3. November 2009

Schlechte Ertragslage überwinden

Während die Arbeitseinkommen im Jahr 2009 etwa um ein Prozent sinken werden, dürften die Unternehmens- und Vermögenseinkommen um etwa 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr abnehmen. Von Prof. Dr. Michael Hüther

Man lernt nie aus – insoweit helfen uns die Erfahrungen aus der Großen Depression vor 80 Jahren heute sehr viel weiter. Im Umgang mit der aktuellen Finanzkrise wurden einige Fehler nicht wiederholt. Bei der Geld- und Finanzpolitik haben Politik und Notenbanken richtig reagiert und eine prozyklische Verschärfung der Krise vermieden.

Noch aber sind wir nicht über dem Berg. Drei ökonomische Stellschrauben sind bis heute nicht optimal gestellt und erweisen sich eindeutig als Risikofaktoren für die weitere Entwicklung. Neben einer Klemme bei der Kreditversorgung der Unternehmen sowie einem globalen Rückfall in den Protektionismus drückt vor allem die schlechte Ertragslage der Unternehmen. Während die Arbeitseinkommen im Jahr 2009 etwa um ein Prozent sinken werden, dürften die Unternehmens- und Vermögenseinkommen um etwa 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr abnehmen. Selbst in Jahren nach den beiden Ölkrisen 1974 und 1980 waren noch Zuwächse von 2,6 respektive 0,3 Prozent zu verzeichnen gewesen. Konsequenz heute: immer mehr Insolvenzen und einer trotz angelaufener Erholung schwach bleibende Investitionstätigkeit.

Verbesserungen bei der Zinsschranke in der Körperschaftsteuer und leichte Entlastungen in der Gewerbesteuer, wie jetzt von der neuen Regierung geplant, werden zur Stärkung des Standortes beitragen. Sinnvoll ist es zudem, allen innovativen Unternehmen durch eine allgemeine steuerliche Förderung von Forschung und Entwicklung (beispielsweise in Form einer Steuergutschrift) mehr finanzielle Ressourcen zu belassen. Die Erhöhung von Kindergeld und Kinderfreibetrag sind hingegen keine nachhaltigen Wachstumstreiber.

Tags: , , , , , , , , ,

Diesen Beitrag drucken | Diesen Beitrag per mail verschicken

3 Reaktionen zu “Schlechte Ertragslage überwinden”

  1. chriwi

    “Die Erhöhung von Kindergeld und Kinderfreibetrag sind hingegen keine nachhaltigen Wachstumstreiber.”
    Nein natürlich nicht, denn man braucht kein Geld zum Ausgeben. Eine Frage Herr Professor, wenn die Produktion und deren Preis sich nicht verändert hat aber dennoch eine Krise herrscht was fehlt dann? Gute Angebote oder die Nachfrage?
    Sie wollen bei den Angeboten schrauben. Dies wurde jahrelang gemacht, nun sollte die Nachfrageseite ebenfalls stimuliert werden. Denn nur wenn es auf die Angebote auch eine Nachfrage gibt brummt die Wirtschaft. Verkaufen Unternehmen mehr, brauchen sie keinerlei steuerliche Unterstützung. Nur wenn die Wirtschaftspolitik beide Seiten gleichmäßig fördert, dann funktioniert das Ganze. Mich wundert warum sie meinen das gerade Steuerentlastungen helfen werden. Gibt es dazu Studien? Wie wollen sie den Ausgabenausfall (sprich Nachfrageeinbruch) von Staatsseite beheben? Wie wollen sie garantieren, dass die gesparten Steuern investiert werden? Warum kann es nicht besser sein von Staatsseite Programme wie Forschungsaufträge, Infrastrukturentwicklung, etc. zu tätigen? In Absprache mit den Unternehmen kommt das Geld dann auch dort an wo es hingehört.

  2. Adlib

    Dieser Beitrag von Herrn Hüther zeigt leider allzu deutlich, dass das Institut der deutschen Wirtschaft alles andere als wissenschaftlich unabhängig ist. Ist es nicht eigentlich klar, dass sich die Ertragslage von Unternehmen in Krisenjahren verschlechtert? Wieso muss die Politik auf einmal mit Steuererleichterungen deren Lage verbessern? Das riecht für mich danach, als müsste jetzt die Gunst der Stunde genutzt werden, um den Unternehmern Vergünstigungen zu verschaffen, die im Aufschwung dann natürlich nicht wieder zurück genommen werden sollen.

    Klar, als arbeitgebernahes Institut ist Hüther ein Vertreter einer angebotsorientierten Ökonomie. Aber per se den Wert von Kindergelderhöhungen und höheren Freibetzrägen abzukanzeln zeigt nur zu deutlich, dass auch die Arbeitgeberseite, die ja bei jeder Gelegenheit dazu aufruft Debatten ideologiefrei zu führen, von selbiger nicht frei ist. Zumal dieser letzt Satz erneut deutlich macht, dass Ökonomen wie Hüther von der Lebensrealität einfacher Milieus keinen Schimmer haben. Es soll Haushalte geben, in denen 20 Euro Netto mehr eine Welt ausmachen. Ganz davon abgesehen, dass arme Familien diese 20 Euro nicht in ihr Aktienportfolio stecken, sondern in die nächste Deichmann-Filiale tragen, um dem Nachwuchs neue Winterstiefel zu kaufen, auf die man sonst hätte verzichten müssen. Was daran wachstumshemmend sein soll, hätte ich an dieser Stelle gerne mal erklärt.

  3. Tweets die INSM – ÖkonomenBlog, Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) » Blog Archiv » Schlechte Ertragslage überwinden erwähnt -- Topsy.com

    [...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Gesamtmetall und Arbeitgeberverband, INSM erwähnt. INSM sagte: ÖkonomenBlog Schlechte Ertragslage überwinden http://bit.ly/3dyn2j [...]

Einen Kommentar schreiben