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INSM – ÖkonomenBlog, Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) Welche Reformen braucht unser Land? Wie erreichen wir mehr Wachstum und Beschäftigung? Experten geben Antworten – diskutieren Sie mit!

 
15.11.2012 Arbeitsmarkt

Mehr innovative Denker – weniger Energiestreber

Karl-Heinz Paqué: Vollbeschäftigt – Das neue deutsche Jobwunder, München 2012, Hanser.

Dass hinter dem deutschen Jobwunder mehr steckt als Chancengerechtigkeit, Fachkräftemängel und demografischer Wandel zeigt Karl-Heinz Paqué in seinem Buch „Vollbeschäftigt“. Dem Ökonomen gelingt ein flotter Galopp durch die aktuellen Fragen der Wirtschaftspolitik.

Eins ist Karl-Heinz Paqué wirklich gelungen: Für einen Ex-Finanzminister (von Sachsen-Anhalt) hat er ein angenehm zahlenbereinigtes und für einen Professor der Volkswirtschaftslehre gut verständliches und damit massentaugliches Buch geschrieben – bewusst vereinfachend und kurz, gerade mal 250 Seiten. Und das zu einem Thema, das normalerweise ganze Institute mit Publikationen füllt: der Arbeitsmarkt – ein Leben mit Vollbeschäftigung. Doch die stilistische Meisterleistung ist nur das kleine Kompliment, das man ihm aussprechen kann. Tatsächlich gelingt ihm mit „Vollbeschäftigt“ nicht nur eine Analyse des neuen deutschen Jobwunders, sondern zugleich slalomt er sich durch die aktuellen wirtschaftspolitischen Themen der Republik. Und dies vollführt er so couragiert und elegant, als wäre es ein Bewerbungsschreiben auf ein neues politisches Amt.

Die strukturelle Einordnung vorweg: In den vergangenen 40 Jahren ist der Arbeitsmarkt pervertiert: von den Babyboomern Anfang der 70er Jahre, in denen die Konzerne König und die Bewerber dankbare Bittsteller waren, bis heute: Jetzt müssen sich Unternehmen bei den Arbeitnehmern bewerben, um überhaupt qualifizierten Nachwuchs zu bekommen. Als fundamentalen Wandel „vom chronischen Mangel an Arbeitsplätzen zum chronischen Mangel an Arbeitskräften“  beschreibt Paqué den aktuellen Arbeitsmarkt, wo Arbeit teurer, Kapital billiger und Innovationskraft knapp wird.

Es geht Paqué nicht um Arbeitsmarktzahlen oder boomende Branchen. Ihm liegt daran, auf die ökonomischen Folgen einer solchen Entwicklung hinzuweisen. So seien angesichts der relativen Knappheit von Arbeit, Kapital und Innovationskraft die ökonomischen Kosten beispielsweise der Energiewende kaum einzuordnen. Aus globaler Sicht hält es der Autor für nicht nachvollziehbar, wenn sich „Deutschland zukünftig stark auf regenerative Energieproduktion konzentriert, aus der Kernkraft aussteigt und Verbesserungen in der Technik der Kohlekraftwerke vernachlässigt“. Gerade diese Technik würde in der Entwicklung kohlereicher Giganten wie China und Indien voraussehbar eine große Rolle spielen. Deutschland würde sich zu einer Öko-Nation entwickeln „mit hervorragender Energiespartentechnologie, aber mit weit weniger industrieller Exzellenz, wie sie für das Land in seiner Wirtschaftsgeschichte charakteristisch war“.

Eine derart gestaltete ökologische und Soziale Marktwirtschaft ist für Paqué im Grunde das Ende der Sozialen Marktwirtschaft. „Die Anmaßung des Wissens, die sich der Staat erlaubt, und die damit in Verbindung stehende Festlegung der Forschung auf einen einzigen Bereich stehen in krassem Widerspruch zu einer ordoliberalen Grundhaltung, die darauf setzt, dass sich der Markt frei entwickeln darf.“

Die Innovationskraft ist für Paqué eines der entscheidenden Kriterien für die Wettbewerbsfähigkeit der Volkswirtschaften und für die Entwicklung ihrer Jobmärkte. Europa braucht mehr innovative Denker und wird deswegen früh oder später zu einer neuen Einwanderungsregion – das Amerika des 21. Jahrhunderts. Vor allem Deutschland ist aufgerufen, sich dieser Realität zu stellen und für eine effektivere Einwanderungspolitik zu sorgen. Paqué befürchtet allerdings, dass sich die Wirtschaft erst dann auf Veränderungen einlässt, wenn der Fachkräftemangel komplett an ihrer Haustür angelangt ist. Dann sei aber die Zeit endlich reif für ein neues Modell der Einwanderung: ein sogenanntes Punktesystem wie in Kanada, das verschiedene Karrieren wie Schulbildung, berufliche Qualifikation und Erfahrung, Alter, Anpassungsschwierigkeit und Sprachkenntnisse angemessen gewichtet. Paqué: „Dann erst werden auch die privaten Unternehmen bereit sein, massiv in zugewanderte Auszubildende zu investieren.“

Auch für die Politik sei es unumgänglich, sich weiter an Europas Peripherie für eine leistungsstarke und wettbewerbsfähige Infrastruktur der Wissensvermittlung einzusetzen, vor allen in den technischen Disziplinen. Diese Infrastruktur sei Bedingung für das dringend benötigte industrielle Wachstum.

Dass in seinem Buch auch die schwierigsten Herausforderungen lösbar erscheinen, mag am optimistischen Blick des Autors liegen. Selbst der Krise in Griechenland – egal wie sie ausgeht – gibt Paqué eine Chance: Die Krise sei für die Griechen der einzige Weg, „doch noch ein modernes Griechenland zu werden, statt als billiger, korrupter Hinterhof Europas auszubluten“. Auch für die Europäische Union habe sie durchaus eine reinigende Wirkung, denn die Krise liefere der EU „einen Spiegel, in dem sie ihr eigenes Versagen der Vergangenheit erkennen kann“.

  • chr

    “Jetzt müssen sich Unternehmen bei den Arbeitnehmern bewerben, um überhaupt qualifizierten Nachwuchs zu bekommen. Als fundamentalen Wandel „vom chronischen Mangel an Arbeitsplätzen zum chronischen Mangel an Arbeitskräften“ beschreibt Paqué den aktuellen Arbeitsmarkt, wo Arbeit teurer, Kapital billiger und Innovationskraft knapp wird.”
    Wo?
    Wenn das stimmen würde:
    Warum steigen die Löhne für Fachkräfte nicht deutlich an,
    Warum gibt es sehr viele Leiharbeitsfirmen für Fachkräfte? Sollte es nicht im Interesse der Unternehmen liegen Fachkräfte zu binden?
    Müssten nicht die Bewerbungszeiträume deutlich schrumpfen? (monatelanges Warten bis eine Antwort auf die Bewerbung auf eine ausgeschriebene Stelle sind eher Regel als Ausnahme).

  • Kammerjäger

    „Die Anmaßung des Wissens, die sich der Staat erlaubt, und die damit in Verbindung stehende Festlegung der Forschung auf einen einzigen Bereich stehen in krassem Widerspruch zu einer ordoliberalen Grundhaltung, die darauf setzt, dass sich der Markt frei entwickeln darf.“

    Der Artikel zeigt interessant, wie sehr das normative Axiom der effizienten Märkte den Blick auf die Realitäten entstellt. Man kann dem auch entgegenhalten, wie sich die Märkte anmaßen, das einzige effiziente Mittel zu Verteilung von Ressourcen zu sein? Die Erfahrung gerade der letzten Jahre verdeutlicht ja, dass sie diesem Anspruch nicht gerecht werden. Marktversagen war und ist eher die Regel als die Ausnahme.

    Bei Forderungen nach Deregulierungen der Märkte sollte man sich Rousseaus Gedanken in Erinnerung rufen “Zwischen dem Schwachen und dem Starken ist es die Freiheit, die unterdrückt, und das Gesetz, das befreit.”

    Die fast götzenhafte Glorifizierung freier Märkte ist jedenfalls ein Modell von gestern.

  • Surp

    @ Ross

    Ich denke Herr Roos, gehört …

    Wie kann man so einen Schwachwsinn schreiben, soll ich die Realität beschreiben, ich seh sie jeden Tag.

    Langsam hasse ich Lobbyisten, die Welt wäre weit besser dran ohne sie, vielleicht sollte man daran arbeiten, die Frage ist nur wie.

    Erwerbsarbeit zerstört inzwischen unseren gesamten Wohlstand (eigentlich sogar unseren Planten), aber irgendwelche Laumeier wie Herr Roos und Herr Paque brauchen sie um ihre asoziale Existenz zu rechtfertigen, die Welt wäre ohne sie besser dran.

  • Markus

    @ chr
    es stimmt – aber nur für echte Fachkräfte, Spezialisten – nicht für allene, die glauben dies zu sein.
    Die Entwicklung kann man leicht daran ablesen, dass Unternehmen immer mehr auf die sog. Work-Life Balance eingehen, um auch hier im Arbeitsmarkt einen Wettbewerbsvorteil zu generieren. Warum die Löhne nicht steigen? Einmal weil die Leistungen der Unternehmen zunehmen (zB flexible Arbeitszeiten etc,) und damit Mehrwert generieren und weil die Entlohnung ab einer bestimmten Einkommensgrenze eben nicht mehr das ausschlaggebende Argument ist.
    Dies gilt NUR für echte Spezialisten. Die breite Masse ist aber eben nicht derart hochspezialisiert, so dass diese Faktoren nur auf einen kleinen Teil der Angestellten zutrifft.
    Der Kern ist also durchaus richtig – vielleicht ist die Implikation, dass es recht viele betrifft einfach übertrieben.

  • Markus

    @ chr
    Sicher, von einem “chronischen” Mangel man nicht sprechen – da stimme ich völlig überein.

  • Surp

    @ Markus

    Was sind denn echte Fachkräfte?

    Sie verstehen den Wahnsinn den wir leben null bzw. machen dabei gerne mit, oder?

    Die meisten Arbeiten, die man ausführen muss, sind extrem simpel, schafft jeder Förderschüler (damals Sonderschule). Der extrem geringe Rest, dreht sich um Fortschritt, den wirklich nur innovative Andersdenker (Faule vorallem) schaffen.

    Wir machen aber was anderes wir binden Menschen an extrem schwachsinnigen Shice und nennen das dann Fortschritt, so sind dann ganz tolle Finanzprodukte und riesige Autos, Atomkraftwerk und was weiß ich noch alles entstanden.

    Der größte Braindrain der gesamten Menschheitsgeschichte ist unsere Arbeitswelt.

  • Markus

    Unterstützend hierzu noch:

    Karriereplanung: Traum von der Treppenkarriere

    http://www.ftd.de/karriere/karriere/:karriereplanung-traum-von-der-treppenkarriere/70117895.html

    Financial Times Online, 17.11.2012

  • Markus

    @ Surp
    “Die meisten Arbeiten, die man ausführen muss, sind extrem simpel, schafft jeder Förderschüler (damals Sonderschule). Der extrem geringe Rest, dreht sich um Fortschritt, den wirklich nur innovative Andersdenker (Faule vorallem) schaffen.”

    Wo ordnen Sie dann zB einen Arzt ein? Einen Konstrukteur? Einen Vertriebsleiter? Einen Controller?

    Zweifellos haben wir Berufe, dessen Sinn sich einem vielleicht erst noch erschliessen muss. Aber das regelt eigentlich der Markt. Insofern kann ich Ihren Aussagen nichts abgewinnen.

  • Surp

    @ Markus

    Einen Konstrukteur? Einen Vertriebsleiter? Einen Controller?

    Im Prinzip kann man auf sie verzichten, sehr sicher sogar auf die beiden letzt genannten. Für mich sind die beiden Berufsgruppen reine Schmarotzer und Wohlstandszerstörer. Beim Konstrukteur ist die Frage was er konstruiert und welche konkrete Arbeit er durchführt.

    Irgendwann kann man auch auf Ärzte verzichten. Weil Maschinen einfach viel besser sind.

    Aber das wollen wir ja nicht.

  • LiFe

    Ich gebe zu, dass mich eine unendliche Blockade, eine langandauernde Stagnation auf diesem Blog aufmerksam gemacht hat. Eine zündende Idee und du siehst Widerstände wachsen. So dachte ich, vielleicht findest du Zeitgenossen, denen es ähnlich ergeht. Mag sein, dass ich keine hilfreiche Kommentare zu Themen beitragen konnte, da mich ein anderes Thema beschäftigt. Ideen und Innovationen und wie setzt man sie um sollten sich für mich klären.

    Aber kann mir irgendjemand verraten wie ich Surps Gedankengänge folgen kann? Ist er ein Kabarettist? Ein Komödiant?

  • Markus

    SURP hat wohl ein tiefenpsychologische Problem mit der Umwelt. Das ergibt sich aus der vermeintlichen Logik seiner stetigen Kommentare. Eine Diagnose von Freud würde mich hier interessieren. Aber vielleicht gibt es hierfür eine Maschine…

  • Surp

    bin wohl verrückt, ist doch eine gute und simple Antwort.

  • Surp

    Wenn man es nicht denken kann, kann man es nicht denken (ich wiederhole mich).

    Meine Prognose innerhalb der nächsten 10 Jahre werden hier Dinge passieren die derzeit niemand für möglich hält (Griechland und Spanien haben das auch nie gedacht und es passiert).

    Armut erzeugt Hass und die “relative” Armut steigt seit 30 Jahren kontinuierlich, weil wir ein unglaubliches Verteilungsproblem haben (der Grund ist die extrem ungerchte Umverteilung über Erwerbsarbeit und die Arbeitsmigration um den Shice noch zu befeuern).

  • LiFe

    @ Niemand sagt, dass sie verrückt sind. Und wenn schon? Wer/was ist heute noch normal? Im Gegenteil, mir haben manche Kommentare, die sie losgelassen haben so einige Male sogar sehr gut getan. Besomders, wenn man tätig werden wollte und sprichwörtlich gegen Wände anrennen musste. Wir sagen oft: Wer die Wahrheit ausspricht, den glaubt sowieso niemand! Bei uns in der Stadt, ob ich meine erwähne sei dahingestellt, bin sowieso Erzähler, dem kann man glauben oder nicht, spielt keine Geige (den Spaß nebenbei gesagt, kann man heute keinem Kind mehr gönnen/bezahlen) sind sie sehr erquickt, weil Chinesen gekommen sind. Die Kommunalpolitiker erhoffen sich, dass ihnen Türe und Tore offenstehen.
    Wenn A Geschäfte mit B machen will, dann haben A und B gleichwohl Interessen. Wenn A jedoch zahlungskräftiger ist als B, dann wird B ein Problem haben. A höchstens wenn B sich schwerlich überzeugen lässt und Punkt für Punkt überprüft.
    Eines muss man sich von der Backe putzen. Wir haben bald Dezember. Den Weihnachtsmann, der vorbeikommt und große Geschenke machen möchte, den gibt es nicht. Also werden A und B zähe Verhandlungen führen müssen.
    Mehr innovative Denker kann es nicht mehr geben. Die Zeiten spielen da nicht mehr mit. Wir haben Akteure, die ohnehin ihre Macht ausüben und so ziemlich einiges lenken. Sollen sie. Der innovative Denker ist Meister im Nachgeben. Ein innovativer Denker hat im Übrigen keinen Nimbus. Er braucht ihn auch nicht. Würde man einem innovativen Denker sagen: “Du verkaufst dich nicht gut.” Dann würde der innovative Denker antworten: “Ich habe nicht mich zu verkaufen, ich habe etwas zu verkaufen.” Ein innovativer Denker, dem Grenzen gesetzt werden und die Kunst des Betrügens nicht beherrscht liebt die Komödie und das Kabarett. Und diese Welt ist ihre Bühne!

    Schreiten wir voran, drei Schritte zurück!

    Euch allen ein schönes Wochenende!

  • Markus

    @ Surp
    “Wenn man es nicht denken kann, kann man es nicht denken ”
    Logisch und kausal der Satz. Aber was ist denn das “es”, das Sie meinen? Ich muss mir “es” (was auch immer) denken, damit ich weiss, was “es” ist?. Hm….dann sag ich mal, dass “es” ist eine Gurke. Weil das ist “es” was ich mir denke, wenn ich das lese. Erkenntnis? Unwichtig, “es” ist Gurke. Und ich kann “es” mir denken.

    “Griechland und Spanien haben das auch nie gedacht und es passiert”
    Ist “es” gleich Gurke? Oder ist “es” hier schon wieder etwas anderes?
    Ja was haben denn Spanien und Griechenland nie gedacht?

    Erkennen Sie sich im Inhalt wieder?

  • Surp

    @ Markus

    In Griechenland stehen wir kurz vor einer gewaltätigen Auseinandersetzung (die aber niemals die trifft, die für den ganzen Shice verantwortlich sind), derzeit trifft es ja nur Migranten…

    Denken sie wirklich das macht halt vor dem Rest Europas?

    Vielleicht ist das Handeln unserer vermeintlichen Eliten nur dumm oder sie machen es absichtlich.

    Den Grund dafür kenn ich nicht, aber ich kann es mir bei diesem asozialen Pack vorstellen (vielleicht schließen die ja Wetten ab, wer stirbt^^, das mein ich jetzt nicht ernst)

    Wir haben einen Klassenkampf zwischen 0,1 % der Bevölkerung gegen den Rest, und die Dreckschweine gewinnen, weil ihnen alles gehört und sie sogar die Fähigkeit besitzen die Meinung zu machen (INSM lässt grüßen).

  • Schnappe

    @ Surp
    In meinen Augen sind Klassenkämpfer ebenso abzulehnen wie Rassisten. Beide hetzen gegen andere auf. Schämen Sie sich.

  • Surp

    @ Schnappe
    Nein, mach ich nicht.

    Ich lass mir unsere Welt nicht von einer minimalen Schicht kaputt machen, nur weil sie es kann.

  • LiFe

    Also doch….dann muss ich revidieren. SURP, sie scheinen eine Schreibpause einlegen zu müssen. Sie treten die Würde eines einzelnen Menschen in einer Art und Weise mit Füßen, dass einem die Haare zu Berge stehen. (“Heinrich! Mir graut’ s vor dir.” Goethes Faust I)

    Also ich gebe nie einer schwachen Gruppe die Schuld, wenn Ziele nicht erreichbar sind. Zwar schimpft man gelegentlich (in meinem Fall) auf Verlage und Verleger, dann beruhigt man sich wieder, damit das Ziel nicht eines Tages verlorengeht.
    Vielleicht findet sich eine bessere Tätigkeit als Schreiben. Was glauben sie wie nervenaufreibend es ist Ideen und Innovationen voranzutreiben? Es hat mit Schreiben nicht klappen wollen. Mein Glück war, dass ich Komödien geschrieben habe. Es tat gut. Es war besser als verbittert und vergrämt zu sein. Ich gehöre zu den alten Klassikern. Kultur (Musik/Literatur) hat eine zähmende Wirkung. Die braucht man, wenn man sich am politischen und wirtschaftlichen Leben beteiligt.

    Genug

    Immer niedlich
    immer heiter
    immer lieblich und so weiter
    stets natürlich aber klug
    nun dächt ich das wär genug

    Goethe

    Im Übrigen Goethe schätzte den Ausland.

    Legen sie eine Schreibpause ein, damit Grass darüber wächst, was sie vielleicht im Affekt von sich gegeben haben.

  • Surp

    @ Life

    Was passiert denn seit über 30 Jahren, wird die Durchschnittsbevölkerung nicht komplett verarscht?

    Mir fallen langsam auch keine schönen pseudointerlektuellen Worte für das was passiert ein.

    Anderen schon oder sie erstellen eine überflüssige Statistik um die Realität zu verdrehen.

    “Legen sie eine Schreibpause ein, damit Grass darüber wächst, was sie vielleicht im Affekt von sich gegeben haben.”

    Darüber musste ich lachen, nicht schlecht!

  • LiFe

    Habe auch über einige Passagen lachen können. Lachen ist immer gut! Lachen erzeugt Ideen nebenbei bemerkt.

    Was passiert denn seit über 30 Jahren, wird die Durchschnittsbevölkerung nicht komplett verarscht?

    Hierfür gibt es eine simple Erklärung: Wir nehmen zur Kenntnis, dass wir uns “verarscht” fühlen, aber wir verlieren nicht dabei unsere Selbsbeherrschung.
    Und das ist gut.

    Bei uns in der City spazieren Herrschaften ins Rathaus. Alle tragen dicke Mappen mit sich herum und faseln von Projekte. Sie versprechen die Stadt auf der Welt bekannt zu machen. Locker werden Beträge durchgewunken. Es sind ja so tolle Projekte.

    Dann werden Häuser verkauft und dieselben werden zum Abriss freigegeben. Investoren kommen (keiner kennt sie, nur die, die mit ihnen verhandeln, ich verstehe was sie meinen, wenn sie von “verarschen” sprechen), um wieder abzuspringen.

    Unsere verantwortlichen Politiker töten die Stadt um sie wieder zu beleben. So sieht es aus. Das sagt der Bürger.

    Der innovative Denker, so scheint es mir bald, man trifft ihn überall Orts, hat zwar Visionen wenn er erscheint und wenn er wieder abgesprungen ist hinterlässt er Ruinen.

    Schaut man sich in der Welt um, dann haben wir bald unzählige Ruinen. Der Brand in Bangladesh hätte vermieden werden können, hätten die Verantwortlichen die Hinweise nicht starrköpfig ignoriert. Die Fertigungshalle war bereits begutachtet worden. Es war beanstandet worden. Gibt man Ratschläge, dann fühlen sich die Verantwortlichen gegängelt und bevormundet. Die Leidtragenden sind jetzt die Opfer und ihre Angehörigen. Für diese Menschen fallen Verdienste aus.

    Im Nahen Osten dasselbe. Starrsinn und Hass regieren. Auf beiden Seiten. Anstatt sich auf wirtschaftlicher Ebene zu treffen und Strukturen entwickeln wie es funktionieren könnte, regiert wieder die Gewalt und der Hass.

    Wir können mit Europa zufrieden sein, aber es wäre wünschenswert, wenn alle sich um Dialog bemühen würden. Dann ergeben sich Ideen, die man in Taten umsetzen könnte.

  • Markus

    “Was passiert denn seit über 30 Jahren, wird die Durchschnittsbevölkerung nicht komplett verarscht?”

    Ja was denn?

  • Markus

    @ LiFe
    Wieso glauben eigentlich die Deutschen immer, die Welt retten zu müssen? Warum sind wir so tief betroffen über einen Brand in einer Fabrik in Bangladesh? Ist es die Schuld der Deutschen? Müssen wir hier wirklich intervenieren?

    “Der Brand in Bangladesh hätte vermieden werden können, hätten die Verantwortlichen die Hinweise nicht starrköpfig ignoriert.”
    Ich vermute, Sie haben die Gutachten vorliegen, welche diese Aussage belegen können oder haben mit den “Verantwortlichen” gesprochen. Wer ist denn verantwortlich und für was?

  • LiFe

    @ Markus
    Die Fertigungshalle war bereits begutachtet worden. Es war beanstandet worden. Gibt man Ratschläge, dann fühlen sich die Verantwortlichen gegängelt und bevormundet (der Fehler lag bei mir)

    Hier die Verbesserung:

    Halt, bevor sie mich falsch verstehen. Leider hatte ich es nicht deutlich hervorgehoben. Bitte um Entschuldigung.

    Es war eine beauftragte Deutsche, die auf alle Mängel hingewiesen hatte. Eine Sendung zeigte sie bei einer Inspektion der Produktionshalle. Die Zuschauer konnten alle ihre Bemühungen verfolgen. Es waren dort, die heimischen, Produktionsleiter, die ihre Ratschläge hinterher mißachtet hatten!
    Die Gänge waren durch Aufbewahrung von Taschen überfüllt, welche bei Gefahren (Brand) alle Fluchtwege versperrten und hinzu stellte sie fest, dass minderjährige Mädchen beschäftigt wurden. Eine Szene zeigte sie im Gespräch mit den Mädchen. Auf die Frage, warum Minderjährige beschäftigt wurden reagierte ein heimischer mit Empörung. Die Sendung lag wenige Tage zurück. Es war ein wertvolles Dokument, denn gefilmt wurde das Ganze bevor das Feuer ausgebrochen war! Trotzdem Danke für den Hinweis, denn auf diese Weise können Mißverständnisse geklärt werden.

    Kann sich jemand an die Sendung erinnern?

  • Markus

    @ LiFe
    Bangladesh ist nicht Deutschland. Was hierzulande Standard ist gilt in anderen Ländern nicht. Brandschutz in Deutschland ist das eine, Brandschutz in Bangladesh etwas anderes. Ja, vielleicht hätte man weniger Tote wäre es deutscher Brandschutz gewesen. VIELLEICHT. Aber genau das weiss man eben nicht. Deshalb finde ich die Diskussion eigentlich überflüssig – weil wir nichts wissen sondern nur typisch deutsch empört sind.
    Minderjährige zu beschäftigen ist in manchen Regionen der Welt völlig normal – dies zu verbieten, weil es unseren Grundsätzen nicht entspricht – ist für die Betroffenen nicht nachvollziehbar. Und wieder sind wir typisch deutsch empört.

    Wenn wir uns allerding einmal am Tag duschen – dann ist das normal – aber für manche Menschen ist es Verschwendung von Ressourcen.

    Damit komme ich eben zu der Frage, warum Deutschland die ganze Welt retten oder verbessern will.

    Übrigens: Meines Wissen war die Gutachterin in besagtem Film von der OTTO Group (die abgebrannte Fabrik produzierte nicht (mehr) für Otto)

  • LiFe

    Mir scheint, dass Mediziner gegenüber Manager in einem Punkt die Kunst einer Umgagnform mit Schwachen besser beherrschen.

    1) Sie haben Takt.

    2) Sie schulmeistern nicht.

    3) und sie meiden arrogantes Auftreten

    Welches Kind kennt heute Albert Schweitzer?

    Mir scheint es so. Falls ich mich irre, dann war es ein Versuch die Problematik zu verstehen.

    Natürlich sind wir in allem fortschrittlicher, aber blickt man zurück, so haben auch wir von Unten angefangen. Wir hatten Glück, dass wir eine Chance hatten.
    Es wurden Ärmel hochgekrempelt und geschuftet.

    Dass wir die Welt nicht retten können ist mir schon klar. Es wäre ruinös auf Dauer und die globale Armut wäre die Konsequenz.
    Hilfe zur Selbsthilfe wäre die Lösung. Aber wenn Länder dies, als Bevormundung auffassen, wie können Bedingungen sich verbessern?

    In der Medizin geht es um Heilung. Medizinische Projekte, aus meiner Sicht funktionieren gut.

    Nur In der Wirtschaft will es anscheinend nicht funtionieren. Warum? Weil es um Interessen geht. Kein Mensch ist krank unter ihnen. Sie haben gesund Arme und gesunde Beine, ein jeder hat seine Idee im Kopf und was herauskommt: ellenlange Debatten statt Taten.

    In der Medizin haben Ärzte mit Kranken zu tun. Da gibt es nicht viel zu diskutieren.

    Eine Balance muss gefunden werden. Mich braucht niemand zu fragen welche. Habe einige überlegt, aber wie es so ist….der Mensch wägt ab und denkt in pro und contra….zum guten Schluß erkennt man die kulturellen Unterschiede, weiß welche Streitigkeiten aufkommen können, kapituliert und wünscht sich Arzt geworden zu sein. Weil der Mensch ein Mensch ist.

    Ich weiß keine Lösung. Und dessen schäme ich mich nicht.

  • Markus

    Es braucht keine Lösung. Den Industriestaaten geht es gut, weil es anderen schlecht geht. Der Reichtum wird immer auf relativer Armut aufgebaut, als ein Allokationsproblem. Wir sind doch gar nicht an einer Lösung interessiert, aber unser Moralverstänndnis verlangt in solchen Fällen massive Empörung.

  • http://www.weltenwandler.tv Heiko Göckel

    @Markus Interessante These. Mein Liebling in der Hinsicht, Prof. Gunter Dueck, hat auf weltenwandler.tv das auch so geschildert. Die Frage ist doch wie können wir dagegen vorgehen?!

  • LiFe

    Ich empöre mich nicht. Wieder ein Buchverlag macht Schlagzeilen.

  • Markus

    @ Heiko Gockel
    Die Frage ist nicht, wie wir dagegen vorgehen, sondern warum wir dagegen vorgehen sollten.
    Ich denke dass der Egoismus der Individuen überwiegt. Ob das so ist, kann ich nicht belegen, das wäre eine Aufgabe der Sozialforscher. Ökonomische Theorien, wie zB Adam Smith, weisen jedoch darauf hin. Auch durch tägliche Beobachtungen komme ich zu dem Schluss, dass der Egoismus der Solidarität überwiegt. Interessant jedoch hierbei ist, dass Egoismus ein Tabu Thema darstellt. An Weihnachten ersuchen wir den Ablasshandel durch Spende Marathons. Warum an Weihnachten, sind die Bedürftigen dann besonders bedürftig?

  • LiFe

    Spenden gehen nie direkt an Bedürftige. Spenden gehen in der Regel an Einrichtungen (für Bedürftige). Das ist ein Phänomen das ich kürzlich entdeckt habe. Ist ja ach so fein, wenn Medien (Tageszeitung) dabei sind und bei solchen Anlässen wichtige Persönlichkeiten zusammenfinden. Wer weiß, vielleicht gibt es einen Verdienstkreuz für so viel gute Taten. Tut mir leid, aber man hat so seine Erfahrungen gemacht.

  • Markus

    @ LiFe
    Das ist kein Phänomen – irgendjemand muss schliesslichg auch die Zuwendungen verteilen zB in Form von Essen, Bargeld, usw. Das können nur “Einrichtungen” erledigen.
    Übrigens: Ich würde ebenso vermuten, dass die Menschen während der Weihnachtszeit mehr an Bettler geben. Irgenwie sind viele zu dieser Jahreszeit sensibilisiert. Ich bin ehrlich – ich gebe das ganze Jahr nichts, obwohl ich es sicherlich könnte.

Der Autor:

Dr. Martin Roos

ist freiberuflicher Journalist. Er arbeitet als Autor, Ghostwriter und Redenschreiber für Unternehmen und Topmanager.

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