Armut ???
„Zahl der Armut wächst rasant“, lautete am Mittwoch eine Meldung der Online-Ausgabe des Spiegels. In Deutschland soll es laut einer DIW-Studie 11 Millionen arme Menschen geben. Unweigerlich erscheinen im inneren Auge Bilder von Massenelend und Verwahrlosung – und das mitten in unserer (Wohlstands-) Gesellschaft. Wie kann das sein, fragt sich der betroffene Bürger. Immerhin leben wir in einem der reichsten Länder der Welt.
Ein Blick auf die Studie relativiert die reißerische Aussage deutlich. Auch eine Zwischenüberschrift bringt die Wahrheit auf den Punkt: „Weiterhin hohes Armutsrisiko in Deutschland“. Aus dem „Risiko“ lassen die Medien am Ende nur die „Armut“ stehen. Ein kleiner, aber erheblicher Unterschied. Denn: Armutsgefährdet in Deutschland ist, laut OECD-Definition, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung hat. In Zahlen ausgedrückt entspricht das einem Betrag von 925 Euro für einen Single. Bei einem Ehepaar mit zwei Kindern sind es 1.943 Euro. Das ist nicht üppig, aber ein Leben fernab von Elend und Verwahrlosung ist damit möglich.
Das Armutsrisiko und die damit verbundene Abstiegsangst in der Mittelschicht sind wichtige Themen. Hieran muss die Politik arbeiten. Reißerische und fehlleitende Überschriften lenken von den echten Herausforderungen unserer Gesellschaft nur ab.
Tags: Armut, Einkommen, Gesellschaft, Kultur, Reichtum


Am 19. Februar 2010 um 15:25 Uhr
“fehlleitende Überschriften lenken von den echten Herausforderungen unserer Gesellschaft nur ab”
Aber ist die Verringerung des Armutsrisiko in der o.g. Definition nicht eine ‘echte Herausforderungen unserer Gesellschaft’ !?
Am 19. Februar 2010 um 16:06 Uhr
“Reißerische und fehlleitende Überschriften lenken von den echten Herausforderungen unserer Gesellschaft nur ab.”
Lächerlich! Eine Lobbyorganisation kritisiert reißerische Aussagen.
Im Übrigen:
Was hat die Kernaussage der Studie (”Von 1998 bis 2008 ist das Armutsrisiko der Gesamtbevölkerung und insbesondere der Kinder und jungen Erwachsenen – darunter viele Alleinerziehende – stark gestiegen”) mit den von ihnen (kompromittierend) vorgetragenen nominalen Armutsschwellen zu tun ?
Nichts ! Man könnte ebensogut die Anzahl der in 2008 verkauften Äpfel mit der Absatzentwicklung von Birnen in den Jahren 1998 bis 2008 vergleichen.
Am 19. Februar 2010 um 17:23 Uhr
@ bommel: die Kritik am Blog-Beitrag geht am Inhalt völlig vorbei. Frau Döttling arumentiert auf Grundlage der vorhandenen Daten. Außerdem: was soll den “lächerlich” sein? Die INSM verfolgt das Ziel, die Prinzipien der Sozialen Marktwirtschaft zu stärken: Freiheit, Eigentum, Wettbewerb, Haftung und sozialer Ausgleich. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Am 19. Februar 2010 um 17:49 Uhr
ich frage mich eigentlich täglich, warum ich dieses Blog verfolge … es schien mir immer gut zu wissen, wie das Denken in Kategorien ökonomischer Unvernunft funktioniert.
Ich wünsche mir etwas mehr konzeptionelle Klarheit. Nur ein bisschen. Z.B. gibt es einen enormen, geradezu abgründigen Unterschied zwischen Armut und Elend. Ein Leben in Armut und Würde ist möglich, ein Leben ein Elend ist unwürdig.
Reißerisch sind die Beiträge hier.
Am 19. Februar 2010 um 19:44 Uhr
“An die Stelle der marxistischen Irrlehre von der Ausbeutung und dem Mehrwert ist nun neue nationalökonomische Einsicht getreten, die von der allergrößten Wichtigkeit ist, nämlich die Einsicht, dass der Lohn für den Unternehmer nicht nur ein Kostenbestandteil ist, sondern zugleich die Kaufkraft darstellt, mit der seine eigenen Produkte gekauft werden. Wenn man das weiß, ergibt sich eine vollkommen andere Perspektive für die Lohnpolitik. Unter dem alten Klassenkampfgesichtspunkt war es so, dass für die Unternehmer der Lohn nicht niedrig genug und für die Arbeiter nicht hoch genug sein könnte: zwei diametral entgegen gesetzte, unversöhnliche Standpunkte, eine ausgesprochene Klassenkampfsituation! Wenn man aber den anderen Gesichtspunkt zugrunde legt, so steht es ganz anders; dann gibt es ein Lohnoptimum, das sowohl für den Arbeiter wie für den Unternehmer das Erstrebenswerte darstellt.”
-Alexander Rüstow
Rüstows Godesberger Referat vom Januar 1959:
Alexander Rüstow zur Lohnpolitik
“… So wollte ich jeden Zweifel beseitigt wissen, daß ich die Verwirklichung einer Wirtschaftsverfassung anstrebe, die immer weitere und breitere Schichten unseres Volkes zu Wohlstand zu führen vermag. Am Ausgangspunkt stand da der Wunsch, über eine breitgeschichtete Massenkaufkraft die alte konservative soziale Struktur endgültig zu überwinden.
Diese überkommene Hierarchie war auf der einen Seite durch eine dünne Oberschicht, welche sich jeden Konsum leisten konnte, wie andererseits durch eine quantitativ sehr breite Unterschicht mit unzureichender Kaufkraft gekennzeichnet. Die Neugestaltung unserer Wirtschaftsordnung musste also die Voraussetzungen dafür schaffen, daß dieser einer fortschrittlichen Entwicklung entgegenstehende Zustand und damit zugleich auch endlich das Ressentiment zwischen ‘arm’ und ‘reich’ überwunden werden konnten. Ich habe keinerlei Anlaß, weder die materielle noch die sittliche Grundlage meiner Bemühungen mittlerweile zu verleugnen. Sie bestimmt heute wie damals mein Denken und Handeln.”
-Ludwig Erhard
Wohlstand für alle S.7
Der Blog ist offenbar hinter Erhard und Rüstow zurückgefallen!
Wenn man nach rechts schaut, dann findet man so Links wie Cafe Hayek!
Bereits Rüstow meinte über Hayek und seinen Lehrer Mises, daß sie in Spiritus eigesetzt ins Museum gehören und machte die Art von Liberale für die erste große Wirtschaftskrise verantwortlich.
Armut ist schlecht für die Kaufkraft! Ohne ausreichend zahlungskräftige Kunden in der Breite lohnt sich das Unternehmertum nicht!
Ich hoffe der letzte Satz löst bei der INSM ein Umdenken aus!
In freudiger Erwartung verbleibe ich…
Am 19. Februar 2010 um 21:04 Uhr
Finde dieses Dumme gequassel von der Armut Langsam Nervig.
Meiner Meinung ist es alles Hausgemacht. In anderen Ländern klappt es ausgezeichnet mit Mindestlöhnen, nur bei uns tut man sich schwer damit, was auch mit an unserer Industrielobby liegt. Dabei Sahnen die kräftig ab. Ich Arbeite zur Zeit als Zeitarbeiter und verdiene bei einer 40 Stundenwoche sagenhafte 735 € Brutto
Damals hab ich in einer Tischlerei gearbeitet und ca. 11,00€ Brutto verdient. In der gleichen Tischlerei bekommt ein Geselle nur noch 8,-€ Brutto. Die Firma hat massig Geld in neue Maschinen investiert und stetig Personal reduziert. Damals waren dort zwischen 16 -20 Läute beschäftigt, heute sind es gerade noch 2 Feste und 2 Zeitarbeiter. Aber was will man hier in Deutschland noch erwarten bei einer Politischen Einstellung wie wir sie hier haben. Wo der Bürger nur noch gefragt ist wenn Wahlen sind, ansonsten nur eine Nummer in irgendwelchen Akten beim Fiskus. Wenn ich dann noch unseren Schwulwen Aussenminister höre wie er über Harz 4 Empfänger herzieht,(ich bin auch einer) reicht es mir
Am 19. Februar 2010 um 21:47 Uhr
@ M.Feist
“die Kritik am Blog-Beitrag geht am Inhalt völlig vorbei. Frau Döttling arumentiert auf Grundlage der vorhandenen Daten. ”
Aha. Nur ist das Einzige, was bei dem Beitrag rüberkommt, dass die Grenze der Armutsgefährdung ja eigentlich gar nicht so niedrig ist. Dazu kann man stehen wie man will, not my cup of tea.
Aber die Studie beschäftigt sich NICHT mit dem Ausloten einer sinnvollen Definition der Grenze zur Armutsgefährdung, sondern sie sagt ganz klipp und klar aus, dass im Zeitraum zwischen 1998 und 2008 das Armutsrisiko der Gesamtbevölkerung stark angestiegen ist. Sie bildet also einen zeitlichen Verlauf ab, der einfach UNABHÄNGIG von der Skala (Definition des Armutsrisikos) besteht. Wenn also die Definition auf 40% des Medianeinkommens netto lautete, würde sich die Verlaufsfunktion NICHT ändern (lediglich deren Skala).
” Die INSM verfolgt das Ziel, die Prinzipien der Sozialen Marktwirtschaft zu stärken: Freiheit, Eigentum, Wettbewerb, Haftung und sozialer Ausgleich. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.”
Amen.
Am 19. Februar 2010 um 22:04 Uhr
@ bommel
das ist schon richtig. nur mit der angewandten Skala, ist das Ergebnis vorprogrammiert. Denn: Verdoppeln wir von heute auf morgen alle Einkommen, sind die als “armutsgefährdet” eingestuften, immer noch “armutsgefährdet”. Um es kurz zu fassen: die Definition von Armut der EU ist Unsinn.
Am 20. Februar 2010 um 02:13 Uhr
@ M.Feist
“Verdoppeln wir von heute auf morgen alle Einkommen, sind die als “armutsgefährdet” eingestuften, immer noch “armutsgefährdet”. Um es kurz zu fassen: die Definition von Armut der EU ist Unsinn.”
Sie haben zwar insoweit recht, dass die relative Armutsdefinition skaleninvariant ist, aber unsinnig ist sie deshalb nicht. Was denken Sie, passiert in einer Volkswirtschaft, in der “von heute auf morgen alle Einkommen” verdoppelt werden ?
Es fängt mit I an, so als Tipp.
Am 20. Februar 2010 um 13:04 Uhr
@M.Feist
Das stimmt ja auch. Denn werden die Einkommen verdoppelt bei gleicher reeller Güterzahl, verdoppeln sich wohl auch die Preise. Im übrigen sind 60% des Medianeinkommens und nicht des mittleren der interessante Wert.
http://www.boeckler-boxen.de/2813.htm
Somit ist der Artikel unsauber.
Am 20. Februar 2010 um 17:53 Uhr
@ M.Feist
Der Spruch mit dem verdoppeln wir alle Einkommen ist schon dreist manipulativ!
Verändern wir die Partizipation am wachsenden Kuchen so, daß die breite Masse wieder mehr beteiligt wird! So wie es momentan aussieht, brauchen wir auch eindeutig einen Mindestlohn!
Die Definition der EU von Armut der hat eine Bezugsgröße, nämlich die entsprechende Volkswirtschaft, dies ist auch richtig so! Will die INSM Löhne wie in Bangladesch? Sollen die Leute bei uns auf der Straße (Schlammpiste) nach der Arbeit verhungern?
Übrigens, Bangladesch blüht nicht!
Am 9. März 2010 um 08:08 Uhr
Vorab: Schade dass hier in der Diskussion hauptsächlich polemisiert und wenig aufeinander eingegangen wird.
Die relative Armutsdefinition der EU ist in der Tat fragwürdig. Das zeigt das Beispiel von einer hypothetischen Verdoppelung des Einkommens, womit natürlich Realeinkommen gemeint sind und keine bloße Inflation. Es gäbe dann nach EU-Definition immer noch genauso viele Arme und Armutsgefährdete, und das kann ja wohl nicht sinnvoll sein. Der 60%-Indikator sagt darum nur über die relative Wohlstandsverteilung in der Gesellschaft etwas aus, aber nichts über Armut in dem Sinn, wie das Wort allgemein verstanden wird. Darin liegt die Manipulationsgefahr solcher Berichte.
Am 25. April 2010 um 17:55 Uhr
die Leute in Deutschland sind eifach verwöhnt. Schaut mal in andere länder, wie die Leute da leben. Man muss lernen mit wenigen auskommen.