Bald müssen die Arbeitgeber streiken, um sich vor Ausbeutung durch maßlos gewordene Gewerkschaftsführer zu schützen, die wider besseres Wissen Arbeitnehmer zum "Tanz auf dem Vulkan" verführen! Joachim Bullermann, *1943, deutscher Verkaufs- und Managementtrainer, Marketingberater

4 Finanzmarkt

Gegen Krisen: Die Entnationalisierung des Geldes

Entschuldung durch die Notenpresse.Niedrigzinspolitik, Staatsanleihenkäufe und das Öffnen der Geldschleusen hat das Vertrauen in die Unabhängigkeit der Notenbanken tief erschüttert. Die Gefahren für die Geldwertstabilität sind gewachsen. Gibt es Alternativen zum Geldmonopol?

(mehr …)

Die Banken- und Staatsschuldenkrise hat das Vertrauen in das globale Finanzsystem erschüttert. Die Notenbanken werden zunehmend zum Staatsfinanzier. Vor allem das Vertrauen in die Unabhängigkeit der Europäischen Zentralbank nimmt schweren Schaden. Die Unabhängigkeit der EZB war Voraussetzung für die Einführung des Euro und sie ist die Voraussetzung für Geldwertstabilität. Nur durch formale und faktische Unabhängigkeit kann sich eine Zentralbank vor Einflussnahme durch die Politik schützen. Im Verlauf der Krise hat sich jedoch gezeigt, dass es mit der faktischen Unabhängigkeit von Zentralbanken nicht weit her ist.

Die Verlockungen für die Politik, sich mit Hilfe der Notenpresse Wählerstimmen zu erkaufen sind groß. Politisch induzierte, weltweit beobachtbare Maßnahmen wie Quantitative Easening und die Aufkäufe von Staatsanleihen sprechen da eine deutliche Sprache. Die Ernennung Kuroda Haruhikos, zum japanischen Notenbankchef, wie auch die zunehmende Isolierung stabilitätsorientierter Notenbanker innerhalb der EZB sind weitere Hinweise für den globalen Trend hin zu einer politisierten Geldpolitik.

Über diese politischen Anreizprobleme hinaus stehen die Zentralbanken vor einem weiteren Problem: sie bestimmen die Zinsen aufgrund von Annahmen über die wirtschaftliche Entwicklung der kommenden Perioden, sind also de facto planwirtschaftliche Institutionen. Sie haben das große Problem aller zentralen Planer beim Festsetzen von Preisen: mangelhafte Informationen über die Zukunft. Der Zins, den sie festsetzen spiegelt nicht die wirklichen Preise wider, sie verzerren somit die Investitionstätigkeit. Die Folgen dieser Niedrigzinspolitik sind gigantische Investitionsblasen, wie zum Beispiel die Immobilienblasen in den USA, in Irland, Spanien oder der Schweiz. Derartige Investitionsblasen haben die größten wirtschaftlichen Krisen der vergangenen Jahrhunderte verursacht.

Angesicht dessen muss man sich die Frage stellen, wie einerseits diese Anreizproblematik und andererseits die planwirtschaftliche Festlegung der Zinsen verhindert werden kann.

Eine Entkoppelung der Geldpolitik von politischer Beeinflussung in Verbindung mit unverzerrten Zinsen kann nur erreicht werden, wenn das staatliche Geldmonopol abgeschafft wird, die  Zentralbanken also ihr Monopol verlieren. Wenn Staatsgeld einer marktwirtschaftlichen Konkurrenz ausgesetzt ist, wird der Anreiz einer Geldentwertung neutralisiert. Der Nobelpreisträger Friedrich-August von Hayek forderte bereits 1976 die Entnationalisierung des Geldes. Durch Geldvermehrung entwertetes „schlechtes“ Geld kann sich in einem marktwirtschaftlichen System nicht gegen stabiles Marktgeld behaupten, die Geldanbieter hätten daher einen Anreiz zur Geldwertstabilität.

Ob allerdings die Staaten und deren Akteure ihren Einfluss auf die Geldpolitik preisgeben, ist leider zweifelhaft.

Dennoch: Die gegenwärtige Tendenz zur supranationalen Koordinierung der Geldpolitik und Abwertungswettläufe  legen den Schluss nahe, dass die Zeit reif ist über eine neue Geldordnung nachzudenken. Wettbewerb hat weltweit Wohlstand geschaffen, warum sollte ausgerechnet Geld davon ausgenommen werden?

  • Autor

    Dr. Oliver Knipping

    ist Gründer & stellvertretender Vorsitzender des Instituts für Unternehmerische Freiheit in Berlin sowie Mitglied der Mont Pelerin Society.

    Alle Beiträge

  • Dan Chris

    Die Zentralbankzinsen werden zwar festgelegt, die Kreditzinsen aber nicht. Wieso sonst, konnten die Zentralbankzinsen drastisch niedriger sein, als die Zinsen zu denen sich beispielsweise Griechenland Geld leihen konnte. Mir ist der Artikel deutlich zu kurz gegriffen. Man kann und sollte nicht alles privatisieren. Im übrigen stellt sich die Frage wer den Wert des Geldes garantiert. Wenn es das Unternehmen ist, wer garantiert dann das Eigentum des Unternehmens, welches den Wert des Geldes garantiert? Das macht dann wieder der Staat.

  • Jörg Uhlig

    Sollte dies dazu führen, dass Geld selbst zum Produkt wird, dann wird genau das unterstützt, was uns in die vergangenen Finanzkrisen gestürzt hat. Geld ist (und dürfte nichts anderes sein) als ein Wertäquivalent für ein Produktes/eine Dienstleistung. In dem Augenblick, ab dem Geld selbst werthaltig wird und mit Gewinn gehandelt werden, sich mithin selbst vermehren kann – und indirekt wurden die CDOs genau dafür verwendet – es wird verschleiert und getrickst werden. Das Geld unbeschränkt für den Markt freizugeben, wird zwangsläufig zu chaotischen Entwicklungen führen. Zugegeben – dazu wird es auch mit der zumindest in den USA und mehr und mehr der EU völlig falschen Geldpolitik kommen, wie hier richtig dargestellt, allerdings nicht ganz so schnell. Und die Hoffnung, dass eine einheitliche und vernünftige (!) Geldpolitik sich (irgendwann) Bahn bricht, stirbt zuletzt. Dass die Märkte vernünftiger agieren als Regierungen, wurde in den letzten Jahren gründlich widerlegt!

  • Berndt

    Wo lesen Sie denn bitte in Ihrer Grafik die hohe Inflation ab???

  • Sven

    Autsch. Diese Beitrag strotzt ja nur so von Unwissenheit.

    Die Zentralbank setzt den Zins nicht fest, sondern führt solange Offenmarktoperationen mit neuem Geld aus, bis ein gewünschter Zinssatz am Interbankenmarkt erreicht wird. Die Höhe des Zinses sagt nichts darüber aus, ob die Geldpolitik “tight” oder “easy” ist, da hierfür auch die Geldhaltepräferenzen der wirtschaftlichen Akteure eine große Rolle spielt. Was viel eher eine Aussagekraft hat, sind die Steigerung der Geldmengenaggregate. Die Geldmenge M2 ist in Europa seit 2008 eingekracht. Sieht so eine lockere Geldmengenpolitik aus??

    Um Milton Friedman zu zitieren:
    “Low interest rates are generally a sign that money has been tight, as in Japan; high interest rates, that money has been easy.”

    Warum war wohl der Zinssatz in den 70 Jahren, in der bekanntlich eine hohe Inflation von ~10% geherrscht hat, deutlich höher als heute? Warum war der Zinssatz während der großen Depression in den USA ähnlich niedrig wie heute, obwohl dort die Geldmenge extrem um 30% eingebrochen ist und es dadurch eine riesen Deflation gab?

    Ich empfehle die Werke von Milton Friedman genau zu studieren. Sein Lebenswerk bestand letztendlich darin, mit diesen falschen Behauptungen über die Geldpolitik aufzuräumen.

    Des Übrigen ist abzusehen, dass, wenn Hayeks Idee des privaten Geldes wirklich eingeführt werden würde, sich ein Geldsystem durchsetzen würde, welches in der jetzigen Situation eine deutlich lockerere Geldpolitik verfolgt als die EZB dies derzeit tut. Wer Hayeks Werk hier wirklich mal gelesen hat, der sieht, dass dieser ein stabiles Geldsystem eher daran misst, ob bestimmte Steigerungen der Produktionspreise im Rahmen sind und nicht am Zins!