Man darf niemandem einen Vorwurf machen, der seinen gerechten Anteil am Wirtschaftswachstum einfordert. Wolfgang Huber, *1942, Evang. Bischof, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche.

6 Arbeitsmarkt

Sprungbrett Niedriglohn

Gute Nachrichten vom Arbeitsmarkt. Seit 2001 sind über 2 Millionen neue Jobs entstanden. Vor allem die atypischen Beschäftigungsverhältnisse sind mehr geworden. Und genau darin sehen Kritiker ein Problem. Ist das deutsche Beschäftigungswunder nur durch Lohndumping entstanden?

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Die Meldung des Statistischen Bundesamtes, dass die Zahl unbefristeter Vollzeitstellen im Jahr 2011 um 610 000 gestiegen ist, illustriert den bemerkenswerten beschäftigungspolitischen Erfolg der letzten Jahre. Seit 2001 sind 2,3 Millionen neue Jobs entstanden. Die Zahl der Normalarbeitsverhältnisse ist in diesem Zeitraum weitgehend konstant geblieben.

Gestiegen ist hingegen die Zahl der sogenannten atypisch Beschäftigten – auf einen neuen Höchststand von 7,92 Millionen. 22,1% aller Erwerbstätigen sind demnach in dieser Form beschäftigt. Doch die Expansion erfolgt nicht auf Kosten der unbefristeten Vollzeitjobs, sondern ging zu Lasten des inaktiven Anteils der Erwerbsbevölkerung: Arbeitslose, Frührentner oder Nichterwerbstätige. Mit den atypischen Beschäftigungsverhältnissen sind neue Jobs entstanden. Somit konnten Personen in den Arbeitsmarkt integriert werden, die bislang außen vor blieben.

Atypische Beschäftigung ist nicht in jedem Fall gleichbedeutend mit Niedriglöhnen und sozialen Problemen. Reguläre, sozialversicherungspflichtige Teilzeitbeschäftigung ist weder automatisch schlechter bezahlt noch unsicherer als Vollzeit und entspricht ganz überwiegend den Erwerbswünschen der Arbeitnehmer. Selbstständige sind im Durchschnitt sogar sozial besser gestellt als abhängig Beschäftigte.

Aber selbst der Anstieg der Niedriglohnbeschäftigung ist Ausdruck eines arbeitsmarktpolitischen Erfolges, nämlich der zunehmend besser gelingenden Eingliederung Geringqualifizierter und Langzeitarbeitsloser. Man darf nicht vergessen, dass jährlich etwa ein Viertel (24,1 Prozent) der Beschäftigten des Niedriglohnsektors in den Normalverdienerstatus aufsteigen. Das zeigt, dass Niedriglöhne für viele Menschen in Deutschland vor allem eins sind: Einstiegslöhne. Dieser Sektor des Arbeitsmarktes bietet all jenen Ein- und Aufstiegsmöglichkeiten, die sonst vielleicht keine Chancen auf einen Arbeitsplatz hätten.

  • Autor

    Holger Schäfer

    ist Arbeitsmarktexperte beim Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW),

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  • “Seit 2001 sind 2,3 Millionen neue Jobs entstanden. Die Zahl der Normalarbeitsverhältnisse ist in diesem Zeitraum weitgehend konstant geblieben.”

    Was definieren sie als Normalarbeitsverhältnis?
    Zwischen 2001 – 2010 sank die Zahl der Vollzeitstellen um knapp 2 Millionen. DIe Zahl der Teilzeitstellen nahm zu. Die Gesamtzahl der Beschäftigen nahm auch nur um 0.8 Millionen in diesem Zeitraum zu. In meinen Augen ist das kein Grund zu feiern. Offensichtlich wurden bei der Studie die Parameter sehr günstig gewählt. Auch sollte sie die Kommentare zu der Veröffentlichung sehen:

    Dass die Basis der beiden Prozentzahlen völlig unterschiedlich ist, ist ja egal.
    http://www.insm.de/insm/Presse/Pressemeldungen/Sprungbrett-Niedriglohn.html
    Uwe19661
    “Gehen wir mal von ca. 40 Mio Beschäftigten aus, ca, 6,5 Mio Geringeverdiener dann bleiben 33,5 Mio Normalverdiener (Zahlen aus dem Internet FAZ, Spiegel Online kleine Änderungen sind nicht von Grundsätzlicher Bedeutung).

    24,1 % von 6,5 Mio sind ungefähr 1,56 Mio Aufsteiger
    4,8 % von 33,5 Mio sind ungefähr 1,6 Mio Absteiger”

    http://doku.iab.de/grauepap/2011/tab-az10.pdf

  • Andreas

    Laut Statistischen Bundesamt sind all diejenigen als Vollzeitkräfte eingestuft, die mindestens 21 Stunden die Woche arbeiten. Deren Löhne kann man sich dann ja denken und es lässt erahnen, wie krumm und schief die gesamte INSM “Berechnung” da oben (mal wieder) sein muss.

  • Markus

    @ Andreas
    Wie kann ich mir denn die Löhne von Teilzeitstellen denken?

    Teilzeit: Die Statistik beachtet übrigens auch nicht, ob jemand neben der Teilzeitstelle einen weitere Tätigkeit ausübt.

  • Dumpfbacke

    Woher bezieht denn das statistische Bundesamt das Zahlenwerk ?
    Dort verweilen ominöse Angestellte mit hohem Freizeitwert, die solch einen Schwachfug zu Papier bringen.

  • Niedriglohn bedeutet wirtschaftlichen Aufschwung, jedoch nicht für die Arbeitnehmer, lediglich der Unternehmer hat einen Nutzen davon. Arbeitnehmer mit Niedriglohn sind oftmals noch Bezieher von Hartz IV und somit Bedürftige, was bedeutet, dass sie sich doppelt demütigen lassen müssen : Durch den verbrecherischen Unternehmer und durch die Ämter. Niedriglohnempfänger sind die Sklaven der Neuzeit, dieses ist so nicht zu akzeptieren. Es sei festgestellt : Niedriglöhne sind ein Verbrechen und gehören verboten. Gute Arbeit verdient guten Lohn und somit fordere ich auf : Wehrt Euch und macht dem Kapital Feuer unter dem Arsch, auf dass es in seinem eigenen Unrat verbrenne und sich die Werktätigen dadurch befreien. Und was die Seite der INSM angeht : Der Werktätige mag nicht studiert sein, aber damit ist er noch nicht völlig verblödet. Es mag sein, dass einige wenige (und gesteuerte Handlanger des Kapitals) die hirnlosen Äusserungen auf der Seite als gut befinden, man sollte sich aber nicht täuschen lassen. Denn Täuschung ist ein Instrument des Grosskapitals und einer korrumpierten faschistischen Regierung, auf die der Werktätige aber nicht herein fallen muss.

  • Michael Mao Schulz

    Na dann sieh dir doch mal das Video an Herr “Mao” (toller Held, Massenmörder, aber immerhin Sozialist und das ist doch auch soziali, nicht wahr? ) http://m.youtube.com/watch?gl=DE&hl=de&client=mv-google&v=wbRE2oeATsM