INSM – ÖkonomenBlog, Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) Welche Reformen braucht unser Land? Wie erreichen wir mehr Wachstum und Beschäftigung? Experten geben Antworten – diskutieren Sie mit!

 

Mehr Bildung wagen

Ausgaben für Bildung und Forschung sind nur der siebgrößte Ausgabeposten im Bundeshaushalt 2010

Heute wird die Tigerente ein Etappenziel wohl erreichen: Dann steht der Koalitionsvertrag und am Mittwoch geht das neue Kabinett an die Arbeit. Auf ein Motto, ein Leitmotiv haben sich die schwarz-gelben Partner aber bis heute nicht geeinigt. Ich schlage eins vor: Mehr Bildung wagen.

Sicher: Auch andere schwere Aufgaben werden in dieser Legislaturperiode zu lösen sein. Die Bankenkrise ist noch nicht überwunden, das Staatsdefizit muss reduziert und die sozialen Sicherungssysteme in Ordnung gebracht werden. Als übergeordnete Dachmarke eignen sich diese Aufgaben aber nicht. Ist die akute Krise erst einmal überwunden, wird sich der Wettbewerbsdruck durch die voranschreitende Globalisierung weiter verschärfen. Und das trifft nicht nur die Unternehmen, sondern jeden Einzelnen. Immer weniger Menschen werden im verarbeitenden Gewerbe ihre berufliche Zukunft finden. Immer gefragter werden hochqualifizierte Ingenieure und Naturwissenschaftler in Forschung und Entwicklung, gute Fachkräfte für moderne Dienstleistungen. Dieser Strukturwandel wird von uns allen eine enorme Anpassungs- und Entwicklungsbereitschaft abverlangen.

In der Vergangenheit hat Deutschland sehr von seinen Fachkräften profitiert. Auf Dauer werden wir unser Wohlstandsniveau allerdings nur halten können, wenn wir unsere Anstrengungen in Bildung und Innovation deutlich erhöhen. Jeder Einzelne – und auch der Staat. Die Ausgaben des Bundes für Bildung und Forschung sind viel zu gering. Von dem Gesamtetat 2010 (327,7 Milliarden Euro) sollen gerade einmal 10,3 Milliarden in Zukunft investiert werden. Lediglich Platz sieben unter allen Ausgabeposten. Momentan gibt Deutschland viermal so viel Geld für die Schuldentilgung aus als für Bildung und Forschung! Das muss sich ändern. Und zwar schnell. Offenbar ist die neue Koalition dazu bereit, bis zum Jahre 2013 etwa 12 Milliarden Euro zusätzlich zu investieren. Steigen sollen auch die Ausgaben für ein neues Stipendienprogramm, nochmals plus 450 Millionen Euro. Das sind gute Signale. Zum Megathema macht man die Bildung aber erst dann, wenn man es sich zum Leitmotiv für die gesamte Regierungszeit macht. Dann wären wir zwar noch immer nicht am Ziel, aber auf einem guten Weg.


Nachholbedarf besteht auch beim Thema Innovation: Deutschland liegt als Forschungsstandort nur im internationalen Mittelfeld. Gestern veröffentlichte das DIW den “Innovationsindikator 2009″. Hier kommt Deutschland nur noch auf Rang 9 der 17 führenden Industrienationen.

2 Kommentare zu “Mehr Bildung wagen”

  1. Anke Herrmann sagt:

    Früher einmal galt unser Volk als das der “Dichter und Denker”. Heute können nicht einmal mehr Abiturienten fehlerfrei schreiben. Das haben wir einer rigiden Sparpolitik und einer fatalen Ablehnung aller Intellektualität durch einen sozialdemokratischen ehemaligen Kanzler zu verdanken. Ich hoffe, dass die o.g. Signale nicht nur Signale bleiben! Unser Land hat wertvolle Zeit und Kraft verschenkt. Vielleicht sollten die “da oben” auch einfach mal mehr auf die “da unten” hören. Wenn eine zukünftige Bildungspolitik erfolgreich sein soll, dann sollte man doch erst einmal die anhören, die täglich mit all den Problemen dieses Bereiches zu tun haben, also mit Lehrern, Erziehern, Sozialpädagogen…Nur wenn sich die Politik in die Ebene begibt, werden zusätzliche geplante Investitionen auch Sinn machen. Wenn nicht, dann werden auch sie versickern, wie viele andere vorher auch…

  2. ramin sagt:

    Diese neuen Stipendien finde ich merkwürdig. Einserseits erhebt man Studiengebühren für alle, andererseits fördert man dann mit Stipendien einige davon. Wozu dient diese “Umverteilung”? Ich habe bisher nicht gesehen, dass Stipendien wirklich objektiv nach fairen Gesichtspunkten vergeben wurden.

Kommentieren Sie den Beitrag

Der Autor:

Dominique Döttling

ist geschäftsführende Gesellschafterin der Döttling & Partner Beratungsgesellschaft mbH, Uhingen und Mainz.

Alle Beiträge von