Individuelles Zockertum ist jedem unbenommen, aber es darf nicht sein, dass der Staat diesen Zockern bei Verlusten unter die Arme greift: Der Markt kann Gier belohnen, der Staat darf es nicht. Otto Graf Lambsdorff, (1926 - 2009), deutscher Politiker, Bundesminister für Wirtschaft, Bundesvorsitzender der FDP

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Die Zeichen der Endzeit

Jorgen Randers: 2052 – eine globale Prognose für die nächsten 40 Jahre, München 2012, Oekom-Verlag

40 Jahre nach dem Bericht die Grenzen des Wachstum schaut einer der Autoren noch mal vorn vier Dekaden nach vorn. Ergebnis: Die Zukunft sieht ungemütlich aus. Doch Rettung ist möglich – sie kommt ausgerechnet aus China.

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Bereits vor 40 Jahren schrieb Jorgen Randers am berühmten Bericht des Club of Rome „Die Grenzen des Wachstums“ mit. Damals glaubte den Autoren kaum jemand, zu sehr erschütterte der Bericht die Vorstellungskraft der Menschen. Von Ökonomen wurde die Studie damals sogar wüst beschimpft – was ihr aber zu noch mehr Popularität verhalf. Viele der damaligen Prognosen und Befürchtungen des Berichts sind heute Realität. Jetzt hat der norwegische Wirtschaftsexperte und Zukunftsforscher Randers auf rund 400 Seiten erneut eine detailreiche Abhandlung vorgelegt: 2052 – eine globale Prognose für die nächsten 40 Jahre. Es ist zu befürchten, dass sie genauso wenig ernst genommen wird, wie damals ihre Vorgängerstudie. Dieses Mal hat es aber andere Gründe.

Es sind zwei Überraschungen, die Verwirrung stiften. Zunächst die positive: Seine nicht wissenschaftlichen, sondern „wohlbegründeten Vermutungen“ zeigen zwar kein schönes Bild der Zukunft, aber ein deutlich positiveres als das seines damaligen Kollegen Dennis Meadows, Hauptautor von „Die Grenzen des Wachstums“. Meadows ist heute ein zwar liebenswürdiger aber auch radikaler Schwarzseher, der den kompletten Zusammenbruch der Erde erwartet. Randers hingegen gibt der Welt Überlebenschancen.

Zunächst ist er sich wie Meadows sicher: Die Menschen werden die Treibhausgasemissionen nicht in den Griff bekommen. Sie steigen weiter bis 2030, um dann bis 2050 auf das heutige Niveau abzusinken. Randers zufolge wird das nicht reichen, um eine Erwärmung von weniger als zwei Grad zu garantieren. Zudem wird 2052 etwa nur die Hälfte aller Energie mit Wind, Wasser und Solarkraft erzeugt werden können. Auch das wird nach Randers Meinung nicht genug sein, um den endgültigen Raubbau an diesem Planeten zu verhindern.

Das Problem sind für ihn die Menschen selbst – vor allem in den reichen Industrienationen. Sie würden zu kurzfristig denken und seien nicht bereit, kleine Opfer zu bringen, um die großen Desaster der Zukunft zu vermeiden. Die Menschen würden immer noch zu viele Autos kaufen, zu viel Benzin verbrauchen, zu viel fliegen und zu viel Energie im privaten Haushalt verbrauchen – eine Mentalität, die vor allem für westliche und demokratische Regierungs- und Wirtschaftsformen charakteristisch sei.

Lernen müsste der Westen deswegen – und das ist die zweite und negative Überraschung – von China und seiner Politik der Energieeffizienz. Im Reich der Mitte soll die Energieeffizient bis 2020 um 40 Prozent wachsen. Eine  imponierende Zahl – und auch die Wirtschaftskraft Chinas ist vorbildhaft. Dass der Autor jedoch die Umstände dieser Wirtschaftsleistung und damit Realität  des totalitären Regimes im Reich der Mitte ausblendet, grenzt an Zynismus oder noch schlimmer an Naivität.

Vielleicht ist es auch nur kokettes Gedankenspiel. Denn wenn es nach Randers geht, lernen die westlichen Industrienationen ihre Lektion spätestens mit Hilfe des Vorschlaghammers: Wiederkehrende Naturkatastrophen wie Stürme, Beben und Dürren werden sie lehren, sich zu ändern. Für diese Weisheit reicht aber im Grunde auch der Blick in die Bibel.

Schade um Randers gut gemeinten und fleißigen Versuch der Vorausschau. Doch es bleibt die wohlgemeinte Vermutung, dass es heute zum Thema ökologische und ökonomische Trag- und Zukunftsfähigkeit unserer Welt auch weniger tendenziöse Bücher gibt.

  • Autor

    Dr. Martin Roos

    ist freiberuflicher Journalist. Er arbeitet als Autor, Ghostwriter und Redenschreiber für Unternehmen und Topmanager.

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  • haja

    Wie das meiste vom Club of Rome, Befindlichkeiten. Von wissenschaftlicher Untermauerung ist dort nichts zu spüren; und war es auch nicht vor 40 Jahren.
    Das liegt einfach an der Tatsache, die sich inzwischen herumgesprochen haben sollte, dass Ökonomie keineswegs eine Wissenschaft im Sinne einer – sogenannten – exakten Wissenschaften ist. Wirtschaftswissenschaften sind in etwa so aussagekräftig wie Wettervorhersagen. Der Unterschied, keine Meteorologe, damit ist ein Meteorologe, der seinen Beruf begriffen hat, wird eine Progonose für das Wetter in einem Monat machen wollen, geschweige denn für 50 Jahre. Er kann grobe Abschätzungen treffen, aber genauere Vorhersagen sind dort, aus rein physikalischen Gründen, schlicht nicht möglich.
    Ähnlich dem Wettergeschehen ist auch die Wirtschaft ein letztlich chaotisches System. Es ist unmöglich, alle notwendigen Parameter zu bestimmen, die erforderlich sind, eine halbwegs verlässliche Zukunftsprognose abzugeben.
    Insofern hat der Autor, Herr Randers, sein Metier offenbar nicht begriffen.
    Die Argumentationen, die er liefert für das Verhindern katastrophaler Zustände, sind mehr als nur dünn.
    Er spricht davon, die Menschen seien an diesen Zukunftsaussichten selbst schuld. Das ist sicher richtig, soweit es sich um Verschulden handelt, das ihnen zuzurechnen ist.
    Die Folgerung ist aber hahnebüchen. Er fordert die “reichen” Nationen auf, zu verzichten. Wenn sich der gute Mann nur ein paar Gedanken machen würde, was man unter dem Begriff Evolution zu verstehen hat, würde ihm das sicher helfen.
    Bemerkenswert ist, dass es inzwischen niemand mehr wagt, die Zahl der Menschen anzusprechen, die das wirkliche Problem darstellt.
    In der Ökonomie hat sich das archaische Denken, dass jeder Mensch auf dieser Erde auch für die Versorgung eines Menschen sorgen kann. Diese These hat sich richtiger Weise bis etwa Mitte des 18. Jahrhunderts zu Recht gehalten.
    Inzwischen aber haben sich grundlegende Veränderungen ergeben.
    Es leben nicht mehr eine knappe Milliarde auf diesem Planeten, sondern 7 Milliarden. Diese Menschen haben auch keine Lebenserwartung von 40 Jahren, sondern von teilweise 80 Jahren (in den sogenannten hochentwickelten Ländern). Zudem hat es eine technische Entwicklung gegeben, die dazu geführt hat, dass inzwischen von einem Menschen 30 und mehr Menschen versorgt werden können.
    Es muss einmal begriffen werden, dass technische Entwicklung nichts anderes heißt, als menschliche Arbeit erleichtern und damit auch unnötig zu machen.
    Damit stellen sich eigentlich zwei grundsätzliche Fragen:
    Da die Bevölkerungszunahme auf diesem Planeten seit dem Beginn des 20. Jahrhundert etwa 1,8 bis 2 % pro Jahr beträgt, bedeutet das eine Verdoppelung alle 35 bis 50 Jahre.
    Daraus folgt: Wie weit will man dieses Wachstum hinnehmen? Glaubt man wirklich, die Versorgung dieser Menschenmassen sicherstellen zu können, ohne auf Ressourcen zu verzichten?
    Bis zu welcher Größenordnung stellt man sich den die Bevölkerung dieses Planeten vor, oder ist man der Meinung, es wäre egal, ob da nun 7 Milliarden, 20 Milliarden oder 100 und mehr Milliarden Menschen existieren.
    Es müsste für jeden, der auch nur einen Hauch von wissenschaftlichem Denken hat, klar sein, dass es zu einer solchen Explosion nicht kommen kann und nicht kommen wird. Es werden nämlich Sättigungseffekte greifen, denen Menschen nichts entgegenzubringen haben. Will man es auf diese Effekte ankommen lassen? Davor kann man nur eindringlichst warnen. Die Natur kennt keine Rücksichten. Erste Anzeichen sind doch schon seit einiger Zeit zu bemerken. Nur deutet sie niemand richtig.
    Man schaue sich um in der sozialen Welt, die von einer zunehmenden Verwahrlosung gezeichnet ist. Man frage nach den Gründen. Dabei hat man natürlich alles fallen zu lassen, was man heute so erfogreich mit “political correctness” betreibt, nämlich das Tabu, auch solche Fragen zu stellen.
    Es sind Fragen, was sollen die Menschen mit ihrer Freizeit tun, die sie doch haben, weil ihnen Maschinen einen Großteil der Arbeit abnehmen, übrigens eine Tatsache, die bereits seit dem Ende der fünfziger Jahre des vorigen Jahrhundert bekannt ist, man denke nur an den damaligen Vorstoß der Gewerkschaften für eine “Maschinensteuer”, um die zunehmende Minderbeschäftigung abzufedern?
    Ein weiteres Grundproblem dieser “Wissenschaftler” besteht darin, dass sie überhaupt keine Vorstellung von Zahlen haben, obwohl sie doch Ökonomen sind.
    Sicher, gebe ich der Menschheit noch 500 Jahren bis zu ihrem Aussterben, dann stellt sich eine solche Frage nicht, aber auch nicht die Frage nach Umweltschutz und ähnlichem.
    Denkt man über Zeiträume von 10.000 Jahren, dann sieht die Sache schon ganz anders aus.
    10.000 Jahre, was bedeutet das? Nun, wir reden dann über gerade mal 400 Generationen. Das macht die Sache doch schon überschaubarer, nicht wahr. Vielleicht hilft es, wenn man bedenkt, dass das nicht einmal ein Zeitraum ist, über den wir hinsichtlich der Vergangenheit schriftliche Informationen haben. Vor 800 Generationen verließ der Neanderthaler die Bühne des Geschehens hier.

    Wenn man also grobe Prognosen stellen will, dann ist es völlig aberwitzig und deshalb überflüssig wie ein Kropf, diese auf 50 Jahre zu beziehen.
    Der Zeitrahmen für den wir wegen der seit Beginn der idustriellen Revolution nachzudenken haben, bewegt sich in einem Rahmen von tausenden Jahren.

    Dass die enorme Zahl von Menschen auch Ausswirkungen auf die Versorgung hat, lässt der Autor nur so im Nebensatz anklingen. Wie stellen sich heutige Ökonomen denn die Welt in den genannten 50 Jahren oder 100 Jahren vor? Organisiert wie ein Ameisenstaat? Halten sie das wirklich für menschenwürdig nach heutigem Verständnis?

    Die Ökonomen müssten aber auch mal begreifen, dass das, was der Ökologiekaste so vorschwebt, sich machbar wäre, aber doch nicht bei 7 Milliarden Menschen. Zur Zeit der Steinzeitmenschen waren es vielleicht 100 Millionen, auf die müsste man dann auch zurück.
    Wie deppert das Denken dieser Ignoranten ist, kann man an einem ihrer Protagonisten, Trittin, sofort ablesen, wenn man seine Forderung zur Kenntnis nimmt, Nuklearstoffe für mindestens 1 Millionen Jahre sicher zu entsorgen. Dieser Mensch mag mal erklären, welche Vorstellung er von dem Leben der Menschen in 1 Millionen Jahren eigentlch hat. Dem Mann fehlt einfach nur jede Vorstellung, wovon er da schwadroniert.
    Das mag zum Anfang als Beleg für die Überflüssigkeit dieses Buches genügen, obwohl sich nich vieles anmerken ließe.