Mehr (er)leben!
Angehende Eltern können sich nicht nur über ihren Nachwuchs freuen, sondern auch mit ihnen: Laut Angaben des Statistischen Bundesamtes steigt die durchschnittliche Lebenserwartung der Neugeborenen in Deutschland ungebremst an. Ein im Jahr 2005 geborenes Mädchens kann sich auf 82 Lebensjahre freuen, ein Junge auf etwas mehr als 76.
Diese erfreuliche Entwicklung hin zu einem längeren Leben ist in Deutschland sehr konstant seit den 60er Jahren zu beobachten. Prognosen zur Folge wird die Lebenserwartung aber auch in den nächsten Jahrzehnten weiter steigen. So werden im Jahr 2050 neugeborene Mädchen im Durchschnitt 5,9 bis 7,7 Jahre länger leben als heute und somit ein Alter von knapp 90 Jahren erreichen. Die Jungen werden etwa 85 Jahre erleben dürfen. Verantwortlich für diese erfreulichen Entwicklungen sind nicht zuletzt der medizinisch-technischer Fortschritt und die bessere Versorgung im Krankheitsfall. Auch wenn zum Beispiel die Sterblichkeit nach Herzerkrankungen in Deutschland relativ hoch ist, kann ein tödlicher Verlauf immer häufiger verhindert werden. Mit etwas Glück werden die Kinder von Heute möglicherweise die nächste Jahrhundertwende erleben dürfen. Eine traumhafte Perspektive.
Jeden Montag oder Dienstag werden im ÖkonomenBlog Beiträge aus der Reihe „Wohlstands-Bilanz-Deutschland“ veröffentlicht, mit denen die 60-jährige Erfolgsgeschichte der Sozialen Marktwirtschaft nachgezeichnet und auf neue Herausforderungen hingewiesen wird. Eine umfassende Übersicht über Wohlstands-Parameter wie Einkommen, Vermögen, Lebensqualität und Bildungschancen finden Sie auf der Internetseite http://www.wohlstandsbilanz-deutschland.de/
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“Eine traumhafte Perspektive.” Eine traumhafte Spekultation, mehr nicht.
“So werden..” sollte lieber als “so werden wahrscheinlich” geschrieben werden. Die Prognosen beihalten nicht, dass die Qualität des Gesundheitssystems abnimmt, dass die Langzeitarbeitslosigkeit hoch ist und der Niedriglohnsektor ausgeweitet wurde (es gibt eine Korrelation zwischen Armut und Lebensalter). Schöne Prognosen, aber nicht sehr Differenziert.
@ chriwi: Schöne Ergänzung. Meines Erachtens ist es genau das Problem der Wohlstandsbilanz, dass sie Punkte wie die Korrelation zwischen Lebensalter und Armut außen vor lässt. Sicher, bis jetzt haben Einkommen und Lebensalter in gleichem Maße zugenommen. Es bleibt aber abzuwarten, ob sich das in Zukunft nicht genau anders herum entwickelt und beide Kennzahlen gemeinsam nach unten absacken. Außerdem: “Traumhafte Perspektive” klingt so dermaßen nach Werbesprache, so was würde ich in einem Fertighausprospekt vermuten, nicht wenn es darum geht, ökonomische und demografische Fakten darzustellen.
@ Ablib: Werbesprache, das war nicht meine Absicht. Vielemehr äußere ich am Ende des Beitrags meine persönliche Begeisterung darüber, dass wir für uns selbst wie auch für unsere (zukünftigen) Kinder ein noch längeres Leben erwarten dürfen. Dieser Blog beschäftigt sich natürlich mit Ökonomie und Fakten, ist aber sicher nicht wert- und gefühlsfrei. Soll er auch nicht! Denn Ökonomie ist ein Teil unserer Gesellschaft, und hier regieren nicht nur die Zahlen, Formeln und Prognosen. Was letzteres angeht, ist es aber nun mal so, dass wir in Deutschland sehr stark von steigendem Einkommen, besserer medizinischer Versorgung und bequemeren Arbeitsbedingungen profitiert haben (die Korrelation ist doch: Mehr Wohlstand = längeres Leben). Und da wir in den nächste Jahrzehnten wohl nicht mit einer massiven (absoluten) Verschlechterung von Einkommen, Arbeitsbedingungen und Medizin zu rechnen haben, ist die Prognose des Statistischen Bundesamtes für mich auch plausibel. Und ganz persönlich gesehen eben auch eine “traumhafte Perspektive”. Marco Mendorf
@ Mendorf: Ok, kann ich nachvollziehen. Meine Bedenken, und ich denke auch chriwis Beitrag ging in die Richtung, richteten sich in erster Linie an die Vermutung, das Einkommen und Wohlstand auf breiter Basis wirklich weiter ansteigen und das Lebenalter nachzieht. Kennen Sie Heinz Budes Buch “Die Ausgeschlossenen”? Ein moderner Soziologie-Klassiker, der beschreibt, wie breite Bevölkerungsteile von den Aufstiegschancen in unserer Sozialen Marktwirtschaft ausgeschlossen werden. Wenn das so weiter geht und Lebensstandard, Bildungsniveau und Einkommen in bestimmten Milieus weiter auf breiter Front sinken, dann wird das auch Auswirkungen auf deren Gesundheit und am Ende des Tages auch auf deren Lebenserwartung haben. Die gesamtgesellschaftliche Aufgabe müsste daher sein, Chancengleichheit (wieder)herzustellen und Perspektiven zu bieten.