Unsozialer Wohlfahrtsstaat
Der Sozialstaat hat in den vergangenen Dekaden tüchtig zugelegt. Lag der Anteil der im Sozialbudget erfassten Leistungen in den sechziger Jahren noch unter der 25-Prozent-Marke, kletterte er in den Siebzigern auf fast 30. Der Höhepunkt wurde im Jahr 2003 erreicht. Zu dieser Zeit gab der Staat mit 32,3 Prozent fast ein Drittel der jährlichen Wirtschaftsleistung für die soziale Sicherung aus. Ob Krankenversicherung, Rente, Kindergeld, Hilfe zur Erziehung, Seniorenarbeit und so weiter und so fort. Es gibt fast keinen Bereich, in dem sich nicht auch der Staat „sozial“ engagiert. Jeder wollte immer mehr vom Kuchen abhaben: Pro Einwohner stiegen die Sozialausgaben inflationsbereinigt von etwa 2.200 Euro im Jahr 1960 auf 7.477 Euro im Jahr 1990 und sogar auf über 9.000 Euro im Rekordjahr 2003. Erst mit der Agenda 2010 und in den Wachstumsjahren 2007 und 2008 kam es wieder zu einem Rückgang. Das war auch notwendig: Denn durch einen zu fetten Staat und durch übertriebene staatliche Führsorge gehen wichtige Anreizstrukturen verloren. Dabei warnte schon der Gründer der Sozialen Marktwirtschaft, Ludwig Erhard, vor der Gefahr eines Versorgungsstaates: „Nichts ist (…) in der Regel unsozialer als der so genannte „Wohlfahrtsstaat“, der die menschliche Verantwortung erschlaffen und die individuelle Leistung absinken lässt.“
Jeden Montag oder Dienstag werden im ÖkonomenBlog Beiträge aus der Reihe „Wohlstands-Bilanz-Deutschland“ veröffentlicht, mit denen die 60-jährige Erfolgsgeschichte der Sozialen Marktwirtschaft nachgezeichnet und auf neue Herausforderungen hingewiesen wird. Eine umfassende Übersicht über Wohlstands-Parameter wie Einkommen, Vermögen, Lebensqualität und Bildungschancen finden Sie auf der Internetseite http://www.wohlstandsbilanz-deutschland.de/
| Tweet |


Okay: Durch zu hohe Sozialleistungen gehen Anreize zur Arbeit verloren. Aber die Steigerung der Sozialausgaben liegt doch wohl vor allem daran, dass es einfach mehr Menschen gibt, die Hilfen benötigen. Was wir hier beobachten ist doch keine um sich greifende Kollektivfaulheit, sondern ein, durch einen gesellschaftlichen Strukturwandel hervorgerufener, gesellschaftlicher Wandel, der mit sich bringt, dass Menschen mit den “falschen” beruflichen Qualifikationen keinen Weg mehr in den Arbeitsmarkt finden. Diesen Menschen muss in einem modernen Sozialstaat geholfen werden. Da sollte auch die INSM nicht jammern, dass der Sozialstaat immer teurer wird, sondern noch konsequenter dafür eintreten, dass es mehr und bessere (Weiter)Bildungsangebote gibt, die neue Qualifikationen verschaffen und eine rasche Rückkehr in den ersten Arbeitsmarkt ermöglichen.
Diese Wohlstandsbilanz-Deutschland ist mir ein bisschen zu viel Hurra-Geschrei. Klar, wir leben heute besser als jemals zuvor. Aber jedes Gesamtbild hat dunkle Flecken. Wie wäre es, wenn die ÖkonomenBlog-Autoren auch da mal den Finger drauf legen?
Warum war der beginnende Abbau des Sozialstaates, mit der Agenda 2010 notwendig?
Wir leben in einer der reichsten Gesellschaften der Welt, klar dass alle mehr vom erwirtschafteten Kuchen abhaben wollen, auch die Sozialschwachen.
Schliesslich wird der Kuchen ja auch immer größer, trotz sinkender Bevölkerung.
Das beantwortet auch die Frage, nach der Finanzierbarkeit der Sozialsysteme.
Leistungsanreize, die in unsere Gesellschaft nach meiner Meinung, auch vor der Agenda 2010 groß genug waren, sollen dadurch garntiert werden, dass die Arbeitnehmer mehr Einkommen haben, aber nicht durch mehr Netto vom Brutto, sondern durch gute Lohnzuwächse.
Wenn ich sehe dass im letzten Aufschwung, die Reallöhne nur um 1% gestiegen sind und Managergehälter um 50%, dann frage ich mich, in was für einer Gesellschaft wir mitlerweile leben.
Der Abbau der Sozialsysteme, kommt eh nur dem deutschen Unternehmertum und der privaten Versicherungswirtschaft zu gute.
Die Arbeitnehmer haben dadurch kaum Einkommenszuwächse und verlieren im Fall der Arbeitslosigkeit, sozialen Schutz und die Ärmsten werden noch ärmer.
Ludwig Erhard hat zwar vor dem Versorgungsstaat gewarnt, er hat aber nicht gesagt, die soziale Marktwirtschaft, in einen Amerikanischen radikal Kapitalismus umzuwandeln, wie es der INSM vorschwebt.
Ich stimme Adkib absolut zu. Was er allerdings vergessen hat ist zu erwähnen, dass mit Hilfe der sozialen Sicherungssystem ein Teil der deutschen Einheit Quersubventioniert wurde. Bevor man über Anreize und Faulheit redet sollte man lieber mal schauen welche Fremdleistungen über diese Systeme erbracht werden müssen.
“wichtige Anreizstrukturen gehen verloren”?
Das wären welche genau?
Durch die genannten Sozialleistungen, etwa “Hilfe zur Erziehung, Seniorenarbeit und so weiter und so fort” werden wichtige Anreizstrukturen geschaffen.
Warum genau sind diese das investierte Geld nicht wert?
Anreize: Der Mensch ist eine Amöbe oder ein Pawlowscher Hund.
Welche Anreize hat denn Herr Feist, seine dargestellten Daten so zu deuten, statt mal zu hinterfragen, welche anderen Deutungsmöglichkeiten es auch noch gibt?
Wer hängt denn die Möhren für welche Esel in welche Richtung? Wir tun so, als gäbe es eine Elite von Möhrenhängern und eine Masse von Eseln. Jeder möchte natürlich zu ersteren gehören.
Nebenbei gesagt, ist die Kontraproduktivität von Anreizsystemen bei Unternehmensberatern schon empirisch erwiesen. Hier wird sie noch als probates Mittel verkauft.