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Studiengebühren: 500 Euro sind ungerecht

Um die Kosten der Ausbildung eines Akademikers vollständig zu decken, müssten die Studiengebühren weit über 500 Euro pro Semester liegen.

Gewaltig war der Aufschrei nach dem Beschluss einzelner Bundesländer Studiengebühren einzuführen. Neben der grundsätzlich ablehnenden Haltung wurde damals auch heftig über die Höhe Gebühr gestritten. Die von einigen Ländern später eingeführten 500 Euro pro Semester wurden dabei von den Gegnern als viel zu hoch kritisiert. Von viel Ungerechtigkeit war die Rede. „Ungerechtigkeit“ diente dann auch als Legitimation Studiengebühren in einigen Ländern wieder abzuschaffen. Eine sachliche Debatte, ob Studiengebühren von 500 Euro wirklich unangemessen und ungerecht sind, blieb aber leider oft aus.

Tatsächlich reicht dieser Betrag nicht einmal aus. Auf das gesamte Leben betrachtet, kostet die Ausbildung eines Akademikers den Staat weitaus mehr, als er später in Form von Steueranteilen direkt an die Hochschulen zurückgibt. Rein rechnerisch, müsste ein Student der Fachhochschule bei einem Studium in der Regelstudienzeit pro Semester 2.101 Euro entrichten, ein Universitätsstudent sogar 5.332 wie das Institut der deutschen Wirtschaft Köln berechnet hat. Wer also mehr Gerechtigkeit schaffen will, darf Studiengebühren nicht abschaffen, sondern müsste sie eigentlich erhöhen.


Zur Grafik: Der von Akademikern in Laufe ihres Berufslebens durch Steuern direkt an die Hochschule zurückgezahlte Betrag reicht nicht aus, um die Ausbildungskosten zu decken. Auch bei 500 Euro Studiengebühren pro Semester bleibt eine Finanzierungslücke. Um beispielsweise die Finanzierungslücke eines Mediziners vollständig zu decken, müssten die Studiengebühren bei 29.358 Euro pro Semester liegen.

Die Studie des IW Köln finden Sie hier.

10 Kommentare zu “Studiengebühren: 500 Euro sind ungerecht”

  1. “Der von Akademikern in Laufe ihres Berufslebens durch Steuern direkt an die Hochschule zurückgezahlte Betrag reicht nicht aus, um die Ausbildungskosten zu decken.”
    Eines kann ich zu solchen Studien sagen, sie sind absolut spekulativ und haben nichts mit Wissenschaft zu tun, sondern nur mit Propaganda (Studienkredite lassen sich eben gut verkaufen). Ich würde mir auch gerne die Methodik ansehen. Allerdings wird man nicht zu den Studienmethoden weitergeleitet. Wie will man denn bitte die positiven Effekte einrechenen die viele gut ausgebildete Personen auf die Wirtschaft haben?

    Kritiken kann man leicht aufstellen:
    Wie viele Studenten würden wohl noch Medizin studieren bei Jahresausgaben von 60 tausend Euro. Arbeiten diese Studenten nicht faktisch Umsonst ein praktisches Jahr lang? Wurde das mit eingerechnet?
    Studieren weniger Menschen Medizin gibt es weniger Ärzte und die Gehälter steigen. Das darf dann ebenso bezahlt werden als Folgekosten, welche nur in einer anderen Bilanz des identischen Haushalts auftauchen.

    Bei den Ingenieurswissenschaften sieht es ähnlich aus. Wer würde studieren bei den immensen Kosten. Wie war das doch gleich mit dem vielgerühmten Fachkräftemangel der INSM? Wer möchte nach dem Studium mit 40 tausend Euro Schulden da stehen? Auch hier sind die Folgegrößen nur sehr schwer zu erfassen. Weniger Ingenieure, weniger Innovation, weniger Jobs, mehr Kosten für den Staat.

    Wieso soll ein Studium nur auf Kreise fokussiert werden, welche es sich leisten können. Im Gegenzug sollte man lieber versuchen die Möglichkeiten der breiten Masse ein Studium wahrzunehmen zu verbessern. Das heißt aber auch, dass man die Bildungsausgaben erhöht und nicht wie in den letzten Jahren senkt. Nur durch das hineinrechnen von Heizungskosten, Hausmeister und anderer Bilanzierungstricks konnte der Schein gewahrt werden das Deutschland eine Bildungsrepublik ist. Fragen sie mal die Studenten aus Niedersachsen, welche nach Sachsen-Anhalt fahren um zu studieren warum sie das tun. Keine Studiengebühren, moderne Hochschulen, niedrige Lebenskosten stehen dort ganz oben auf der Liste.

  2. Jochen Schmid sagt:

    Ist es also “billiger” niemanden mehr auszubilden? Etwaige zusätzliche Arbeitsplätze dadurch unbesetzt zu lassen? Bei einem solchen Beitrag sollte man kritisch hinterfragen, welche Mehrwerte eine solide Ausbildung an einer Hochschule dem Staat tatsächlich entstehen. Dies zu berechnen, wird jedoch schwierig.
    Nur ein Beispiel von Unzähligen: Sind es nicht auch hochqualifizierte Ingenieure, welche unsere Innovationskraft vorantreiben, deutsche Unternehmen wettbewerbsfähig halten, und dadurch tausende Arbeitsplätze schaffen resp. erhalten. Bezahlen eben diese Arbeitnehmer nicht auch Steuern? Bezahlen die Unternehmen nicht auch Steuern? Spart sich der Staat nicht dadurch auch immense Transferleistungen? macht es unsere Gesellschaft nicht auch “besser” und sichert unser aller Wohlstand?
    Studiengebühren rauf = Back to Level India!!
    Es sollte also nicht derart isoliert betrachtet und geurteilt werden. Es ist eine Kausalkette. Dies ist eine klassische Fehlinterpretation und führt zu Missverständnissen bzw. zu Fehlannahmen. Die Studiengebühren sind also nicht zu niedrig, geht man von oben genannten langfristigen Effekten aus!

  3. Surp sagt:

    Ich finde so eine allgemeine Aussage auch nichtssagend.

    Man müsste eher fragen:

    Welches Studium kostet wieviel und wodurch?
    Warum gibt es Studiengänge, die reine Luxusstudiengänge sind?
    Warum werden Professoren mit so hohen Pensionen bedacht?
    Wieso gibt es Bibliotheken, wenn man alles online bereitstellen könnte?
    Wer forscht woran und erhält welche Mittel?

    etc.

  4. Bernhard Hamilton sagt:

    Wie war das noch mal im linken Sozialismus? Wer wollte, der konnte – umsonst – studieren, es sei denn, er durfte nicht. Heute steht jedem ein Zugang zu einem Studium offen, und 500€ pro Semester in die Ausbildung zu investieren, bildet in diesen Zeiten immer noch die beste Form der Geldanlage.
    Ein 8-Semester-Studium „kostet“ den Studierenden derzeit 8*500=4.000€ an Studiengebühren. Dafür eröffnet es die Chance auf niedrigere Arbeitslosigkeit und höhere Einkommen. Und diese Besserstellung soll von Leuten übernommen werden, die von geringerem Einkommen leben müssen und höhere Unsicherheit des Arbeitsplatzes haben?
    Ein kostenloses Studium gibt es ebenso wenig wie ein kostenloses Mittagessen. Irgendjemand muss die echten Kosten übernehmen. Derzeit zahlen die Massen der Werktätigen, die auch die Hauptlast der Steuern und Abgaben tragen, den zukünftigen Akademikern (gleich Beziehern höherer Einkommen) ihre Ausbildung – Sozialismus sinnverdreht.

    Das heutige Deutschland kann sich nicht aus seinem staatslastigen Bildungssystem lösen. „Freie“, autonom finanzierte, Universitäten existieren nicht. Auch wenn die „Exzellenzinitiative“ versucht, den Hochschulbereich zu dynamisieren, auf bürokratischem Wege kann man Wettbewerb nicht ersetzen. Die erstklassigen deutschen Universitäten, die Anfang des letzten Jahrhunderts noch weltweit führend waren, sind der rechten und linken Staatsdominanz zum Opfer gefallen.
    Und das Leichengift der beiden Weltkriege, von National-Sozialismus und SED-Diktatur haftet wie Mehltau an der bundesdeutschen Gesellschaft. Die vom Geisterglauben an die Fähigkeiten der staatlichen Steuerung verursachten Schäden sind weiterhin unbewältigt.

    Natürlich war im Sozialismus alles besser, von der Krippe bis zur Bahre staatliche Institutionen – staatliche Bildung, staatliche Freiheit und allerorten staatliche Sicherheit.
    Für ein „Recht“, kostenlos zu studieren, existiert keine tragfähige Begründung. Auch die Deklaration der Menschenrechte von 1948 nimmt dies nicht auf.
    Und daher sind 500€ je Semester – erheblich – zu wenig.

  5. Markus sagt:

    @ Bernhard Hamilton
    weshalb sind denn dann die 500 Euro zu wenig? Oben noch dagegen, im unteren Tei des Kommentars dafür?
    Und: Die Thematik nun mit Weltkriegen, SED Geschichten und Anderem zu begründen – sorry, aber so abstrakt is das Thema nun wirklich nicht. Denn nciht alle Hochschulen sind aus dieser Tradition. Desweiteren haben wir den Sozialismus als Solchen hinter uns gelassen, und das ist gut so.

  6. Bernhard Hamilton sagt:

    Freie Hochschulbildung für alle – auf Kosten anderer – die „DDR“ haben wir hinter uns gelassen, nicht den Sozialismus. Wer historische Vergleiche scheut, macht dieselben Fehler halt dreimal.

  7. “Ein 8-Semester-Studium „kostet“ den Studierenden derzeit 8*500=4.000€”

    Welches Studium dauert denn 8 Semester? Davon abgesehen, dass die Kosten wesentlich höher liegen. Sie brauchen Bücher, eine Wohnung, etwas zu Essen, Strom, etc. und kriegen dafür im besten Fall Bafög. Das heißt sie investieren schon eine Menge.

    Ihr Vergleich “Freie Hochschulbildung für alle – auf Kosten anderer”, dann ist jedes Land sozialistisch. Freie Autobahnen auf Kosten anderer, freie Straße, Straßenbeleuchtung, Polizei, Schulen,…

    “Derzeit zahlen die Massen der Werktätigen, die auch die Hauptlast der Steuern und Abgaben tragen, den zukünftigen Akademikern”
    Unter den Werktätigen sind aber auch Akademiker oder nicht. Diese haben eine niedrigere Chance arbeitslos und krank zu werden und finanzieren somit die Bauarbeiter und Niedriglöhner quer. So ist das eben in einer Gesellschaft. Ein sturer Blick auf Kosten und gezahlte Steuern ist nicht ausreichend.

    In meinen Augen ist es einfacher die Steuern für die Besserverdienden zu erhöhen. Dann hat man gut ausgebildete Menschen im Land (Innovation, Aufstiegschancen sind möglich) und diejenigen welche die Möglichkeit des Studiums nutzen bezahlen es hinterher auch. Das ist in meinen Augen ein Kompromiss.

  8. Bernhard Hamilton sagt:

    „Ein 8-Semester-Studium „kostet“ den Studierenden derzeit 8*500=4.000€ an Studiengebühren.“

    Wenn Sie zitieren, dann bitte richtig – oder ist das hier die „Prawda“?

    Straßen, allgemein bildende Schulen sind (viel eher) öffentliche Güter als die gehobene Bildung, und daher (!) werden Sie auch kostenlos und für alle Nachfrager angeboten. In diesem Bereich wird eine Umverteilung von der überwiegenden Fachwelt akzeptiert.
    Siehe Artikel 26 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 –die elementare und fundamentale Bildung ist ein grundlegendes, individuelles Menschenrecht.
    Aber die Bildung darüber hinaus ist Privatsache.
    Wer mehr verdienen will, muss für diesen Mehr-Verdienst auch die Kosten einer Hochschulausbildung schultern, das ist auch ganz gerecht so. Gute Ausbildung gibt es nicht umsonst, 500€ je Semester hierzulande sind viel zu wenig. Ihre Arbeiter und Bauern müssen die Besserverdiener von Morgen finanzieren – ist das Ihre Vorstellung von „sozialer Gerechtigkeit“?

  9. Kammerjäger sagt:

    “Auf das gesamte Leben betrachtet, kostet die Ausbildung eines Akademikers den Staat weitaus mehr, als er später in Form von Steueranteilen direkt an die Hochschulen zurückgibt. ”

    Der Satz zeigt unzweideutig, dass die Ausbildung an unseren Universitäten noch Potenzial hat.

    Aber: Man kann doch nicht allen ernstes das Gut verteuern, was nach allgemeinem Konsens sich viel weiter verbreiten müsste. Das entspricht jeder mikroökonomischen Theorie.

  10. Bernhard Hamilton sagt:

    “Das entspricht jeder mikroökonomischen Theorie.”

    ????????????

    Wenn gut ausgebildete Mitarbeiter knapp sind, dann steigen die Preise, die dafür gezahlt werden müssen.
    Bei hohen und/ oder knappheitsbedingt steigenden Einkommen rentiert sich die Investition in Hochschulausbildung für den Studenten, wofür soll es dann noch subventioniert werden?
    Es werden ja nicht die MINT-Fächer subventioniert, die dringend benötigt werden, sondern alle Fächer quer über die Universität.
    Subventionen verleiten dann häufig dazu, Fächer zu belegen, die später wenig nachgefragt sind. Sie verzerren die Präferenzen der Studierenden und führen damit häufig in die Dauerarbeitslosigkeit – trotz erfolgreichem Studienabschluss.
    “Entsprechend” kann man sagen, dass die höhere Bildung als rein privates Kalkül viel besser angelegt ist.

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Der Autor:

Dominique Döttling

ist geschäftsführende Gesellschafterin der Döttling & Partner Beratungsgesellschaft mbH, Uhingen und Mainz.

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