Kann sich irgendwer erinnern, daß die Zeiten einmal nicht hart waren und das Geld nicht knapp? Ralph Waldo Emerson, 1803-1882, US-amerikanischer Schriftsteller, Philosoph

8 Europa

Auf Kosten der Preisstabilität: Wie die EZB das Vertrauen verspielt

Die Katze ist aus dem Sack: 730 Millionen kostet das neue Rettungspaket für Griechenland den deutschen Steuerzahler. Mit Spanien klopft bereits der nächste Patient an der Tür der Euro-Retter. Dabei assistiert die EZB und gefährdet vor allem die langfristige Preisstabilität des Euro.

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Spanien gilt als erster Anwärter für einen Antrag auf finanzielle Hilfen aus dem kürzlich eingesetzten Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM). Erhält Spanien Geld aus dem Rettungstopf, wird auch das Staatsanleihen-Kaufprogramm (Outright Monetary Transactions) der EZB zum Tragen kommen. Das bedeutet, dass die EZB im großen Stil spanische Anleihen auf dem Sekundärmarkt kauft. Damit gefährdet sie jedoch ihr wichtigstes Ziel: Die Wahrung der Preisstabilität. Zwar wird die zugeführte Liquidität über andere Kanäle wieder eingesammelt, so dass sich unterm Strich die Geldmenge nicht zwingend vergrößert. Doch könnte der Eingriff nachfrageseitig die Inflation anheizen.

Verlieren die Investoren das Vertrauen in die Unabhängigkeit der Notenbank, passen sie ihre Inflationserwartungen nach oben an. Geplante Ausgaben werden vorgezogen, die volkswirtschaftliche Gesamtnachfrage steigt, ebenso das Preisniveau. Ohne Einsatz der Notenpresse, kommt es so zum Kaufkraftverlust.

Die Diskussion, wie und ob die EZB, die durch die Anleihenkäufe zugeführte Liquidität wieder abschöpfen kann,  ist somit gar nicht entscheidend. Entscheidend ist es vielmehr, dass die Märkte das Vertrauen in die Institution nicht verlieren. Durch die monetäre Staatenfinanzierung ist die Notenbank aber dabei, die Geldordnung aus ihren institutionellen Angeln zu heben. Auch wenn die EZB es leugnet: Mit dem Aufkauf von Staatsanleihen unterläuft sie das zentrale Prinzip der Geldwertstabilität.


Eine ausführliche Analyse zu den Auswirkungen der EZB-Geldpolitik finden Sie hier.

  • Autor

    Dr. Christian Fahrholz

    ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Graduiertenkolleg Global Financial Markets an der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

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  • mathe

    Immer, wenn Ökonomen nicht weiter wissen, kommt “Vertrauen” ins Spiel. Es müsste doch mittlerweile klar sein, dass ein Investor nicht auf der Basis von Vertrauen handelt, sondern auf Basis von Kennzahlen. Als Investor sehe ich das Dilemma und handle auf Basis von Wahrscheinlichkeiten der zukünftigen Entwicklung – ausgedrückt in Kennzahlen – um eine Rendite zu erwirtschaften. Die Glaubwürdigkeit von Institutionen oder Personen ist dabei zweitrangig. Der “Vertrauensbruch” der EZB erhöht die Rendite, jedoch nicht unerwartet, weil die EZB keine andere Handlungsoption hat.

  • Surp

    @ mathe

    Kennzahlen sind Schwachsinn, keiner weiß was morgen ist, da kann man nochsoviel Pseudomathematik anwenden.

    Wahrscheinlichkeit beruht ausschließlich auf Vertrauen.

  • Dennoch sind die Inflationserwartungen der Märkte nach wie vor niedrig. Wie erklären sie sich das, Dr. Fahrholz? http://makrointelligenz.blogspot.de/2012/10/inflation-wie-wahrscheinlich-ist-sie.html

  • Surp

    weil die Menschen kein Geld haben gibs keine Inflation, ganz einfach, man kann unendliche Summen an Geld erfinden.

    Solange die Menschen es nicht ausgeben können, passiert nix!

    Derzeit wird dieses ganze erfundene Geld in irgendwelche Pseudosachwerte investiert.

    Dieses System neigt sich langsam zu neige, obwohl es schon sehr lange durchhält, dafür, dass es schon seit mindestens 10 Jahren tot sein sollte. Aber die Kleriker (Wiwis und Juristen) halten es am leben.

    Die Frage ist, was kommt als nächstes?

  • LiFe

    @ Surp was noch als nächstes kommt?

    Das müssen sie doch am Besten wissen! Sie haben doch die Weisheit mit Löffeln gegesessen. Oder muss ich trinken sagen? :-)

  • Surp

    @ Life

    Was ist denn ihr Vorschlag, die Dinge zum Besseren zu wenden?

    Durch eine Arbeitsgesellschaft die zum Großteil zu einer riesen ABM verkommen ist, wird es wohl nicht gehen.

    Durch Bildung die verdummt und in großen Teilen sinnlos ist, wohl auch nicht.

    Meckern kann man viel, aber man sollte auch Lösungen vorschlagen (auch wenn sie wohl niemals gehört werden, beruhigt zumindest das eigene Gewissen).

    Ich habe Lösungen vorgeschlagen, manche sind verrückt und nicht vorstellbar, aber immerhin schlage ich etwas vor.

  • Herr Dr. Fahrholz,
    als Wissenschaftler sollten Sie keine in Deutsch unsinnige Wortekonstrukte verwenden, auch wenn sich mit solchen ein Artikel besser verkaufen lässt. Hier: „Anleihekäufe“, „Stabilitätsmechanismus“; mit ihnen wird verschleiert. Als Wissenschaftler sollten Sie nicht im Stil der Medien Aussagen formulieren, auch wenn sich mit solchen ein Artikel besser verkaufen lässt. Hier (z.B.): `Gefährdung des Ziels`-Ein Ziel wird nicht gefährdet, allenfalls seine Erreichung. Liquidität kann weder `zugeführt` noch `eingesammelt` werden, ebenso wenig `über Kanäle`. `Geldmenge kann sich nicht (selbst) vergrößern`, auch weder `unterm Strich` noch `nicht zwingend`. `Inflation` kann nicht `angeheizt` werden, auch nicht durch einen `Eingriff“.
    Oder ist es das „wissenschaftliche“ Niveau von „Ökonomen Blog“?

  • Stefan

    Beim OMT Programm (Aufkauf bestehender Staatsschuldtitel) kann wohl kaum von monetärer Staatsfinanzierung (Aufkauf zusätzlich neu-emitierter Staatsschuldtitel) gesprochen werden.

    Desweiteren ist die Abgrenzung der Begriffe “Geldmenge” und “Geldbasis” im vorliegenden Artikel/Papier recht schwammig. Die OMT-Maßnahmen (falls sie überhaupt kommen; ein großes falls) erhöhen per se nicht die Geldmenge. Die Geldmenge wird nur durch eine Ausweitung der Kreditvergabe der Geschäftsbanken oder durch direktes, physisches Drucken von Banknoten, welche auch in den Umlauf kommen, erhöht. Die OMT-Maßnahmen hingegen erhöhen nur die Geldbasis. Diese Rettungsmaßnahmen erleichtern es den Banken u.U. mehr Kredite zu vergeben, da sie potenzielle Risiken aus den Bilanzen nehmen, sind aber kaum wirksam im Hinblick auf ein rasches Ansteigen der Kreditvergabe (siehe Japan seit 20 Jahren, wo die Kreditvergabe trotz einer starken Erhöhung der Geldmenge am Boden liegt). Die Kreditvergabe wird einzig und allein durch die Geschäftsbanken aufgrund ihrer Risiko- und Ertragsentscheidungen beeinflusst. Alleine durch das OMT-Programm wird das Kreditangebot auf einmal nicht schlagartig Risikoärmer oder Ertragsreicher, was eine starke Ausweitung der Geldmenge zur Folge hätte.

    Außerdem finde ich es sehr schwammig aus Überlegungen, welche auf “könnte”, “möge” oder “eventuell” enden, allgemeine Schlüsse zu ziehen, dass dies so auch definitiv eintritt, wie es obiger Text suggeriert. Die jüngere (und auch ältere) Geschichte zeigt, dass eine Ausweitung der Geldbasis (ohne eine Ausweitung des Geldumlaufs) zu keiner Erhöhung der Inflation führt(e).

    Noch ein Nachtrag: Geldwertstabilität läuft in 2 Richtungen ab. Ohne die durchgeführten Notmaßnahmen der Zentralbanken in der aktuellen Krise wären wir mit großer Sicherheit schon in einer deflationären Phase a la Japan angekommen, und somit wäre das zentrale Prinzip der Geldwertstabilität und somit auch der “Garant der letzten Instanz” ebenso verletzt wurden.