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Gleiche Vermögen: Kein Gewinn

Der Gini Koeffizient ist ein statistisches Konzentrationsmaß. Ein Gini Koeffizient von 100 sagt aus, dass sämtliches Vermögen in einer Hand ist.

Vermögen ist in Deutschland nicht gleichmäßig verteilt. Stimmt! Ist das ungerecht, oder gar unsozial? Nein! Denn: Der Aufbau von Vermögen ist sehr stark von persönlichen Präferenzen abhängig. Während die einen eher konsumieren, viel Geld für Urlaub, Freizeit und Unterhaltung ausgeben, investieren andere lieber in ihre Eigentumswohnung. Ein hoher Lebensstandard ist eben nicht nur durch hohes Vermögen erreichbar: Zur Miete lässt sich in aller Regel genauso gut leben wie in der eigenen Immobilie. Und ein Auto muss nicht unbedingt aus dem Ersparten erworben werden, sondern lässt sich auch leasen oder finanzieren. Die Lebensqualität des Einzelnen wird nicht geschmälert, weil einige mehr auf der hohen Kante haben als man selbst. Der internationale Vergleich zeigt zudem: Die Konzentration von Geld-, Sach- und Immobilienvermögen ist hierzulande nicht auffallend höher als im Ausland. Deutschland rangiert unter den sieben Ländern, für die es überhaupt Angaben zur Vermögensverteilung gibt, im Mittelfeld. Gemessen am Gini-Koeffizienten belegt Schweden den Spitzenplatz und steht sogar noch vor den USA. Über die Jahrzehnte hat die Konzentration des Vermögens zwar gegenüber den 90er Jahren zugenommen, liegt aber niedriger als in den 70er und 80er Jahren. Mit Blick auf die aktuelle Finanzkrise wird die ungleiche Verteilung in den nächsten Jahren aber wieder zurückgehen, weil sinkende Aktienkurse und Immobilienwerte das Vermögen schmälern. Daran erkennt man: Wenn die Reichen ärmer werden, ist für die Mittelschicht nichts gewonnen.


Zur Grafik: Der Gini Koeffizient ist ein statistisches Konzentrationsmaß. Ein Gini Koeffizient von 100 sagt aus, dass sämtliches Vermögen in einer Hand ist.

Jeden Montag oder Dienstag werden im ÖkonomenBlog Beiträge aus der Reihe „Wohlstands-Bilanz-Deutschland“ veröffentlicht, mit denen die 60-jährige Erfolgsgeschichte der Sozialen Marktwirtschaft nachgezeichnet und auf neue Herausforderungen hingewiesen wird. Eine umfassende Übersicht über Wohlstands-Parameter wie Einkommen, Vermögen, Lebensqualität und Bildungschancen finden Sie auf der Internetseite www.wohlstandsbilanz-deutschland.de

4 Kommentare zu “Gleiche Vermögen: Kein Gewinn”

  1. Knut sagt:

    Verteilt Vermögen um, nicht Einkommen!

    Ist wachsende Vermögensungleichheit sozial ungerecht? Ja, dass ist sie, solange der Staat keine ausreichende Chancengleichheit ermöglicht.

    Der Satz: „Der Aufbau von Vermögen ist sehr stark von persönlichen Präferenzen abhängig. Während die einen eher konsumieren, viel Geld für Urlaub, Freizeit und Unterhaltung ausgeben, investieren andere lieber in ihre Eigentumswohnung.“, in ihrem Beitrag suggeriert doch schon wieder ein falsches Bild: Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied und selber Schuld, wenn er kein Vermögen hat.

    Aber es sind doch gerade die unterschiedlichen Startchancen, die maßgeblich vom Vermögen und der Eltern und Großeltern abhängig sind, die jemanden erst in die Situation bringen zwischen Urlaub und Ersparnis zu wählen, um so Vermögen aufzubauen.

    Es ist zwar richtig, wenn sie schreiben: „Die Lebensqualität des Einzelnen wird nicht geschmälert, weil einige mehr auf der hohen Kante haben als man selbst.“
    Allerdings ist das auch nicht der Punkt. Wenn jemand fleißig war und obendrein noch etwas gespart hat, dann hat er es auch verdient mehr „auf der hohen Kante“ zu haben. Ungerecht wird es erst, wenn er nur aufgrund seiner sozialen Herkunft überhaupt erst in der Lage war (sein eigenes) Vermögen aufzubauen.

    Blog-Beitrag von H.-P. Grüner (Uni Mannheim)

    „Die Diskussion zur Erbschaftsteuer wird zu einseitig im Hinblick auf denkbare Probleme beim Unternehmensübergang geführt. Die Frage nach der makroökonomischen Rolle der Vermögensverteilung in einer Volkswirtschaft bleibt außen vor.

    (…) Oded Galor und Joseph Zeira [untersuchen], ob es in einer Volkswirtschaft zu persistenter Ungleichheit kommen kann, in dem Sinne dass Kinder aus armen Familien arm bleiben und Kinder aus reichen Familien reich werden. In ihrem Modell haben Familien die Möglichkeit, Geld in die Ausbildung ihrer Kinder zu investieren. Banken, die Ausbildungskredite zur Verfügung stellen gibt es zwar, allerdings verleihen sie wegen eines Moral Hazard Problems Geld zu einem Zins, der über dem Einlagezins der Bank liegt.

    Diese Zinsdifferenz hat erhebliche Konsequenzen: Kinder aus armen Familien finden die Ausbildungsinvestition relativ unvorteilhaft, weil sie mit einer erheblichen Rückzahlung auf den recht hohen Kredit verbunden ist. Kinder aus reichen Familien können sich hingegen die Ausbildung ohne Umweg über die Bank leisten.

    Das führt im Modell von Galor und Zeira zu einer Zwei-Klassen-Gesellschaft (…)

    (…) Da die Produktivität ausgebildeter Arbeiter oder Angestellter höher liegt und sich die Kosten der Ausbildung amortisieren, findet sich diese ungleiche Volkswirtschaft in einem ineffizienten Zustand mit einem zu niedrigem Sozialprodukt.

    Die Besteuerung großer Erbschaften würde im Modell von Galor und Zeira helfen, die Ineffizienz zu beseitigen, sofern die Erträge zu einer finanziellen Entlastung unterer Einkommensgruppen oder zur Subventionierung von Bildung genutzt würden. (…)“

    http://hpg.blogg.de/eintrag.php?id=43

    Fazit: Ist ein leistungsgerechtes (bzw. knappheitsgerechtes) Einkommen sozial ungerecht? Nein, auf keinen Fall, aber eine immer stärkere Konzentration von Vermögen in einem Land, in dem sich die sozialen Strukturen wie in kaum einem anderen Land im Bildungssystem manifestieren, ist durchaus ein Zeichen für wachsende Ungerechtigkeit.

    Das wiegt umso schwerer, je größer der Druck auf die geringer qualifizierten Beschäftigten in Deutschland wird. Potentielle Kandidaten, die den Druck erhöhen, sind der technische Fortschritt, der eher Hochqualizizierte begünstigt, die Globalisierung (entlang des Heckscher-Ohlin-Modells), aber auch sich verändernde institutionelle Rahmenbedingung.

    “While nations generally gain from international trade, however, it is quite possible that international trade may hurt particular groups within nations – in other words, that international trade will have strong effects on the distribution of income.” (Krugman and Obstfeld, Internationale Wirtschaft, 2006: 4)
    “Compensation schemes exist, that guarantee all members of that country can gain from international trade.” (Caves, Frankel & Jones, World Trade and Payment, 2007: 37)

    Um den sozialen Frieden zu bewahren, sollten doch zumindest die “Kompensationsschemata” stimmen, oder?

    Gruss Knut

  2. Knut sagt:

    was ist denn jetzt mit meinem Kommentar … wird hier zensiert, oder ist der zu lang?

  3. chriwi sagt:

    @Stephan
    Würde ich auch sagen denn in Deutschland ist die Verteilung laut DGB bei 60% Vermögen auf 10% Bevölkerung. In den USA habe ich Zahlen von 50% auf 1% gelesen.

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Der Autor:

Marco Mendorf

arbeitet als Diplom-Volkswirt bei der Initiative Neue Soziale Markwirtschaft und ist Projektleiter des ÖkonomenBlogs.

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