Staat ein schlechter Investor
Stehen wir wirklich vor der Rückkehr des Staates als Unternehmenslenker? Zumindest wächst seine Rolle als Anteilseigner, wenn er sich jetzt in der Krise an Banken und Konzernen beteiligt. Toll finden das die Etatisten, denen immer schon russische oder arabische Staatsfonds imponierten. Die Staatsfonds haben aber mit ihren Investments kräftig daneben gegriffen, kauften z. B. zum falschen Zeitpunkt US Banken, was
nebenbei zeigt, dass Staatsbürokratien die Finanzkrise auch nicht vorhersahen, und vernichteten Milliarden an Kapital – das des Steuerzahlers, versteht sich. Deutschland baut dagegen seit 20 Jahren brav Staatsbeteiligungen ab, was sich alles in allem als segensreich erwies. Diese Erfahrung wird bleiben: Der Staat ist als Unternehmer überfordert.

Ihr Standpunkt lässt sich aus den dargelegten Daten nicht ableiten. Ich bin mir sicher, das sich tausende von privaten und privatwirtschaftlichen Investoren finden lassen, die mit Investitionen in Bankaktien ähnliche Verluste eingefahren haben, um nicht zu sagen, komplett Bankrott anmelden mussten. Bei den arabischen Staatsfonds muss man noch dazu ausgehen, dass der politische Druck aus Washington enorm gewesen sein muss, die amerikanischen PRIVATbanken vor dem Bankrott zu retten, um nicht den Gesamtkonkurs der amerikanischen Volkswirtschaft anmelden zu müssen.
Wenn Sie den Staat als schlechte Investor brandmarken, dann müssten Sie nebenher auch die Gesamtportfolios der jeweiligen Staaten untersuchen und nicht nur Einzelinvestments.
Ihre Folgerung “Der Staat ist als Unternehmer überfordert” lässt sich aus ihren Zahlenmaterial ebenso nicht belegen, genauso wie die Aussage “Deutschland baut dagegen seit 20 Jahren brav Staatsbeteiligungen ab, was sich alles in allem als segensreich erwies” eher politisch denn empirisch nachweisbar ist.
Ich bitte in den nächsten Artikeln um etwas weniger ideologische Polemik und um mehr Sachlichkeit.
Ich würde ihr Augenmerk vielleicht darauf legen, dass die Staatsfonds vor einem Problem standen, dass vielleicht die singuläre Kernursache der Finanzkrise ist, wenn es diese denn gibt: Das übermäßig akkumulierte Sparvermögen musste irgendwie renditetragend angelegt werden, während in der Welt die Grenzrendite der Anlagemöglichkeiten vergleichebarer Riskoklassen zurückging. Dieser Anlagedruck hat die Investitionen in Subprimekredite, die Aktienmarktbubbles und die Entwicklung strukturierter Produkte gefördert oder sogar ausgelöst.
“Der Staat ist als Unternehmer überfordert”
Super Pauschalurteil! Man sollte sich allerdings immer vor Augen führen, dass Unternehmen mit Staatsbeteiligung meist gar nicht vom Staat gelenkt werden. Die Bahn ist 100% im Besitz des Bundes, wird aber geführt wie ein Privatunternehmen. Wie wenig Einfluss der Bund nimmt sah man sehr gut an den Lokführerstreiks.
Unternehmen, welche Kommunal tätig sind (Wasser, Strom) haben gar nicht das Ziel Riesengewinne zu machen. Sie müssen jedem einen Anschluss an das Netz geben und das zu möglichst günstigen Preisen. Ohne differenzierte Betrachtung finde ich die oben genannte Aussage einfach nur falsch. Es hat sich gezeigt, dass auf Kommunalebene der Staat durchaus gut und solide für die Bürger wirtschaftet. Die Preise und Kosten sind niedriger.
Es ist (leider) keine Polemik, dass der Staat ein schlechter Investor ist. Die Riesenverluste der Staatsfonds sollten vor allem jene interessieren, die dem Staat ein “höheres Wissen” als dem Markt und den privaten Akteuren unterstellen. In Norwegen protestiert die Bevölkerung gegen den Staatsfonds wegen dessen Fehlinvestitionen, mit Recht, denn es ist das Geld des Steuerzahlers. Wenn Warren Buffett bei Goldman Sachs einsteigt und sein Geld verbrennt, ist das dagegen seine Sache. Die Schlappe der Staatsfonds sagt uns aber auch, dass wir uns vor ihnen nicht übermäßig fürchten müssen Die Bundesregierung läßt jetzt Beteiligungen bei Opel zu, die sie noch vor einem Jahr gesetzlich ausschließen wollte). Was Bürokratie und Politik als große industriepolitische Strategie ausgeben, entpuppt sich in der Praxis oft als Flopp – siehe die Investitionen der Staatsfonds bei Banken. Sarkozy wollte im Herbst gleich die europäischen Schlüsselindustrien verstaatlichen, um sie vor ausländischen Staatsfonds zu “schützen”. Da würden wir über Opel und Arcandor gar nicht mehr diskutieren.
@ chriwi: “Es hat sich gezeigt, dass auf Kommunalebene der Staat durchaus gut und solide für die Bürger wirtschaftet.” Das stimmt leider nicht so ganz. Schauen wir doch nur mal auf die Verluste der Sparkassen und Landesbanken in Folge falscher Investitionen. Und was die Versorgungsbetrieb angeht, sehen das die Bürger zum Glück auch selbstbewußter. Etwa in den Reaktionen auf das Entsorgungsranking der INSM, das ergab, dass die Unterschiede zwischen den teuersten und billigsten Städten bei der Müllentsorgung enorm (bis zu 400 %) sind und zwar bei ähnlicher Leistungsqualität. Vielfach gibt es noch keine Anreize zur Müllvermeidung. Manche Städte haben sie, andere überhaupt nicht. Das ist obrigkeitstaatliche Willkür und dagegen helfen Markt und Wettbewerb.
@medorf
Die Zahlen mit den bis zu 400% würde ich gerne sehen. In Berlin führte die Privatisierung der Wasserversorgung dazu das der Preis extrem anstieg. In anderen Kommunen sieht es mit Strom und Müll ähnlich aus. Das Problem was hier gerne alle vergessen ist doch folgendes. Wenn ein Unternehmen die Müllentsorgung übernimmt und 3 andere auch noch, haben wir eigentlich mehr Müllmänner als nötig. Wie kann man die finanzieren? Einfach indem man die Löhne senkt. Das ist des Pudels Kern. Private Unternehmen können einfach besser Löhne senken und Entlassen. Entlassungen trägt der Staat. Darum sind die Vergleich absoluter Unsinn. Ein nächster Punkt ist, dass eine Kommune nicht auf Gewinn ausgerichtet ist. Heißt also das Ziel ist ein ganz anderes.
@Sascha
“Die Riesenverluste der Staatsfonds sollten vor allem jene interessieren, die dem Staat ein “höheres Wissen” als dem Markt und den privaten Akteuren unterstellen.”
Ich habe nie gesagt, dass der Staat deutlich besser ist als die Privatwirtschaft. Für mich liegt es einfach in der Größe des Systems. Ein großes Unternehmen ist für mich von Struktur und Effizienz nicht so weit von einem Staatsgebilde entfernt. Wie gut private Akteure arbeiten kann man an GM, Acandor, Schaeffler, Commerzbank, USB, usw. sehen. Ein Teil wird direkt oder inderekt durch Staatshilfe am leben gehalten, so viel also zu deinem allmächtigen Markt.
Den Markt den ihr meint existiert in der Form gar nicht, bzw. nur sehr bedingt in vielen Bereichen.