Dass Haftung und Risiko zusammengehören, ist keine linke Idee, sondern ein Grundprinzip der Marktwirtschaft. Peer Steinbrück, *1947, dt. Politiker

12 Soziales

Die Rente ist sicher

Dank Anpassung der Rentenformel und Anhebung des Rentenalters gilt heute: Die Rente ist sicher. Private, gesetzliche und betriebliche Vorsorge bilden ein stabiles Fundament. Einen Beitrittszwang für Selbständige hat mehr Risiken als Chancen.

(mehr …)

„Die Rente ist sicher“, so ließ es der damalig Bundesarbeits- und –sozialminister  Norbert Blüm gleich mehrmals im April 1986 überall in Deutschland an die Straßen plakatieren. Damals war das eine äußerst optimistische wenn nicht sogar unrealistische Schlagzeile. Doch seitdem ist viel passiert: Die Rentenformel wurde demographiesicher gemacht und das Renteneintrittsalter wurde angehoben. Das blieb nicht wirkungslos: Mittlerweile stimmt sogar der Blüm‘sche Ausspruch.

Richtig ist: Die Reformen haben de facto zu einer Rentenkürzung geführt. Dennoch gilt: Die Rentner von heute sind die reichsten Rentner, die wir jemals hatten. Altersarmut ist anders als oft behauptet, nur der Ausnahmefall und nicht die Regel. Und wenn das Wirtschaftswachstum auch nur halb so viel hergibt wie in den vergangen Jahren, dann werden die Rentner 2030 noch reicher sein als die von heute. Die drei Säulen unseres Rentensystems, die gesetzliche Rente als Basisversorgung, die betriebliche Altersvorsorge obendrauf und dann noch die private Vorsorge bilden ein sicheres Fundament. Daran sollten wir nicht rütteln.

Wenn jetzt Blüms Nachfolgerin im Amt die Selbständigen in die gesetzliche Rentenversicherung holen will, muss sie eines bedenken: Je mehr Selbständige wir haben, umso höher das Wachstumspotential. Die Pflicht zur gesetzlichen Rente verursacht Kosten, die vor allem für kleine Unternehmen von Bedeutung sind und belasten. Außerdem sorgen die meisten Unternehmer sehr wohl vor – wenn auch nicht in der gesetzlichen Rentenversicherung.  Die Gefahr, dass  jemand auf Kosten der Soldiargemeinschaft auf private Vorsorge verzichtet, kann man umgehen. Jeder muss vorsorgen, wie er das tut ist ihm selbst überlassen.

 

  • Autor

    Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen

    ist Direktor des Forschungszentrum Generationenverträge an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und Botschafter der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft.

    Alle Beiträge

  • “Altersarmut ist anders als oft behauptet, nur der Ausnahmefall und nicht die Regel.”
    Wie belegen sie das Herr Raffelhüschen? Es steht Aussage gegen Aussage. Wenn dem DGB und verschiedenen anderen Quellen oder einer sehr versicherungsnahen Professor glauben soll, dann nehme ich wohl die erste Option.

    “Dennoch gilt: Die Rentner von heute sind die reichsten Rentner, die wir jemals hatten.”
    Kaufkraftverluste aufgrund von Inflation gibt es wohl nicht Herr Professor?

    Selbst der Focus, nicht gerade ein Linksradikales Kampfblatt erkennt das.
    http://www.focus.de/finanzen/altersvorsorge/rente/kontostand/durchschnittsrente_aid_19622.html

  • Tim

    Die Rente ist sicher? Ich weiß beim besten Willen nicht, wie ein Wirtschaftsprofessor angesichts der Zahlen zu dieser Bewertung kommen.

    Die staatliche (Zwangs-)Rente ist nicht sicher, sondern in ihrer heutigen Form bereits seit langem pleite. Ohne die diversen Bundeszuschüsse müßten die Renten um etwa 30 % gekürzt werden. Von einem “stabilen Fundament” kann seit Jahrzehnten keine Rede mehr sein.

    Übrigens: Selbständige zahlen über die allgemeine Steuer seit langem in die Rentenkasse ein, ohne eine Gegenleistung zu erhalten. That’s soziale Gerechtigkeit.

  • @Tim
    “Ohne die diversen Bundeszuschüsse müßten die Renten um etwa 30 % gekürzt werden.”

    Wenn man die versicherungsfremden Leistungen ausblendet, dann haben sie Recht. Wenn man sie berücksichtigt, dann erwirtschaftet die gesetzliche Rentenverischerung einen leichten Überschuss, da die Bundesmittel zum Ausgleich der versicherungsfremden Leistungen zu niedrig angesetzt ist.

    “Von einem “stabilen Fundament” kann seit Jahrzehnten keine Rede mehr sein.”
    So, so. Die gesetzlichen Rentenversicherungen haben die Wirtschaftskrisen der letzten Jahre besser überstanden als die meisten privaten Versicherungen. Dort wird der Garantiezinssatz regelmäßig nach unten korrigiert. Wo ist die alternative?

    “Übrigens: Selbständige zahlen über die allgemeine Steuer seit langem in die Rentenkasse ein, ohne eine Gegenleistung zu erhalten.”

    Übrigens zahle ich seit lange Steuern für Subventionen, von denen ich keine Gegenleistung bekomme. Das ist die Natur von Steuern. Des Weiteren sind es Bundeszuschüsse für versicherungsfremde Leistungen. Von denen haben auch die meisten Rentner nichts. Auch zeigt das Beispiel, dass man sich über die Finanzierung der Rentenkassen Gedanken machen sollte. Wieso nicht eine Kasse für alle, Beamte, Selbstständige, Angestellte, Arbeiter,… In anderen Ländern gibt es so etwas.

  • Tim

    @ chriwi

    Wie ich schon schrieb, ist die staatliche Rente in ihrer derzeitigen Struktur pleite, und zwar seit langem. Diesen Zustand kann man nur durch eine der drei folgenden Maßnahmen beheben: Entweder man ändert die Rentenstruktur oder die Finanzierung oder die Rentenhöhe.

    Die gesetzlichen Rentenversicherungen haben die Wirtschaftskrisen der letzten Jahre besser überstanden als die meisten privaten Versicherungen.

    Eine private Rentenversicherung ist so ziemlich die schlechteste Altersvorsorge, die man sich vorstellen kann. Die staatliche Rente ist die zweitschlechteste und gewiß keine Alternative. Beinahe jede andere private Altersvorsorge ist besser.

    Übrigens zahle ich seit lange Steuern für Subventionen, von denen ich keine Gegenleistung bekomme.

    Schlimm genug. Unternehmenssozialhilfe darf es nicht geben.

  • “Entweder man ändert die Rentenstruktur oder die Finanzierung oder die Rentenhöhe.”
    Warum die Rentenhöhe? Die Renten werden doch finanziert. Es ist das gleiche als wenn sie einen Posten Stromrechnung haben, den sie bedienen. Nun packen sie in den gleichen Posten ihre Benzinrechnung. Somit müssen sie Geld aus anderen “Bereichen” für die Stromrechnung bereitstellen. Das heißt aber dann noch lange nicht, dass sie zu viel Strom verbrauchen und sich eigentliche diesen nicht leisten können.

    “Beinahe jede andere private Altersvorsorge ist besser.”
    Welche denn? Immobilien sind sicher gut, haben einige entscheidende Nachteile. Zum einen können sich die wenigsten Menschen mehrere leisten. Wenn man nur eine hat in der man lebt, hat man kein Einkommen im Alter und kann sich nichts zu Essen kaufen. Des Weiteren ist man auf dem Arbeitsmarkt vorher nicht sehr flexibel.
    Aktien sind relativ unsicher und fallen somit raus. Andere Spareinlagen mögen zwar eine positive Rendite abwerfen, aber wenn man alle Sparen lässt sinken auch hier die Zinsen und somit der Ertrag. Welche alternativen hat man? Letztenendes kann nur das verteilt werden, was produziert wird. Genau hier liegt das Problem. Die Verteilung der produzierten Erträge ist zu ungleichförmig. Die Rentenfinanzierung funktioniert nicht mehr richtig, da die Löhne sinken. Wenn es nun mehr Rentner gibt steigen die Beitragssätze, bzw. die Defizite. Das ist aber kein Muss.

    Im Übrigen ist Ihre Prognose zum Kollaps der gesetzlichen Rente schon sehr alt. Diese Aussage gab es in den 20er Jahren ebenso wie in den 50er und 60er Jahren. Auch dort wurde mit Demographie und Unbezahlbarkeit argumentiert. Es gibt sie immer noch und die Leistungen sind über die Zeit sogar gestiegen.

  • Tim

    Im Übrigen ist Ihre Prognose zum Kollaps der gesetzlichen Rente schon sehr alt. Diese Aussage gab es in den 20er Jahren ebenso wie in den 50er und 60er Jahren. Auch dort wurde mit Demographie und Unbezahlbarkeit argumentiert. Es gibt sie immer noch und die Leistungen sind über die Zeit sogar gestiegen.

    Diese haarsträubende Begründung könnte 1:1 von einem Politiker kommen. Ein letztes Mal, bevor ich aufgebe: Das staatliche deutsche Rentensystem kann sich nur zu 70 % selbst finanzieren. Es ist PLEITE.

  • “Ein letztes Mal, bevor ich aufgebe: Das staatliche deutsche Rentensystem kann sich nur zu 70 % selbst finanzieren.”

    Wenn aus diesem System zusätzlich zu den Renten andere Dinge finanziert werden, dann ist es nicht pleite. Die 30% die steuerlich hinzukommen finanzieren Leistungen die nichts mit der gesetzlichen Rente zu tun haben. Diese Leistungen könnten irgendwo anders im Staatshaushalt geführt werden und das dies nicht gemacht wird, wird seit Jahren bemängelt. Somit existiert das von Ihnen propagierte bei den Renten Defizit nicht. Auf die Fragen nach den Alternativen haben sie auch nicht geantwortet.

    “Diese haarsträubende Begründung könnte 1:1 von einem Politiker kommen.”
    Seit 50 Jahren wird behauptet, dass der demographische Wandel nicht zu schaffen sei. Bisher funktioniert das System noch.

    http://www.annotazioni.de/post/197

    Wenn ich natürlich die Finanzierung des Selbigen durch lohnsenkende Politik torpediere, dann brauche ich mich nicht zu wundern, dass mir das Geld mittelfristig ausgeht. Jedes mal wenn die Wirschaft und die Löhne anziehen lösen sich auf magische Weise die Probleme in den sozialen Sicherungssystemen auf. Das wird selten erwähnt, denn dann kann man die Privatisierung der Selbigen nicht mehr vorrantreiben.

    “Es ist PLEITE.”
    Aufgeschlüsselte Zahlen will ich sehen.

  • Sicheritsicher

    Die gesetzliche, umlangefinanzierte Rentenversicherung ist das sicherste Rentensystem der Welt. Aber nur solange, bis Politiker die Leistungen dieses Systems kürzen, nicht selten auf Rat von sog. Experten wie Rürup, Riester oder Raffelhüschen. Experten, die oft eng mit der privaten Versicherungswirtschaft in Verbindung stehen. Das Argument für die dramatische Kürzung der gesetzlichen Renten im Rahmen der Riesterreformen war: Die gesetzliche Rente sei nicht mehr finanzierbar. In der Tat, hätte man das Niveau beibehalten wollen, hätte man den Beitragssatz mit der Zeit um bis zu 4% anheben müssen. Davon hätten 2% die Arbeitnehmer, die anderen 2% die Arbeitgeber finanziert. Aber wie gesagt, unfinanzierbar. Ganz anders Riester, da zahlen einfach die Arbeitnehmer 4% alleine, die Arbeitgeber 0%, die Rendite fällt in keinem mir bekannten Fall höher aus als in der gesetzlichen zu erwarten wäre. Allerdings scheinen die 4% problemlos finanzierbar zu sein. Ganz anders, als die 4% in der gesetzlichen es gewesen wären.

    Übrigens, es stimmt, der Bundeszuschuß an die gesetzliche Rentenversicherung reicht nicht mal ganz aus, um versicherungsfremde Leistungen zu finanzieren. Deshalb müssen diese Leistungen endlich aus der gesetzlichen rausgenommen werden. Das ist schon lange ein Skandal.

    Und nochwas, die privaten Rentenversicherungen drücken regelmäßíg bis zu 25% Provision vom Gewinn der zugelassen Investmentfonds nebst Ausgabeaufschlägen und sonstigen Gebühren ab. Sinken die Kurse, werden die Verluste dagegen zu 100% weitergegeben. Gehts anschließend wieder hoch, bleiben dem Riester/Fonds-Sparer dagegen nur 75%. “Jeden Tag steht ein Dummer auf, von dem musst Du mal Leben”, sagte mein Lehrer früher immer. Viel Spaß beim Riestern, sag ich heute!

  • @Sicheritsicher

    Hinzu kommt, dass im Fall einer großen Bankenkrise der Staat die Banken und somit indirekt auch die Versicherungen rettet. Das zahlen die Steuerzahler als Belohnung noch oben drauf.

  • “Private, gesetzliche und betriebliche!!! Vorsorge bilden ein stabiles Fundament.”

    Ich zitiere Bernd Raffelhüschen:

    “Die niedrigen Zinsen stellen viele Einrichtungen der betrieblichen Altersvorsorge vor ernste Schwierigkeiten.”

    Ist es nicht ein Widersprucht, wenn die betriebliche Vorsorge einerseits zu einem stabilen Fundament beiträgt und andererseits ernste Schwierigkeiten hat?

    http://www.faz.net/aktuell/finanzen/meine-finanzen/altersvorsorge-betriebsrente-ist-in-gefahr-11827616.html

  • Mag sein, dass die Renten sicherer sind als noch vor ein paar Jahren! Aber wenn ich sehe wie viel Rente jemand erhält der sein Leben lang gearbeitet ist, ist das schon erschreckend. Und nicht jeder ist einfach mal in der Lage im Monat 100 Euro in eine private Rente zu stecken.

    Die Anhebung des Renteneintrittsalter ist ebenfalls so eine Sache. Welcher Handwerker kann bis 67 auf der Baustelle arbeiten? Davor sind seine Gelenke schon auseinander gefallen. ;-)

    Ich denke, wir sind noch nicht am Ende mit den Reformen, wenn ich schon wieder höre, dass das Renteneintrittsalter noch weiter angehoben werden soll!

  • BS

    Warum private Renten ein stabiles Fundament bilden sollen ist mit völlig schleierhaft! Fakten:
    – Durchschnittlich 15% der Beiträge gehen für Vertrieb, Verwaltung und Unternehmensgewinn drauf (In der GRV beträgt die gesamte Kostenquote ca. 3% !!!!
    – Private Renten investieren überwiegend in Staatsanleihen. Wie sicher dass ist sieht man jetzt: ——entweder das Geld steckt in hochverzinnslichen Anleihen bonitätsschwacher Schuldner wie Griechenland, Irland, Portugal etc.. Um diese Staatsanleihen zu stützen mussten hunderte Milliarden Steuergeld verwendet werden um einen totalen Zusammenbruch der privaten Altersversorgung abzuwenden. Dieses Geld id die GRV investiert wäre sicherlich direkt den Rentnern zugute gekommen.—–Oder das Geld steckt in “sicheren Anleihen”, die heute gerademal ca- 1- 1,5% Zinsen bringen Zieht man da noch die Inflation sowie die exorbitanten Kosten v. ca.15% für Vertrieb, Verwaltung, Gewinn ab, so landen die Privaten Renten nahezu alle bei einer konstanten Negativrendite. Hinzukommt, dass die privaten, im Gegensatz zur GRV nahezu keinerlei Schutz vor Inflation haben, da ja keine Sachwerte oder wie bei der GRV Koppelung an die Wirtschaftsleitung bzw. Lohnentwicklung gegeben ist. Im übrigen ist empirisch nachweisbar, dass in allen Ländern in denen die GRV zurückgedrängt wurde in die private gefördert wurde die Altersarmut massiv gestiegen ist, ohne dass dadurch die Staataverschuldung gesunken bzw. die Wirtschaftsleistung erhöht wurde z. B. USA, England