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24.08.2010 Allgemein, Bildung

Studiengebühren sind sozial gerecht

Der Anteil der öffentlichen Finanzierung an der vorschulischen Bildung ist in Deutschland deutlich kleiner als in Frankreich oder Großbritannien.

Fast hat es den Eindruck, dass Deutschlands Politiker nur noch im Namen der „sozialen Gerechtigkeit“ agieren. Jüngstes Beispiel: Die Abschaffung der Studiengebühren. Nach Hessen und dem Saarland will auch die neue rot-grüne Regierung in NRW künftig darauf verzichten, Studierende an ihrer Ausbildung finanziell zu beteiligen. Natürlich geschieht dies im Namen der sozialen Gerechtigkeit. Es ist jedoch höchst fraglich, ob ein gebührenfreies Studium wirklich gerecht ist. Die überwiegende Mehrheit der Studierenden stammt aus der Mittel- und Oberschicht. Finanziert wird ihre Hochschulausbildung über Steuern, auch von Bürgern der Unterschicht, deren Kinder selten studieren.

Hier liegt doch das eigentliche Problem: Kinder aus bildungsfernen Schichten finden zu selten den Weg zur Hochschule. Was nicht zuletzt daran liegt, dass in Deutschland im internationalen Vergleich das staatliche Engagement bei der vorschulischen Bildung deutlich geringer ausgeprägt ist. So werden in Frankreich 96 Prozent und in Großbritannien 93 Prozent der vorschulischen Bildung öffentlich finanziert. Hingegen in Deutschland nur 72 Prozent. Wem es also wirklich um mehr soziale Gerechtigkeit geht, der sollte mehr in die frühkindliche Bildung investieren, damit mehr Kinder aus bildungsfernen Schichten den Zugang zum Gymnasium und zur Hochschule finden. Wer es zur Hochschule geschafft hat, sollte dann an seiner akademischen Ausbildung finanziell beteiligt werden. Schließlich wird er als Akademiker später im Allgemeinen ein höheres Einkommen haben als Erwerbstätige ohne Hochschulabschluss. Und auch die sozialen Bildungsbarrieren erhöhen sich durch Studiengebühren nicht, solange sie sozial verträglich gestaltet werden.


Professor Dr. rer. pol. Markus Fredebeul-Krein lehrt Volkswirtschaftslehre, insbesondere  Struktur- und Wettbewerbspolitik, an der Fachhochschule Aachen.

 

Der BlogBeitrag ist eine kurze Zusammenfassung seines Plädoyers gegen die Abschaffung der Studiengebühren im Ordnungspolitischen Kommentar 08/2010 des Instituts für Wirtschaftspolitik und des Otto-Wolff-Instituts für Wirtschaftsordnung mit dem Titel „Die Abschaffung der Studiengebühren ist der falsche Weg“. Den ganzen Beitrag finden Sie hier.

8 Kommentare zu “Studiengebühren sind sozial gerecht”

  1. Torsten sagt:

    Doch, natürlich erhöhen sich die sozialen Bildungsbarrieren. Nämlich genau für diejenigen, die aus “bildungsferneren Schichten” kommen. Ich kenne genügend Studenten, die neben ihrem Studium noch arbeiten gehen und einen ordentlichen Betrag an ihre Eltern schicken, damit diese überhaupt über die Runden kommen. Stiengebühren würden all diese Menschen an einem Studium hindern. Es ist daher vollkommen gerecht, dass diejenigen, die bereits von einem Studium profitiert haben, über die Steuern den größten Teil zum Studium der Studenten der nächsten Generation beitragen, so wie diese das ebenfalls tun werden. Und es ist ebenfalls gerecht, dass alle anderen aus ihrem geringeren Einkommen über die Steuern einen entsprechend geringeren Teil dazu beitragen.

    Des weiteren gibt es viele Berufe, für die zwar ein Studium benötigt wird, mit denen man aber nicht das “das große Geld” machen kann, sodass diese Personen (bspw. Lehrer) nach der Ausbildung erstmal lange Zeit verschuldet sind und somit einen schlechteren Start ins Leben hätte als Menschen, die eine Ausbildung in einem Unternehmen gemacht haben und keine derartigen Ausbildungskosten hatten. Auch aus diesem Grund sind Studiengebühren sozial ungerecht.

  2. Thorsten sagt:

    Ich finde das Steuerargument zieht garnicht. Die meisten Steuern werden schließlich von der Mittel- und Oberschicht getragen.
    Aber um einen Ausgleich zum Handwerk zu schaffen sollten Studiengebühren eingeführt werden.
    Diese sollten allerdings erst zurück gezahlt werden bei einem erfolgreiche. Einstieg in den Beruf.
    Denn es ist die

  3. Thorsten sagt:

    Finanzielle Lage der Studenten zu betrachten und nicht die Ihrer Eltern.

  4. [...] Julis nicht erwarten, da lässt man auch schon mal die INSM für sich denken, wenn es um Studiengebühren geht. Ja, die ISNM ist inzwischen auch schon bei Twitter. Und ansonten möchten sich die Julis [...]

  5. Surp sagt:

    Sie waren es immer, ganz einfach aus dem Grund, dass ein Arbeiter, der niemals in den Genuß eines Studiens kam, den Studenten finanzieren musste.

    Ein Sozialtransfer für schlechtergestellte Studenten muss später erfolgen, nicht dadurch, dass das Studium kostenfrei ist.

    “Keine Studiengebühren” sind wie Theater eine Subvention von unten nach oben.

  6. bommel sagt:

    @ Surp

    Warum so umständlich ?

    Warum nicht gleich so: Studiengebühren müssen erst ab einem bestimmten Schwellenwert des Haushaltseinkommens gezahlt werden. Kein Transfer, kein Aufwand.

  7. Surp sagt:

    @ Bommel

    ich persönlich würde eher ein BGE bevorzugen, dann kann jeder selbst entscheiden, ob er in seine Bildung investieren möchte, um für sich ein höheres Erwerbseinkommen zu ermöglichen.

    Ihr System benachteiligt immernoch den Facharbeiter, der nicht studiert. Außer die Hochschulen wären durch die Gebühren selbsttragend, das ist sehr unwahrscheinlich, da die Gebühren atsronomsiche Höhen erreichen würden vorallem in Fächern wie Medizin etc..

  8. [...] Kindergarten und Volksschule an, wo der Grundstein für die spätere Bildungskarriere gelegt wird, wie Fredebeul-Krein meint: Wem es also wirklich um mehr soziale Gerechtigkeit geht, der sollte mehr in die frühkindliche [...]

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Der Autor:

Prof. Dr. Markus Fredebeul-Krein

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