Für eine freie Marktwirtschaft - auch mit dem Adjektiv sozial davor - gehört es sich, einen liberalisierten Arbeitsmarkt zu haben. Hans-Olaf Henkel, *1940, ehem. BDI-Präsident

8 UmweltWachstum

Handys in den Müll

Es gibt bereits eine Pfand-Pflicht für Flaschen, Autobatterien und Dosen. Der Umweltrat der Bundesregierung fordert jetzt auch noch Pfand für Elektro-Geräte, insbesondere für das Handy. Doch der Nutzen ist umstritten. Viel wahrscheinlicher ist es, dass damit eine weiteres Bürokratiemonster geschaffen wird.

(mehr …)

In diesen Tagen fordert der Sachverständigenrat für Umweltfragen, für Handys, elektrische Zahnbürsten, Radios und Computer eine Pfandpflicht einzuführen. Im ökologischen Ziel sind sich wahrscheinlich weitgehend alle Akteure einig: Der Verbrauch von Metallen, mineralischen Rohstoffen, seltenen Erden sollte möglichst reduziert werden. Denn deren Abbau ist weitgehend umweltschädigend und energieintensiv.

Wir sollten die Menschheit nicht von ihrem natürlichen Streben nach Fortschritt und Wachstum abbringen. Nachhaltigkeit verlangt allerdings von uns, den Verbrauch endlicher Ressourcen vom Wachstum zu entkoppeln. Wie also ist es zu bewerkstelligen, bereits eingesetzte Metalle und Rohstoffe wiederzuverwerten? Eine Pfandpflicht für Elektromüll scheint dafür eine ineffiziente und teure Variante zu sein – diese aufwändige Bürokratie sollte man sich sparen. In der Schweiz sind Händler bereits dazu verpflichtet, Altgeräte von ihren Kunden zurückzunehmen. In Deutschland entwickelt sich gerade erst diese Kultur: Ob Telekommunikationsanbieter oder Kaufhausketten – sie werben mit Gutscheinen und Prämien. Denn jeder weiß: mit Schrott lässt sich Geld verdienen. Wieso überlassen wir das also nicht dem Markt?

Und warum machen wir dem Monopolanbieter Grüner Punkt nicht Konkurrenz? Das Einfachste wäre: alle Handys wandern direkt in den Müll. Batterien und Akkus gleich hinterher. Es gibt ja bereits Anlagen, die die verschiedenen Wertstoffe in vollautomatischen Sortieranlagen voneinander trennen. Diese Technik wäre möglicherweise effizienter. Damit sich diese Innovationen allerdings durchsetzen, brauchen wir mehr Wettbewerb in der Abfallwirtschaft. Auf ein neues Pfandsystem können wir dann hoffentlich verzichten.


Dies ist ein Beitrag aus der Reihe “WachstumsBlog”. In einem bis zwei Beiträgen pro Woche beschäftigen sich Wirtschaftsexperten im ÖkonomenBlog mit Themen rund um nachhaltiges Wachstum.

Sie wollen keinen Beitrag des WachstumsBlogs verpassen? Dann abonnieren Sie die Beiträge mit diesem RSS-Feed!

  • Autor

    Marco Mendorf

    war von 2008 bis 2012 Senior Conultant der Initiative Neue Soziale Markwirtschaft.

    Alle Beiträge

  • “Eine Pfandpflicht für Elektromüll scheint dafür eine ineffiziente und teure Variante zu sein”

    Sollte man sich nicht die Resultate der anderen Pfandgüter ansehen, um dieses Urteil bewerten zu können? Mir steht die Aussage zu sehr im Raum, ohne jeglichen Beleg.

  • Eine Pfandpflicht für Elektrogeräte macht keinen Sinn, weil Handys und Co eben nicht wie Dosen kurz konsumiert und dann wieder in den Kreislauf kommen. “Handys werden im Schnitt nach spätestens drei bis vier Jahren ausgemustert. Ein Pfandsystem, das über solch lange Zeiträume verwaltet werden muss, erzeugt einen enormen bürokratischen Aufwand und ist praktisch kaum umsetzbar.” (Bitkom-Chef Rohleder)

    Dagegen sollte man die Hürde, Handys wegzuwerfen statt zu sammeln, niedriger machen. Altgeräte sollten einfach in die orange Wertstofftonne, die es in Berlin schon gibt, geworfen werden. Es gibt ja schon Anlagen, die 40 Tonnen Hausmüll pro Stunde besser als der Mensch sortieren können. Dort kann man die einzelnen Elemente der Geräte trennen und recyceln. Zypern ist (mit deutscher Technik) Deutschland in diesem Punkt voraus.

    Quellen:
    http://www.golem.de/news/kein-handypfand-handys-sind-keine-dosen-1203-90374.html
    http://www.titech.de/news/modernste-16086

  • @Michael

    Das der Herstellerverband gegen eine solche Einführung ist und meint sie wäre zu teuer, heißt nicht das dies stimmt. So wird von den großen Energieunternehmen die Kernkraft als sichere und saubere Energieform gepriesen, die Banken sind gegen Regulierungen da sie die Wirtschaft hemmen (nachdem sie sie gegen die Wand gefahren haben), etc.

  • Surp

    Pfand ist sehr sinnvoll im Prinzip für alle Produkte, wenn man ernsthaft an Wiederverwetung denkt. Irgendwer bringt es dann schon zurück, sieht man doch gut an den Pfandsammlern, oder liegen irgendwelche Dose in der Gegend rum?

    Die Frage ist eher wie man es effizient umsetzt, darüber sollten wir nachdenken.

    Was derzeit weggeworfen wird ist einfach zu krass und Mülltrennnung ist totaler Schwachsinn, da eh fast alles verbrannt wird.

  • Markus

    Und weiterhin bitte Pfand für:

    Druckpatronen
    Mobiliar
    Farb-/ Lackeimer
    Textilien & Schuhe
    Spielwaren aller Art
    Einweggrills
    Toilettenpapierpappe
    Einkaufstüten

    Alles wertvolle Rohstoffe welche nach dem Benutzen im Müll landen.

    UPDATE: Es werden bereits Handys in Zahlung genommen, es gibt Adressen für die Rücknahme, ich habe auch schon Container für Althandys gesehen (Spende). Eben weil wertvolle Rohstoffe vorhanden und Geld verdient werden kann. Es gibt demnach keinen Handlungsbedarf!

  • @chriwi:
    es ist allerdings unbestreitbar, dass die Nutzungsdauer von Handys den der Dosen/Flaschen… deutlich übersteigt.

    Außerdem gibt es bereits die Rücknahme-Strukturen. Mobilfunkanbieter nehmen Handys entgegen und bieten Rabatte an. Das wird alleine schon deshalb gemacht, weil 80% der Materialien im Handy wiederverwertbar sind. Warum sollte man solche Strukturen zerstören und dafür per Gesetz neue schaffen?

  • Klaus Blömeke

    Pfand würde ich für zwei unterschiedliche Fälle unterscheiden wollen:
    1. Pfand auf wiederverwendbare Dinge, die nach ihrer Rückgabe unverändert weiterverwendet werden: Flaschen, Bierfässer, u. ä.
    2. Pfand für Dinge, die nach ihrer Rückgabe lediglich als Rohstoff weiterverwendet werden.

    Den ersten Fall möchte ich nicht weiter kommentieren, sondern nur von der folgenden Betrachtung ausgeschlossen haben.

    Pfand ist ein Werkzeug, um Abfallströme zu kanalisieren. D.h. die Trennung des Mülls erfolgt bereits durch den Konsumenten. Dies führt unter anderem zu arbeitsaufwändigen logistischen Effekten (wir sehen das bei der gelben und normalen Mülltonne: Die Müllabfuhr kommt zweimal)

    Nun ist alles, was händisch und mit personaleinsatz gemacht wird, extrem teuer. Sinnvoller wäre die Trennung vielleicht noch in Biomüll (unkrautsamenverseuchter Mutterboden) und Papiermüll, der Rest könnte ohne weiteres automatisch getrennt werden.

    Beispiel Glas: Sauber ist das gesammelte Glas nicht, da ist Papier, Kunsstoff, Weißblech, Aluminium, Kork, Zucker und so weiter mit dabei. Farblich sortenrein ist das Glas auch nicht. D. h für die Aufarbeitung ist sowiso ein hoher apparativer Aufwand nötig.

    Also: grünen Punkt abschaffen, alles in die Rest-Tonne, und die Sortierung maschinell erledigen.

    Alt-Kunsstoff verbrennen (Solange Heizöl aus Rohöl hergestellt und verbrannt wird, ist es sinnvoller, Kunstoff für Fernwärme zu verbrennen und dafür Öl zu sparen),
    Tetrapack (aluminiumhaltig) zur Zementherstellung verwenden.
    Metalle, Glas und Elektronik recyclen.

    Viele Grüße,

    Klaus Blömeke

  • Surp

    Ich bin auch für eine Tonne und dann sollen Maschinen sortieren.

    Dieser ganze Mülltrennugsshice ist doch total lächerlich, wenn man sieht was damit wirklich gemacht wird.

    1 Tonne und ein machinelles Wiederverwertungssystem wäre unserer Zeit angemessen.