Wo ist der Neoliberalismus?
Rüstow gilt als Urvater des Neoliberalismus. Entstanden ist der Begriff 1936 auf einer Konferenz in Paris an der, neben ihm selbst, 25 weitere liberale Denker teilgenommen haben, um ein neues Konzept für eine langfristige Wirtschaftspolitik zwischen Kapitalismus und Sozialismus zu entwickeln. Die Idee des Neoliberalismus war geboren. Heute wird Neoliberalismus einem Schimpfwort gleichgesetzt. Viele verbinden damit soziale Kälte und Ausbeutung. Richtig ist das nicht; das Gegenteil ist sogar der Fall: Der Neoliberalismus fordert einen starken Staat, der einen Ordnungsrahmen vorgibt, um Chancengerechtigkeit zu gewährleisten. Gleichzeitig soll er sich aber aus der Wirtschaft als aktiver Akteur raushalten. Der Staat muss oberhalb der Wirtschaft stehen.
Wo stehen wir heute? Viele machen neoliberale Politik für die Finanzkrise verantwortlich. Richtig ist: der Staat ist fett – und schwach zugleich. Angesichts einer Staatsquote von knapp 50% fragt man sich: Wo ist der Neoliberalismus?
Warum Neoliberalismus kein Schimpfwort ist, wer dahinter steckt – und wofür die Denkrichtung steht? Mit dieser Frage beschäftigt sich ein aktueller VideoBlog mit Marc Beise, Wirtschaftschef der Süddeutschen Zeitung.
Weitere Informationen zum Neoliberlismus und der Sozialen Marktwirtschaft finden Sie auf den folgenden Seiten:
Hier finden sie weitere Informationen von Alexander Rüstow
Hier finden Sie weitere Informationen zu den Vätern der Sozialen Marktwirtschaft
Hier geht es zum Konrad Adenauer Institut
Hier geht es zum Walter-Eucken Institut
Hier geht es zur Mont Pelerin Society
| Tweet |


Wenn man einmal Rüstow richtig zitiert und nicht verfremdet und ihn mißbraucht, dann wird man feststellen, daß der ordoliberale Neoliberalismus dem heutigen Neoliberalismus absolut nicht entspricht. Was die INSM angeht so ist die Nähe zu Gesamtmetall ja klar erkennbar und auch der ständige Bezug zu Hayek. Rüstow war der Meinung, daß Hayek, der später die neoliberale “Konterrevolution” zum Ordoliberalismus vorantrieb und forderte, mit seinem Lehrer Mises in Spiritus eigesetzt ins Museum gehören. Die INSM fordert aber auch nicht die ECHTE soziale Marktwirtschaft, sondern die NEUE soziale Marktwirtschaft. Die Ordoliberalen der Freiburger Schule taugen da nur limitiert und reduziert und auszugsweise! Sie werden aus meiner Sicht geradezu mißbraucht.
Der alte ordoliberale Neoliberalismus basiert ebenso wie der heutige Neoliberalismus auf der falschen bzw. vereinfachten Modellwelt der neoklassischen Ökonomie. Wobei aus meiner Sicht die alten Ordoliberalen in vieler Sicht von der Erkenntnis weiter waren als die heutigen Neoliberalen.
Ich denke einmal, daß der nicht reduzierte Rüstow der INSM nicht schmecken würde.
Der Neoliberalismus scheitert doch an sich selbst. Ein dritter Weg zwischen reinem Kapitalismus (Manchester Kapitalismus) und Sozialismus ergo die Soziale Marktwirtschaft findet ihre Grenze an der vom Neoliberalismus vorangetriebenen globalisierung.
Eine Soziale Marktwirtschaft kann eben nicht mit Ländern wie bangladesh, Indien etc nicht konkurieren wo ein Arbeiter nur 30 $ im Monat verdient.
Zweitens ist sie darauf angeweisen das alle Menschen Arbeiten, was sich auch zunehmend als Utopie herausstellt da durch rationalisierung, Computerisierung sowie Roboterisierung mehr Arbeitsplätze verloren gehen als durch das Wirtschaftswachstum neu geschaffen werden können.
Das führt eben zu zunehmender Verarmung und schärfer werdender Konurenz zwischen den Arbeitssuchenden. Die Menschen machen für ihr Elend IMMER das vorherschende Wirtschaftsystem verantwortlich, egal welches das nun ist. Da der Neoliberalismus bisher nicht in der Lage war die Armut zu reduzieren. Da genügt nur ein Blick in jene Afrikanischen Staaten in denen Trotz Freihandelsabkommen die Slums und die Armut immer weiter ansteigen.
Auch der Liberalismus muss sich dort wo er scheitert fragen warum das so ist und sich dann selbst reformieren. Bisher ist das jedoch noch nicht im erfroderlichen maße geschehen.
Arbeit und Wohlstand für alle im hochtechnisierten Zeitalter ist nur möglich wenn das Wirtschaftswachstum so hoch ist das genügend neue Arbeitsplätze geschaffen werden um die durch die Rationalisierung und Automatisierung wegfallenden zu ersetzen.
Jedem sollte jedoch klar sein das in einem natürlichen evolutionär gewachsenen System wie der Martkwirtschaft ewiges Wachstum nicht möglich ist. Schon allein weil dazu die natürlichen Resourcen fehlen.
Genau das Problem haben wir zurzeit, die Arbeitslosigkeit steigt aber der Neoliberalismus hat nur eine Antwort darauf: Mehr Repression und Zwang gegen Arbeitslose. Das da zunehmend das gefühl von Sozialer Kälte und gleichgültigkeit gegenüber den sozial benachteiligten aufkomt ist kein Wunder.
Genau hier sind zwingend Reformen erforderlich, zum Beispiel sollte man anfangen über das Bedingungslose grundeinkommen zu diskuttieren. Ein meiner Ansicht nach sinvolles Konzept um der Probleme die durch die Krise der Arbeitsgesellschaft entstehen Herr werden zu können und gleichzeitig ein Liberales freies Wirtschaftsystem beizubehalten. Damit könnte man auch dem Neoliberlismus das Stigma der sozialen kälte nehmen, mal ganz davon zu schweigen das ein Grundeinkommen auch durch den vermerhten Konsum neue wachstumsimpulse setzen kann.
für mich persönlich wird es endlich zeit, dass man neoliberalismus umsetzt!
Dazu zählt für mich ein bedingungsloses grundeinkommen und ich wünsche mir, dass wir endlich die gesamte überflüssige arbeit, bürokratie sowie subventionen abschaffen. Dabei bin ich mir durchaus bewußt, das eine konsequente umsetzung zu maximal noch 20 mio volkswirtschaftlich produktiv erwerbstätigen führt.
Aber es kann in meinen augen nicht sein, dass sich die ganzen modernen parasiten auf kosten der armen unserer gesellschaft durchfüttern lassen!
Außerdem kann man dann endlich die wirklichen probleme unserer zeit angehen. arbeitslosigkeit ist ein segen und kein fluch, aber scheinbar sind wir zu dumm es zu sehen.
“Der neue Liberalismus jedenfalls, der heute vertretbar ist, und den ich mit meinen Freunden vertrete, fordert einen starken Staat, einen Staat oberhalb der Wirtschaft, oberhalb der Interessenten, da, wo er hingehört. Und mit diesem Bekenntnis zum starken Staat im Interesse liberaler Wirtschaftspolitik und zu liberaler Wirtschaftspolitik im Interesse eines starken Staates – denn das bedingt sich gegenseitig, mit diesem Bekenntnis lassen Sie mich schließen.”
-Alexander Rüstow
“An die Stelle der marxistischen Irrlehre von der Ausbeutung und dem Mehrwert ist nun neue nationalökonomische Einsicht getreten, die von der allergrößten Wichtigkeit ist, nämlich die Einsicht, dass der Lohn für den Unternehmer nicht nur ein Kostenbestandteil ist, sondern zugleich die Kaufkraft darstellt, mit der seine eigenen Produkte gekauft werden. Wenn man das weiß, ergibt sich eine vollkommen andere Perspektive für die Lohnpolitik. Unter dem alten Klassenkampfgesichtspunkt war es so, dass für die Unternehmer der Lohn nicht niedrig genug und für die Arbeiter nicht hoch genug sein könnte: zwei diametral entgegen gesetzte, unversöhnliche Standpunkte, eine ausgesprochene Klassenkampfsituation! Wenn man aber den anderen Gesichtspunkt zugrunde legt, so steht es ganz anders; dann gibt es ein Lohnoptimum, das sowohl für den Arbeiter wie für den Unternehmer das Erstrebenswerte darstellt.
Dass die moderne Wissenschaft diese grundsätzliche Einsicht erarbeitet hat, ist ein großes und weittragendes Verdienst.”
-Alexander Rüstow
Jetzt betrachte man einmal die Beiträge der arbeitgebenfinanzierten INSM hier im Blog und die Verflechtungen zu Politikern, die den Staat nicht oberhalb der Wirtschaft ansiedeln. Wenn man einen starken Staat fordert, dann wird man heute zum “Linksextremisten” gemacht!
Die Nähe zum anderen Neoliberalismus in Anlehnung an mehr Hayek ist verständlich.
Den kann man besser für die Interessen mißbrauchen!
“der Staat ist fett – und schwach zugleich. Angesichts einer Staatsquote von knapp 50% fragt man sich”
Quellen?
@chriwi:
Die Staatsquote kann man bei aller Abgrenzungsproblematik doch recht leicht und vergleichbar aus der VGR und der Finanzstatistik berechnen. Und wer sich den Aufwand sparen will, findet die Zahlen dazu auch beim Statistischen Bundesamt.
Und was die Schwäche des Staates angeht: Trotz hoher Staatsquote kann er seine originären Aufgaben nicht oder nur teilweise ausfüllen. Beispiele? Infrastrukturinvestitionen, Bildungsausgaben, Vollzug bestehender Regulierung,…
Zu welchen fundamentalen Erkenntnissen verhilft uns nochmal die Staatsquote als solche ?
Richtig: zu gar keinen!
Die Staatsquote (oder auf der anderen Seite die Abgabenquote) ist eine Beziehungszahl. Es besteht zudem auch kein eindeutiger Zusammenhang zwischen BIP-Wachstum und Staatsquote (und daran hat sich auch seit den Untersuchungen von Barro nichts geändert), so what ?
@chriwi
natürlich ist der Staat fett. Die Steuereinahmen im vergangenen Jahr waren die dritthöchsten aller Zeiten, preisbereinigt und trotz der Krise. Gleichzeitig ist das Defizit das höchste aller Zeiten. Weil der Staat schwach ist und gerne verteilt. Das sichert nämlich die Macht in der kurzen Frist.
Besser ein “fetter” Staat als Griechenland!
Der Neoliberalsimus von Rustow hat, ausser dem Namen, wenig mit dem heutigem Neoliberalismus zu tun. Das sind zwei Konzepte die unabhängig und zu verschiedenen Zeiten entstanden sind und Zufällig den selben Namen tragen. Der Neoliberalsimus auf den sich heute bezogen wird ist in der sog. Neoliberalen Konterrevolution der Wirtschaftspolitik geschuldet (Thatcher, Reagan). Da bezieht sie das “Neo” eben auf die Konterrevolution von marktradikalen Ideen.
Rustow hingegen wollte einen “anderen” liberalismus als den der bis dato existiert hat, einen anderen Weg für Deutsschland im Sinne der sozialen Marktwirtschaft. Darauf bezog sich hier das “Neo”.
Es sind zwei unterschiedliche Ideen, nur eben mit dem selben Namen.
Leider wird, wie vom Autor, immer wieder versucht neoliberalismus der 80er und folgender Jahrzehnte als soziale Marktwirtschaft zu verkaufen, einfach auf Grund das diese beiden Ideen nunmal gleich genannt wurden. Wer heute den Neoliberalismus anspricht tut dies nicht immer zu unrecht, da er sich auf den angelsächsischen der 80er und folgenden Jahrzehnte bezieht, da dieser auch hier einzug gehalten hat. Mit dem was sich Rustow damals ausgedacht hat, hatte dies was im Angelsächsischem Raum “Neoliberalsism” genennt wird wenig zu tun.