ein Staat und seine Bürger betroffen sind, das Geld nicht mehr so locker sitzt.

  • http://www.mcrass.de Michael Crass

    Deutschland blieb nicht drastisch darunter: Die Reallohnentwicklung Deutschlands von 2000-2008 war leicht negativ mit -0,8%. Also ist die Inflation fast ausgeglichen worden. Griechenland hingegen hat mit einem Reallohnzuwachs von 39,6% die Inflation mehr als ausgeglichen, eben mit 39,6 überschritten (weil Reallohn= Nominal-Inflation). Daher hat Griechenland eher etwas falsch gemacht als Deutschland.
    Quelle: http://www.eu-info.de/arbeiten-europa/jobsuche-arbeiten-europa/realloehne/

  • Fabi

    @chriwi

    Es ist doch sinnlos jetzt noch über was wäre hätte wenn zu reden. Der Text hat ein Ziel und diesses erreicht es auch.
    “Man kann doch nicht nur dann Verantwortung tragen wollen, wenn‘ s was zu feiern gibt! Und wenn’s eng wird, die Türen zu machen.”
    Griechenland von der EuroZone auszuschließen würde absolut zum Chaos führen.
    Das einzigste was es zu kritisieren gibt, ist das es ungefähr der 1000. Text ist mit solch einer Aussage. Was wirklich gebraucht wird sind Pläneschmieder für solch einen Merkel-Plan,

  • BKKopp

    Es geht natürlich nicht um ‘Sparen’ im Sinn von Ersparnisse ansammeln, sondern es geht darum, die Defizit- und Verschuldungsdynamik zu brechen. Ja, zu brechen. Anders wird es politisch nicht gehen.

    G. ist auch kein kriegszerstörtes Land. Es hat in 30 Jahren mehr an Zuschüssen erhalten als ganz Westeuropa aus dem Marshall-Plan. Oberflächlich betrachtet hat sich ja auch vieles scheinbar gut entwickelt. Aber, strukturell ist G., aus freier Entscheidung G. geblieben. Wenn nichts ‘gebrochen’ wird, dann würde es auch dabei bleiben.

    Empfehle ‘Über das Unglück ein Grieche zu sein’ von Nikos Dimou, und die Länderanalysen von Weltbank und World Economic Forum.

  • http://endlessgoodnews.blogspot.com/ chriwi

    “eben mit 39,6 überschritten (weil Reallohn= Nominal-Inflation)”
    Wo geht in dieser Überlegung der Produktivitätsfortschritt ein? In Griechenland werden niedrigere Löhne als in Deutschland gezahlt und dennoch sind vergleichbare Produkte teurer.

  • Surp

    The Smahing Pumkins wussten schon

    The end is the beginnning ist the end

    Es spielt doch überhaupt keine Rolle, wer wie oder wovon profitiert hat. Das Einzige was wichtig ist, ist das, was mal Erhard sagte: Wohlstand für Alle.

    So jetzt will ich mal, anstatt Schwuchtelshice, Ergebnisse sehen!

  • toni

    Der Marshallplan bedeutete keinen völligen Verzicht auf Mitbestimmung, ganz im Gegenteil! Deutschland war besetzt, wurde zur Verantwortung gezogen und umerzogen usw. Der neue Fiskalplan ESM hingegen ermächtigt nur ungewählte Kommissare zu unbegrenzten Forderungen und sieht keinerlei Einfluss der Geber vor. Wir verlieren so unser Restchen Demokratie, und das noch während wir diese mittels Kriegshandlungen nach Afghanistan bringen wollen.
    Übrigens war auch der Marshallplan eine Art Taktik, da der “Vertrag” von Versailles 1919 als Knebelung der Wirtschaft schliesslich die entgegengesetzte Folge hatte: die NS-Diktatur.

Der Autor:

Dr. Martin Roos

ist freiberuflicher Journalist. Er arbeitet als Autor, Ghostwriter und Redenschreiber für Unternehmen und Topmanager.

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