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Kindergarten oder Kindergeld?

Deutschland gibt sehr viel Geld für direkte Förderung von Familien aus, zum Beispiel Kindergeld. Zu wenig allerings für gute Bildungs-Infrastruktur.Die ersten Ergebnisse der schwarz-gelben Koalitionsverhandlungen liegen auf dem Tisch: Höhere Kinderfreibeträge und ein deutlich höheres Kindergeld. Was gut klingt, muss aber nicht unbedingt zielführend sein. Die FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND kommentierte am vergangenen Freitag: „Deutlich effektiver könnte der Staat die Chancen von Kindern fördern, wenn er mehr Mittel in die Betreuungsinfrastruktur stecken würde: Den Ausbau der Kindertagesstätten vorantreiben, das Angebot an Ganztagsschulen ausweiten, kleinere Lerngruppen ermöglichen – die Liste lässt sich beliebig erweitern. Sozial benachteiligte Kinder würden davon besonders profitieren, ebenso alleinerziehende Mütter, die aufgrund mangelnder Betreuungsangebote das höchste Armutsrisiko tragen.“

In dem Gutachten „Sozialbilanz Familie“ des Instituts der deutschen Wirtschaft heißt es dazu: „Im internationalen Querschnitt gibt es einen empirischen Zusammenhang zwischen einem ausgewogenen Mix von monetären Hilfen (direkte Förderung) und passendem Infrastrukturangebot (indirekte Förderung) einerseits und dem Anteil in relativer Armut lebender Kinder andererseits. So geht eine steigende Erwerbstätigkeit von Frauen, die durch den Ausbau der Betreuungsinfrastruktur ermöglicht wird, mit der Verringerung der Kinderarmut einher.“

Deutschland gibt zwar bereits sehr viel Geld für Kinder und Familien aus, von einem ausgewogenen Mix kann aber keine Rede sein. Bei der direkten Förderung gehört Deutschland im europäischen Vergleich bereits zur Spitzengruppe. Bei der indirekten Förderung aber, bei Infrastruktur, Ganztagsplätzen und der Ausstattung von Schulen und Kindergärten, liegt Deutschland abgeschlagen zurück. Dominique Döttling schrieb dazu am 11. September im ÖkonomenBlog: „Noch mehr Kindergeld, noch mehr Elterngeld, eine Herdprämie für die Betreuung zu Hause und eine vollständige Abschaffung der Elternbeiträge  – alles wohlklingende Forderungen. Wer aber mit der Gießkanne staatliche Transfers an alle verteilt, tut für die wirklich bedürftigen Familien viel zu wenig.“

4 Kommentare zu “Kindergarten oder Kindergeld?”

  1. [...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von INSM erwähnt. INSM sagte: ÖkonomenBlog Kindergarten oder Kindergeld? http://bit.ly/2jQ1En [...]

  2. chriwi sagt:

    Tja und die FDP entlastet fröhlich die Einkommen, welche den Sozialstaat eigentlich nicht nötig hätten. Wie kann eine Partei gegen Sozialleistungen sein und schmeißt sie gleichzeitig Spitzenverdienern hinterher? Da ist das Geld hin, welches in Deutschland so üppig verteilt wird. Können die Eltern ihre Steuerfreibeträge voll ausschöpfen kann ein Kind bis zu 3 mal mehr Wert sein als in dem Fall wo die Familie es nicht kann. Willkommen in der Klassengesellschaft.

  3. RaMo sagt:

    @Chriwi
    Ich bin mir durchaus bewusst, dass diese Argumentation gefährlich ist – Trotzdem birgt die direkte Zahlung von Kindergeld große Risiken: Ich habe lange im sozialen Bereich gearbeitet und dort immer wieder gesehen, dass direkte Leistungen gerade Eltern, die offenkundig mit ihren Kindern überfordert sind, zu Nachwuchs animieren. Ich möchte nicht den Wert von Kindern vergleichen – ist es aber sinnvoll, dass das Ziel einer eigenen Wohnung für eine junge Frau Ursache eines Kinderwunsches ist? Indirekte Leistungen, beispielsweise über geringere Krankenkassen- oder Rentenbeiträge, Steuerentlastungen und vor allem eine gute Tagesbetreuung ist da eine bessere Lösung.

  4. chriwi sagt:

    @RaMo
    Keine Frage, dass Kinderbetreuung der richtige Weg wäre. Wenn ich aber Herrn Schäuble sehe, der Kindern aus armen Familien nicht einmal das Mittagessen finanzieren will, wenn das Schulstarterpacket nicht mal den Grundbedarf deckt und ursprünglich nur bis zur 10. Klasse gezahlt werden sollte sieht man sehr deutlich wie die Verteilung ist. Denn wenn ich genug Geld habe kann ich über steuerliche Absetzbarkeit meiner Einkommen ein vielfaches an Fördermöglichkeiten wahrnehmen. Wo bleibt da der Grundsatz der Gleichheit? Wo die soziale Komponente? Ein weiterer wesentlicher Punkt ist, dass nach meinen Informationen, dass Kindergeld auf die Hartz 4 Gelder anzurechnen ist.

    http://www.kinderarmut-durch-hartz4.de/24-20080924105.html

    So lange die Gelder so ungerecht verteilt werden, wird wohl nichts übrig bleiben für eine flächendeckende Förderung und Kinderbetreuung.

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Der Autor:

Dominique Döttling

ist geschäftsführende Gesellschafterin der Döttling & Partner Beratungsgesellschaft mbH, Uhingen und Mainz.

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