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10.09.2012 Umwelt, Wachstum

Das EEG ist ein ordnungspolitisches Desaster

Die Kosten für den Ausbau der Erneuerbaren Energien in Deutschland steigen und steigen. Die Energiewende kann aber nur gelingen, wenn der Strompreis bezahlbar bleibt. Mit dem EEG wird die Energiewende scheitern. Doch die gute Nachricht ist: das EEG ist nicht alternativlos.

Der Ausbau der Erneuerbaren Energien ist der wohl bedeutendste Bestandteil der Energiewende. Die Kernkraftwerke sollen abgeschaltet und die Energieversorgung nicht nur ohne Kernenergie, sondern langfristig möglichst auch ohne Kohle- und Gaskraftwerke auskommen. Bis 2050, so die politische Zielvorgabe, soll 80 Prozent der Stromerzeugung  aus erneuerbarer Energie erfolgen. Man kann über diese Ziele streiten, doch scheinen sie auch gesellschaftlich inzwischen akzeptiert zu sein.

Der Erfolg des Umbaus der Energieversorgung kann aber nicht alleine daran gemessen werden, ob und wie schnell die Ausbauziele erreicht werden. Vielmehr muss auch berücksichtigt werden, wie und zu welchen Kosten der Ausbau vorangetrieben wird. Die Bereitschaft der Stromverbraucher, Mehrkosten für die Stromversorgung aus regenerativen Energien zu tragen, ist nicht unendlich.

Das System der politisch festgelegten Einspeisevergütungen durch das EEG hat dazu geführt, dass mit unterschiedlichen Technologien an unterschiedlichen Standorten stark unterschiedliche Gewinnspannen zu erzielen waren. Die Überförderung der eigentlich ineffizientesten Technologie Photovoltaik hat dazu geführt, dass im nicht gerade sonnenverwöhnten Deutschland mehr als 40 Prozent der weltweiten Photovoltaik Kapazität zu finden ist. Die Hälfte der EEG-Umlage entfällt inzwischen auf diese Technologie, obwohl durch Photovoltaik nur etwa 20 Prozent des „grünen“ Stroms erzeugt werden. Nach dem Kriterium der Kosteneffizienz ist die Bilanz des EEG desaströs.

Die Kosten der Energiewende könnten deutlich reduziert werden, wenn die Erneuerbaren Energien sich untereinander im Wettbewerb behaupten müssten. Eine Alternative zum bestehenden System wäre ein Quotenmodell, bei dem Energieversorger verpflichtet werden, bis 2020 eine Quote von 35 Prozent grünen Strom zu vermarkten. Dadurch würde auch unter den erneuerbaren Energien Wettbewerb forciert. Die günstigste Technologie könnte sich durchsetzen und die Strompreise sinken. So könnte man sogar zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Denn ein Quotenmodell bietet die Möglichkeit passgenau den Ausbau der Erneuerbaren zu steuern. Entsprechend könnte man den Zubau der Erneuerbaren Energien mit dem Ausbau der Stromnetze abstimmen. Am Ende wären damit die gleich Ziele erreicht, doch weit kostengünstiger als dies mit dem EEG der Fall wäre.


 Weitere Informationen zum Quotenmodell:

“Marktintegration der Stromerzugung aus erneuerbaren Energien” – Studie im Auftrag des sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft

“Marktwirtschaftliche Energiewende” – RWI Studie im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft

  • Mischa Beton

    Zum Glück kann keiner die bereits installierten PV mehr abschalten. Auf Dauer können die Erneuerbaren nicht verhindert werden. Jeder Cent mehr für Strom macht die dezentrale Speicherung vor Ort (Redox Flow oder Lithium Ionen) attraktiver. Die ganze “Verhinderungspolitik” wird nach hinten losgehen. Jetzt mit Pseudoargumenten versuchen abzukassieren, ist nicht sehr weitsichtig. Weitsicht ist jedoch eine Eigenschaft die man den Chef´s der Energiekonzerne nicht unbedingt zuschreibt. Deren erste Priorität ist Gewinnmaximierung.

  • C Hartmann

    Der Strompreis sinkt kontinuierlich. Die Aufschläge auf den Endpreis steigen nur, weil es so viel erneuerbare Energie gibt. Wie soll sich Bspw. Biogas und Geothermie mit Ihren hohen Investitionskosten bzw. Betriebskosten am Markt gegen die PV mit Ihren vergleichbar, überschaubaren Preisen behaupten. Wasserkraft mit Ihren Beschränkungen aus dem Wasserhaushaltsgesetz? Aber ich gebe Ihnen recht. Die vollkommen unterschiedlichen Vergütungssätze und Vergütungspreismodelle machen einen Vergleich äußerst schwer.

  • J falkenhagen

    Ohne das EEG hätte dieselbe Zunahme des Zubaus erneuerbarer Energien in den Jahren 2010-2012 überwiegend in Form von Photovoltaik-Freiflächenanlagen auf Ackerflächen erfolgen können. Mit anderen Energien wäre das nicht zu schaffen gewesen. Das wäre rechnerisch etwas billiger gewesen als die mit dem EEG überwiegend geförderten Dachanlagen. Dafür wäre aber der übrige Zubau (z.B. Windenergie) sehr viel teuerer gekommen.
    Ich persönlich hätte übrigens von einem Quotenmodell sehr profitiert, denn mit meiner Beteiligung an meiner Windkraftanlage hätte ich dann sehr viel mehr verdienen können, wenn für deren Strom derselbe Preis gezahlt worden wäre, wie er für die Durchsetzung der Zubaus per Quote erforderlich gewesen wäre.

  • J falkenhagen

    Das Fördervolumen für neue PV-Systeme in Deutschland wird sich für das Errichtungsjahr 2012 gegenüber 2010 wohl ungefähr halbieren. Das wird dann in der EEG-Umlage für 2013 erstmals vollständig berücksichtigt.
    Mit den Anlagen in den Übergangsregelungen wird aber vermutlich nochmal ein ähnlicher Zubau erreicht wie 2010 und 2011 (7 bis 8 GW). Im Übrigen ist der Markt ohnehin schon sehr geschrumpft.
    Nachdem die Förderung in der (kostengünstigen) Freifläche mehr abgebaut wurde als für die (teureren) Dachflächenanlagen, hat es allerdings den Anschein, die Politik interessiere sich mehr für die Dachbesitzer und die Margen der Handwerker als für die Förderung der Solarenergie als solcher.
    Und für die konzentrierende Solarthermie wird nach wie vor äußerst wenig gemacht.

  • Peter

    Es ist doch nicht zu glauben.
    Über Jahrzehnte lässt sich die Energiewirtschaft den Aufbau ihrer Konzerne sehr intensiv durch den Staat finanzeren, während man die die Verbraucher dafür ordentlich zur Kasse bittet. In Deutschland gemachte werden ins Ausland transferiert, Verluste aus dem Ausland in Deutschland als Investitionskosten steuerlich abgesetzt. Man lässt sich den Atomausstieg bezahlen und wälzt die Endlagerung der verbrauchten Brennstäbe eh auf den Verbraucher ab.
    Nebenbei schöpft man derartige Gewinne ab, dass man einen Rückgang auf rd. 10 Mrd. Gewinn als Verlust betrauert und es als Grund nimmt, die Tarife anzuheben.
    Jetzt setzt man dieser eklatanten Gier noch ein letztes drauf und versucht den NOTWENDIGEN Umschwung in der Energiegewinnung als finanzielles Desaster hinzustellen, was die sozial engagierten, stets kurz vor dem Ruin stehenden Konzerne endgültig in´s Verderben stürzt.

    Ja sagt mal, geht es noch?

    Was wollt ihr eigentlich mit der ganzen gescheffelten Kohle machen, wenn wir alle von allein im Dunkel leuchten? Geht das in diese gierblinden Hirne nicht rein? Wenn wir die Kurve nicht bekommen, dann hilft kein finanzielles Polster mehr, dann wirds kalt und dunkel. Ich finde, ihr solltet mit dem Jammern aufhören, das vllt. nur noch Millionen statt Milliarden verdient werden und endlich auch mal wenigstens etwas Verantwortung zeigen!

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Der Autor:

Prof. Dr. Justus Haucap

Direktor des Duesseldorf Institute for Competition Economics (DICE) sowie Mitglied der Monopolkommission.

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