Unbezahlbare Rente
Der Ex-Arbeitsminister Franz Müntefering war es, der gegen den Widerstand seiner eigenen Parteimitglieder die Rente mit 67 im Jahr 2006 durchsetzte. Ein Jahr darauf trat das Gesetz in Kraft. Die Begründung damals: Die Rentenbezugsdauer steige immer weiter an, denn die Deutschen werden immer älter. Eine nachhaltige Finanzierung der Rentenkasse sei nicht mehr gewährleistet. Doch durch die Anpassung des Renteneintrittsalters auf 67, kombiniert mit der Einführung des Nachhaltigkeitsfaktors aus dem Jahr 2005 schienen die Verheißungen des ehemaligen Arbeitsministers Blüm „die Rente ist sicher“ das erste Mal seit langer Zeit der Realität wenigstens etwas näher.
Heute, zu Zeiten der Finanzkrise, scheint dies jedoch alles vergessen. Die Rentner erfahren durch Manipulationen an der Rentenformel ungerechtfertigt die größte Rentensteigerung seit 15 Jahren, während die Beitragszahler mit Kurzarbeit und Reallohnverlusten kämpfen. Durch das Aussetzen der Riester-Treppe aus dem vergangenen Jahr steigt der Renten-Beitragssatz auf die schwindelerregende Höhe von 21,1 Prozent im Jahr 2011. Darüber hinaus wird jetzt noch die Rente mit 67 ins Visier genommen. Das Argument: infolge der Rezession drohe die Arbeitslosigkeit zu steigen – um dem entgegenzuwirken sollen alte Arbeitnehmer Platz für junge machen.
Die Argumente von 2006 scheinen im Wahlkampf 2009 vergessen worden zu sein. Dabei lehrt die Erfahrung, dass die frühere Ausmusterung älterer Arbeitnehmer die Beschäftigungschancen der jüngeren nicht verbessert. Das Gegenteil ist sogar der Fall. Höhere Sozialabgaben erhöhen die Arbeitskosten und veranlassen Unternehmen stärker als bisher, Jobs abzubauen. Die zukünftigen Beitrags- und Steuerzahler werden durch den demografischen Wandel ohnehin schon so stark belastet, wie keine Generation vor ihnen. Die frühzeitige „Ausmusterung“ älterer Arbeitnehmer war ökonomisch noch nie sinnvoll. Zukünftig wird es unbezahlbar sein.
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Sehr geehrter Herr Dr. Knipping, 21,1 % Beitragssatz um Beiträge in ein nachgewiesen sicheres Rentensystem zu zahlen sind wahrlich “schwindelerregend”. Nehmen sie die 19%, die wir jetzt haben und zählen sie 4%, die wir Ihnen, dieser Organisation und ihrem Kollegen und Versicherungsvertreter Raffelhüschen zu verdanken haben, und die man für Riester aufbringen soll dazu, dann sind sie bei noch schwindelerregenderen 23%, von denen der größere Teil privat zu tragen ist. Die Arbeitgeber stehlen sich so aus der Verantwortung. Kein Unternehmen wird wegen Sozialabgaben Stellen abbauen. Das ist schlicht falsch. Also unterlassen Sie es, solche Nebelkerzen zu werfen! Wohin diese angebotsorientierte Wirtschaftspolitik der vergangenen 20 Jahre führt sehen wir doch. Lohnnebenkosten senken und wir haben mehr Arbeitsplätze. Und ? Nichts hat es gebracht. Es kann also etwas nicht stimmen an ihrer Propaganda. Einzig und allein die Unternehmensgewinne sind gestiegen, sonst nichts. Mehr Vollzeiterbeitsplätze haben wir deshalb nicht. Ergo wurden wir die letzten 20 Jahre belogen.
Es ist leider nicht möglich, eine umlagenfinanzierte Rente gegen die Gesetze der Mathematik zu machen. Falls kein ständiges Wachstum das Schneeballsystem auf Dauer am Leben erhält, dann funktioniert es auf lange Sicht nicht. Soziales Wunschdenken ersetzt die fehlenden Umlagen, die fehlenden Beiträge, leider nicht. Der Gegenmeinung muss man allerdings einräumen, dass die richtig geburtenstarken Jahrgänge erst ab circa 2018 in Rente gehen (wollen) und das ist – wie schon Adenauer zu sagen pflegte – erst nach der Wahl. Bereits jetzt funktioniert unser Sozialsystem rechnerisch nur noch mit dem Trick, dass die Beiträge drei Bankarbeitstage vor Monatsende abgeführt und eingezahlt werden müssen, damit am nächsten ersten das Geld da ist… Wir stehen am Abgrund, aber bald schon sind wir einen Schritt weiter.
@KPD
Bei der umlagefinanzierten Rente von einem Schneeballsystem zu sprechen,deutet auf einen gehörigen Realitätsverlust hin.