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Gemeinsam fürs Studium

Differenz zwischen dem Anteil der jüngerem und älteren Akademiker an der Bevölkerung

Seit Monaten überschattet die Finanzkrise fast alle anderen großen Baustellen der Politik. Am 4. Juni hat die Bildungs- und Wissenschaftspolitik endlich mal wieder die Chance, wahrgenommen zu werden. Letzen Oktober vereinbarten Kanzlerin und Ministerpräsidenten ambitionierte Ziele: mehr Geld für Schulen und Hochschulen, weniger Schulabbrecher und eine Verlängerung des Hochschulpaktes. Auf dem zweiten Bildungsgipfel wird nun Bilanz gezogen: Folgen den Ankündigungen auch handfeste Taten? Zwischenzeitlich sah es nicht danach aus. Die Finanzminister traten kräftig auf die Bremse. Jetzt zeichnet sich aber ab, dass es wohl doch zu einer Aufstockung der Exzellenzinitiative und zur Verlängerung des Hochschulpaktes kommen wird. Es wäre ein Unding gewesen, jetzt in der Wirtschaftskrise auf den Wachstumsmotor Innovation zu verzichten.

Leider bleibt bis heute ein wichtiges Handlungsfeld unbearbeitet. Die deutschen Unternehmen suchen händeringend nach Ingeneurinnen und Ingeneuren: 50.000 Stellen. Wenn die nicht besetzt werden, verzichten wir sehenden Auges auf Wertschöpfung, Wachstum und Wohlstand. Bei uns machen viel zu wenig junge Menschen Abitur, viel zu wenige absolvieren ein Studium. Was tun? Aus mehreren Bundesländern kommt der Vorschlag, das Studium für Begabte attraktiver zu machen. So wie in vielen anderen Staaten auch – durch ein breit angelegtes Stipendienprogramm. Auch das würde dem Staat eine Menge Geld kosten.

Hier haben wir aber die Chance, auch die Unternehmen mit in die Pflicht zu nehmen. Die Wirtschaft wäre durchaus bereit, selbst mehr Geld für die Ausbildung ihres eigenen Nachwuchses zu investieren. Stipendien-Initiativen der Wirtschaft zum Beispiel in Mannheim oder Ostwestfalen zeigen das. 20 Prozent der Industrieunternehmen engagieren sich bereits heute an den Hochschulen: durch Spenden, Sponsoring, Stiftungslehrstühle oder Stipendien. Auf diesen fahrenden Zug sollten Bund und Länder möglichst schnell aufspringen und damit das Tempo erhöhen.

2 Kommentare zu “Gemeinsam fürs Studium”

  1. chriwi sagt:

    Wieso die Studiengebühren nicht wieder abschaffen? Wieso nicht die Hochschulen mit mehr Lehrkräften bestücken und das Bafög erhöhen. So ermöglich man es mit einfachen Mitteln ein Studium attraktiv zu machen. Momentan ist es für viele schlicht und einfach zu teuer. Will man Aufstiegschancen erhöhen ist das meiner Meinung nach die einzige Möglichkeit. Denn wer neben dem Studium arbeiten muss ist tendenziell schlechter, weil er weniger Zeit zum lernen hat. Also kommen die Stipendien wieder nur dort an wo sie nicht gebraucht werden.

  2. Peterson sagt:

    @Chriwi: Das mit den Studiengebühren abzuschaffen ist zielführend. Für jeden Mikroökonom ist unmittelbar einsichtig, dass das zu einer Verringerung der Nachfrage führt. Bleibt die Frage, warum sich gerade FDP und CDU so stark für die Stidengebühren machen?

    Zu dem im Beitrag angesprochenen Ingenieurmangels kann ich aus eigener Erfahrung nur anmerken, das ich, selber Ingenieur, meinen Kindern von dieser Berufswahl aus drei Gründen abraten würde: Erstens wird das in diesem Beruf innenwohnende Risiko, dass das eigene Wissen veraltet und man entsprechend früh aus dem Arbeitsleben herausgedrängt wird nicht entsprechend vergütet. Innerhalb der Unternehmen hat man als Angestellter wenig Einfluss auf Weiterbildungsthemen, da sie dort nur bedarfsorientiert gefördert wird. Man ist von Entscheidungen des Managements abhängig.

    Zweitens sind die Karriere- und Entwicklungsmöglichkeiten im Ingenieurberuf in aller Regel beschränkt. Und drittens hat der Ingenieurberuf in Deutschland ein eher negatives Sozialprestige, was sich auch am Stellenwert der Ingenieurstätigkeit in der betrieblichen Umwelt zeigt. Gehälter hängen stärker von der organisatorischen Nähe zum Entscheider und tradierten Verhältnissen ab, als wirklicher Wertschöpfung der Stelle, sonst wären ja Ingenieure die bestbezahlten Mitarbeiter. Vom Manager- oder Juristenmangel habe ich bisher zumindest nichts gehört. (Ich selber habe seinerzeit auf mein Ingenieursstudium ein MBA “draufgesetzt” und verdiene heute mit betriebswirtschftlichem Platitüden mehr Geld als wie ich als Ingenieur bekommen würde, wobei ich mir dabei sicher bin, dass mein Wertbeitrag geringer ist, als der meisten meiner Ingenieurskollegen, und diese in ihrem jeweiligen Aufgabenbereich auch schwieriger zu ersetzen wären).

    Der Entscheidung gegen das Studium im allgemeinen und gegen das Ingenieursstudium im speziellen ist also eine rational begründbare. Von Seiten der Politik und Unternehmen kommt zwar leider viel Gejammere zu diesem Thema, aber wenig produktives.

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Der Autor:

Dominique Döttling

ist geschäftsführende Gesellschafterin der Döttling & Partner Beratungsgesellschaft mbH, Uhingen und Mainz.

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