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INSM – ÖkonomenBlog, Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) Welche Reformen braucht unser Land? Wie erreichen wir mehr Wachstum und Beschäftigung? Experten geben Antworten – diskutieren Sie mit!

 

Das Gläubiger-Kartell

Aus der Lehman-Pleite und der folgenden Finanzkrise haben wir nichts gelernt. Die Finanzmärkte sind immer noch nicht besser reguliert. Jüngstes Beispiel ist der Skandal um die Manipulation des LIBOR-Zinssatzes. Der Finanzsektor setzt damit mehr aufs Spiel, als nur Milliarden.

Es gehört zu den Grunderkenntnissen der Wirtschaftswissenschaft, aber auch der alltäglichen Lebenserfahrung: Kartelle oder gar Monopole hebeln jede marktwirtschaftliche Ordnung aus, weil sie den Wettbewerb ausschalten, technologische Entwicklungen hemmen, und die Verbraucher die Zeche in Gestalt überhöhter Preise bezahlen. Deshalb gibt es in vielen Staaten dieser Erde Kartellgesetze und entsprechende Behörden, die verbotene Preisabsprachen durch Anbieterkartelle aufdecken und mit Bußgeldern belegen. Die EU-Kommission etwa erließ im Jahr 2010 in Kartellverfahren Bußgelder gegen Firmen in Höhe von mehr als 3 Milliarden Euro, 2011 immerhin über mehr als 600 Millionen Euro.

Vor wenigen Tagen erst hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) eine bahnbrechende Entscheidung für die Saatgutvielfalt in der Agrarindustrie getroffen. Er kippte das Verbot des Handels mit nicht zugelassenen Saatgutsorten. Das ist gut für Artenvielfalt und Lebensmittelqualität wie für bäuerliche Familienbetriebe und Verbraucher.

Im derzeit wichtigsten Markt für die Funktionsfähigkeit unserer Wirtschaftsordnung, dem Finanzmarkt, liegt viel im Argen. Dort sind Lichtblicke – trotz zahlreicher Interventionen der Aufsichtsbehörden – eher selten. Der Skandal um die Manipulation des LIBOR, des täglich festgesetzten Referenzzinssatzes im Interbankenhandel in London, beweist, mit welcher kriminellen Energie der Leitzins für den internationalen Geldmarkt offenbar über Jahre hinweg zu Gunsten einiger Großbanken gefälscht wurde.

Erinnert sich heute noch jemand an die Absichtserklärungen, die von der internationalen Politik nach der Lehmann-Pleite im Herbst 2008 und dem anschließenden globalen Bankenbeben abgegeben wurden? Nie wieder dürfen die Systemrisiken von Großbanken dazu führen, hieß es damals unisono. Wo stehen wir eigentlich heute? Herrscht nicht, wie es Paul Kirchhoff vor wenigen Tagen formulierte, „eine moderne Feudalwirtschaft, die getarnt als Markt die Herrschaft des Geldes gegenüber produzierenden Unternehmen und Staaten ausüben will, die Gewinn ohne Risiko, Chance ohne Haftung, Herrschaft ohne Legitimation beansprucht“?

Im Kern sind wir Gefangene eines Gläubiger-Kartells, dem sich Bürger wie Unternehmen, aber auch viele Staaten freiwillig ausgesetzt haben, weil wir alle immer mehr Leistungen auf Pump finanziert haben. Wir wollen alles und zwar sofort, ist die Devise einer Gesellschaft, die das Maßhalten verlernt hat. Doch der Preis dieser Maßlosigkeit ist eine teuflische Abhängigkeit von den Feudalinstitutionen unserer Tage, den anonymen Finanzmärkten und ihren Akteuren.

Der marktwirtschaftlichen Ordnung erweisen diese neuen Feudalherren, die selbst so gerne von der Freiheit der Märkte und den Chancen der globalen Grenzenlosigkeit fabulieren, einen Bärendienst. In vielen Staaten der Welt schwindet das Vertrauen in den Kapitalismus als Wirtschaftsordnung, wie gerade erst wieder eine renommierte Studie der US-Denkfabrik Pew Reasearch Center belegt.

Deshalb müssen wir in alter ordnungspolitischer Tradition für zwei Grundpfeiler unserer Sozialen Marktwirtschaft kämpfen. Erstens: Kampf der kreditfinanzierten staatlichen Wohlfahrt! Nur ein Staat, der über den Konjunkturzyklus keine neuen Schulden mehr macht, befreit sich vom Joch der Gläubiger. Zweitens: Keine Finanzinstitution dieser Welt darf so groß und systemrelevant sein, dass sie nicht mehr in Konkurs gehen darf. Notfalls muss sie durch Kartellgesetz zerschlagen werden. Denn wer die schärfste Waffe im Kapitalismus, die Angst vor dem drohenden Totalverlust, außer Kraft setzt, der beerdigt schlussendlich auch die marktwirtschaftliche Ordnung.

  • Kammerjäger

    Es ist fraglich, ob oder wie wir uns dem Gläubigerkartell freiwillig ausgesetzt haben. Oder es eine Folge der systematischen Unterfinanzierung des Staates ist, die Verringerung der Steuerbasis durch Verzicht der Besteuerung in wesentlichen Bereichen entstanden ist.

    Neben den Ausnahmetatbestand im Umsatzsteuerrecht für Bankgeschäfte, ist hier der international fast einmalige Verzicht auf Vermögenssteuern, der weitgehende Verzicht auf Erbschaftssteuern, die überflüssige Absenkung der Grenzsteuersätze für höhere Einkommen seit den 90er Jahren und das Einkommenssteuerprivileg für Finanzeinkommen zu nennen. Insofern ist dieser Würgegriff das Ergebnis einer neoliberalen Agenda.

    Zum zweiten ist anzuführen, dass der Würgegriff nicht aus den zu hohen Transferzahlungen des Staates entstanden sind, sondern die Staatschuldenkrise eine Folge der Finanzkrise ist. Die durch die Lehmanpleite hervorgegangene Finanzkrise hat zu den starken Anstiegen der Verschuldungsgrade der Regierungen geführt. Das gilt insbesondere auch für Griechenland, wenn man sich die Zeitreihen der Staatsverschuldung anschaut. Auch im diesem Punkt muss man einräumen, dass die Marktliberalisierung der Finanzmärkte Ausgangspunkt der Probleme waren.

  • Kosmopolit

    Ich halte diese These fuer falsch.

    Sollte es ein “Glaeubiger Kartell” geben, waeren dies diejenigen, die Kapital vergeben haben. Die sind Rentenversicherungen, jeder Eigentuemer von Bundesschatzbriefen, Banken, im Grunde jeder Aktienbesitzer weil die Boerse ja nichts weiter ist als ein Platz an dem FInanzierung gegen Anteil getauscht wird, etc.

    Diese Gruppe ist absolut inhomogen und mit nichten ein Kartell. Darueber hinaus tauchen als Kapitalgeber auch Banken auf,die wie allg. bekannt, deutlich unterfinanziert sind- siehe Bankenrettung Spanien.

    Sicher, es gibt Problematische Faelle, wie z.b. die Banken, die auf dem Kapitalmarkt als MIttler, Kapitalgeben und Kapitalnehmer auftreten, was zu Intressenskonflikten fuehrt.

    Aber Fakt ist: Habe ich, egal ob Unternehmen, Privatperson oder Staat, einen ausgeglichenen Haushalt, und die Goldene Regel der Finanzierung (10te Klasse Wirtschaftsunterricht: Langfristig verbleibendes Vermoegen muss langfrisitg finanziert sein) dann kann es mir egal sein, ob der Zins am Kapitalmarkt momentan 1%, 5% oder 15% ist.

    Das Problem der Staatsschulden liegt auch nicht ursaechlich an der Bankenkrise von 2008, den die Staaten waren vorher schon verschuldet und haben sich auch nachher verschuldet- nimmt man Deutschlands, ca. 2 Bilionen Euro, und rechnet dagegen die Kosten der Bankenrettung- lassen wir es 100 Mrd. sein (waren es natuerlich nicht, deutlich weniger) dann sind das 5%.

    Ein EInnahmeproblem des Staates liegt in Deutschland auch nicht vor, der Deutsche Staats nimmt soviel ein wie niemals zuvor.
    http://www.welt.de/debatte/kommentare/article108276633/Der-Staat-hats-versaut-die-Reichen-sollen-buessen.html

    Das Problem sind also einzig und alleine die Ausgaben. Sieht man sich einmal den Bundeshaushalt an, dann sieht man 131 Mrd. Euro werden fuer Sozialausgaben,also fuer den Konsum, verpulvert.
    http://bund.offenerhaushalt.de/
    Das Kernproblem liegt also, analog, nur im kleineren Massstab wie in Griechenland, am 4 jahresdenken der Politik, eine bekannte schwaeche einer repraesentativen Demokratie. Die gewaehlten Politiker profitieren von der Wirkung der Schulden (Wiederwahl, positive Wirtschaftseffekte) haben aber mit der Rueckzahlung nichts zu tun.

    Haette Deutschland alleine diese 37 Mrd. Euro an Zinslast nicht zu stemmen, dann waere der dt. Haushalt ohne Neuverschuldung.

    Nochmals zuruekc zur These des Kapital Kartells:Die Kapitalgeber sind viel zu inhomogen, treten auf vielen Seiten auf und sind mitnichten daran, eine Diktatur zu errichten. In die Abhaengigkeit haben wir unser System schon selbst gefuehrt.

  • Sator

    Widerspruch zu Kammerjäger
    Ursache der Staatsschuldenkrise soll nicht die Schuldenpolitik der Staaten sondern deren Unterfinanzierung und Verzicht auf Steuern sein? Die Banken haben den Staaten das geld wahrscheinlich aufgezwungen.

    Schönes Bild werde ich meiner Bank auch mal erklären, dass ich nicht Schuld bin an meinen Krediten, sondern ich sei unterfinanziert durch Verzicht auf Einnahmen.

    Auf die Gefahr hin, dass man sich das schöne Bild nicht durch Fakten kaputt machen lassen will: Die Steuereinnahmen steigen ständig. So haben sich die Gesamtsteuereinnahmen in den letzten 10 Jahren um mehr als 37 % erhöht. Auch das Erbschaftssteueraufkommen ist gestiegen, sogar um mehr als 40 % im gleichen Zeitraum.

    Wir reden seit 30 Jahren über die zu hohe Staatsverschuldung – was ist in der Zeit dagegen unternommen worden – nichts. Erst jetzt beginnt man zu handeln. Es ist höchste Zeit! Aber nicht durch Erhöhung von Steuern, die letztendlich immer der Bürger zahlt, sondern durch radikales Zurückfahren der Staatsquote.

  • Peter

    Sorry, aber ich bin der Meinung, dass Beides nicht ganz richtig ist.
    Richtig ist, das der Kapitalismus in seiner jetzigen Form, jedes Maß verloren hat. Dies liegt aber nicht am Bürger, oder am betreffenden Volk, sondern an den Regierungen der “führenden Industrie- Staaten”. Diese haben sich seit Beginn der 90iger Jahre von der Wirtschaft die eigentlich marktregulierenden Gesetzgebungen diktieren lassen um eine Gewinnmaximierung um jeden Preis zu ermöglichen. Grundpfeiler der “sozialen” Marktwirtschaft wurden ausgehebelt um dies zu ermöglichen. Unsere Frau Merkel ist ja auch der Meinung, das wir lieber eine marktkonforme Demokratie, statt eines demokratiekonformen Marktes haben sollen.
    Die Auswüchse dieser Einstellung sieht und hört man täglich überall. Beispiel: N24.
    In den Nachrichten berichtet man über schon wieder gestiegene Benzinpreise und 1 Minute später in den Börsennachrichten jubelt man wegen der Freude der Analysten und Anleger, da sich die Rohölpreise wieder “erholt” haben.
    Es liegt meiner Meinung nach nicht am Bürger oder an der Gesellschaft an sich, die “alles auf Pump” finanziert haben will. Es liegt einfach daran, dass allein das Kapital die Richtung bestimmt und die Politik zu schwach, oder zu beeinflusst ist, sich dem entgegen zu stellen.
    Wachstum um jeden Preis um dieses System zu stützen ist der verkehrteste Weg den es gibt. Unkontrollierbares Wachstum bezeichne ich als Krebs. Wo das hinführt ist ja allseits bekannt. Aber selbst das ist den eigentlichen Verursachern der Misere egal – dann wird eben bis zum Kollaps noch Kapital abgeschöpft.

  • Tim

    @ Peter

    Ach, immer wieder diese Klagen, die sich auf ein paar Banken und eine Handvoll Großkonzerne stützen. Es gibt in Deutschland DREI MILLIONEN Firmen. Die brauchen richtigen Kapitalismus bzw. den Rückschnitt des Sozialstaats auf das Niveau der sozialen Marktwirtschaft. Was Sie beklagen, ist hingegen Staatskorporatismus, der in der Tat schadlich und abzulehnen ist. Kapitalismus ist NICHT Staatskorporatismus.

    Unkontrollierbares Wachstum bezeichne ich als Krebs. Wo das hinführt ist ja allseits bekannt.

    Kontrolliertes Wachstum hingegen bezeichnet man als real existierenden Sozialismus. Wohin das führt, ist ja allseits bekannt.

  • Surp

    @ Tim

    Quantitatives Wachstum zerstört den Planeten, die einzige Frage ist wann und wieviele es überleben werden.

    Aber unsere Generation wird es wohl noch nicht treffen, der derzeitige Kapitalismus ist eine “nach mir die Sinnflut-Idiologie (man könnte fast schon Religion sagen)”.

    Sozialismus funktioniert aber ähnlich, da haben sie Recht.

    Beide vergöttern Erwerbsarbeit egal wie parasitär sie ist. Son bisschen erinnert mich das an das goldene Kalb.

    Was ist denn überhaupt ein Sozialstaat, ein Staat der Einkommen durch Gesetze, Überwachung, Verwaltung etc. verteilt? Am besten noch nach Bildungskärtchen, egal wie unproduktiv die Person ist, ich hab ja einen Doktortitel?

    Die Situation haben wir jetzt, sei es privatwirtschaftlich oder auch durch staatliche Institutionen.
    Ich bin dafür dies zu beenden, dann ist nur die Frage, wie man dann Einkommen verteilen soll oder ob man es garnicht machen soll mit allen Konsequenzen.

  • http://endlessgoodnews.blogspot.com/ chriwi

    @Kosmopolit
    “100 Mrd.”
    Das wird wohl nicht annähernd reichen.

    “Aber Fakt ist: Habe ich, egal ob Unternehmen, Privatperson oder Staat, einen ausgeglichenen Haushalt, und die Goldene Regel der Finanzierung (10te Klasse Wirtschaftsunterricht: Langfristig verbleibendes Vermoegen muss langfrisitg finanziert sein)”
    1. Was ist langfristig? 2, 5, 10 oder 100 Jahre?
    2. Wenn der Staat, die Privatperson und die Unternehmen mindestens einen ausgeglichenen Haushalt haben, dann ist die Frage wo das kreditbasierte Geld herkommt. Irgendjemand muss sich verschulden und die Schulden auch behalten. Die Frage ist ob diesen Schulden Werte gegenüber stehen. Da sieht es in Deutschland gar nicht schlecht aus. Der Immobilien-, Infrastruktur-, Landbesitz, etc. des deutschen Staates wird wohl die Schulden deutlich übertreffen.
    3. Wenn Schulden allein das Problem darstellen, wieso zahlt Deutschland fast keine Zinsen Spanien aber viele. Noch ist Spanien niedriger verschuldet als Deutschland. Auch Slowenien zahlt mehr. Offensichtlich ist es nicht so einfach.

    “Ein EInnahmeproblem des Staates liegt in Deutschland auch nicht vor, der Deutsche Staats nimmt soviel ein wie niemals zuvor.”
    Ist das auch inflationsbereinigt so? Wenn ihr Lohn unter der Inflationsrate sinkt, dann kann Ihnen ihr Chef auch sagen, dass sie so viel Lohn wie niemals zuvor bekamen. Mehr kaufen können sie sich davon nichts. Wenn die Ausgaben des deutschen Staates gleich bleiben (Kaufkraftbereinigt) dann steigen mit der Inflationsrate. Somit ist die Aussage:

    “dann sieht man 131 Mrd. Euro werden fuer Sozialausgaben,also fuer den Konsum, verpulvert.”

    Unsinn. 131 Mrd. Euro sind Einnahmen des Einzelhandels, der Vermieter, der Ärzte, etc. Diese müssen investieren, um dieses Geld abzugereifen. Es ist also nicht verpulvert. Hinzu kommt, dass die Sozialleistungsquote nicht gerade dramatisch gestiegen ist

    http://www.sozialpolitik-aktuell.de/tl_files/sozialpolitik-aktuell/_Politikfelder/Finanzierung/Datensammlung/PDF-Dateien/abbII1a.pdf

    Wenn die Wirtschaft wächst wie in den Jahren 2007/2008 dann sinkt sie. Die relativ hohen Werte in den 90er beruhen auf der katastrophalen Wirtschaftspolitik der nach der Wiedervereinigung, wo die DDR Wirtschaft fast vollkommen zerschlagen wurde. Auch darf man nicht vergessen, dass die steuerlichen Zuschüsse des Staates in die Sozialsysteme steigen, da die Arbeitgeber entlastet worden sind.

    http://www.sozialpolitik-aktuell.de/tl_files/sozialpolitik-aktuell/_Politikfelder/Finanzierung/Datensammlung/PDF-Dateien/abbII22.pdf

    Wenn man diese Subventionspraktik ausbledent, dann kann man über den zu teuren Sozialstaat jammern.

    @Tim
    “Was Sie beklagen, ist hingegen Staatskorporatismus, der in der Tat schadlich und abzulehnen ist.”
    Absolut richtig. In den USA ist es noch extremer. Dort beeinflussen große Unternehmen maßgeblich die Außenpolitik und ließen gewählte Regierungen stürzen.

    “Kapitalismus ist NICHT Staatskorporatismus.”
    Leider tendiert er gerne in diese Richtung.

  • Helmuth Schrickel

    Was für Geier sind eigentlich die Gläubiger ? Glauben diese daran sehr viel Geld zumachen weil diese Gläubiger eine Geldvermehrung betreiben und gleichzeitig von den Staaten geschützt werden . Geld ist eine Ware zum Nulltarif und vermehrt sich nur von Dumme , die nicht Ihren Lebensmindestunterhalt verdienen . Gläubiger sind keine Menschen ,Gläubiger sind Verbrecher der besonderen Art und meinen auch noch den Menschen zu dienen .

  • http://pirat-micha.blogage.de Micha(el Winkler, Dresden)

    Der Ökonom Hyman Minsky soll mal gesagt haben: „If a bank is too big to fail, it is too big“.
    Da hatte er wohl nicht ganz unrecht.

    Das betrifft den zweiten Teil Ihrer Schlussfolgerung, zum ersten hätte ich eine Frage … Sie schreiben – etwas parolenhaft – “Kampf der kreditfinanzierten staatlichen Wohlfahrt!” (erinnert mich immer an die Kampf-Parolen der sog. Linken ;)) …
    Nun weiß man ja, dass Sie sich gern auf den Wohlfahrtsstaat “einschießen” und man kann das nun gut heißen oder nicht, ist mir gleich. Deshalb mal anders gefragt:
    Wie würden Sie denn einen Wohlfahrtsstaat finanzieren?
    Oder würden Sie ihn ganz abschaffen wollen, kurzum: ALG&Co. ganz weg … wer nicht allein Geld verdienen kann, hat halt Pech und sollte sehen, wie er wieder dazu kommt?

    Mit anderen Worten: mir fehlen – neben aller berechtigter Kritik Ihrerseits (vieles würde ich unterschreiben) – die konkreten Alternativen.

  • helmutne

    Geld regiert die Welt.
    Wenn die lächerlichen demokratichen Wahlen in den USA dies belegen, dann sollten wir unsere Zentralbank auffordern, neues Geld zu drucken und an die Bürger zu verteilen. Die Inflatinsrate zwischen 5 u. 10% gehalten werden. Die Staaten zum Schulden abbau verplichtet sein. So kann man das Geld, das keine Sinvolle Anlagemöglichkeit
    mehr findet, wieder in den Wirtschaftskreilauf bringen.

  • Kammerjäger

    @Kosmopolit:

    “Das Problem der Staatsschulden liegt auch nicht ursaechlich an der Bankenkrise von 2008, den die Staaten waren vorher schon verschuldet und haben sich auch nachher verschulde”

    Doch. Ich zitiere einmal direkt aus dem Acemaxx Analytics Blog, der es gut auf den Punkt bringt:

    „Die wahre Geschichte ist, dass die Welt heute das Gegenteil einer Staatsschulden-Krise erlebt, wie die sinkenden Finanzierungskosten der öffentlichen Hand darauf hindeuten“, schreibt Joe Weisenthal in einem einfachen, aber vollkommen wirkungsvollen Beitrag in Business Insider.

    Was Weisenthal sagt, ist, dass es keine Krise gibt, die durch unverantwortliche öffentliche Kreditaufnahme verursacht wurde.

    Es war die übermässige Kreditaufnahme und Kreditvergabe im privaten Sektor, v.a. durch die übermässig-fremdfinanzierten (over-leveraged) Banken im unterregulierten Bankensystem.

    Die Staaten haben sich verschulden müssen, um Banken zu retten, weil das Platzen der Spekulationsblase zu einem Rückgang der Produktion und des Steueraufkommens geführt hat. Die Regierungen waren gezwungen, die Schulden des privaten Sektors zu übernehmen, weshalb die Schulden der öffentlichen Hand gestiegen sind. Die grossen Haushaltsdefizite sind heute nicht eine Ursache, sondern eine Folge der Krise.”

  • http://endlessgoodnews.blogspot.com/ chriwi

    “Die grossen Haushaltsdefizite sind heute nicht eine Ursache, sondern eine Folge der Krise.”

    Die besten Beispiele dafür sind Spanien und Irland. Beide Länder waren vor der Krise deutlich weniger verschuldet als Deutschland. Bei Griechenland würde ich meinen, dass die Außenhandelsbilanz das Hauptproblem darstellt. In den USA sind es die sinnlosen Kriege, welche den Haushalt zusätzlich belasten. Man sieht also, dass die Ursachen der Verschuldung sehr vielfälltig sind, die Finanzkrise aber einer der wesentlichen Punkte der Zusatzverschuldung darstellt.

  • BKKopp

    Die Gläubiger haben die naheliegenden, gleichen, Interessen. Sie wollen die Zinsen und die vereinbarte Tilgung. Diese Interessen stehen immer wieder auf der Tagesordnung, weil die Schulder, wegen des Zinsvorteils, viel zu viele kurzfristige Schulden für langfristigen Bedarf aufgenommen haben, und daher immer wieder neu abschliessen müssen. Aber, die Gläubiger sind kein Kartell.
    Auch die LIBOR-Manipulationen sind kein Beweis für unzureichende Bankenregulierung und -aufsicht. Die Bankenregulierung und -aufsicht hat keinen Biss, weil die Politik sich nicht traut, und dem Geschwätz über Ansteckungsgefahr immer wieder Gehör schenkt. Tatsächlich haben wir eine Krise der representativen Demokratie. Unsere gewählten Vertreter und die staatlichen Institutionen sind nicht mehr überzeugend in der Lage, im Gemeinwohl-Interesse Reglementierungen zu erlassen die das System schützt, die überflüssigen Marktteilnehmer aber radikal zum Aussscheiden zwingt. Die HRE mit Nachfolgeinstitut, und die Commerzbank mit all den Figuren, die die Bank an die Wand gefahren haben, sind immer noch da und in Amt und Würden (und 6-7-stelligen Jahreseinkommen).

  • Dr. Jost Trier

    @Kosmopolit
    Es stimmt, die Gesamtheit der Gläubiger ist viel zu heterogen, als dass man sie als Kartell bezeichnen könnte. Dennoch spricht mir der Aufsatz von Oswald Metzger aus der Seele. Man fühlt sich ausgeliefert an eine Macht, die man nicht durchschaut und die die Realwirtschaft langsam erdrückt, natürlich erst in den finanziell kritischsten Staaten, aber letztlich unweigerlich auch bei uns. So eine Macht muss nicht unbedingt von einem Club ausgehen, innerhalb dessen man sich zum Nachteil der Außenwelt abspricht. Solche Macht kann auch von Ideologien ausgehen, die von allen als selbstverständliche Grundlage ihres sozialen und in diesem Falle wirtschaftlichen Zusammenlebens anerkannt werden. Was muss alles noch passieren, bevor man erkennt, dass wir uns einer Ideologie und nicht einer wissenschaftlichen Erkenntnis verschrieben haben?

    Die zentrale Forderung unserer Geldschöpfung, dass allem Geld (gemeint ist z.B. M3) eine entsprechende Schuld gegenüber stehen muss, ist in dieser absoluten Form eine Ideologie. Die Geldschöpfung muss vielmehr als das zentrale Mittel zur Belebung oder Dämpfung der Gesamtwirtschaft im Währungsraum begriffen werden. Dazu muss sie aber die Fesseln einer verfehlten Ideologie abwerfen. Das würde Inflation bedeuten? Inflation (Teuerung der Verbraucherpreise) entsteht, wenn die Wirtschaft von zu großer Nachfrage überfordert wird, nicht automatisch, wenn die Geldmenge erhöht wird. In unsrem Währungsraum (und sogar darüber hinaus) leiden wir aber unter zu geringer Nachfrage. Die Geldmenge M3 fragt zum größten Teil gar nicht im realen Markt nach. Eine Erhöhung von M3 ist also irrelevant für die Inflationsgefahr. Zur wirtschaftlichen Belebung muss die Nachfrage in Verbraucherhand erhöht werden. Das funktioniert durch Kopfzahlung von frisch gedrucktem Geld (in Wahrheit sind das meist nur Bits im Computer) für jede Person im Währungsgebiet, z.B. jeden Monat 100,- Euro an die Person, 100 Euro an den jeweiligen Staat. Das kann man so lange fortsetzen, bis die Steuereinnahmen des Staates den Wert aus dem Jahr 2007 übersteigen. Danach zieht die Zentralbank den übersteigenden Betrag ein und vernichtet ihn. Geld ist immer nur ein Gutschein auf Teilhabe am Wohlstand im Währungsgebiet, es hat keinen eigenen Wert und darf deshalb nach Belieben vernichtet werden. Letztlich wird so das Nullsummenspiel von Geld und Schuld wieder hergestellt, aber nur in großen Zeiträumen, nicht für jeden Zeitpunkt.

    Zur Zeit wären sicher nur die Saaten zu einer solchen Lösung bereit, die sich in höchster Not befinden. Für die anderen wäre der notwendige finanzielle Durchgriff der Zentralbank unerträglich. Der Durchgriff müsste tatsächlich bis in die Finanzämter hineinwirken, sonst wird doch nur gemogelt. Ich sehe aber auch keinen Grund, weshalb dies nicht (zunächst) für einzelne Staaten ausgehandelt werden sollte. Besser als immer neue Darlehen, die durch Zinsen exponentiell wachsen, besser als Verschuldung sogar in China, ist das in jedem Falle.

  • Peter

    @Tim
    In der gesamten bisherigen Menschheitsgeschichte gab es weder einen echten sozialistischen, noch einen kommunistischen Staat. Egal wie die betreffenden Regime sich benannten. Dieses Argument ist genauso richtig wie die Aussage, Putin wäre ein “lupenreiner Demokrat” – dies nur mal am Rande.
    Was ich beklage, ist die derzeitige Form des Kapitalismus. Die von mir verwendete Aussage von Frau Merkel trifft es eigentlich ganz gut – dachte ich. Da liegt nämlich das Problem schätze ich.

    Derzeit ist es nun einfach mal so, dass die gesamte Gesellschaft sich dem Markt anpassen muss, egal wie die Folgen aussehen. Ich bin in meiner Naivität aber mal davon ausgegangen, dass sich der Markt an der Gesellschaft auszurichten hat, da er ja eigentlich von dieser geformt und am Leben gehalten wird.
    Ich könnte stundenlang darüber referieren – es würde garantiert den Rahmen für diesen Blog sprengen.
    Richtig, und wichtig, ist es meiner Auffassung nach die Macht der Finanzmärkte rigoros zu beschneiden. Es darf nicht mehr möglich sein, dass eine Gruppe von Bankern in den USA auf Grund ihrer persönlichen Annahmen, nach lesen des Wetterberichtes, die Getreidepreise in Asien bestimmen. Das ist das eigentliche Problem unserer Zeit.
    Es ist soweit gekommen, dass nicht mehr die Produktivität und der Gewinn eines Unternehmens seinen Wert bestimmt, sondern die perönliche Meinung eines 42jährigen Finanzjongleurs der auf der anderen Seite der Erdkugel lebt.
    Wir regen uns alle über Griechenland, Portugal, Spanien usw. auf.
    Okay. Nehmen wir Griechenland. So wie ich es mit meiner recht pragmatischen Sicht verstanden habe, lag die Pro-Kopf- Verschuldung der Griechen weit unter der der Bundesrepublik. An sich, gemessen an der Tatsache, das es sich ja um einen Staat handelt, der seine Einnahmen fast ausschliesslich durch Tourismus und Agrawirtschaft erzielt, völlig angemessen.
    Selbstverständlich beteiligten sich Griechenlands Banken auch an diesen verbrecherischen Finanzgeschäften (ist ja fast unsere neue Religion) und wird von den Folgen natürlich (da ja der Landeshaushalt viel knapper ist) um ein vielfaches schwerer getroffen. Danach stellt sich dann diese dubiose Ratingagentur, welche ja mit ihren Empfehlungen das Desaster auslöste, hin und ruiniert den Staat endgültig. Prompt stellt sich ganz Europa hin – nachdem es dieses Dilamma erst ermöglicht hat – und regt sich über die faulen, verschwenderischen Griechen auf.
    Ehrlich? Ich verstehe es nicht.
    Aber ich verstehe eines.
    Unsere Wirtschaft steht zwar besser da, aber mit den nun angehäuften Schulden nicht mehr lange. Unser gesamter Finanzhaushalt ist auf die Annahme eines imaginären Wachstums ausgelegt, welches wir selbst in den vergangenen Jahren nie so ganz erreicht haben. Es ist soweit gekommen, dass in der Bundespolitik mehr mit Zahlen jongliert wird wie bei allen Analysten zusammen, um ein Finanz- und Wirtschaftssystem zu stützen welches uns im Sturzflug ins Verderben stürzt.

    Ein guter Anfang wäre es, wenn weltweit diese Finanztransaktionssteuer eingeführt würde. Gleichzeitig der Börsenhandel mit Rohstoffen und Nahrungsmitteln untersagt wird.

    Man kann, so denke ich, blickt man in die Geschichte, eindeutig feststellen, dass Finanzgeschäfte an der Börse noch nie zu einer Verbesserung der Wirtschaft beigetragen haben. Im Gegenteil – letztendlich hat das immer zu Katastrophen geführt. Angefangen bei Tulpenversteigerungen im 17. Jahrhundert bis zur großen Weltwirtschaftskrise der 1920er Jahre. Je weniger Macht Spekulanten hatten, um so besser ging es der Wirtschaft (“Wirtschaftswunder”).
    Leider haben es die diese Finanzpiraten nun endlich geschafft, sich die Regierungen hörig zu machen.
    Ich glaube, das es nicht mehr die Frage ist, OB wir auf ein ekelhaftes Ende unserer derzeitigen Gesellschaftsform hinsteuern sondern nur noch WANN.

  • Peter

    @Tim
    entschuldigung, ich muss noch etwas nachsetzen.
    “Die brauchen richtigen Kapitalismus bzw. den Rückschnitt des Sozialstaats auf das Niveau der sozialen Marktwirtschaft.”
    Soll ich dieser Aussage entnehmen, dass wir heutzutage den Sozialstaat, der in den 90ern existierte, noch weiter aufgebläht haben? Ich glaube, sollte der gute Herr Erhard “unsere” Form der sozialen Marktwirtschaft sehen, würde er sich nicht nur im Grabe umdrehen, sondern rotieren wie ein Hammerwerfer, da von dem Wörtchen “sozial” nicht mehr viel übrig ist.
    Natürlich, unsere Subventionen sind um ein Vielfaches gestiegen. Dem stimme ich uneingeschränkt zu – die Frage ist nur, WAS subventioniert wird. Ich kann mich dunkel entsinnen, dass EON, EdIS, die deutsche Bahn, Telekom…usw. einen Großteil dieser Finanzspritzen, gemessen an den Ausgaben dafür insgesamt, erhalten. Diese Thematik gehört aber leider nicht in diesen Blog.
    Insgesamt ist die allgemeine Frage, oder Thematik, ganz einfach zu beantworten:
    Wir benötigen ein Finanz- und Wirtschaftssystem welches sich an der Entwicklung der Gesellschaft orientiert und dieser insgesamt zu Gute kommt. Basta.
    Leider ist die Entwicklung und Umsetzung als solches alles andere als einfach.

Der Autor:

Oswald Metzger

ist Buchautor und ausgewiesener Haushalts- und Finanzexperte. Von 1994 bis 2002 gehörte er dem Deutschen Bundestag an.

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