Hartz noch nicht fertig
Von Dr. Johannes Giesecke
Die Einstiegschancen von ostdeutschen und älteren Erwerbslosen haben sich innerhalb des letzten Konjunkturzyklus absolut und auch relativ zu den jeweils relevanten Vergleichsgruppen verbessert. Es spricht einiges dafür, dass die Reformen am Arbeitsmarkt dabei halfen, die Einstiegschancen dieser beiden bisherigen Problemgruppen insbesondere während des konjunkturellen Aufschwungs 2006 und 2007 zu erhöhen. Eine wichtige Frage wird sein, ob diese positiven Entwicklungen auch in der gegenwärtigen Krise und darüber hinaus Bestand haben. Während also ostdeutsche und ältere Erwerbslose eher zu den Gewinnern des letzten Aufschwungs zu zählen sind, konnten Langzeiterwerbslose und Geringqualifizierte im vergangenen Konjunkturaufschwung nicht von der positiven Entwicklung am Arbeitsmarkt profitieren: Die Chancen auf einen Wiedereintritt in den Arbeitsmarkt haben sich für diese Gruppen nicht erhöht bzw. sind sogar gesunken. Im Vergleich zu anderen Gruppen haben Langzeiterwerbslose und Geringqualifizierte damit an Boden verloren. Für diese beiden Gruppen, deren “Aktivierung” erklärtes Ziel der Hartz-Reformen war, besteht daher weiterhin eindeutiger Handlungsbedarf, auch und gerade angesichts der derzeitigen Krise, die deutliche Spuren am deutschen Arbeitsmarkt hinterlassen wird.
Tags: Arbeit, Arbeitslosigkeit, Arbeitsmarkt, Debatte, Einkommen, Jobs, Konjunktur, Märkte, Reformen, Soziale Marktwirtschaft, Wachstum


Am 30. April 2009 um 13:08 Uhr
Das zeigt doch damit eindeutig, dass die Hartz Reformen nicht funktioniert haben. Es wurde ein bürokratisches und menschenfeindliches Monster geschaffen. Welches Versprechen vor der Reform wurden denn eigentlich eingehalten?
Am 30. April 2009 um 13:55 Uhr
Die Frage ist: Was kann man tun? Langzeitarbeitslose leiden ja oft darunter, dass sie so lange aus dem Arbeitsmarkt heraus sind, dass ihr Wissen und ihre Fertigkeiten oft nicht mehr dem aktuellen Stand entsprechen. Um das zu ändern, müsste man konsequente Fortbildungsprogramme auflegen, mit denen auch Menschen ohne Beschäftigung ihr Qualifikationsniveau halten können. Ob das aber derzeit möglich ist, wage ich sehr zu bezweifeln. Wenn die Arbeitslosenzahlen krisenbedingt massiv steigen, fehlt den Sozialkassen und der BA ohnehin das Geld. Wer soll also konsequente Fort- und Weiterbildungsprogramme bezahlen? Ohne das zu Ende gedacht zu haben: Könnte man nicht einen Fonds auflegen, in den Staat, Arbeitgeber und Arbeitnehmer einzahlen und aus dem dann Mittel für solche Forbildungsmaßnahmen bezahlt werden? Würde ähnlich funktionieren, wie die Sozialversicherungen – nur dass die Leistungsempfänger tatsächlich eine Leistung beziehen, die sie in die Lage versetzt, sich am Arbeitsmarkt wieder erolgreich zu integrieren, anstatt nur von einer Verwahrstelle in die nächste geschickt zu werden.
Am 6. Mai 2009 um 23:26 Uhr
Wenn Giesecke schreibt
Die Einstiegschancen von ostdeutschen und älteren Erwerbslosen haben sich innerhalb des letzten Konjunkturzyklus absolut und auch relativ zu den jeweils relevanten Vergleichsgruppen verbessert. Es spricht einiges dafür, dass die Reformen am Arbeitsmarkt dabei halfen, die Einstiegschancen dieser beiden bisherigen Problemgruppen insbesondere während des konjunkturellen Aufschwungs 2006 und 2007 zu erhöhen.
dann verstehe ich nicht, wie chriwi das Gegenteil raus liest. Vor der Finanzkrise im Herbst lag Deutschland unter 3 Mio Arbeitslosen. Da dürfte bei den Hartz Reformen doch einiges richtig gemacht worden sein.