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Strompreisentwicklung: Auch die Industrie leidet

StrompreisentwicklungDie Energiewende gilt als eines der wichtigsten wirtschaftspolitischen Projekte in Deutschland. Doch trotz aller Reformen: Die Stromrechnung der privaten Haushalte steigt und steigt. Und auch die Wirtschaft leidet zunehmend unter der Abgabenlast. Bedroht die Energiewende die Industrie in Deutschland?

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Klar ist schon seit längerem: Die steigenden Strompreise werden für die privaten Verbraucher eine zunehmende Belastung. Alleine die Umlage zur Förderung der Erneuerbaren Energien (EEG Umlage) hat sich binnen fünf Jahren verfünffacht. Steigende Strompreise belasten aber auch zunehmend die deutsche Industrie.

Schließlich stemmt die deutsche Industrie – trotz EEG-Ausnahmeregelungen – einen erheblichen Teil der Kosten der Energiewende. Zwar sorgt zunehmende Ausbau von Wind- und Sonnenkraft in Deutschland für sinkende Preise an den Strombörsen und dämpft damit die Mehrkosten ein wenig. Davon profitieren nicht nur die hiesigen Unternehmen, sondern auch die Stromverbraucher in den Nachbarländern. So sorgt die Förderung der Erneuerbaren Energien in Deutschland dafür, dass für heimische Unternehmen Strom teurer wird, im Ausland die Industriestrompreise aber sinken. Im Durchschnitt lag der Strompreis für deutsche Großkunden (Jahresverbrauch 20.000 bis 70.000 Megawattstunden) im vergangenen Jahr bei 10,4 Cent je Kilowattstunde und damit rund 3 Cent höher als in Frankreich und gut 1,2 Cent höher als im europäischen Durchschnitt.

Für energieintensive Branchen ist die Situation ohnehin schon schwierig. Das zeigt die ausgesprochen schwache Investitionstätigkeit, die seit über 10 Jahren fast durchgängig unter dem Niveau liegt, das notwendig gewesen wäre, um die Abnutzung der Betriebsstätten auszugleichen. Steigt der Strompreis weiter, könnte sich dieser schleichende Desinvestitionsprozess weiter fortsetzen, was nicht nur die Zukunftsfähigkeit der energieintensiven Unternehmen selbst gefährdet, sondern auch die übrige Wirtschaft in Mitleidenschaft zieht. Denn rund 80 Prozent des Verarbeitenden Gewerbes haben enge Lieferbeziehungen mit der energieintensiven Industrie oder arbeiten in Netzwerken zusammen.

Die Energiewende will keiner zurückdrehen. Richtig umgesetzt bietet sie große Chancen für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Doch die aktuelle Förderlogik macht die Energiewende teurer als unbedingt notwendig. Wir brauchen vor allem mehr Wettbewerb. Das schafft Innovationen, senkt die Kosten und käme am Ende Privatverbrauchern und der Wirtschaft zu Gute.


Weitere Informationen zu den Belastungswirkungen hoher Strompreise auf die deutsche Industrie finden Sie hier.
Weitere Informationen zur Energiewende und zum EEG finden Sie hier.

  • Autor

    Dr. Hubertus Bardt

    ist Geschäftsführer und Leiter des Wissenschaftsbereiches am Institut der deutschen Wirtschaft Köln.

  • chri

    Das ist schon mutig anhand der Investitionsquote der Unternehmen auf die Belastung aufgrund der EEG zulage zu schließen. Nicht das tausend andere Dinge auch eine Rolle spielen würden. Vor allem wird auf sehr hohem Niveau gejammert. Deutschland exportiert deutlich mehr als es importiert. Wenn Strom so unendlich teuer wäre, warum ist das dann so?

  • LiFe

    Frankreichs Industrie bezahlt 40% weniger. Es muß befürchtet werden, dass Firmen abwandern. Dieses Projekt wird in ein Fiasko enden.

  • heiner vogel

    Wer viel verbraucht-Industrie-soll auch viel zahlen.
    Warum soll der normale Endverbraucher an den Kosten
    der Großindustrie weitgehend beteiligt werden?
    Das ist doch ein Hirngespinnst von CDU und FDP
    Lambsdorf lässt grüßen….

  • Markus

    “Im Durchschnitt lag der Strompreis für deutsche Großkunden (Jahresverbrauch 20.000 bis 70.000 Megawattstunden) im vergangenen Jahr bei 10,4 Cent je Kilowattstunde und damit rund 3 Cent höher als in Frankreich und gut 1,2 Cent höher als im europäischen Durchschnitt.”

    Ceteris Paribus?

    1) Wie ist die Produktivität dieser Unternehmen?
    2) Wie viele Kunden sind es (absolut) in Deutschland, Frankreich, etc?
    3) Sind die Datensätze vergleichbar?
    4) Wie setzen sich in den anderen Ländern jeweils die Stromkosten zusammen?
    5) Woher die Eingrenzung 20.000 bis 70.000 ?
    6) Wenn man den Verbrauch je Euro Umsatz oder je Mitarbeiter berechnet, ist dann Deutschland immer noch “Schlusslicht”?
    7) Wie berechnet sich der durchschnittliche Strompreis von 10,8 Cent? Wie sind die Ausprägungen?
    8) Kann man die Preisunterschiede linear betrachten?
    9) Wie ist die Entwicklung der Preise (also auch in den anderen Ländern) in den letzten 10 Jahren – und der Preiszusammensetzung?

    Was hat all dies mit der Investitionstätigkeit zu tun? Müssten aufgrund einer Strompreissteigerung nicht die Investitionen in Energiesparmaßnahmen steigen – damit die Unternehmen der Preissteigerung nachhaltig entgegenwirken könnten?

    Ach ja, so viele Fragen…

  • chri

    @Markus
    Eine sehr schöne Aufreihung.

  • Markus

    @ chri

    Es sind eben solche Aussagen, welche nicht nur unpräzise, sondern auch meinungsbildend erscheinen.

    “Die Energiewende will keiner zurückdrehen. Richtig umgesetzt bietet sie große Chancen für den Wirtschaftsstandort Deutschland.”

    Der Autor scheint mehr zu wissen – nennt aber keine Details.

    Auch ich beurteile es als höchst kritisch, die Zukunftsfähigkeit einer Unternehmung anhand der Variablen “Strompreisentwicklung” zu interpretieren. Obgleich diese Strompreise einen Kostenfaktor darstellen, ist die pauschalisierte Annahme, also die Korrelation zwischen Strompreis und Investitionstätigkeit nur begrenzt zu interpretieren – da es eben noch wesentlich mehr Kostenfaktoren und externe Umwelteinflüsse gibt. Alleine schon die absolute Höhe der Investitionen wirft Fragen auf – nämlich welche Investitionshöhe optimal ist.

    Mit diesem Artikel tappt man völlig im Dunkeln. Die Wirkung der Strompreisentwicklung auf die Unternehmen ist damit keinesfalls erklärt, da mir hier die Merkmale der Peer-Groups fehlen als auch die Definition der Untersuchungsbedingungen. Nein, so emfpinde ich es als zu einfach gemacht, und es bleiben eben obige Fragen (und weitere) offen.
    Ich bin mir absolut sicher, dass man – je nach statistischer Datenlage – auch das Gegenteil “beweisen” kann (zB dass der Strompreis zu niedrig ist)!

    Ach ja, die liebe Statistik…

  • LiFe
  • Markus

    @ LiFe
    Aus Ihrem Link: “Die Strompreise beziehen sich auf Preise für Haushalte mit einem jährlichen Verbrauch zwischen 2 500 und 5 000 kWh und schließen Steuern mit ein. …”

    Im Beitrag geht es um Unternehmen mit wesentlich höherem Verbrauch. Weiterhin müssen Sie die Gesamtkostenrechnung betrachten sowie die individuellen Tarife, etc. Das gilt für Private wie für Unternehmen.

    Alleine schon die Steuern sind bei dem Bericht in Ihrem Link mit 40% ausgewiesen – damit ist doch recht deutlich, was der Kostentreiber ist.
    Wie wären die Strompreise im Ländervergleich OHNE Steuern/ Abgaben?

    Was vielleicht auch interessant wäre: Wie hat sich der Stromverbrauch in den letzten Jahren entwickelt? Wenn ich meine Stromrechnungen so anschaue, dann sehe ich deutlich, dass ich in den letzten 10 Jahren jedes Jahr wesentlich weniger Strom verbrauche. Da stellt sich mir nun die Frage, ob ich heute mehr für den Strom bezahle als vor 10 Jahren – also durch Stromsparen die Preissteigerung komopensieren konnte. Aber diese Mühe möchte ich mir nicht machen.

    Damit auch interessant: Wie effizient verbrauchen wir unseren Strom? Hat ein deutscher Haushalt mehr Verbraucher am Netz als zB in einem anderen Land? Können wir mit weniger Strom mehr Geräte betreiben, weil wir in Deutschland als reiches Land uns durchaus energieeffiziente geräte leisten können? Als Frage: Was macht ein deutscher Haushalt mit 2.500 KWH, was ein Haushalt in zB Bosnien?
    Oder anderes gefragt: Wie hoch sind die durchschnittlichen Haushaltsverbröuche der gelisteten Länder?

  • wasi

    Gemessen am Durchschnitt der 27-EU Staaten ist der Industriestrom in Deutschland demnach rund 15 Prozent teurer, im Vergleich zu Frankreich und den Niederland um 40 Prozent.

    (Quelle: http://www.marktundmittelstand.de/nachrichten/produktion-technologie/strompreise-schaden-standort-deutschland/ )

    Dieser Anstieg schadet dem Industriestandort Deutschland. Eine Abwanderung von Unternehmen hätte Folgen für die gesamte Volkswirtschaft, insbesondere in der Wettbewerbsfähigkeit, Forschung und Entwicklung. Angetrieben wird der Preis derzeit vor allem durch Steuern und Abgaben für erneuerbare Energien.

    Gruß,
    W.