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12.11.2012 Europa, Umwelt

Energiewende: Mehr Europa – mehr Markt

Das Europäische Parlament will dem EEG ein Ende machen. Statt 27 verschiedenen Zielen und länderspezifischen Fördersystemen, soll EU-weit die Ausbauförderung harmonisiert werden. Diese Einsicht ist längst überfällig.

Gute Nachrichten aus Straßburg: Das Europäische Parlament will dem deutschen Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ein Ende machen. Die Mitgliedsstaaten sollen beim Umbau der Energieversorgung an einem Strang ziehen. Konkret wird ein europaweit harmonisiertes Quotenmodell gefordert, wie es Monopolkommission und Sachverständigenrat wiederholt vorgeschlagen haben. Bis 2020 will die EU 20 Prozent des Stroms aus Erneuerbaren Energien beziehen. Darüber hinaus kocht aber jedes Land sein eigenes Energiesüppchen – allen voran Deutschland. Am deutschen Beispiel lässt sich auch gut ablesen, zu welchem teuren Ergebnis dies führen kann.

Das EEG in Deutschland garantiert den regenerativen Energien jeweils einen über 20 Jahre festgelegten Preis. Besonders generös wurde Photovoltaik gefördert, mit dem Resultat, dass Deutschland weltweit mit Abstand die größten Photovoltaik Kapazitäten vorweist. Über 40% der weltweit installierten Photovoltaik–Anlagen stehen im nicht gerade von der Sonne verwöhnten Deutschland. Photovoltaik trägt aber nur zu gut 20 Prozent zur grünen Stromerzeugung in Deutschland bei, verschlingt aber etwa die Hälfte der Förderkosten. Warum Photovoltaik im sonnenarmen Deutschland ohne Subventionen nicht rentabel betrieben werden kann, liegt auf der Hand. In sonnigen Ländern machen Solarzellen mehr Sinn. Deswegen brauchen wir mehr Wettbewerb auch bei erneuerbaren Energien.

Im Quotenmodell werden die Stromversorger verpflichtet einen bestimmten Prozentsatz ihres Stromangebots aus Erneuerbaren Energien zu beziehen. Will sich der Versorger am Markt behaupten, muss er grünen Strom möglichst billig einkaufen. So würde auch Wettbewerb zwischen Erneuerbaren Energien entstehen. Investoren würden am Standort, in effiziente Energieformen investieren. Die Energiewende würde dadurch wesentlich effizienter und günstiger als heute. Die Stromverbraucher könnten Sonnenstrom aus Spanien oder Windstrom aus Niedersachsen beziehen. Das wäre gut für die Umwelt und die Verbraucher.

Der Autor:

Prof. Dr. Justus Haucap

Direktor des Duesseldorf Institute for Competition Economics (DICE) sowie Mitglied der Monopolkommission.

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