Kluge Köpfe für den Osten
Ob die Wirtschaft in Deutschland künftig schrumpft, stagniert oder wächst, hängt stark vom Qualifikationsniveau seiner Bevölkerung ab. Denn eine Volkswirtschaft kann nur prosperieren, wenn schlaue Köpfe neue Produkte erfinden, innovative Dienstleistungen anbieten und beitragen, Güter besser oder billiger anzufertigen. Grundsätzlich speist sich der Fachkräftebedarf einer Volkswirtschaft aus zwei Quellen: Erstens scheiden ältere Erwerbstätige aus dem Arbeitsmarkt aus und müssen ersetzt werden. Zweitens werden in der Wissensgesellschaft immer mehr Hochqualifizierte benötigt.
Bis 2024 wird der demographisch bedingte Bedarf stark ansteigen – vor allem in den neuen Bundesländern. Ostdeutschland leidet unter einem starken Geburtenrückgang und der Abwanderung vieler Menschen. Die Folge: Im Osten werden zwischen 2020 und 2024 voraussichtlich nur etwa 11 Prozent der Hochschulabsolventen für die Besetzung neu geschaffener Stellen zur Verfügung stehen. Der Rest muss die in Rente gehenden Akademiker ersetzen. Im Westen dürfte die Lage etwas entspannter sein. Dort werden im selben Zeitraum voraussichtlich zwischen 35 und 40 Prozent der Hochschulabsolventen für die Besetzung neuer Stellen zur Verfügung stehen.
Um zu verhindern, dass Ostdeutschland die klugen Köpfe ausgehen, sollten auch versucht werden, Jugendliche aus dem Westen für ein Studium in den neuen Bundesländern zu begeistern. Schon heute gibt es gute Argumente für ein Studium im Osten: Viele Hochschulen in den neuen Ländern weisen bessere Studienbedingungen auf als die Unis im Westen. Außerdem sind dort die Lebenshaltungskosten deutlich niedriger. Sinnvoll wäre ein regionales Stipendienmodell, das die Studenten gezielt in die ostdeutschen Regionen lockt.
Die Pressemitteilung und weitere Informationen finden Sie hier.
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Unter dem Gesichtspunkt des Studiums sollte man sich vor Augen führen, dass in Sachsen Anhalt die Studienzahlen steigen und dennoch das Budget der Hochschulen gekürzt wird.
Hallo Herr Pluennecke,
Ihre Modellrechnung in Ehren, aber vergessen Sie dabei nicht eine entscheidende Variable: den Anreiz, ueberhaupt in Deutschland zu bleiben?
Und ist es nicht eine starke Annahme, dass Akademiker, die im Osten Deutschlands studiert haben, auch dort bleiben und sich einen Arbeitsplatz suchen sollen?
Wer studiert, studiert doch um seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern. Nimmt man dann an, dass die meisten Akademiker mobil sind, dann stellt sich die Frage, warum Akademiker da bleiben sollten, wo sie ihr Studium absolviert haben. Dies bringt mich zurueck zum Anreiz (nicht nur dem finanziellen, sondern auch dem ideellen (Status und Ansehen in der Gesellschaft)). Wenn man animmt, dass Akademiker rationale Akteure sind, dann kann man erwarten, dass sie dort einen Job annehmen, wo die Bedingungen (finanziell und gesellschaftlich) mit ihren Erwartungen uebereinstimmen (oder zumindest nicht zu weit davon abweichen). Da gerade Akademiker in grosser Zahl ueber die Grenzen Deutschlands hinweg migrieren, scheint mir das Problem weniger darin zu bestehen, Akademiker fuer den Osten Deutschlands zu begeistern als darin, sie ueberhaupt in Deutschland zu halten … Und das duerfte dann tatsaechlich eine Frage der Motivation sein, der man mit dem Verweis auf leere Vorlesungsraeume nur unzulaenglich begegnen kann.