Wir hatten die Sozialgesetze eingeführt, um die Menschen durch staatliche Leistungen vor Armut zu bewahren. Es ist ein paradoxer Widerspruch, dass Menschen gerade dann als arm wahrgenommen werden, weil sie staatliche Transferleistungen beziehen. Wolfgang Schäuble, *18. September 1942, deutscher Politiker (CDU)

12 SozialesSteuern und Finanzen

Inflation frisst Rendite

Der demographische Wandel stellt vor allem unsere sozialen Sicherungssysteme vor große Herausforderungen. Mehr Kapitaldeckung, weniger Umlage – das war das Credo der Rentenreform. Das wird nun zum Problem. Die niedrigen Zinsen sorgen für niedrige Renditen bei den Lebensversicherern. Den Rest besorgt die Inflation.

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Wie organisieren Gesellschaften in Zeiten der säkularen Alterung ihrer Bevölkerung, die Folge des demographischen Wandels ist, ihre Alterssicherungs- und Gesundheitssysteme? Und das in Zeiten, in denen die Renditen an den Finanzmärkten schmelzen wie Butter in der Sonne und der Aufbau eines Kapitalstockes enormen Inflationsrisiken unterliegt. Diese Frage gehört zu den schwierigsten Aufgabestellungen in der Politik.

Viele Jahre haben Banken und Versicherungen, Fondsgesellschaften und Pensionsfonds uns Bürger mit drastischen Worten vor den „Versorgungslücken“ gewarnt, die unseren gewohnten Lebensstandard im Alter bedrohen, weil das gesetzliche Rentenniveau immer weiter absinkt. Viele Billionen Spargelder wurden in den vergangenen Jahrzehnten den Finanzmarktakteuren anvertraut. Bei den großen institutionellen Anlegern ballte sich eine Kapitalmacht, die zu immer riskanteren Geschäftsmodellen führte. Schließlich mussten die Renditeversprechen ja immer höher und höher werden, um die Klienten bei Laune zu halten und die Konkurrenz auszustechen. Doch in welchem Ausmaß kapitalgedeckte Rentensysteme unter massiven Kurs- und Renditeverlusten leiden, das hat für Millionen von Amerikanern und Engländern die Finanzmarktkrise der vergangenen Jahre drastisch gezeigt. Einbußen von 30% und mehr pro Jahr sind keine Seltenheit.

Dass eine ausschließlich kapitalgedeckte Rente sehr krisenanfällig sein kann, zeigen die jüngsten Turbulenzen auf den Märkten. In Deutschland hat man sich richtigerweise entschlossen, die Altersvorsorge auf mehrere Beine zu stellen. Die gesetzliche Rente kann durch private Vorsorge wie Riester oder einer betrieblichen Vorsorge flankiert und ergänzt werden. So werden Risiken auf drei Säulen verteilt.

Auf Dauer können an den Finanzmärkten dieser Welt keine signifikant höheren Renditen erwirtschaftet werden wie in der Realwirtschaft. Wer seinen Kunden über Jahre zweistellige Renditen verspricht, während sie in der Realwirtschaft bei durchschnittlich dreieinhalb Prozent liegen, der predigt den Diebstahl im Kapitalismus. Gerade die Finanzmarktakteure, die viele Jahre von diesem System profitiert haben, haben das Vertrauen von Millionen Sparern mutwillig zerstört. Denn heute fürchten zu Recht viele, dass künftig die Inflation die schönen Renditeträume auffrisst, der Sparer also der Dumme sein wird.

Dabei steht objektiv fest, dass Lebensstandardsicherung im Alter ohne private Vorsorge überhaupt nicht möglich ist. Deshalb ist eine Politik notwendig, die überzeugend für solide Staatsfinanzen streitet. Denn nur dort, wo Staat wie Bürger nachhaltig wirtschaften, kann auf Dauer Vertrauen in die Geldwertstabilität wachsen. Und nur dort, wo dieses Vertrauen besteht, wird auch für das Alter und die Pflege im Alter angespart.

 

  • Autor

    Oswald Metzger

    ist Botschafter der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft. Von 1994 bis 2002 gehörte er dem Deutschen Bundestag an. Er ist Geschäftsführer des Konvent für Deutschland.

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  • Vielleicht ist eine Kopplung der umlagefinanzierten Renten an die Zahl des eigenen Nachwuches plus eine effektivere Familienpolitik doch einfacher. Andere Länder haben auch keine viel höheren Geburtenraten mehr, Kapital das Rendite sucht gibt es en masse, woher soll es also kommen.

  • Dieses obskure Plädoyer für kapitalstockbasierte Alterssicherungssystem geht mal wieder am demografischen Problem vorbei. Ein Alterssicherungssystem wird nicht sicherer, wenn man neben die Umlage die kapitalstockbasierte Rente setzt in einer Zeit jahrelanger Finanzmarktkrisen. Wenn man eine schrumpfende Bevölkerung hat, ist eine kapitalstockbasierte Alterssicherung Geld verbrennen. Da kann man es auch gleich den Zockern an der Wall Street schenken. Warum?

    Wenn die Bevölkerung kleiner wird (insbesondere in den jüngeren, produktiven Kohorten) und die Alten überproportional wachsen, dann bedeutet das, dass die Nachfrage nach Pflege drastisch steigt (wie wir auch an der Einführung der Pflegeversicherung gesehen haben). Wenn dann durch kapitalstockbasierte Alterversorgung die Liquidität steigt, das Angebot sinkt, dann geht der Preis ganz klassisch hoch, wenn der Staat nicht interveniert. Das aber heisst, dass die Vermögen der Alten schneller entwertet werden als die allgemeine Inflation ausweist. Dieses demografische Problem kann man nicht lösen. Da mag die Allianz dem Herrn Sinn oder anderen Evangelisten für absurde Produkte der Finanzindustrie noch so viel Geld zahlen für seine sinnlose Werbung für Finanzprodukte.

    Die Lösung kann nur heissen, um Wohlstandsverluste zu vermeiden, dass man die Bevölkerung einigermaßen gleich groß hält. Da wird das aber durch unsere mangelhafte Fertilität von 1,4 seit Jahrzehnten nicht schaffen (wo wir 2,1 Kinder pro Frau bräuchten), bleibt nur die Zuwanderung. Diese wird aber durch absurde Zuwanderungspolitik der CDU verhindert (was faktisch die Rentner enteignet ohne Entschädigung).

    Die US-amerikanische Altersversorgung Calpers (kalifornische Beamten Altersversorgung) braucht 6,5 % Rendite, um ihre Versprechungen einzuhalten. DIe schafft sie derzeit nicht mehr. Arnold Schwarzenegger hat im Wall Street Journal dazu klare Wort gesagt, statt immer noch Hochglanzprospekte für die Finanzindustrie zu verteilen, für deren Verteilung man trefflich bezahlt wird, was insbesondere in Deutschland erleichtert wird, da wir hier den Straftatsbestand der Abgeordnetenbestechung (anders als in zivilisierten Ländern) nicht kennen.

    Arnold Schwarzenegger: Public Pensions and Our Fiscal Future
    http://online.wsj.com/article/SB10001424052748703447004575449813071709510.html

    Eine etwas mehr ökonomische Sichtweise statt weiters Prospektverteilen wäre wünschenswert für einen rationalen politischen Diskurs.

  • ThomasW

    “Dabei steht objektiv fest, dass Lebensstandardsicherung im Alter ohne private Vorsorge überhaupt nicht möglich ist.”

    Das ist ja eine kackfreche Behauptung ;-)

    Es ist eher unwahrscheinlich, dass über eine private Vorsorge eine Lebensstandardsicherung überhaupt möglich ist, wenn der demografische Wandel dazu führt, dass die Jungen die Alten nicht mehr versorgen können. Hinter der Behauptung steckt nämlich die Aussage, dass es zwar die Waren und Dienstleistungen nicht geben wird, die die zukünftigen Rentner abrufen wollen, dass sie dann aber über das Geld verfügen, mit dem die Rentner die Waren und Dienstleistungen bezahlen könnten, würde es sie geben.

    Auch die private Altersvorsorge ist keine Vorsorge sondern nur eine andere Form der Ausgestaltung des Generationenvertrages, weil Rentner nun mal nicht arbeiten und deswegen zu 100% von den Leistungen der Nachkommen abhängig sind. Wenn man durch Geld diesem Zusammenhang entkommen könnte, dann wäre es sinnvoller, ganz auf Nachkommen zu verzichten und das gesparte Geld auf die Bank zu tragen. Es ist ganz offensichtlich, dass das nicht funktionieren kann, wenn ein großer Teil der Bevölkerung so verfahren würde.

    Den demografischen Verwerfungen kann man so nicht entkommen. Die private Altersvorsorge hat jedoch auch Probleme in Bezug auf die Zeit, in der gespart wird: im Grunde ist das verdiente Geld dazu da, für Konsumgüter möglichst bald ausgegeben zu werden, denn all unser Arbeiten führt letztlich dazu, dass am Ende aller Produktionsketten konsumierbare Waren und Dienstleistungen stehen. Das ist der eigentliche Sinn und Zweck aller Arbeit, die wir verrichten. Um zu sparen müssen wir zuerst Geld verdienen, d.h. arbeiten und Waren und Dienstleistungen für den aktuellen Konsum produzieren. Sparen bedeutet in diesem Zusammenhang jedoch, einen Teil dieser Waren nicht abrufen zu wollen. Das geht aber nicht. In einer Marktwirtschaft finden diese Waren am Ende immer einen Abnehmer, z.B. zu einem niedrigeren Preis oder indem über Schulden die Geldmenge erhöht wird. Damit verliert das angesparte Geld aber seinen Gegenwert, und das muss irgendwann deutlich werden. D.h. eine Altersvorsorge, die, egal ob gesetzlich oder privat organisiert keine Umverteilung in der Gegenwart darstellt, führt immer zu einer Geldentwertung. Oder man kann es auch andersherum formulieren: wir können nichts weiter tun, als Waren und Dienstleistungen in der Gegenwart produzieren und verteilen.

    Die private Altersvorsorge ist deswegen nichts weiter als ein neuer Umverteilungsmechanismus. Und es ist sehr unwahrscheinlich, dass er funktioneren wird, weil die Erfinder glauben oder vorgeben, etwas gänzlich anderes geschaffen zu haben.

  • Wie schön, dass mal wieder die Produktivitätsentwicklung vollkommen außen vor gelassen wird. Darum noch einmal diese Quelle (Schaubild 1)

    http://www.annotazioni.de/post/197

    Im Jahr 1900 lag die Quote 1 Rentner zu 12 Arbeitern; heute liegen wir bei 1 zu 4 und es sollen mal 1 zu 2 werden. Bisher ist die Welt nicht untergangen, warum sollte das jetzt passieren. Vor allem, weil wir viele Produktivkräfte brach liegen lassen. Wir haben 3 Millionen Arbeitslose mehrere Millionen Teilzeitkräfte und dennoch produzieren wir mehr als wir bräuchten. Das beschworene demographische Problem würde mit einem Mangel an Arbeitskraft einhergehen. Somit sollten die Löhne steigen. Das passiert aber nicht.

    Noch einen Kommentar an Oswald Metzger. Alles was sie am Anfang schreiben ist richtig. Wie sie auf ihre Folgerung kommen, dass man dennoch ein nicht funktionierendes, krisenanfälliges System braucht erschließt sich mir nicht.

  • *kurz und knapp.

    ..wir sind auf dem Weg dahin, wo die USA längst ist. Bettler und Millionäre werden sich Europa teilen. Es gibt kranke, die ehr sterben müssen als andere.. als die kranken, die sich medikamente und arzt leisten können.

    Europa wurde doch nicht aus “Nächstenliebe” vereinigt. – Es ist Kapitalismus, nichts anderes.
    Wie kann man heute, wenn man sich die Entwicklung der USA anschaut, nur die selben dummen Fehler machen!? Zum Glück versucht Deutschland nicht seine Haut mit Kriegen zu retten, denn das macht die USA schon seit Jahrzehnten.
    Aber das kann nicht die Politik eines Europa sein und hoffentlich auch nie werden.

    Um noch einmal zurück auf den oben genannten Weg zu kommen,
    was ist, wenn der Kapitalismus mit einer Vereinigung Europas und somit der “Öffnung des Weltmarktes” einfach nicht mehr stabil funktioniert!?
    Man muss sich das so vorstellen:
    Je grösser die “Firma” und desto “unpersönlicher” werden Wirtschaft und Finanzen.
    Es ist einfacher für Spekulanten bzw. für gewissenlose Geschäftemacher geworden ihren kriminellen Machenschaften nachzugehen. Ohne auch nur einen winzigen Gedanke an die Konsequenzen zu verschwenden. Aber die kommen, wir kämpfen immer noch damit!(von 2008)
    Solange diese paar Bänker und Wirtschaftsbosse unser Politik machen, wird sich nichts ändern! Denn wer raffgierig und egoistisch Politik macht, der wird scheitern.
    Vielleicht eine theoretisch Idee die praktisch nicht zu kontrollieren ist!?.. Die Situation war so noch nie da, die Weltmacht USA hat plötzlich noch grössere Konkurrenz und versucht den €uro abzuwerten.

    Ein vereintes Europa braucht zu allererst ein einiges(!) Europa.
    Das sollte jeder Mensch verstehen.. und jede wirtschaftliche und politische Entscheidung muss zum Wohle der Gemeinschaft entschieden werden.

    Wer z.B. Griechenland (und andere) aus der EU ausschliessen will, der tickt nicht richtig! – Da hätten wir Deutschland und die restlichen Länder Europas lassen können wie sie waren.

  • @chriwi

    Das Schaubild 1 zeigt keine Produktivitätsentwicklung.

    Mit einem Produktivitätswachstum (Leistung pro Kopf) von ca. 2% von 2010 bis 2030 wäre es theoretisch möglich den Rentnerberg von 2030 finanziell ohne Wohlstandsverlust zu durchtunneln. Wir haben aber die 2% nicht. Wegen des demografischen Wandels haben wir dann immer mehr alterspezifische Nachfrage (Pflege, medizinische Leistungen, Hauswirtschaft), der ein anderes Nachfrageportfolio zeigt als 1950 oder 1960. Das bittere daran ist, dass es nicht kapitalintensiv ist, sondern personalintensiv. Geld haben wir ohne Ende, es wird täglich neu gedruckt. Aber wir brauchen Personal, das aber schrumpft Tag für Tag.

    Es ist ein Irrglaube, dass das Wachstum in den 1950er Jahren reines Produktivitätswachtsum war. In den USA geht ungefähr die Hälfte des Mickey-Mouse-Wachstums (verglichen mit China ein beschämendes Wachstum, aber wenn man wie die westlichen Demokratie überwiegend nur auf Kredit in beutelose Kriege überall auf der Welt investiert statt wie die kommunistische Diktatur in den Wohlstand der Bevölkerung, kommt halt nur pisselige 2% statt 10% raus) auf Bevölkerungswachtum zurück. Das wiederum wird getragen von der höheren Fertilität der Latinos, während die WASPs die gleichen Probleme mit der Fertilität haben wie wir.

    In den 1950ern hatten wir eine Fertilität von weit über 2. Haushalte mit drei Kindern waren normal. Das bedeutet, dass in den 1970ern diese Babyboomer in den Arbeitsmarkt eintraten. Das war die Zeit woe wir zweistelliges Wirtschaftswachstum hatten und die ÖTV schon mal für 15% mehr Lohn auf die Straße ging.

    Dann brach die Fertilität ein (Pillenknick) und 20 Jahre später auch das Wachstum. Die Babyboomer gehen in Rente und erwarten, wenn sie keine Kinder wollten, dass die Kinder anderer Leute sie kostenlos versorgen. Die Zahlen sind so mies, dass man nur durch Zuwanderung wie in USA noch Hoffnung generieren kann. In Japan werden die Renter einfach brutal in die Altersarmut geschickt: Sorry, leider negative Rendite.

    Unsere Zuwanderungspolitk war katastrophal, so dass heute mehr Türken in die Türkei auswandern als andersherum. Rechte haben sich 2000 mit einem strengeren Staatsbürgerrecht durchgesetzt und ein ehebrechender Bundespräsident fragt heute komisch, ob das was in Deutschland ist, zu Deutschland gehört. Das ist aktive Rentnerenteignung am rechten Rand, wo mal wieder zu mehr Kriegen aufgerufen wird. Zynischerweise von einem Kind strammer Nationalsozialisten, die schon 1933 in der Partei aktiv waren.

    Aber selbst wenn wir die 2% Produktivitätszuwachs hätten und finanzielle Stabilität hätten, ginge es den Bach hinunter. Weil die Nachfrage nach arbeitsintensiven Leistungen steigt, wir aber nur Kapital dagegen setzen können, somit also nach ehernen Marktgesetzen, die Oswald Metzger offenbar nicht geläufig sind, die Renten entwertet werden.

    Die Konsequenz ist ganz einfach: entweder seriös die Zuwanderung verstärken oder die Rentner werden automatisch “enteignet” bzw. in die Altersarmut geschickt. Auch von den Finanzdienstleistern, die Oswald Metzger hier bewirbt.

  • Kammerjäger

    Es auf den ersten Blick ist unerheblich, ob wir ein umlagefinanziertes oder eine Eigenvorsorgesystem betreiben. Im Staat kann das verbraucht werden, was produziert wird minus dem, was exportiert wird. Produziert wird von der arbeitenden Bevölkerung, konsumiert von allen gemeinsam.

    Das Eigenvorsorgesystem hat aber mehrere eingebaute Schwächen: Zunächst ist es von einem funktionierenden Kapitalmarkt abhängig, inklusive solventen Kreditnehmern. Der funktionierende Kapitalmarkt ist eine Illusion, und da die Staaten ja alle eine Verschuldung abbauen wollen oder sollen, wird es auch bald keine sicheren Anlagemöglichkeiten geben.

    Schwerwiegender erscheint mir allerdings, das das Eigenvorsorgesystem ein gravierendes Freeriderproblem mit sich bringt. Der eigentliche Generationenvertrag beinhaltete, dass die wirtschaftlich aktive Generation die ältere versorgt, und gleichzeitig die nachfolgende. In einer staatlichen Umlage könnte man dieses berücksichtigen, in dem Eigenvorsorgesystem sind die Erziehenden die Verlierer. Sie finanzieren die zukünftige wirtschaftlich aktive Generation, können aber gerade deshalb keine Eigenvorsorge betreiben. Das Eigenvorsorgesystem setzt falsche Incentives und ist eine der Hauptursachen für unsere demographischen Probleme.

  • @Wolfgang Ksoll
    “Aber wir brauchen Personal, das aber schrumpft Tag für Tag.”

    Das ist richtig. Aber ich sehe im Moment das Problem nicht. Wir haben 3 Millionen Arbeitslose und (ich denke) über 7 Millionen Teilzeitbeschäftige. Somit ist ein relativ großer Puffer an potentieller Arbeitszeit vorhanden. Des weiteren sorgt der Produktivitätszuwachs z.B. in der Automobilindustrie dafür, dass weniger Personen für die Produktion eines Autos benötigt werden. Somit werden auch dort Kapazitäten frei. Da der demographische Wandel ein Prozess und kein Sprung ist, sehe ich nicht warum eine Anpassung nicht gelingen sollte. Auch der beschworne Anstieg der Pflegebedürftigen muss sich erst noch zeigen. Menschen die länger leben, leben eben nicht automatisch länger in Pflege.

    Einen weiterer Punkt ist der folgende. Wenn das Personal wirklich von Jahr zu Jahr schrumpfen würde, wo sind die Lohnsteigerungen. Mangel erzeugt eine Preissteigerung. Auch hiervon sind wir weit entfernt.

    In meinen Augen wird viel dramatisiert. Es wird mit Statistiken herumgespielt um ein Untergangsszenario an die Wand zu malen und ungeliebte Dinge wie die Rente ab 67, Rentenkürzungen, eine Reduktion der Sozialleistungen, etc. durchzudrücken.

    @Kammerjäger
    “In einer staatlichen Umlage könnte man dieses berücksichtigen, in dem Eigenvorsorgesystem sind die Erziehenden die Verlierer.”
    Ein gutes Argument. Diejenigen die in die volkswirtschaftliche Zukunft “investieren”, verlieren bei der ihrer eigenen Zukunftsplanung. Ein gutes Beispiel dafür, dass Eigennutz noch lange nicht nützlich für die Gemeinschaft sein muss.

  • @chriwi

    Die drei Millionen Arbeitslosen haben wir schon seit über 20 Jahren nicht in den Arbeitsmarkt integrieren können. Sie kommen also als Zusatzlast neben den Rentern auf die Produktiven noch oben drauf.

    Ein angelernter Bandarbeiter bei VW in Wolfsburg wird nur schwer ein ambulanter Pflegedienstleistender in Cottbus oder Forst. Personal ist nur theoretisch so mobil wie Geld. Und so theoretisch sind auch die Prospektverteilungen der INSM für Kapitalprodukte in einem zusammenbrechenden Kapitalmarkt. Weltfremd und irreal. Draussen in der feindlichen Welt sieht es ganz anders aus als in den Werbetrommeln der Geldsammler:
    ” Euro-Krise: Konzerne warnen vor Milliardenlücke in Pensionskassen”
    http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/niedrige-zinsen-belasten-betriebliche-altersvorsorge-der-konzerne-a-849869.html

    Wenn wir nicht endlich demografische MAssnahmen (Zuwanderung) ergreifen, gehen die DAX-Konzerne wegen ihrer Bilanzprobleme und haben im Inland sowieso weniger Absatz. Bettlägerige Pflegebedürftige der Stufe III kaufen keinen BMW-Sportwagen.

    https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/Bevoelkerung/VorausberechnungBevoelkerung/BevoelkerungDeutschland2060Presse5124204099004.pdf;jsessionid=1A64C16ED9AC6E272F6A2872A1F0B10B.cae1?__blob=publicationFile

    Eine kleiner werdende Bevölkerung wird nicht mal mehr Wachstum hin bekommen. Es werden dann auch die Anlagemöglichkeiten im Inland schrumpfen, da man sogar weniger Ersatzinvestitionen braucht.

    Das heisst, die notwendigen Renditen für die Kapitalanlage können im Inland nicht erwirtschaftet werden. Die Ausfuhr von Kapital zur Alterssicherung ist dann eine Verschiebung des Imperialismus von der Realwirtschaft in die Finanzwirtschaft. Aber nicht mal die Ausbeutung der Ausländer funktioniert noch. Argentinien hat gleich ganz pleite gemacht, nachdem Leute wie Metzger es geplündert haben, China braucht unser Kapital nicht und der arbaische Frühling wird von der NATO nieder gebombt: Libyen, Syrien, Afghnaistan, Irak, Iran.

    Ein heute zwanzigjähriger, der neu in kapitalstockbasierte Altersversorgungssysteme eintritt, verbrennt sein Geld sehenden Auges, wenn nicht die mangelhafte Fertilität durch Zuwanderung ausgeglichen wird. Calpers in Kalifornien geht gerade den Bach herunter. Allianz und andere werden wie die Banken folgen, wenn wir bei der ausländerfeindlichen Politik bleiben.

  • @Wolfgang Ksoll
    “Die drei Millionen Arbeitslosen haben wir schon seit über 20 Jahren nicht in den Arbeitsmarkt integrieren können.”
    Weil wir sie offensichtlich als Arbeitskräfte nicht brauchen. Wenn wir sie bräuchten wären Unternehmen bereit sie zu schulen und ihnen Löhne zu zahlen die hoch genug sind davon zu leben. Die Realität sieht anders aus. Hier werden mehrere Millionen Menschen über Kombilohnmodelle vom Staat subventioniert, damit sie bei Unternehmen arbeiten.

    “Wenn wir nicht endlich demografische MAssnahmen (Zuwanderung) ergreifen”
    Diese Aussage bedeutet, dass unser heutiges Gesellschaftssystem nur funktioniert, wenn die Bevölkerung expotentiell wächst. Zum Einen sind Prognosen bis 2060 unseriös und geben bestenfalls eine Tendenz an. Zum Anderen wird die technische Entwicklung kein Stück berücksichtigt. Entwicklungen im Medizinbereich kann die Zahl der Pfelgebedürftigen sogar sinken lassen. Hausroboter könnten alten Leuten bei der Hausarbeit helfen. Vielleicht ist es Unsinn, aber vor 40 Jahren wusste kaum jemand was ein Computer ist.
    “Personal ist nur theoretisch so mobil wie Geld.”
    Das ist richtig. Allerdings ist die demographische Entwicklung ein Prozess und kein Sprung.

  • ““Wenn wir nicht endlich demografische MAssnahmen (Zuwanderung) ergreifen”
    Diese Aussage bedeutet, dass unser heutiges Gesellschaftssystem nur funktioniert, wenn die Bevölkerung expotentiell wächst. ”

    Das ist ein falscher Schluss. Wegen unserer negativen demografischen Entwicklung mit 1,4 Kindern pro Frau schrumpft unsere Bevölkerung. Nur um dei Bevölkerung konstant zu halten, müssten wir mehr Zuwanderung bekommen. Tun wir aber nicht, also schrumpfen wir weiter. Es gibt immer weniger Produktive, weniger Beitragszahler, kleinere Absatzmärkte. Wir werden Dörfer schließen, die Infrastruktur nicht mehr ausbauen, da zu wenig da sind, die sie nutzen. Lass es Dir auf der Zunge zergehen: 30 % weniger Bevölkerung bedeutet 30 weniger Bahnfahrten, 30% weniger Autos (wahrscheinlich noch weniger wegen der Vergreisung), 30% weniger Supermärkte, mehr als 3% weniger Schulen, usw.

    Deine Bemerkung über exponentielles Wachstum ist grober Unsinn.

    Über Pflegerobotor wie schon seit 30 Jahren in der Science Fiction gesprochen, wie von Fusion und billigem Atomstrom.

    Wer 2060 48-100 alt ist, ist heute schon geboren. Die Fertilität leigt seit über 30 Jahren unter 2,1. Zu glauben, dass sich das ohne grund ändert, ist Religion.
    Auch zu glauben, dass es markträumende Preise für Arbeit gäbe, ist ein religiöser Glaube, ohne empirische Relevanz.

  • ” Lass es Dir auf der Zunge zergehen:”
    Und? Ich sehe die Probleme nicht. Dann gibt es weniger Schulen, diese werden ja auch nicht gebraucht. Der Gesamtwohlstand ist doch nicht wichtig. Wichtig ist der Wohlstand des Einzelnen. China wird beim Gesamtwohlstand auch gerne hochgejubelt. Rechnet man dann diesen Wohlstand pro Kopf aus, sieht es mager aus.

    “Deine Bemerkung über exponentielles Wachstum ist grober Unsinn.”

    Steigt die Zahl der Rentner, da das Lebensalter steigt und soll die Quote der arbeitenden Bevölkerung im Verhälntis zu den Rentnern konstant bleiben, dann muss die Bevölkerung steigen. Ob es jetzt expotentiell oder nur stark nicht-linear ist weiß ich nicht.

    “Zu glauben, dass sich das ohne grund ändert,”
    Gehen wir ein Planspiel durch.

    Sehen sie 1910 – 40 Jahre in die Zukunft
    Was haben sie verpasst? Lächerlich 2 Weltkriege mit all den negativen Folgen für die Demographie + dem Verlust von einem großen Teil der Bevölkerung durch eine Neuaufteilung der Landesfläche Deutschlands nach dem Krieg.

    Sehen sie 1940 – 40 Jahre in die Zukunft
    Was haben sie verpasst? Sie hätten die Emmanzipation der Frau und den Pillenknick nicht berücksichtigt.

    Sehen sie 1980 – 40 Jahre in die Zukunft
    Was haben sie verpasst? Sie hätten die Wiedervereinigung ebenso ignoriert wie die Einwanderung von Russlanddeutschen.

    Prognosen sind schwierig, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen.

    “Über Pflegerobotor wie schon seit 30 Jahren in der Science Fiction gesprochen, wie von Fusion und billigem Atomstrom.”
    Aus diesem Grund schrieb ich vielleicht ist es technisch möglich, vielleicht auch nicht. Wer hätte 1930 gahnt, dass man nur 39 Jahre später zum Mond fliegen würde? Und das mit Raketen die es technologisch gesehen erst in den Grundzügen gab.