Die Marktwirtschaft ist die gutmütigste, verdauungskräftigste, vitalste Wirtschaftsordnung, die sich denken läßt. Sofern nur ein Minimum an Kernbedingungen erfüllt ist, ist es erstaunlich, wie lange sie mit Giften, Fremdkörpern, Zentnerlasten fertig wird - schlecht und recht. Wilhelm Röpke, 1899 - 1966, deutscher Ökonom, einer der geistigen Väter der Sozialen Marktwirtschaft

4 UmweltWachstum

Lösen sich die Umweltprobleme von selbst?

Die meisten Rohstoffe sind endlich. Mit den Wohlstandsteigerungen in den Schwellen- und Entwicklungsländern steigt aber auch dort der Bedarf nach Ressourcen und Umweltgütern. Eng damit verbunden steigen die weltweiten Treibhausgasemissionen immer weiter an. Sollte Wachstum eingeschränkt werden? Oder ist Wachstum sogar der Schlüssel zu mehr Umweltschutz?

(mehr …)

Gerade erst ist der Klimagipfel in Doha zu Ende gegangen. Wieder ist es nicht gelungen, sich verbindlich und glaubhaft auf eine Reduzierung der Treibhausgasemissionen zu verständigen. Die Schwellenländer haben großes Interesse das Wohlstandniveau der Industriestaaten zu erreichen, selbst wenn der Aufholprozess mit mehr Treibhausgasemissionen verbunden ist. Vor allem in armen Ländern steht die Sicherung der lebensnotwendigen Versorgung der Bevölkerung über dem Schutz der Umwelt.

Die Staatengemeinschaft sitzt also in einem Dilemma. Die Industrienationen mit hohem Wohlstandsniveau investieren Milliarden in Ressourcenschonung und Treibhausgasvermeidung. Die aufstrebenden Staaten hingegen wollen wachsen. Ressourcenschonung ist nachrangig. Den Wachstumshunger kann man keinem Land verwehren. Das bedeutet aber unterm Strich, dass die Anstrengungen der Einen durch den Aufholprozess der Anderen mehr als wettgemacht wird.

Entscheidend wird es sein, diese Wachstumsentwicklungen nicht zu verhindern, sondern umweltfreundlicher zu gestalten.

Wirtschaftliches Wachstum führt natürlich zu einem Mehrverbrauch an knappen Ressourcen. Aber: Nur von einer ausreichenden wirtschaftlichen Basis können finanzielle Ressourcen für Umweltschutzmaßnahmen breitgestellt werden. Gleichzeitig geht Wachstum mit technischem Fortschritt einher. Umweltschutz wird dadurch immer preisgünstiger. Und Wachstum verhindert Verteilungskonflikte, die entstehen würden, wenn für ein Mehr an Umweltschutz auf wirtschaftlichen Wohlstand oder soziale Leistungen verzichtet werden müsste.

Generell lässt sich der Zusammenhang von Wohlstandsentwicklung und Wirtschaftswachstum in drei Phasen einteilen (Abbildung):

  1. Ausgehend von einer wohlstandslosen Gesellschaft ohne Wirkung auf die Umwelt steigt die Nutzung natürlicher Ressourcen zunächst mit steigendem Wohlstand an.
  2. Ist aber ein bestimmtes Wohlstandsniveau erreicht, steigt die Präferenz für eine intakte Umwelt und einen nachhaltigen Lebensstil.
  3. Nach der Phase von zurückgehender Umweltverschmutzung wäre es denkbar, dass zusätzlicher Wohlstandsgewinn nicht mit mehr Umweltverbrauch einhergeht. Genauso ist allerdings möglich, dass nach dem Rückgang der Umweltverschmutzung in Phase zwei, der Verbrauch der Umwelt mit wachsendem Wohlstand wieder steigt, weil es mit der Umsetzung der technischen Möglichkeiten zur Emissions- und Ressourcenreduktion wieder zu einer engeren Kopplung von Wirtschaftswachstum und Umweltverschmutzung komme, wenn auch auf niedrigerem Niveau.

Lösen sich also die Umweltprobleme von selbst? Ist es möglich Wirtschaft und Wachstum ganz zu entkoppeln? Bei der Emission von Treibhausgasen ist eine Entkopplung zumindest in Deutschland bereits erfolgt.  Für die Produktion einer Einheit BIP werden immer weniger Treibhausgase emittiert. Eine ähnliche Entwicklung zeigt sich auch bei anderen Ressourcen. Wasser, Energie und Flächen werden immer effizienter eingesetzt und die verbrauchte Menge ist in den meisten Fällen trotz gestiegenem Wohlstand sogar absolut gesunken.

Dennoch: Wirtschaftliche Aktivität bleibt eng mit der Nutzung der Umwelt verbunden. Eine emissions- und ressourcenlose Wirtschaft wird es nicht geben. Aber die negativen Auswirkungen eines steigenden Wohlstandsniveaus auf die Umwelt sind in den letzten Jahrzehnten gesunken. Die Abkehr vom Wachstum wäre der falsche Weg. Im Gegenteil: Umweltschutz braucht Wachstum!


Weitere Informationen rund um das Thema Wachstum finden Sie hier.

  • Autor

    Dr. Hubertus Bardt

    ist Geschäftsführer und Leiter des Wissenschaftsbereiches am Institut der deutschen Wirtschaft Köln.

    Alle Beiträge

  • Tim

    Für die Produktion einer Einheit BIP werden immer weniger Treibhausgase emittiert.
    Achtung, die Fertigung von Vorprodukten wurde und wird (teilweise) in osteuropäische Länder mit geringeren Energiepreisen ausgelagert. Wenn hierzulande Emissionen sinken, sagt das derzeit nicht allzu viel aus.

  • chriwi

    @Tim

    Diesen Zusammenhang sollte ein Wirtschaftswissenschaftler eigentlich wissen. Häufig bringen diese vor, dass der Produktionsstandort Deutschland aufgrund der Umweltgesetze gefährdet sei.

  • Uwe Reissner

    Wachstum lässt sich nicht aufhalten, es liegt in der Natur des Menschen. Man möchte Neues erforschen, besser sein oder einfach aus ökonomischen Gründen.

    Das eigentliche Problem ist die Anzahl der Menschen auf unseren Planeten.
    Die Weltmeere sind schon jetzt überfischt und es geht an dessen Substanz. Fischfarmen, wo man eigentlich denkt dass sie die Lösung ist, helfen beim Untergang mit. Dazu versauern die Ozeane immer mehr. Das weltweite starke Anwachsen der Fischzuchtfabriken, die zu 80% in natürlichen Gewässern gebaut werden, schädigen diese Regionen zusätzlich durch den Einsatz von Schädlingsabwehrstoffen.

    Jährlich werden ca. 70.000 km ² für Monokulturen abgeholzt. Im Zeitraum von 1985 bis 2007 verlor Sumatra rund die Hälfte ihrer Waldflächen und die Abholzung beschleunigt sich. Diese Waldflächen weichen einer Monokultur, den Ölpalmen. Das Öl der Ölpalme ist ein wichtiger Grundstoff für Margarine, Frittierfett, Schokolade, Waschmittel und Kosmetikprodukte. Mittlerweile wird das Öl auch im Biokraftstoffbereich eingesetzt. Und der Bedarf wächst überproportional.

    Deutschland hat ein Papierbedarf, die eine Fläche von 10% von Deutschland benötigt, würden wir dafür eigene Wälder aufforsten müssen. Kein Problem, wird ja importiert. Aber in den nächsten Jahrzehnten werden wachsende Nationen, wie Indien und China, den gleichen Bedarf haben. Wie soll das funktionieren?
    Das lässt sich vielfach weiterführen.

    Wir sind zu viele auf der Erde und da man nichts dagegen tut, wird das unweigerlich zu Konflikten führen. Wenn man bedenkt, dass ein Durchschnitts-Deutscher etwas das Fünfzigfache eines Chinesen/Inder an Rohstoffen verbraucht und das Hundertfache eines Menschen aus den ärmsten Regionen.

    In ca. 25 Jahren sind wir ca. 25% mehr Menschen auf der Erde.

  • Uwe Reissner

    Ergänzend

    Ich denke es wäre interessant zu wissen, wieviel Rohstoffe ein Deutscher im seinem Leben verbraucht. Das könnte dann hochgerechnet werden, das Problem ist greifbarer und die Politik würde vermutlich reagieren müssen.