Gesundheitsprämie: Sozial und finanzierbar
Mit der Einführung einer Gesundheitsprämie von 250 Euro pro Kopf und Monat würde der Bund um rund 4,5 Milliarden Euro gegenüber dem Status quo entlastet! Für die meisten politischen Beobachter und Akteure scheint diese Aussage zu schön, um wahr zu sein, oder man unterstellt sozialen Kahlschlag. Unsere Berechungen beim Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) zeigen aber, dass man die gesetzliche Krankenversicherung hierüber sowohl effizient wie sozial finanzieren kann:
Eine Gesundheitsprämie von monatlich 250 Euro würde alle derzeitigen Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung decken. Und: Geringverdiener, bei denen die Prämie z. B. mehr als 14,9 Prozent (heutiger GKV Beitragssatz) ihres Einkommens ausmachen würde, hätten Anspruch auf einen steuerfinanzierten Ausgleich. Den Steuerzahler würde dies rund 16,3 Mrd. Euro kosten. Heute zahlt er fast genauso viel, aber als jährlichen Bundeszuschuss an den Gesundheitsfonds. Ohne diesen Bundeszuschuss müsste der Beitragssatz heute bei 16,5 Prozent liegen. Geht man also von diesem realistischen Beitragssatz aus und kompensiert alle Prämienbelastungen, die über 16,5 Prozent hinausgehen, dann reduzieren sich die Kosten für den Bund per Saldo auf 11,2 Milliarden Euro – 4,5 Milliarden weniger als heute.
Eine prämienfinanzierte gesetzliche Krankenversicherung ist möglich! Kein Taschenspielertrick! Wer es nicht glauben mag, kann nachrechnen. Unsere Datenbasis ist öffentlich.
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Mit Verlaub Herr Doktor, das ist ein Taschenspielertrick, bzw. noch schlimmer, eine Milchmädchenrechnung.
Man muss davon ausgehen, dass die Gesamtkosten des Systems unabhängig von der Finanzierungsart sind, d.h. die Menschen werden deshalb nicht gesünder, die Mediziener bzw. die Pharmaunternehmen werden auch durch eine Umstellung nicht weniger verdienen.
Bei gleichen Gesamtkosten ist es für die Gesamtgesellschaft ( = Bürger und Staat ) völlig gleichgültig, wie es finanziert wird, es kostet immer das gleiche. Jede vermeintliche Kosteneinsparung bei einem Teil der Gesamtgesellschaft ( ich möchte ja nicht abstreiten, dass eine Umstellung dem Staat kosten spart ) führt daher zwangsläufig zu Mehrkosten. D.h., wenn der Staat durch die Gesundheitsprämie spart, zahlt der Bürger mehr.
Soviel mathematische Logik lernt man in jeder weiterführenden Schule, da braucht man nicht mal studieren.
Weil ich immer noch der Meinung bin, dass Marktwirtschaft etwas mit Individualismus und damit differenzierten Lebensentwuerfen zu tun hat, hier eine Frage:
Wie vertraegt sich die Kopfpraemie von 250 Euro mit der Tatsache, dass Menschen, die z.B. nicht rauchen, nicht trinken, sich vegetarisch ernaehren und nicht vor haben, eine Schwangerschaft zu verursachen, deutlich geringere Kosten fuer das Gesundheitssystem verursachen als diejenigen, die den beschriebenen Lebensstil pflegen? Kann man Solidaritaet tatsaechlich soweit dehnen, die Ersteren fuer die Letzteren bezahlen zu lassen? Und wie vertraegt sich das dann mit der Gerechtigkeit?
Gehen wir die Beschreibung des IWF durch.
“Eine hohe Ausgabensteigerung” – sie ist deutlich niedriger ausgefallen als bei den privaten Kassen. Somit ist die Frage, ob Wettbewerb deutliche Vorteile in sich birgt.
“Der Staat würde im Prämiensystem 15,4 Milliarden Euro zusätzliche Steuern einnehmen.”
Diese Ausage ist mehr als fragwürdig. Sie setzt vorraus, dass keinerlei andere steuerlichen Vergünstigungen in Anspruch genommen werden.
“Der soziale Ausgleich kann dann erreicht werden, indem diejenigen Krankenversicherten einen steuerfinanzierten Zuschuss vom Staat erhalten, deren gesamte Prämie 16,5 Prozent des Einkommens überschreitet.”
Schaut man sich Tabelle “Gesundheitsprämie: Der Staat spart” genauer an sieht man sehr schnell, dass sich die Prämienzahlungen vorher aus 16.5/2 = 8.25% Belastung für den Arbeitnehmer ergeben würde. Selbst bei einem konstanten Anteil von 7% des Arbeitgebers würde der Arbeitnehmer 16.5-7=9.5% des Anteils bezahlen müssen. Die Entlastungen des Systems werden also auf den Schulter der Niedriglöhner ausgetragen. Wieso die Gesamtkosten bei einer Variation der Finanzierung sinken sollen wird auch verschwiegen. Denn die Kosten bleiben gleich. Wenn also der Staat weniger zahlt muss irgendjemand die Kosten übernehmen. Ich habe also nachgerechnet und komme zu dem Schluss, dass es wohl doch nicht ganz so einfach ist, wie das IWF uns weißmachen will.