Politiker sparen, indem sie den Gürtel der Bürger enger schnallen. Lothar Schmidt, *1922, dt. Jurist, Politologe

30 Arbeitsmarkt

Niedriglohnsektor fängt Unqualifizierte auf

Der deutsche Arbeitsmarkt zeigt sich nach wie vor robust. Im letzten Jahr konnte der niedrigste Arbeitslosenstand seit 1991 gemessen werden. Das hilft besonders denen, die es eher schwer haben: den Geringqualifizierten.

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Arbeitslosigkeit bekämpfen und gleichzeitig den Niedriglohnsektor einschränken – das passt nicht zusammen. Denn Jobs für Geringqualifizierte bieten Chancen für all die Erwerbsfähigen, die trotz Qualifizierungsmaßnahmen keinen beruflichen Abschluss schaffen. Ohne das Angebot an einfachen Tätigkeiten finden diese Personen kaum ihren Platz am Arbeitsmarkt. Gerade auch solche Jobs waren es, die großen Anteil an dem Erfolg am Arbeitsmarkt hatten: mit 2,9 Millionen wurde 2012 der niedrigste Arbeitslosenstand seit 1991 verzeichnet.

Dass diese Arbeit meist unterdurchschnittlich bezahlt wird, führt quer durch die Politik zur Forderung nach Mindestlöhnen. Die Befürworter übersehen dabei aber, dass die Niedriglohnjobs nicht, wie oft behauptet, reguläre Beschäftigung verdrängt haben. Vielmehr wurden sie neu geschaffen und haben so Geringqualifizierte aus der Arbeitslosigkeit geholt. Zwischen 1999 und 2009 etwa ist der Anteil der Geringverdiener an der Erwerbsbevölkerung von 10 auf 14 Prozent angestiegen. Der Anteil der Normalverdiener nahm im selben Zeitraum dennoch nicht ab – er stieg von 46 auf 48 Prozent. Die einzige Zahl, die in dieser Dekade sank, war die der Arbeitslosen, Frührentner und Nichterwerbstätigen: Nach 32 Prozent im Jahr 1999 waren es 2009 nur noch 26 Prozent.

Wer den Niedriglohnsektor zurückdrängt, riskiert also Arbeitsplatzverluste. Und torpediert damit die Erfolge der Vergangenheit: 2011 arbeiteten 57 Prozent der 25- bis 64-Jährigen ohne Berufsausbildung. Zehn Jahre zuvor waren es erst 53 Prozent. Auch die staatlichen Kosten für Arbeitslosengeld-Empfänger gingen durch die verbesserten Berufsaussichten für Unqualifizierte zurück. Allein 2012 hat sich die Zahl der Empfänger um 170.000 verringert.

Trotz aller Erfolge ist es bis zur Vollbeschäftigung noch ein weiter Weg. Hier gilt es, die Langzeitarbeitslosigkeit zu bekämpfen. Fehlende oder nach langer Arbeitslosigkeit verloren gegangene Qualifikationen sind das größte Hindernis für den Weg zurück in den Beruf. Maßnahmen zur Verbesserung der Qualifikationen durch Aus- und Weiterbildung gibt es bereits. Für alle, bei denen auch das nichts nutzt, wird ein gesunder Arbeitsmarkt aber auch in Zukunft einfache Tätigkeiten anbieten müssen.

  • Autor

    Holger Schäfer

    ist Arbeitsmarktexperte beim Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW),

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  • Alegna

    Diese Tätigkeiten gab es schon immer, und es ist ein Irrtum das es nur Menschen betrifft die keinen Berufsabschluss haben.
    So kann man es sich auch Einfach machen, behaupten die Menschen die in diesem inhumanen Tätigkeiten stecken als dumm abtun
    Von 100 die dort arbeiten würden mit Sicherheit 80 die Chance auf Weiterbildung und eventuell sogar Studium nutzen wenn man sie denn liese

  • Thomas Weiß

    Und wo genau ist jetzt der Unterschied zur “verdeckten Arbeitslosigkeit” der DDR?

  • Markus

    @ Alegna
    bitte lesen Sie Ihren Beitrag nochmals durch und schätzen Sie die Anzahl der Fehler. Aber durchaus passend zum Thema.

  • Frank Stege

    Den Niedriglohnsektor gibt es so lange bis wir bereit sind für eine Ware und Dienstleistung einen ordentlichen und auskömmlichen Preis zu bezahlen! (tut mir leid nix mehr mit Schnäppchen!!!)

  • LiFe

    @ Markus why are you critisising a person you don’t know? Maybe Alegna isn’t native. Ich finde es okay was sie so schrieb.

  • Markus

    @ LiFe
    weil wir genau aus diesem Grund in diesem Blog schreiben. Um zu kritisieren. Und es geht nicht um den Inhalt. aber hierzu:

    “So kann man es sich auch Einfach machen, behaupten die Menschen die in diesem inhumanen Tätigkeiten stecken als dumm abtun”
    Das ist soweit sicherlich richtig, man macht es sich gerne zu einfach. Aber vielleicht gibt es auch Menschen, die damit glücklich sind? Vielleicht gibt es auch “inhumane” Tätigkeiten, welche hervorragend entlohnt werden?

    “Von 100 die dort arbeiten würden mit Sicherheit 80 die Chance auf Weiterbildung und eventuell sogar Studium nutzen wenn man sie denn liese”
    Woher stammen diese Zahlen? Was sagt die Quantität bzgl. der Qualität aus? Wollen bedeutet nicht können (im Sinne der Qualifizierung) und daher ist diese These sicherlich zu kritisieren..

  • Theobald Tiger

    Für alle die es nicht verstehen wollen oder können, bringe ich es mal auf ein einfaches Beispiel: Wenn ich dem Rentner der mir der Rasen mäht oder der Garten pflegt, 8,50 Euro anstatt 6,50 Euro zählen muss, kündige ich mein Fitnessstudioabo und mache es selber. Was ist volkswirtschaftlich die Folge? Er kann die Nebentätigkeit, die er liebt nicht mehr Mädchens, und muss zum Sozialamt gehen um Transfermittel zu beantragen.

  • LiFe

    @ Theobald Tiger So isses! Ich hatte Jahre lang meinen Garten verwildern lassen, habe an einem Buchprojekt gearbeitet, um auf Umwegen Ideen und Innovationen finanzieren zu können. Und? Was hat es gebracht? Zero! Vergebliche Müh, da Verlage nur mit prominente Namen arbeiten. Besonders zwei frivole Bücher haben es mir angetan. Sie sollen sogar verfilmt werden. An sich ist es ein köstliches Vergnügen, wie man so scheitern kann. Nur ist es wirklich schade, wenn Ideen und Innovationen auf der Strecke bleiben und diese in Schubladen schlummern. Es ist eine Malaise mit Ideen. Heute genieße und pflege ich meinen Garten. Da es kalt ist füttere ich Meisen und Rotkehlchen. Sie sind froh überleben zu können. Von ihnen habe ich das Pfeifen gelernt. Ich pfeife auf Ideen.

  • Surp

    Es kommt bald eine Zeit, in der gezielt Menschen liquidiert werden, die Frage ist wann. Wenn es schlimm kommt gibt es Bürgerkrieg.

    Für ich stellt sich die Frage wieviele Ökonomen werden diese Zeit überleben, ich tendiere zu maximal 1%, das wäre gut.

  • Peter

    Herr Schäfer missachtet dabei den techologischen Fortschritt, welcher Erwerbsarbeit immer weiter zurückdrängen wird.

  • LiFe

    @ Surp Gott bewahre, dass es so weit kommt. All we need are honest people. Honest people sind rar. Honest people ziehen sich zurück, denn sie beherrschen nicht die Kunst des Betrügens. Sie machen den Weg frei. Abgesehen davon, dass man sie völlig ignoriert. Ich bin ein admirer von Peter Hegedus. http://www.youtube.com/watch?v=IjEMfmIyPEI Er verdient den Friedensnobelpreis!!!! He knows how to connect people.

  • Skye

    Alle Probleme sind begründet in der Gier des Menschen.
    Sei es nach mehr, oder billig oder teuer, oder gar umsonst.
    Legt der Mensch seine Gier ab, wird es Veränderung geben.

  • LiFe

    Danke Skye.

  • Dieter Pete

    Wenn ich das schon lese..
    “Der Ökonomen Blog – Die Stimme der Ökonomischen Vernunft”

    Wenn ich weiter der Stimme von Herrn Schäfer folge, komme ich noch zu dem Entschluss das wir noch viel mehr Humankapital brauchen, welche in Gering qualifizierten Jobs (von der Bezahlung her gesehen) sich um unsere Kinder oder Alten kümmern.(Die Liste lässt sich beliebig erweitern) Hauptsache die Bonzen bleiben unter sich und nehmen die Leistungen wie einen staatl. Kindergarten o.Ä. nicht anspruch weil sie ganz genau Wissen, dass eine Frau, welche für 1500€ ne echt nervige 45h Woche hat, sich nicht ausgeglichen um die Kindergartenkinder kümmern kann. Kommt dann noch ein Blag dazu, werden die Existenzängste unausweichlich.

    Aber ja, ich folge der Ökonomischen Vernunf dieses Blogs, weil ich ja weiß, dass schließlich alles ins unendlich wachsen kann. Wie z.B. die Unverschämtheit ihrer Propaganda.

  • LiFe

    Sparen wir uns die Bezeichnung Bonzen. Ich entsinne mich, das liegt Jahre zurück, da hatte eine Wirtschaftsmagazin eine Analyse getätigt, und das in einer Zeit, als wir mitten im Wirstschaftswunder uns sorgenfrei bewegten. In der Analyse wurde offenbart, dass die soziale Herkunft eines Akademikers entscheidend war, ob er eine berufliche Aufstiegschance hatte. Ich war damals Pennäler, ich kannte mich in allen Milieus aus und ich hatte damals mein Bedenken, ob diese kapriziöse Haltung ihre Richtigkeit haben wird. Wenn sogar Ärzte einer falschen Konfession angehörten, so mussten diese konvertieren damit sie beschäftigt werden können. Ich war jung, gut erzogen und dennoch zweifelte ich, was das Ganze sollte. Ein Mensch begabt, intelligent und kompetent, wieso musste er gegen manche Ströme schwimmen? Da hatten wir Bedenken, ob das noch gut geht. Und? Was hat es gebracht? Jetzt wo das Kind im Brunnen gefallen ist, ist nichts mehr wieder zu retten. Die Wirtschaft ist am Boden. Ich teste jeden Tag Ideen umzusetzen. Starte bei Null, bis sich was bewegt. Es bewegt sich nichts. Warum? Weil Eitelkeit und Schichtdenken genau wie früher und heute noch schlimmer in manchen Köpfen stecken. Wir brauchen Ideen! Ja sicher brauchen wir Ideen. Bezahlte Redner riefen es vor zehn Jahren aus. Wenn ich alle Abzüge im Laufe der Jahre kalkuliere, dann weiß ich nicht, wie Ideen angeschoben werden können. Vom Tellerwäscher zum Millionär, diese Karriere gibt’s nicht mehr. Nirgendwo findet ein Tellerwäscher im 21. Jahrhundert eine Nische bei Null zu starten, bis sich seine Ideen bewegen. Wir sind vollkommen ausgebremst und obendrein in sich jämmerlich verknotet. Ích nenne es ein Woody Allen-Syndrom. Wir sind von einem WAS der schlimmsten Sorte befallen. Wir wollen verändern, wir wollen fortsschreiten, aber irgendeine Kraft stemmt sich gegen unser Wollen. Diese Welt war und ist immer noch eine Bühne. Recht komödiantisch! Man kämpft und strebt und irrt umher, obgleich man ganz konkrete Ziele hat. Ich würde gerne mit Woody Allen zusammenarbeiten und manches filmisch darstellen. Wir sollten gute Fachkräfte und Talente fördern. Ohne Schichtdenken. Dann kämen wir einige Schritte vorwärts.

  • Surp

    Ich empfinde unsere Welt als extrem dumm, obwohl ich selbst nicht sonderlich begabt bin. Ich habe zum Beispiel eine Rechtschreibschwäche, wären meine Eltern nicht vermögend gewesen, wäre ich wohl auf einer Förderschule gelandet und hätte niemals studiert.

    Warum macht man alles so kompliziert, obwohl es so einfach ginge, ich versteh das nicht.

    Aber Logik und Effizienz sind wohl nicht die Stärken unsere Eliten. Sie mögen Verwaltung und Schmarotzerei.

  • LiFe

    @ Surp: Elite? Wer oder was ist Elite? Der Begriff wurde im 17.Jahrhundert zur Bezeichnung von qualitativ hochwertige Ware eingeführt. Irgendwann, als Schichtdenken in Köpfen sich durchgesetzt hatte wurde dieser Begriff auf Menschen übertragen. Ein Mißbrauch! Eine Beleidigung! Ich kenne einen Zahnarzt, der sich köstlich amüsiert, wenn er in Freizeitlook unterwegs ist. Da ist er nicht mehr als “Elite” zu erkennen. In seiner Freizeit lernt er so manche Charaktere kennen. Frech und unverschämt. Es gibt keine Elite.

  • Dieter Pete

    Das seh ich allgemein hier alles sehr kritisch. Kommt mir eher vor wie CDU Propaganda hier. Passt Ja auch, sind schließlich bald auch BTW.

  • Helmuth Schrickel

    Guten Tag es ist Sonntag und wenn ich Qualifiziert sein sollte Sonntag zu begehen ,stelle ich fest ” bin ich gar nicht Qualifiziert einen Sonntag zu beurteilen ” . Aber wenn es um die Arbeitswelt geht meint immer nur der der eine Buch gelesen hat , den Anderen zu sagen , dieser hat keine Qualifizierung . Das ist eine Behauptung denn jeder Mensch ist in der Lage eine Tätigkeit aus zuüben ,doch auch diese Arbeit ist eine Leistung . Besonders wenn diese Menschen eine Behinderung haben ,zum Beispiel schreib und lese Schwäche . Ich behaupte ,dass auch gebildete Menschen die nicht so eine Schwäche haben ,trotzdem Schwächen besitzen .

  • Frank

    Ich wundere mich über den Tonfall hier. Ich weiß nicht, ob Herr Schäfer recht hat oder nicht. Ich vermute allerdings, es könnte nützlich sein, sich mit seinen Argumenten, Zahlen und Schlussfolgerungen auseinanderzusetzen. Mit auseinandersetzen meine ich, Fragen zu stellen, auf Antworten zu hören, noch einmal zu fragen (auch sich selbst) und die eigenen Grundüberzeugungen. Die Einträge hier oben lesen sich wie der Sonntagabend bei Anne Will oder Günter Jauch: Thema A, Statement A1, Statement A2, Statement A1′, Statement A3, usw. Dazwischen die eine oder andere Verunglimpfung, Vorwürfe, Behauptungen.
    Ich halte das alles für unnützes Zeug, bis wir anfangen, uns dafür zu interessieren, warum eine/r etwas so oder so behauptet – und ihr/m nicht gleich das eigene Weltbild vorsetzen. Dann könnten wir verstehen und auf gemeinsamer Basis versuchen, etwas Neues zu denken. Statt Altes wiederzukäuen.
    Wenn man alle Blogbeiträge streicht, die in der Haltung von “Es ist doch so,…”, “Wie jeder weiß…”, etc. geschrieben sind, dann bleibt nicht mehr viel übrig. Mit diesem Rest könnte man einen Dialog anfangen. Aus dem vielleicht etwas entsteht, was ausgehend von Herrn Schäfers Beiträg vielleicht einen neuen Gedanken gebiert. Der uns dann etwas weiterbringt. Aber so … ich weiß nicht.

  • Erika

    Hallo, also erstmal betrifft Leiharbeit oder Lohndumping nicht nur unqualifizierte Leute und zweitens sind die Zahlen der Arbeitlosen derart manipuliert, dass sie überhaupt keinen Aussagewert mehr haben. Da werden Menschen in sinnlose Maßnahmen gesteckt, die keinerlei Nutzen haben und auch die Chancen auf einen Job nicht wirklich verbessern, nur damit sie aus der Statisik fallen. Auch bei Akademikern und Fachkräften finden man mittlerweile Leiharbeit und Lohndumping. Es ist die Seuche unserer Zeit, dass immer mehr Menschen arm trotz Arbeit werden und von denen die keine Arbeit haben mag ich schon gar nicht mehr reden.

  • Markus

    Schauen Sie sich bitte die Statistik an:
    Zunahme an Selbstständigen (deuticher Zuwachs)
    Deren durchschnittliches Einkommen (verdienen weniger als vergleichbare Angestellte)

    Die Entwicklung zeigt zwar noch zaghafte, aber dennoch deutliche Entwicklungen hin zur Selbständigkeit. Auch das ist eine “moderne” Form der Leiharbeit. Man sollte dies nicht vergessen . . . ich mache das seit vielen Jahren – weil meine Arbeitgeber sich weigern, mich einzustellen – nicht wegen der Leistung, sondern wegen der einhergehenden Verpflichtungen (Abgaben, Kündigungsschutz, etc.)

  • COK

    Unterstützt von der INSM muss ich sagen, dass dies wohl nur wieder ein weiterer Versuch ist, die Aussage, ein Mindestlohn führe zu steigender Erwerbslosigkeit, in die Öffentlichkeit zu transportieren.

    Auf Basis bestimmter Theorie und Annahmen die Deduktion zu treffen,ist legitim, man sollte dann aber auch deutlich machen, mit welchen Theoriegebäuden man arbeitet. Hier ist das die angebotsorientierte Perspektive vornehmlich liberaler wirtschaftspolitischer Vorstellungen. Die Wirtschaftspolitik von Mitte-Links-Parteien mit Befürwortung eines Mindestlohns würde zugleich nachfrageorientierter aussehen und auf diese Art und Weise die Arbeitslosigkeit über eine Ausweitung der Staatsquote senken. Vgl. Daten in Skandinavien. Ausgerechnet die Jahre 1991 und 1999 als Vergleichswerte zu nennen, halte ich für einen weiteren Taschenspielertrick. Das Niveau der Frührentnerzahlen war 1999 relativ hoch, weil man Frühverrentungen Ende der 90er gefördert hat, um Großunternehmen für anstehende Börsengänge zu verschlanken.

  • Andreas Heil

    Ökonomisch ist das ohne jegliche Makrobetrachtung und bei Auslassen aller weiteren Indikatoren natürlich eine völlig unsinnige Behauptung.

    Das gegenwärtige Regime verteilt Arbeit lediglich insofern etwas gleichmäßiger, dass durch die Hartz-Gesetzgebung jetzt gerade die schlecht bezahlten Jobs erstens noch schlechter bezahlt werden und zweitens in lauter Teilzeitjobs zerlegt werden.
    Dazu ist interessant zu wissen, dass die Reallöhne insgesamt seit 10 Jahren stagnieren und im Detail für 90 Prozent der Arbeitnehmer sogar gesunken sind, was statistisch nur verdeckt wird durch das exorbitante Steigen bei dem obersten 1 Prozent und dem mäßigen Steigen der etwa 9 Prozent folgenden.
    Betrachtet man die Arbeitsstunden der Volkswirtschaft stagnieren diese ebenfalls seit zehn Jahren, woraus folgt, dass die durchschnittlichen Produktivitätssteigerungen ersten Sinken, dass sich Kapitaleinsatz zu diesem Zweck immer weniger lohnt und sie zweitens durch immer höhere Exportüberschüsse absorbiert werden müssen.
    Das ist ein paar Jahre zwar gut gegangen, aber gleichzeitig ein wesentlicher Grund der neuen Weltwirtschaftskrise, denn die relativ zu billige (wegen der euphemistisch “Lohnzurückhaltung” genannten Umverteilung gelingt es auf der Unternehmensebene die Konkurrenz in den Zielländern immer mehr niederzukonkurrieren) Überschussproduktion vernichtet nun im Ausland massenhaft Arbeitsplätze und kann dennoch nichts an der nur schwer zu kaschierenden Massenarbeitlosigkeit hierzulande ändern, was die Stagnation bei den volkswirtschaftlichen Arbeitsstunden eindrucksvoll zeigt.
    Zudem kommt dazu, dass den Arbeitnehmern nicht nur vollständig ihr Anteil an den wegen dieser Politik verbliebenen schwachen Produktivitätszuwächsen vorenthalten werden, sondern es wird zusätzlich zu ihren Lasten umverteilt.

    Eigentlich ist der grundlegende Denkfehler dieser Strategie unter dem Stichwort “Merkantilismus” auch seit über hundert Jahren durchanalysiert, nur scheint das bei den im Lohn der Propagandisten des Arbeitgeberlagers stehenden “Ökonomen” leider in “Vergessenheit” geraten zu sein.

    Auch für die sich mit immer prekäreren Jobs durchschlagenden Menschen bringt die Strategie überhaupt keine Vorteile, weil die gesamtwirtschaftliche Stundenzahl auf der Makroebene gedeckelt wird – es fehlt schlicht hinreichend Lohnzuwachs, um die stets real billigere Überschussproduktion auch abzunehmen und so kann auch die volkswirtschaftlich benötigte Stundenzahl nicht zunehmen. Gleichzeitig fehlt es dadurch an Anreizen, ernsthafte Weiterbildungsangebote überhaupt zu machen und für jeden, der es schafft, im Rattenrennen einen heißbegehrten schlecht bezahlten Job zu ergattern, fällt an anderer Stelle jemand raus: Unbestechliche Logik der makroökonomischen Kreislaufzusammenhänge und empirisch sehr eindeutig nachweisbar.

  • Peter

    Was ist das hier für eine Seite? Ich bin durch Zufall hier gelandet und bin entsetzt, angesichts der namhaften Leute die hier scheinbar mitarbeiten, welchen populistischen Unfug diese Autoren hier verbreiten. Wie kann man nach 5 Jahren Finanzkrise (und ein Ende ist ja nicht absehbar) mit einem Mindestmaß an intellektuellem Unterbau immernoch neoliberale Propaganda verbreiten, die maßgeblich zu dieser Krise geführt.
    Und wenn man schon versucht zu legitimieren, dass es völlig in Ordnung ist, dass jemand mit 7€/h und weniger zufrieden sein kann, dann sollte man wenigstens mal die Zahlen studieren. 1995 gab ca. 38 Mio. Erwerbstätige, davon befanden sich ca. 29 Mio. in einer unbefristeten Vollzeittätigkeit. Diese Zahl ist heute auf ca. 22 Mio. geschrumpft und das bei ca. 41 Mio. Erwerbstätigen. Der Niedriglohnsektor ist für die derzeit nachfolgende Arbeiter- und Angestelltengeneration der Standard im unbefristeten und befristeten Vollzeitbereich. Das sind MENSCHEN, die einen Beruf erlernt haben.
    Die Gruppe, die Sie hier gern betrachten würden, existiert in dem Umfang garnicht. Gemeint ist dabei die Zeitarbeit und da haben ungelernte Arbeitskräfte gerade mal einen Anteil von 10-15% aller Zeitarbeiter, also versuchen Sie nicht Ihren eigen Wohlstand durch die schelchte Bildung andere zu rechtfertigen. Das ist pervers!

  • Heidi

    Den Ausführungen von Peter kann ich mich in vollem Umfang anschließen. Selbst wenn eine grundsolide Ausbildung vorliegt, langjährige Berufserfahrung da ist, Flexibilität kein Fremdwort ist und Anpassung zum Charakter gehört, landet man – besonders wenn das Alter nicht stimmt (gerne hätte man eine 25jährige, mit langer Berufserfahrung, Auslandsaufenthalt und Managementerfahrung) ganz schnell im
    Niedriglohnbereich.

  • Dieter Krause

    Nicht nur für Unqualifizierte ist der Niedriglohn gewollt.

  • LiFe

    @ Dieter Krause So isses!

    Im Übrigen wurden Akademiker früher, lange vor der Krise gerne unterbezahlt. Besonders wenn es sich hierbei um Flüchtlinge handelte. Ein Architekt (ehemalig Preußen) sagte mir: Wir mussten gut, aber billig sein! Es ziehen heute viele Bilanz.

  • Bernd Zimmer

    Der Beitrag erscheint mir zu sehr aus Arbeitgebersicht geschrieben.
    Aus rein wirtschaftlicher Sicht kann man behaupten, es besteht ein Angebot an Niedriglohnarbeitsplätzen und diese werden zu den Niedriglöhnen nachgefragt.
    Aber warum werden diese nachgefragt? Womöglich doch auch deshalb, weil bei Nichtaufnahme eines solchen Beschäftigungsverhältnisses Aufstockerleistungen entfallen.
    Arbeit ist auch ein Wert an sich. Sich daran in der Vorstellung orientierend, wird man eine Verbindung zum Mindestlohn nicht leugnen können.
    Der damit verbundene Wunsch, jeder soll von seiner Arbeit (Vollzeit) leben können, mag für den Arbeitnehmer alleine zu treffen. Genau wie zu Zeiten des Wirtschaftswunders wird es aber nicht reichen, eine Familie zu ernähren.

  • eul chen

    soviele sind gegen die herrschenden verhältnisse, warum gewinnen dann immer die falschen die wahl, die genau diese verhältnisse wollen?
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