Um zwei Dinge kommen wir nicht herum: um die Steuerzahlung und um den Tod. Ein Glück, daß man nicht beides zur gleichen Zeit erleben kann. Hans Albers, 1891-1960, deutscher Schauspieler

10 BildungWachstum

Wachstum durch Zuwanderung

Deutschland gehen die Fachkräfte aus. Findet die Wirtschaft nicht genügend Nachwuchs bremst dies das Wachstum in Deutschland. Die gute Nachricht: Die Zuwanderung leistet einen wichtigen Beitrag zur Vermeidung von Fachkräfteengpässen. Dennoch: Die Zuwanderung nach Deutschland ist noch immer nicht leicht.

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Im vergangenen Jahrzehnt (1999 bis 2009) sind rund 2,8 Millionen Menschen nach Deutschland gekommen und hier geblieben. Mehr als jeder Vierte davon hat einen Hochschulabschluss. Besonders in den Bereichen, in denen es hier Engpässe gibt – den MINT-Fächern und Medizin –  kommt diese Zuwanderung Hochqualifizierter zugute. Zwischen 1999 und 2009 sind ca. 185.000 MINT-Akademiker und 42.000 Mediziner, hauptsächlich aus Westeuropa, nach Deutschland eingewandert.

Die Arbeitsmarktbedingungen für die Zuwanderer sind günstig – einem Aufstieg auf der Karriereleiter steht wenig entgehen. Mittlerweile gehören fast genau so viel Zugewanderte zu den Führungskräften wie in der Gesamtbevölkerung. Seit dem Jahr 2000 haben die ausländischen Fachkräfte auf diesem Segment stark aufgeholt.

Damit tragen die eingewanderten Hochqualifizierten mit Führungsaufgaben auch kräftig zur Wertschöpfung bei. Im Durchschnitt erwirtschaftete jeder MINT-Akademiker hierzulande 119.000 Euro im Jahr – kommt es zu einem Gesamtwertschöpfungsbeitrag von mehr als 10 Milliarden Euro.

Die Zuwanderung nach Deutschland hilft somit einerseits dem Fachkräftemangel zu begegnen, anderseits werden die Wertschöpfung und damit der Wohlstand in Deutschland gefördert. Eine Stärkung der Willkommenskultur in Deutschland und die neuen Zuwanderungsregeln könnten langfristig den Zuzug verstärken und auf diese Weise noch besser zur Fachkräftesicherung beitragen.


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Dies ist ein Beitrag aus der Reihe “WachstumsBlog”. In einem bis zwei Beiträgen pro Woche beschäftigen sich Wirtschaftsexperten im ÖkonomenBlog mit Themen rund um nachhaltiges Wachstum.

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  • Autor

    Prof. Dr. Michael Hüther

    ist Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW).

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  • Lothar Klouten

    In Deutschland hat Rationalität noch nie große Chancen gegen Ideologie gehabt. Hier die Blut-und-Boden-Ideologie in Staatsbürger- und Ausländerrecht. In Verbindung mit der konservativen Fiktion, Deutschland sei kein Einwanderungsland. Was für einen gesellschaftlichen, kulturellen und ölkonomischen Fortschritt bedeutet es , wenn sich in Deutschland eine gesellschaftliche Bewegung aus Eigeninteresse entwickelte, die Regelungen wie in den klassischen Einwanderungsländern wie USA, Kanada und Australien politisch durchsetzt? Ein schöner und rationaler Traum. Wir müssen zuerst das ideologische Chaos in vielen Köpfen verändern.

  • BKKKopp

    Wenn in 10 Jahren ca. 700,000 Menschen mit Hochschulabschluss zugewandert sind, dann ist das erst einmal erfreulich. Aber, unter den verbleibenden 2.1 Mio an Zuwanderern sind leider noch viel zu viele, die wir wirtschaftlich und sozial nicht brauchen und schlecht oder garnicht integrieren können. Es gibt insgesamt mindestens soviele ausgesprochene Problemfälle als Hochqualifizierte.
    Ausserdem, im gleichen Zeitraum sind mindestens 1 Million junge, und gut bis sehr gut ausgebildete Deutsche weggezogen, die meisten auf Dauer. Zusätzlich sind im gleichen Zeitraum eine zahlenmässig kleine Gruppe, vielleicht 100 – 150,000 gut qualifizierte und wohlhabende bis reiche Deutsche mit zusammen mindestens € 100 Mrd, wahrscheinlich viel mehr, weggezogen. Die Zu- und Abwanderungsstatistik ist offensichtlich weniger günstig, wenn ein breiteres Bild in den Blick nimmt. Wachstum wird auf der Makro-Ebene messbar, es entsteht aber auf der Mikro-Ebene, oder eben nicht.

  • Surp

    Zuwanderung verhindert Fortschritt und Innovationen, da man eben billige Arbeitssklaven importieren kann. Egal ob sie hochbegabt sind oder ob sie nichtmal bis drei zählen können, sie sind immer ein Verlust für die Durchschnittsbevölkerung (das ist ein systemisches Problem). Die Gewinner von Zuwanderung, sind die Menschen die diese verwalten und eben die Menschen, die sie ausnutzen.

    Früher habe ich Zuwanderung nicht so kritisch gesehen, inzwischen widerlegt die Realität meine Denkweise.

    Wobei ich totzdem glaube, dass man wenn man das Systemn ändert, Zuwanderung ein Gewinn ist.

  • marcellodegrande

    Die Aussage es würde in Deutschland an Fachkräften mangeln ist schlichtweg falsch! Beweise dafür sind folgende Fakten:
    1.Es besteht weiterhin eine hohe Anzahl arbeitssuchender Ingenieure
    2.Bestünde dieser Mangel real, wären die Löhne für Fachkräfte stark gestiegen bzw. würden Fachkräfte mit Zusatzleistungen gelockt werden. Das ist nicht der Fall.
    Der Wunsch nach ausländischen Arbeitskräften geht aus dem Wunsch nach billigen Fachkräften hervor!

  • Marten

    Der Sozialvertrag mit der angestammten Bevölkerung wurde bereits gebrochen, als Gastarbeiter nicht in ihre Heimat zurückkehrten, sondern sich einzuluden im Lande zu verbleiben und ihre Familien nachziehen zu lassen. Die Integrationskosten wurden von der Wirtschaft sozialisiert.

    Der Facharbeitermangel ist eine statistische Finte, die nicht existiert. Fachkräftemangel ist etwas wichtiges und normales, um die Verhandlungsmacht der Arbeitnehmer zu stärken. Massenarbeitslosigkeit (auch Akademiker), die nach wie vor den “Fachkräftemangel” dominiert, ein Hebel welcher die Verhandlungsmacht der Arbeitnehmer schwächt. Machen wir uns nichts vor. Wir wissen doch genau, dass die Agentur für Arbeit Unternehmen für die Ausschreibung von Fantasiestellen bezahlt (SAP Komponentenspezialisten für 7,50EUR), die es gar nicht gibt. So kam der “Fachkräftemangel” zustande, ähnlich wie die Lobbystory von den IT-Indern vor 10 Jahren. Das sind die alten Tricks der Irreführung. Ich kann auch Stellen ausschreiben für Havardphilosophen zur Haushaltshilfe und Verwaltung meiner Bücher für den Lohn einer Putzfrau. Natürlich gibt es solche “Fachkräfte” nicht. Ausserdem schreiben Unternehmen viele befristete Stellen neu aus, die lediglich verlängert werden. Es gibt also gar keine Stelle, sondern nur Druck für die betreffenden Beschäftigten.

    Solange Massenarbeitslosigkeit in unserem Lande herrscht (und unbegrenzter Zuzug von EU Ausländern möglich ist) ist das Gerede über Einwanderung unanständig. Insbesondere, weil die Integrationsbereitschaft der bestehenden Einwanderer (nach Jahrzehnten) immer noch zu Wünschen übrig lässt. Es ist auch nicht erkenntlich inwiefern die Einwanderung der Vergangenheit zu einer Autochtonendividende für die arbeitende Bevölkerung geführt hat. Hingegen ist nach Marktmechanismus mit aller Vorsicht und ohne Verkürzung auf den Einzelfall davon auszugehen, dass eine Verbreiterung des Arbeitsangebots den Marktpreis von Arbeit absenkt. Die Industrie mag kurzfristig profitieren, aber was hat die Bevölkerung vom Divide et Impera. Wer zahlt die Rechnung?

  • Markus

    Diese Diskussion ist doch völliger Unfug. Der sog. Fachkräftemangel bezieht sich auf rein quantitative Merkmale – sagt jedoch wbsolut gar nichts über die Qualität der Fachkräfte aus. Die Zahlen unterstellen, dass jeder Hochschulabsolvent aufgrund seines Abschlusses auch gut ist. Meine Güte, ein Masterabschluss ist noch kein Leistungsindiz. Und nur weil ein Einwanderer einen Hochschulabschluss hat, bedeutet dies nicht mal im Ansatz, dass er/ sie auch für den deutschen Arbeitsmarkt resp. den unternehmensindividuellen Stellenanforderungen auch geeignet ist. Der Beruf des Ingenieur ist derart vielfältig in den fachlichen Ausprägungen, dass die verallgemeinerte Diskussion “Wir brauchen Ingenieure” eigentlich nur eine Gegenfrage verdient: Für was brauchen wir mehr Ingenieure. Denn nur wer sich Gedanken macht – welche Stellen überhaupt einen Mangel an Fachkräften aufweisen, wird sehr schnell feststellen, dass ein Großteil der Immigranten und der deutschen Fachkräfte nicht die entsprechende Qualifikation aufweisen und weiterhin vielleicht auch persönlich gar nicht geeignet sind. Und schon haben wir auf eine Stelle 200 Bewerber aus dem In- und Ausland. Aber keiner ist geeignet – und das betroffene Unternehmen ruft ganz laut: WIR FINDEN NIEMAND!
    Ist das wirklich Fachkräftemangel?

    Schlagt doch mal die Zeitung auf und schaut euch die Offerten an: Es ist zum Teil nicht mehr nachvollziehbar, welche Anforderungen selbst für banale Tätigkeiten Voraussetzung sind. Unternehmen suchen für einfache Verwaltungstätigkeiten engagierte Mitarbeiter mit Hpchschulabschluss, ein Hausmeister sollte mindestens eine Handwerkerausbildung haben, der Vertriebsassistent natürlich einen Masterabschluss, etc. Wenn ich in die Unternehmen schaue, welche akademischen Kompetenzen dort hinter Exceltabellen ihren Tätigkeit ausführen, die jeder Realschüler in gleicher Qualität nach Einarbeitung bringen kann, fällt mir zu Thema Fachkräftemangel nicht mehr viel ein.

    Kurz: Ja, es gibt einige, aber sehr wenige Bereich, in denen ein absoluter Mangel herrscht (heute). Die Vielzahl jedoch betrifft eher das Problem der Bewerberqualität und völlig überzogener Grundvoraussetzungen an Bewerber. So ist meine Erfahrung.

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  • Realist

    PISA-Studie 2008. Deutschland alle Schüler: 516 Punkte, Platz 13
    Deutschland, autochthon: 532 Punkte, Platz 4
    Deutschland, migrantisch: 439 Punkte, Platz 40
    Pisa-Studie 2006 – Naturwissenschaften und Migranten, © SPIEGEL ONLINE 2007, 04.12.2007

    Träumt weiter! Was ist den mit den übrigen 15 Millionen …

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