23. Juli 2009

Lohnkürzung oder Entlassung

Je höher das Ausmass der Lohnstarrheit ist, um so höher ist die ArbeitslosenwuoteVon Max A. Höfer

Theoretisch hat ein Unternehmen zwei Möglichkeiten, in der Rezession auf harsche Auftragseinbrüche zu reagieren. Es kann Teile der Belegschaft entlassen oder die Löhne für alle solidarisch kürzen. In der Praxis sind Entlassungen weitaus üblicher als Lohnkürzungen. Warum das so ist, haben jetzt Schweizer Forscher ermittelt: Ausgerechnet dort, wo es starke Gewerkschaften und Mindestlöhne gibt, kommen solidarische Lohnkürzungen nicht vor. Doch auch die Lohnsysteme der Firmen sind so gestaltet, dass die Lohnflexibilität eingeschränkt ist. Ausschlaggebend sind jedoch selbst auferlegten Fainessnormen: Lohnkürzungen verletzen den psychologischen Vertrag zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Lieber entlässt man und verärgert so einen Teil der Belegschaft – der dann ja aber nicht mehr in der Firma arbeitet – als dass man alle Löhne kürzt und so die gesamte Belegschaft demotiviert.


Zur Grafik: Die Löhne der Belegschaften werden in Krisenzeiten nur in den seltensten Fällen nach unten angepasst. Dabei gibt es einen eindeutigen Zusammenhang zwischen dem Ausmaß der Lohnstarrheit und der Arbeitslosenquote. Je höher die gemessene Lohnstarrheit ausfällt, umso höher ist auch die Arbeitslosenquote.

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5 Reaktionen zu “Lohnkürzung oder Entlassung”

  1. Dr. Harald Wozniewski

    Der Artikel belegt einmal mehr, dass es auf betrieblicher Ebene keine Heilung der volks- und weltwirtschaftlichen Erkrankung geben kann. Obwohl die Volkswirtschaften im Geld schwimmen – nie gab es so viel Geld wie heute – sind sie so krank wie seit den 1920er und 1930er Jahren nicht mehr.

    Mehr dazu in “Die Weltwirtschaftskrise verstehen und ihr begegnen” auf unserer Internetseite.

  2. Wundertüte

    Man kann aber auch in guten Zeiten aus Maximalgewinnen zurücklegen und schlechte Zeiten überbrücken. Ein Gutes Beispiel sind die Aluminium-Werke Unna.
    Die haben aber auch eine Mitarbeitebeteiligung. Ob das der INSM recht ist, weiß ich nicht.
    Allerdings weist die neoklassische Theorie und Sichtweise in sich viele Fehler auf.
    Es wäre begrüßenswert wenn die wirtschaftsliberale Lobbyorganisation INSM makroökonomische Aspekte hinzunehmen würde.
    Der Ökonom Heiner Flassbeck wäre eine Anregung.

  3. Lada

    Warum genau Entlassungen jetzt üblicher sind als Kurzarbeit ist mir aus dem kleinen Artikel nicht ersichtlich geworden. Einen Zusammenhang zwischen Gewerkschaften/Mindestlohn und Entlassung stellt ja noch kein Ursache-Wirkungs-Prinzip dar.
    Zudem ist über die Grafik dieser Zusammenhang gar nicht belegt. Das Lohnrigiditäten vielfältigere Ursachen haben können, als nur Gewerkschaften, sollte auch jedem klar sein. Was war denn an dem Jahr 2005 so Krisenhaft, dass man diese Daten gleich auf heute (und auf Deutschland) übertragen kann?
    Interessant ist auch, das der folgende Beitrag “Steuern: Ein Punkt runter reicht nicht” eine stärkere Binnennachfrage fordert – sind Sie denn der Meinung, das kann gelingen, wenn man die Leute in Kurzarbeit oder Entlassung schickt?

  4. Wundertüte

    Die aktuellen Daten zeigen, daß es noch zu einer Entlassungswelle kommen wird. Große Teile der Politik haben den Bürgern verschwiegen, daß Arbeitlosigkeit ein nachlaufender Indikator ist. Das dicke Ende kommt nach der Wahl, aus politischer Sicht mögen manche darüber glücklich sein, aus volkswirtschaftlicher Sicht ist es ein Drama.
    Wir müssen verhindern, daß daraus eine Spirale nach unten wird und sich Probleme selbst nach einem sich Fangen der Wirtschaft verfestigen.

  5. Frank Plechinger

    Wieder argumentiert die INSM betriebswirtschaftlich auf ein volkswirtschaftliches Problem. Die Kürzungen bei den Löhnen sind Mindereinnahmen der anderen Firmen. Diese können wenn überhaupt nur mit Niedrigpreisen ihre Produkte und Dienstleistungen verkaufen.

    Das ist ein Problem für ein Land, dessen Stärke eigentlich Qualtitätsarbeit ist. Massenproduktion können Schwellenländer besser.

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