Gewinn ist so notwendig wie die Luft zum Atmen, aber es wäre schlimm, wenn wir nur wirtschaften würden, um Gewinn zu machen, wie es schlimm wäre, wenn wir nur leben würden, um zu atmen. Hermann Josef Abs, 1901-1994, deutscher Bankier, Vorstandssprecher der Deutschen Bank AG (1957-1967)

14 Europa

Griechenland II – Schulden und mehr

Trotz Sparversprechungen – Griechenland ist es nicht gelungen die Vorgaben der Troika einzuhalten. Die Hellenen fordern mehr Zeit. Es klaffen Haushaltslöcher in Milliardenhöhe. Wie die Haushaltslöcher gestopft werden sollen bleibt aber völlig unklar. Montag geht die Kompromisssuche in die nächste Runde.

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Auf dem Euro-Gipfel vom Dienstag hat man sich nicht darauf einigen können, wie man die fehlenden Milliarden für Griechenland aufbringen will. Es geht bezüglich der Jahre 2013 und 2014 um eine Lücke von 15 Milliarden Euro. Davon sind 6,2 Milliarden Euro das Ergebnis ausbleibender Privatisierungserfolge. Die Troika hatte bis 2016 mit einem Privatisierungserlös von mehr als 24 Milliarden Euro gerechnet (S. 28). Nun sollen es in diesem Zeitraum nur noch 10,4 Milliarden Euro sein. Es fehlen demnach fast 14 Milliarden Euro. Auf die Jahre 2013 und 2014 entfallen davon 6,2 Milliarden Euro ausgebliebene Privatisierungserlöse. Zwischenstand: Die Privatisierungsbemühungen sind komplett fruchtlos. Bislang hat man überhaupt erst knapp 1,7 Milliarden Euro erlöst. Die insgesamt als eigener Beitrag Griechenlands zu seiner Sanierung geplanten 50 Milliarden Euro bleiben illusorisch. Noch wird nur über die wettzumachenden 6,2 Milliarden gesprochen. Doch die Staatenrettungsgemeinschaft wird im Laufe der Zeit einen deutlich größeren Finanzierungsausfall aus eigener Tasche kompensieren müssen.

Griechenland hängt nicht nur bei der Privatisierung dem Programm hinterher, sondern auch bei anderen Maßnahmen. Die Troika behauptet nun, der Umsetzungsverzug habe den Defizitabbau verzögert. Daher seien Griechenlands Schulden höher, wofür Griechenland mehr Zinsen zahlen müsse und auch erst später an den Kapitalmarkt zurückkehren könne. Man brauche einen Aufschub. Für einen Aufschub von zwei Jahren veranschlagt die Troika einen zusätzlichen Betrag von 8,8 Milliarden Euro, um den Verzögerungsschaden abzudecken. Um es vorab richtig zu stellen:  Der Einbruch beim Bruttoinlandsprodukt geht zu seinem größten Teil nicht auf die Verzögerungen bei der Programmumsetzung zurück. Vielmehr hat sich die Troika verkalkuliert und die Sanierungsbelastungen für die griechische Wirtschaft unterschätzt. Auch mit rechtzeitiger Programmumsetzung wäre die Wirtschaft in 2013 nicht wie von der Troika geplant stagniert, sondern deutlich geschrumpft. Die Anpassungsprogramme sind im Ansatz viel zu optimistisch geplant, vielleicht damit die Parlamentarier und Steuerzahler in den Geberländern nicht allzu schnell die Lust an der Eurorettung verlieren. Unter dem Strich bleibt, dass zwei zusätzliche Jahre für Griechenland mindestens 8,8 Milliarden Euro kosten werden. Heute weiß noch niemand, wie das Geld aufgebracht werden soll. Ganz zu schweigen von den 17,6 Milliarden, die für die Jahre 2015 und 2016 fehlen werden. Wie diese Finanzierungslücke geschlossen werden soll, wird derzeit gar nicht überlegt. Im Jahr 2014 – also nach der Bundestagswahl – wird man sich also erneut damit befassen müssen, wo weiteres Geld für Griechenland herkommt.

Der Bundestag muss nichtsdestotrotz darüber entscheiden, ob die nächste Tranche an den griechischen Staat ausgezahlt werden darf. Eigentlich sollte eine Tranche pro Quartal ausgezahlt werden. Wegen des Verzugs von Troika und Griechenland geht es nun um die Auszahlung der Tranchen vom zweiten, dritten und vierten Quartal. Es geht für die EFSF um 38,6 Milliarden Euro und für den IWF um 4,8 Milliarden Euro, insgesamt also um 43,5 Milliarden Euro. Ob eine Auszahlung eine kluge Entscheidung ist, kann man an einem Vergleich der Daten von heute mit denen vom diesjährigen März zum Zeitpunkt der Umschuldung sehen:

Die Zahlen sprechen für sich. Trotz des Schuldenschnitts im März soll Griechenland zum Ende des Jahres 2012 eine höhere prozentuale Verschuldung zum BIP ausweisen. Der Höhepunkt soll nun 2014 mit mehr als 190 Prozent Staatsschulden vom BIP erreicht werden.

In diesem Jahr 2014 ist das IWF-Programm fast vorüber. Der IWF wird vier letzte Tranchen á 1,6 Milliarden Euro auszahlen, insgesamt also 6,4 Milliarden Euro. Doch im Jahr 2014 muss Griechenland bereits Schulden beim IWF tilgen. Der IWF zahlt zwar 6,4 Milliarden Euro aus, doch sind gleichzeitig 7,4 Milliarden Euro zur Rückzahlung an den IWF fällig. Der Fonds verringert im Jahr des höchsten Schuldenstands sein Netto-Griechenlandengagement um 1 Milliarde Euro. Das Geld zur Tilgung kommt von der EFSF. Sie soll laut Auszahlungsplan 14,9 Milliarden Euro an Griechenland auszahlen. Die EFSF-Mittel dienen ab 2014 nicht nur dazu, Griechenland zu finanzieren, sondern auch die Darlehen des IWF zurückzuzahlen.

Auch wenn die Vorschläge darüber, wie die Finanzierungslücke für 2013 und 2014 zu schließen ist, noch nicht vorliegen, kann ich mit Sicherheit sagen, dass ich weiteren Auszahlungen an Griechenland auf keinen Fall zustimmen kann  – erst recht nicht in der Höhe von 38,6 Milliarden Euro. Die Rettungspolitik setzt erst die Marktanreize in Form der Zinssignale unter Verstoß gegen die Nichtbeistandsklausel außer Kraft und versucht ihr Fehlen dann anschließend durch politische Vereinbarungen zu kompensieren. Das kann nicht funktionieren. Die Löcher im Anpassungsprogramm zeigen das. Was allerdings wirklich jeden überzeugen müsste, ist der Umstand, dass die Finanzierungslücke nicht zur Gänze geschlossen wird. Die Troika wird wohl mit Mühe das Loch von 15 Milliarden provisorisch stopfen können. Es klafft aber ein viel größeres Loch bei den Privatisierungserlösen bis 2020. Realistisch sind nicht 50, sondern nur 10 Milliarden Euro. Es bleibt eine Lücke von 40 Milliarden Euro. Hinzu kommt der Verzögerungsschaden 2015 und 2016, der 17,6 Milliarden Euro beträgt. Es ist verantwortungslos, heutigen Auszahlungen zuzustimmen, wenn man nicht weiß, wie dieses Loch geschlossen werden soll, wenn der Bundestag im Jahr 2014 erneut darüber abstimmen muss.

  • Autor

    Frank Schäffler

    war bis 2013 Abgeordneter der FDP-Fraktion im Deutschen Bundestag.

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  • LiFe

    Bücher über die moderne Geschichte Griechenlands sind selten; gute noch viel seltener.

    Ich möchte an dieser Stelle ein hervorragendes Buch empfehlen. Pavlos Tzermias hat im francke Verlag ein Buch mit dem Titel: Neugriechische Geschichte verfasst. Das Buch enthält ausführliche Darlegungen über die Entwicklungen seit 1986 bis 1993. Das Buch erschien 1993 und ist ein hilfreiches Werk um die Situation in der sich Griechenland gebracht hat zu begreifen.

  • chri

    Man braucht sich nicht wundern, warum das griechische Rettungsprogramm der Troika nicht funktioniert. Der IWF als Bestandteil dieser Troika sagt das mit internen Studien vorher. Man muss sich nun fragen,warum ein Austeritätsprogramm weiter verfolgt wird, obwohl man weiß das es nichts bringt und das Land an den Rand des Ruins führt.

    Ein weiterer wesentlicher Punkt ist, dass Griechenland seine Auslandsverschuldung reduzieren muss. Wie soll dies geschehen, wenn die stärkste Volkswirtschaft der Eurozone weiter auf den Export setzt? Deutschland muss aus Griechenland mehr importieren. Das ist die einzige Lösung der Misere. Nur so ist ein Schuldenabbau möglich, da die Summe der Außenhandelsüberschüsse und Außenhandelsdefizite weltweit Null bilden.

  • LiFe

    Deutschland muss aus Griechenland mehr importieren.

    Dies hängt nicht von Deutschland ab, dass mehr importiert werden muss. In Brüssel wird entschieden, wie Produkte der Norm entsprechen muss. Der Spargelanbau in Griechenland entsprach nicht der Erwartung. Da hätten Fachleute zur Rate stehen sollen.
    Wie bereits in der Vergangenheit erwähnt musste eine Saftfabrik schließen, da angeblich der Obstbestand in Arta sich nicht zum Pressen der Früchte geeignet hatten. Wieder kam die Forderung aus Brüssel. Man empfahl den Hersteller Obst aus dem Ausland zu importieren. Diese Forderung konnte nicht umgesetzt werden.

    Kiwis werden angebaut. Ein Plantagenbesitzer wickelte seine Geschäfte mit einem Land im Osten ab. Die Folge war tragisch, denn ein Geschäftsmann hatte sich beliefern lassen und zahlte nicht. Der Plantagenbesitzer hatte in seiner Verzweiflung sein Leben genommen.

    1994 wurde viel Marmor abgebaut. Die Menschen hatten Arbeit. Es kamen viele Arbeiter aus Bulgarien und fanden Beschäftigung. Unter den Arbeiter waren viele aus Berufszweige, von denen man nicht geglaubt hatte, dass sie diese schwerstarbeit nachgehen würde. Einer war Marhematiker! Aber er war froh Arbeit gefunden zu haben.
    Mit den Jahren nahm der stetig Abbau ab. Die Abnehmer entdeckten eine neue Resource. Die Türkei baut auch Marmor ab. Die Qualität war diesselbe und dazu preisgünstiger.

    In allem muss man die klimatische Bedingung Griechenlands berücksichtigen. Es ist härter und mittlerweile gefährlicher geworden im Freien zu arbeiten. Die Sonne ist stark und vor allem die Mückenplage ist enorm. Malaria ist im Anmarsch. Die Tigermücke hat sich von Asien breit gemacht.

    Griechenland hat eine Chance und Verständnis verdient. Die Hilfe (ich meine nicht monetär) müsste aus Brüssel kommen.

  • Staatsverschuldung – kurz gefasst

    “Zur Funktion einer Volkswirtschaft ist es erforderlich, dass der Geldkreislauf immer geschlossen bleibt. Um dies zu gewährleisten, müssen im gleichen Umfang, in dem die Geldvermögen zunehmen, auch die Schuldenaufnahmen ausgeweitet werden. Die Geldvermögen haben sich jedoch in Deutschland seit 1950 etwa alle zehn Jahre verdoppelt und damit – in reale Größen umgerechnet – bis 2009 auf das 46-fache vermehrt, während die Wirtschaftsleistung “nur” auf das 8-fache zugenommen hat.
    Während diese ständig wachsenden Geldvermögen in den ersten Nachkriegsjahrzehnten noch von der Wirtschaft über Kreditaufnahmen absorbiert werden konnten, waren seit den 1970er Jahren die Staaten zunehmend gezwungen, die entstehenden Lücken durch Schuldenaufnahmen zu schließen. Da jedoch die eskalierenden Geldvermögen auch damit nicht mehr ausreichend eingebunden werden konnten, kam es zu jenen Spekulationsexzessen bei Börsen und Banken, deren Zusammenbrüche jetzt mit Steuermitteln aufgefangen werden müssen.
    Das größte Ärgernis dieser Staatsverschuldungen von inzwischen 1,8 Billionen Euro in Deutschland ist jedoch der Tatbestand, dass sie uns gar keinen Nutzen gebracht haben. Denn den Kreditausweitungen zwischen 1970 und 2009, in Höhe von 1.596 Mrd. Euro, standen in der gleichen Zeit Zinszahlungen des Staates in Höhe von 1.562 Mrd. Euro gegenüber! D. h., nutzbar für Staat und Bürger waren in diesen 39 Jahren nur jene 34 Mrd. Euro, die sich aus der Differenz zwischen Kreditaufnahmen und Zinszahlungen ergeben. – Profitiert hat also alleine jene Bürger-Minderheit, die dem Staat ihr Geld geliehen hat: Sie ist um 1.562 Mrd. Euro reicher geworden.”

    Helmut Creutz (aus HUMANE WIRTSCHAFT 02/2011 S.12)

    Eigentlich bedarf es keines weiteren Beweises, dass Politiker keine Volksvertreter sind, wobei sie nicht aus “bösem Willen” handeln, sondern sie wissen wirklich nicht, was sie tun.

    Der “Jahrhundertökonom” John Maynard Keynes wusste, dass eine “antizyklische staatliche Investitionspolitik” die Katastrophe (globale Liquiditätsfalle) nur hinausschieben aber nicht verhindern kann, denn solange keine staatliche Liquiditätsgebühr auf alles Zentralbankgeld (“carrying costs”) erhoben wird und es ein privates Bodeneigentumsrecht gibt, ist der Staat niemals in der Lage, die Verschuldung wieder abzubauen. Keynes wusste aber auch, dass die “hohe Politik” dumm genug sein würde, alle denkbaren und undenkbaren Möglichkeiten einer staatlichen Investitionspolitik auszuprobieren, bevor sie ihr Versagen eingestehen würde, denn etwas anderes kann die politische Seifenoper in einer Zinsgeld-Ökonomie (zivilisatorisches Mittelalter) sowieso nicht machen.

    Das einzig Sinnvolle, was Politiker tun können, ist, sich selbst überflüssig zu machen!

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2012/07/der-zins-mythos-und-wahrheit.html

  • chri

    @Stefan Wehmeier

    Was würde passieren, wenn von heute auf morgen kein Zins existieren würde?

    Nichts würde passieren. Da dem so ist, müssen Sie ihre Zinskritik über esoterisch, religiöse Theorien “belegen”.
    Sie behaupten der Zins sei das Grundproblem. Wenn man darüber nachdenkt ist das Unsinn. Ungleiche Verteilung stellt sich auch ohne Zinsen ein. Spielen sie Monopoly. Da gibt es keine Zinsen und dennoch besitzt am Ende eine Person alles. Das gelingt Ihm durch Eigentum. Wenn sie Zinsen abschaffen, dann kaufen sich alle Reichen Häuser und Vermieten sie. Sie erhalten genauso wie jetzt leistungsloses Einkommen.

  • @ chri

    Wissen Sie, warum mir der deutsche Staat 48 Milliarden Euro für die praktische Durchführung einer freiwirtschaftlichen Geld- und Bodenreform bezahlen wird? Weil die allermeisten anderen und insbesondere gewählte “Spitzenpolitiker” sowie studierte “Wirtschaftsexperten” aufgrund der religiösen Verblendung genauso wenig von Makroökonomie verstehen wie Sie.

    Der blinde Fleck der Volkswirtschaftslehre
    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2011/11/der-blinde-fleck-der.html

  • chri

    @Stefan Wehmeier
    “aufgrund der religiösen Verblendung genauso wenig von Makroökonomie verstehen wie Sie.”
    Ich verstehe, dass Ihre Darstellung einen wesentlichen Fehler enthält. Der Staat als Akteur tritt nicht auf. Zusätzlich bleibt meine Frage. Was ändert sich, wenn ich den Zins abschaffe. Man kann immer noch durch Fabriken, Aktien, Mieten, etc. Einkommen generieren ohne selbst arbeiten zu gehen. Ihr Beispiel am Ende mit den 3 Gruppen würde zu dem gleichen Ende gelangen. Monopoly lässt grüßen.

    Ein Muster zu erkennen und daraus Schlüsse zu ziehen heißt nicht, dass diese Schlüsse richtig sind (Das gilt natürlich auch für meine). Es gilt deshalb die Schlüsse empirisch zu prüfen. Sie behaupten der Zins sei Schuld, ich zeige Ihnen, dass es zu idententischen Effekten (für der der Zins verantwortlich sein kann) ohne Zinsen kommen kann.

  • LiFe

    Weil die allermeisten anderen und insbesondere gewählte “Spitzenpolitiker” sowie studierte “Wirtschaftsexperten” aufgrund der religiösen Verblendung genauso wenig von Makroökonomie verstehen wie Sie.

    Dann kann man froh sein, dass sie nicht Ärzte geworden sind.

  • “Der Staat als Akteur tritt nicht auf.”

    Lesen müsste man können: “Gedanklich kann der Staat bei dieser Idealisierung als Unternehmen aufgefasst werden.”

    “Was ändert sich, wenn ich den Zins abschaffe.”

    Falsche Frage. Richtige Frage: Was ändert sich nach einer freiwirtschaftlichen Geld- und Bodenreform? Antwort:

    “Man sagt es harmlos, wie man Selbstverständlichkeiten auszusprechen pflegt, dass der Besitz der Produktionsmittel dem Kapitalisten bei den Lohnverhandlungen den Arbeitern gegenüber unter allen Umständen ein Übergewicht verschaffen muss, dessen Ausdruck eben der Mehrwert oder Kapitalzins ist und immer sein wird. Man kann es sich einfach nicht vorstellen, dass das heute auf Seiten des Besitzes liegende Übergewicht einfach dadurch auf die Besitzlosen (Arbeiter) übergehen kann, dass man den Besitzenden neben jedes Haus, jede Fabrik noch ein Haus, noch eine Fabrik baut.”

    Silvio Gesell

    Die Kapitalrendite entsteht nicht aus dem Besitz an den Sachkapitalien, sondern aus der durch die Rentabilitätshürde des Urzinses bedingten, strukturellen Knappheit des Sachkapitals! Durch eine konstruktive Geldumlaufsicherung verschwindet die Rentabilitätshürde, sodass sich die Sachkapitalien soweit vermehren, bis alle leistungslosen Kapitaleinkommen (unverdiente Knappheitsgewinne auf Kosten der Mehrarbeit anderer) durch vollkommene marktwirtschaftliche Konkurrenz (monopolfreie Marktwirtschaft = echte Soziale Marktwirtschaft) eigendynamisch auf Null geregelt sind.

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2012/08/personliche-freiheit-und-sozialordnung.html

  • chr

    “Gedanklich kann der Staat bei dieser Idealisierung als Unternehmen aufgefasst werden.”

    Kann man das? Ein Unternehmen kann keine Gesetze erlassen und Enteignen. Ein Staat schon. Ein Unternehmen kann im Markt agieren. Ein Staat kann Märkte kreiieren. Ein Unternehmen kann ein Geldsystem nutzen, ein Staat kann ein Geldsystem festlegen. Die Vereinfachung ist etwas zu kurz gegriffen.

    “Urzinses”
    Wieder eine nette Annahme. Wie hoch ist denn dieser Urzins? Wenn er da ist, dann muss man Ihn messen oder zumindest abschätzen können.

    “Die Kapitalrendite entsteht nicht aus dem Besitz an den Sachkapitalien”
    Ist das so? Dann haben die Besitzer von Land im Mittelalter keine Gewinne mit Pacht und Mieten gemacht? Dort gab es, da es die Kirche verboten hatte, keinen Zins. Das Geldsystem war goldgedeckt.

    “bis alle leistungslosen Kapitaleinkommen (unverdiente Knappheitsgewinne auf Kosten der Mehrarbeit anderer)”

    Wer definiert was verdiente Gewinne und unverdiente sind?

    Zudem
    – löst es das Problem der Mieten nicht
    – erklärt nicht wie man zwar Industrien und Unternehmen besitzen, aber sie nicht zur Erarbeitung von Gewinn nutzen darf (Widerspruch zum Kapitalismus)

    “durch vollkommene marktwirtschaftliche Konkurrenz”
    Die kann es nicht geben und das ist vollkommen zinsunabhängig. Vollkommene Konkurrenz setzt vollkommenes Wissen voraus. Das kann es nicht geben.

    Ein letzter Punkt.

    Zeigen sie mir Beispiele, wo diese Art der Wirtschaftslehre über einen längeren Zeitraum mit einer hinreichender Menge Menschen funktioniert hat.

    Zeigen sie mir eindeutig, dass Zinsen für die Probleme verantwortlich sind.

    Beides werden sie nicht können. Somit ist Gsells Wirtschaftsmodell eines unter vielen. Auch wenn sie es auf esorterisch religiöse Höhen heben wird es nicht richtiger.

  • “Zeigen Sie mir eindeutig…”

    Das habe ich längst getan. Bei jemandem wie Ihnen, der marktwirtschaftliche Regelmechanismen gar nicht erst verstehen will, ist das allerdings Zeitverschwendung:

    “Ihr werdet mir tausend Fragen stellen, und nachdem ich sie alle zu eurer Zufriedenheit beantwortet habe, werdet ihr von vorne anfangen.”

    Silvio Gesell, 1929

    Dieses irrationale Verhalten des Massenmenschen entsteht aus dem kollektiv Unbewussten:

    “Man darf nicht glauben, eine Idee könne durch den Beweis ihrer Richtigkeit selbst bei gebildeten Geistern Wirkungen erzielen. Man wird davon überzeugt, wenn man sieht, wie wenig Einfluß die klarste Beweisführung auf die Mehrzahl der Menschen hat. Der unumstößliche Beweis kann von einem geübten Zuhörer angenommen worden sein, aber das Unbewußte in ihm wird ihn schnell zu seinen ursprünglichen Anschauungen zurückführen. Sehen wir ihn nach einigen Tagen wieder, wird er aufs neue mit genau denselben Worten seine Einwände vorbringen. Er steht tatsächlich unter dem Einfluß früherer Anschauungen, die aus Gefühlen gewachsen sind; und nur sie wirken auf die Motive unserer Worte und Taten.”

    Gustave Le Bon (Psychologie der Massen)

    Das kollektiv Unbewusste wird wiederum von der Religion (selektive geistige Blindheit gegenüber makroökonomischen Konstruktionsfehlern) gesteuert, von der sich der unbewusste Mensch – ob “gläubig” oder “ungläubig” – nicht befreien kann, solange das “Programm Genesis” nicht erklärt und damit wegerklärt ist:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2011/07/die-ruckkehr-ins-paradies.html

  • Surp

    @ wehmeiner

    der Zins ist eine Redite für das Risiko.

    Ich würd eher kristisiern, dass unser gesamtes Geldsystem von bestimmten Kreisen unterlaufen werden kann (Banken etc.).

    Meine verrückte Überlegung (ich bin alkolisiert) jeder Bürger darf sein Geld einfach erfinden, zumindest wieviel erInnen in seinen Augen brauch.

    Ich behaupte sogar, das würde funktionieren, solange sie nicht komplett alle ressourcen abgreifen. Wobei wenn alle alles haben können, wollen sie meistens sehr wenig, da es ja kein Penismeter mehr ist^^.

  • “…(ich bin alko(ho)lisiert)…”

    Wenn Sie wieder nüchtern sind:

    Der Kreditzins, den Unternehmer für Investitionskredite an die Geschäftsbanken zahlen, besteht aus der Bankmarge und dem Guthabenzins, den die Geschäftsbanken an die Sparer zahlen. Die Bankmarge minus Risikoprämie (Kreditausfall-Versicherung) minus Personal- und Sachkosten ist der Gewinn der Geschäftsbanken vor Steuern, und der Guthabenzins der Sparer ist die Liquiditätsverzichtsprämie (Urzins) plus Knappheitsaufschlag plus Inflationsaufschlag. Der Realzins (Sparer-Gewinn) ist der Guthabenzins minus Inflation.

    Die Liquiditätsverzichtsprämie ist zeitabhängig und erreicht bei langfristigen, ca. 10-jährigen Geldanlagen den vollen Urzins von etwa 4,5%, während der Knappheitsaufschlag durch das Verhältnis von Kreditangebot und Kreditnachfrage in der Volkswirtschaft bestimmt wird. Ist nach einem Krieg (umfassende Sachkapitalzerstörung) die Kreditnachfrage zur Finanzierung neuer Sachkapitalien (Häuser, Fabriken, Schiffe, etc.) deutlich größer als das Kreditangebot, steigt der Realzins für die Sparer um eine “Belohnung für Konsumverzicht”, weil in dieser Situation die Schaffung neuen Sachkapitals für die Volkswirtschaft wichtiger ist als der vorgezogene Konsum; und wenn kurz vor dem nächsten Krieg die Geldvermögen – und damit auch die (fast) spiegelbildliche Gesamtverschuldung – durch die fortlaufende Verzinsung soweit gewachsen sind, dass das Kreditangebot die Kreditnachfrage übersteigt, weil die Rentabilitätshürde des Urzinses der weiteren Vermehrung rentabler Sachkapitalien eine Grenze zieht, wird der Knappheitsaufschlag negativ und der Realzins für die Sparer vermindert sich um eine “Bestrafung für Investitionsverzicht”. Dies führt zu einer Verkürzung der durchschnittlichen Anlagedauer, weil der Realzins nun unter den vollen Urzins fällt, den die Sparer mindestens fordern, um ihre Ersparnisse langfristig zu verleihen. Aus mittel- bis kurzfristig den Geschäftsbanken überlassenen Ersparnissen können diese aber umso weniger Investitionskredite vergeben, für deren verzinste Zurückzahlung die Unternehmer etwa zehn Jahre benötigen. Die Geschäftsbanken haben mit immer größer werdenden Kreditausfall- sowie Fristentransformationsrisiken zu kämpfen und verlagern ihre Geschäftstätigkeit von der Investition auf die Spekulation (ironischerweise als “investment banking” bezeichnet), um an Preisschwankungen zu profitieren, die wiederum umso größer und hektischer werden, je mehr die “Bestrafung für Investitionsverzicht” den Geldkreislauf ins Stocken bringt. Am Ende gerät die Volkswirtschaft in eine Liquiditätsfalle, d. h. der Geldkreislauf – und damit die Arbeitsteilung – bricht soweit zusammen, dass die nächste umfassende Sachkapitalzerstörung unvermeidlich wird, damit es nach dem Krieg wieder eine “Belohnung für Konsumverzicht” geben kann:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2012/07/der-zins-mythos-und-wahrheit.html

  • LiFe

    @ Surp alkoholisiert? Schreibpause!!!!!!