Marktversagen bei Salz und Mützen?
Streusalzmangel in Gütersloh und Bielefeld. Ausverkaufte Mützen bei Kaufhof und C&A. Was hat das miteinander zu tun? Einiges – und nichts. Zunächst ist es der lange und eisige Winter: Über das Normalmaß der vergangenen Jahre hinaus müssen schon seit Wochen die Straßen und Autobahnen mit Streusalz befahrbar gehalten werden. In einigen Bundesländern sind die Reserven nun endgültig aufgebraucht, Fahrbahnen und ganze Streckenabschnitte werden gesperrt. Bis die Frachtschiffe aus Marokko mit Nachschub am Hamburger Hafen ankommen, werden noch einige Autofahrer beschwerliche Reisen erleben müssen. Hat der freie Markt versagt?
Genau so wie bei den Mützen? Ja genau – Marktversagen bei Wintermode: Schaals, Handschuhe und eben auch Mützen sind knapp geworden im sibirischen Deutschland. Vor dreieinhalb Wochen ist es mir am Berliner Alexanderplatz tatsächlich nicht möglich gewesen, in den umliegenden Kaufhäusern eine wärmende Kopfbedeckung zu erwerben. Hier wird doch wohl kein Mensch tatsächlich von Marktversagen sprechen wollen? Oder? Fordert gar jemand eine staatliche Mützenversorgung? Vorübergehend konnte ich mir mit meiner Kapuzenjacke weiterhelfen. Und seit dem Wochenende sind Strickmützen jetzt wieder im Angebot.
Beim Salz allerdings gehen die Meinungen auseinander. Die ersten Abgeordneten fordern bereits eine „nationale Streusalzreserve“. Na toll: Noch eine Behörde zur Korrektur angeblichen Marktversagens. Aber: Versagt hier wirklich der Markt? Nein! Das Gegenteil ist der Fall. Es gibt gar keinen richtigen Markt! Auf den Bundesfernstraßen und Autobahnen regiert unser Staat – nicht die Wirtschaft. Im Auftrag des Bundes müssen die Länder die Befahrbarkeit der Straßen garantieren. Dumm nur, dass der Bund mit den Ländern keine vertraglichen Leistungsziele vereinbart hat. Schon gar keine Gewährleistung und Sanktionsmöglichkeiten. Ordentliche Verträge und klare Haftungsregeln – das wäre die Grundlage einer marktwirtschaftlichen Lösung. Gut, bei einem Jahrhundertwinter, da wird´s halt mal knapp. Aber dafür könnte doch niemals der Staat Vorsorge treffen. Das nächste Staatsversagen wäre gleich vorprogrammiert. Ob Salz oder Mützen: der Markt muss uns schützen!
Hier geht's zu weiteren Beiträgen zu diesem Thema
Gemeinden in NRW – von Streusalz ausgeschlossen – Spiegel Online vom 16. Februar 2010
Nationale Streusalzreserve? - Rheinische Post vom 04. Februar 2010
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Ist die Logik aus dem Statement, daß wir bei den Mützen Staatsversagen hatten?
Was das Streusalz angeht, so ist der Staat auch nur Markteilnehmer und er hat sich auf eine Just-In-Time-Lieferung verlassen. Das ist auch das Handeln und Credo in der Privatwirtschaft. Es hat Vorteile aber auch Nachteile.
Den Hintergrund des Artikels und die Logik verstehe ich nicht.
“Hat der freie Markt versagt?” In beiden Fällen hat die Projektion ins nächste Jahr versagt. In den letzten Jahren war der Winter milde und schon werden die Streusalzreserven und die Produktion von Winterartikeln heruntergefahren. Beides hat identische Ursachen. Komisch, dass sie unterschiedlich Werten Herr Mendorf. Warum werfen sie jetzt den Kommunen versagen vor. Hätten diese mehr Salz gekauft und es wäre warm geworden, dann hätten sie Verschwendung vorgeworfen (wie man es halt gerade braucht in einem schwarz/weiß Schema). Wo sind eigentlich die Produzenten des Streusalzes? Wieso kann denn dort nicht nachgekauft werden. Ach ja das ist ja wieder der Markt, da kann man ja Spikes anziehen.
Zum Schlusssatz “der Markt muss uns schützen!” frage ich sie nur ob sie mich dem Herren mal vorstellen können.
Als Fazit: Lustiger Artikel.