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Exempel Griechenland

Griechenland kann seine Staatsanleihen nur noch durch hohe Risikozuschläge am Markt platzieren. Derzeit werden griechische Staatsanleihen mit rund 6% verzinst.

Selten habe ich eine so klare und konsequente politische Agenda in Form eines Interviews gelesen. Der griechische Finanzminister Georgios Papaconstantinou hat sich viel vorgenommen. Zack-Zack: So rattert er seinen brachialen Konsolidierungskurs in der FAZ am Mittwoch nur so runter: Verbrauchsteuern anheben, pauschale Ausgabenkürzungen aller Ressorts von 10 Prozent, Gehaltseinbußen im öffentlichen Dienst. Zudem: Steuerreform, Sozialreformen, weniger Verwaltung und Bürokratie. Hut ab. So eine Rosskur könnte auch der deutschen Volkswirtschaft nicht schaden. 

Griechenland steht allerdings vor deutlich größeren Problemen als wir. Seine extrem hohe Staatsverschuldung führt zu aktuten Finanzierungsengpässen: Nur durch erhebliche Zinsaufschläge ist es der griechischen Regierung überhaupt noch möglich, Staatsanleihen auf den Markt zu bringen. Das Land hat jahrelang über seine Verhältnisse gelebt – und seinen Kunsum auf Pump finanziert, schreibt Otmar Issing heute in einem lesenswerten Beitrag in der FAZ. Und nun? Müssten die Euro-Länder ihrem größten Sorgenkind jetzt nicht finanziell unter die Arme greifen? Issing meint: Nein. Falsch verstandene Solidarität führe mittelfristig zu gefährlichen Anreizen. Immerhin stehen Spanien, Italien und Irland auch schon auf der Matte. ÖkonomenBlog-Autor Frank Schäffler meint zudem: Finanzhilfen sind mit der No-bail-out Klausel nicht zu machen. Was neben dem Stabilitäts- und Wachstumspakt fehlt, ist eine überzeugende Exit-Variante für chronische Spielverderber.

Jetzt also hart bleiben? Werner Mussler (FAZ) schreibt heute in seinem Leitartikel: “Nicht nur Griechenland, auch der Stabilitätspakt steht (wieder) vor einer Bewährungsprobe. Dass er in der Vergangenheit ausgehöhlt wurde, ist kein Argument dafür, ihn jetzt zu vergessen.” Also: an den Griechen jetzt ein weitreichendes Exempel statuieren? Zumindest erscheint es lohnenswert, die athener Regierung bei der Umsetzung ihrer mehr als ambitionierten Sanierungsagenda zu unterstützen. So kann aus einem Exempel vielleicht noch ein Vorbild für andere werden.


Prof. Dirk Meyer in Focus-Online: “Griechenland muss den Euro abgeben”

6 Kommentare zu “Exempel Griechenland”

  1. Wie ich schon bei dem Artiekl von Herrn Schäffler schrieb ist Deutschland eben so unsolidarisch wie es Griechenland ist. Durch Lohndumping wird die Konkurenz im Wirtschaftraum niedergerungen. Da die Griechen den Euro haben, haben sie nicht die Möglichkeit ihre Währung abzuwerten. Fangen sie jetzt an die deutschen Lohnreduzierungsmethoden anzuwenden, sind wir wieder in der Pflicht es gleich zu tun. Deutschland hat im Endeffekt Arbeitsplätze auf Kosten der Griechen aufgebaut und dorthin Arbeitslosigkeit exportiert. Die von ihnen beschriebene Rosskur wird gar nichts bringen.

  2. Ludwig von Mises sagt:

    Griechenland aus der Währungsunion zu verbannen würde ganz sicher was bringen. Die Griechen wären wieder selbst für ihre Haushaltspolitik verantwortlich und müssten die Folgen selbst tragen. Das Diszipliniert. Geschehen wird das aber nie. Im Gegenteil: vermutlich zahlen die anderen Staaten die Zeche, via EU Anleihe. Oder der IWF schafft künstliches Geld mit Sonderziehungsrechten. Egal was es auch sein wird: mehr Zentralismus ist das Ergebnis. Die Tür zur EUdSSR ist weit aufgestoßen.

  3. Markus sagt:

    @ Chriwi

    Zunächst hätte ich deiner Darlegung zugestimmt; nachdem ich aber Jahnkes Ausführungen zum Thema Griechenland gelesen habe, bin ich mir da nicht mehr so sicher. Interessanterweise scheint in diesem Falle die INSM gar nicht so falsch zu liegen. Ausnahmen bestätigen eben die Regel ;-)

    http://www.jjahnke.net/gedanken55.html#lue
    Informationsportal Globalisierung – Standort Deutschland – Neoliberalismus – Gedanken zur Zeit, Joachim Jahnke

  4. @Markus
    Sicherlich ist nicht nur Deutschland schuld, auch die Griechen haben gemogelt. Allerdings alles auf die Griechen zu schieben ist auch falsch, denn die Zahlen die sie damals vorgebracht haben waren sicherlich prüfbar.
    Ist man in einer Gemeinschaft muss man auch gemeinschaftlich handeln. Sonst macht es einfach keinen Sinn. Da innerhalb der EU, eigentlich alle ihre Eigenintressen verfolgen sind solche Konsequenzen in meinen Augen nur die logische Folge. Vor allem dann wenn man die schwachen Länder erst aufnimmt und dann niederkonkuriert. Es ist halt einfacher die Schuld auf die Schwachen zu schieben, anstatt sich an die eigene Nase zu fassen (da sind wir Deutschen ja spitze drin).

  5. @Markus

    Ganz so unbekannt waren die Daten allen Beteiligten dann doch nicht

    http://www.weissgarnix.de/2010/02/09/die-grose-griechenland-luge/

  6. Winni sagt:

    Es gibt aber auch in Bezug auf Griechenland unglaubliche Risiken: http://www.zu-anleihen.de/risiken-von-anleihen/

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Der Autor:

Marco Mendorf

arbeitet als Diplom-Volkswirt bei der Initiative Neue Soziale Markwirtschaft und ist Projektleiter des ÖkonomenBlogs.

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