29. September 2009

Reallöhne wachsen

Von Max Höfer

Im Lohnvergleich liegt Deutschland hinten. Diesen (Kurz)schluss legte ein EU-Bericht zur europäischen Einkommensverteilung nahe: Im Zeitraum 2007 zu 2008 seien die Reallöhne in Deutschland nur um 0,1 Prozent gestiegen, im Durchschnitt aller EU-Staaten aber um 1,3 Prozent. Grund zum Jammern? Nein, denn beim Vergleich der 27 EU Staaten ist doch klar, dass das Hochlohnland Deutschland mit dem Wachstumstempo in Osteuropa nicht mithalten kann. Litauen, Rumänien oder Estland starteten nach dem Untergang des Sozialismus von einem äußerst geringen Lohnniveau – und haben immer noch viel aufzuholen. Die Löhne konnten dort in den letzten Jahren vergleichsweise stark steigen. Diese positive Entwicklung hebt den Durchschnitt aller EU-Staaten nach oben. Deutschlands Lohnanstieg kann dagegen gar nicht anders als unterdurchschnittlich ausfallen.

Vergleicht man den deutschen Lohnanstieg  sinnvoller Weise mit den Euroländern, ergibt sich ein ganz anderes Bild: Der durchschnittliche Reallohnanstieg in der Eurozone liegt bei -0,1 Prozent und Deutschland mit plus 0,1 darüber. Zwar können die Beschäftigten damit keine großen Sprünge machen – ein Schlusslicht sieht aber anders aus.

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2 Reaktionen zu “Reallöhne wachsen”

  1. chriwi

    Werter Herr Höfer,

    eine schlechtere Argumentationsstruktur habe ich selten erlebt. Fangen wir mit den Osteuropäern an. Ein Großteil des Wachstums wurde durch den Finanzmarkt virtuell generiert. Heißt also die Einkommen sind auf breiter Ebene nicht ganz so deutlich gestiegen und jetzt in der Finanzkrise sieht es übel aus.

    Zu Deutschland kann ich Ihnen einiges mehr sagen. Wenn sie wirklich sriös analysieren wollten, würden sie sich nicht nur ein Jahr herauspicken in dem ihre Argumente gestützt werden. Der zweite Punkt ist, dass vor dem Hintergrund der vorher gesunkenen Löhne ein Anstieg um 0.1% ein Witz ist. Dem irgendetwas positives Abzugewinnen, weil die anderen noch schlechter sind, naja es wird sich immer jemand finden.
    Ihre alles halb so schlimm These wird auch noch relativiert, wenn man sich einfach mal ausrechnet wie viel mehr das an Brutto bedeutet.

    6*40*4*0.01=9.6Euro mehr im Monat für einen Niedriglohnjob.

  2. hoefer

    @ chriwi
    1. Wohl niemand wird leugnen, dass seit der Wende 1990 die Osteuropäer schneller wachsen als die entwickelten EU-Länder. Da sie auf einer sehr niedrigen Basis starteten – übrigens weil sie zuvor von einer Staatswirtschaft in den Ruin gewirtschaftet wurden -, ist dieses höhere Wachstum auch zu erwarten. Die Finanzmärkte haben die Wirtschaft überall angetrieben, am meisten die entwickelte USA, nicht das osteurpäische Moldawien… Länder wie die Ukraine leiden jetzt, weil sich diese Staaten so stark VERSCHULDET haben – was nichts mit der Finanzkrise, sondern mit unsolider Finanzgebarung des Staates zu tun hat. Je solider ein Staat war (Polen), desto besser liegt er in der Krise, je schlechter er haushaltete(Ungarn), desto härter trifft ihn die Krise. Die Lehre aus der Krise: Haushalte sanieren! Um vorbereitet zu sein.
    2. Nicht ich habe den Zeitraum 2007 bis 2008 gewählt, sondern der EU Bericht. Mir ging es darum, einen falschen Eindruck zu korrigieren: Deutschland ist nicht Schlusslicht. UND 0, 1 % ist nicht viel, darauf wies ich hin, aber es ist eben auch kein Rückgang.

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