Selbständigkeit erleichtern
Wer ein Unternehmen gründet, füllt über Steuern das Staatssäckel und schafft in der Regel auch weitere Arbeitsplätze. Folglich müsste dem Staat viel daran gelegen sein, Unternehmensgründungen möglichst schnell über die Bühne zu bekommen. Übermäßige Bürokratie wirkt auf potentielle Gründer nicht nur abschreckend. Sie kann auch zu extrem langen Verzögerungen führen. Mit der Folge, dass zwischenzeitlich die Märkte von anderen Teilnehmern besetzt und somit mögliche Gewinne nicht realisiert werden können. Schließlich bindet ein langer und komplizierter Vorlauf bis zur Gründung Ressourcen, die an anderer Stelle zur Wertschöpfung hätten eingesetzt werden können.
Vor diesem Hintergrund ist es schwer verständlich, warum laut Weltbank (Doing Business Report 2010) eine Unternehmensgründung in Neuseeland nur mit einem Verwaltungsakt verbunden ist und lediglich einen Tag dauert, während Gründungswillige in Deutschland erst nach 18 Tagen und neun Verwaltungsakten am Ziel sind. Zweifelsohne muss sich das bürokratische Klima für Neugründungen in Deutschland deutlich verbessern, damit potentielle Gründer ihren Traum vom eigenen Unternehmen nicht im Ausland, sondern in Deutschland realisieren. Neuseeland mit einem Akt und einem Tag sollte hier als Vorbild dienen.
Tags: Bürokratie, Gesellschaft, Jobs, Wettbewerb


Am 16. Juli 2010 um 12:23 Uhr
Die Einfachheit der Gruendung eines Unternehmens ist ein Punkt, aber ob es der entscheidende Punkt ist, wage ich zu bezweifeln, vor allem da die selbe Weltbankstudie Deutschland im Hinblick auf die Einfachheit Arbeitnehmer anzustellen und zu entlassen, auf Rang 158 von 183 verortet und die Steuerlast sich im entsprechenden Rangplatz 71 niederschlaegt. Dass Deutschland im Overall-Rankung der 183 beruecksichtigten Laender Rangplatz 25 hinter Laendern wie Georgien, Saudi Arabien, Mauritius oder Bahrain belegt, ist angesichts dieses Rankings kein Wunder. Und als Selbstaendiger muss ich sagen, mich hat nicht so sehr die Zeit “to set up a business” daran gehindert, mein Business in D auszubauen. Was mich gehindert hat, ist die Steuerlast und die Tatsache, dass man nahezu dem Wahnsinn verfallen sein muss, wenn man in D das Risiko eingeht, Arbeitskraefte einzustellen, die man kaum mehr los wird. Insofern gaebe es zur neuen Weltbankstudie sicherlich anderes als den Hinweis auf die Zeit, die es braucht, einen business zu starten, zu sagen.
Am 16. Juli 2010 um 16:08 Uhr
Ich sehe durchaus für Existenzgründer durchaus eine Überbürokratisierung in manchen Bereichen
@ Michael Klein
1. Die Steuerlast und Abgabenlast IST ist in Deutschland gemäß einer OECD-Studie besonders ungerecht verteilt. Nein, es trifft nicht ganz oben besonders hart!
2. Mir ist es durchaus bewußt, daß es Infrastruktur, Bildung, sozialen Frieden, Sicherheit, Rechtssicherheit, …
nicht zum 0-Tarif gibt!
3. Hohe Einkünfte höher versteuern? Kein Problem!
Als Selbständiger erlaube ich mir durchaus entgegen der Sichtweise der INSM und ihrer Sichtweise einen Blick über die einzelunternehmerische Sichtweise hinaus! Da sehen dann durchaus einige Dinge anders aus!
Am 17. Juli 2010 um 11:43 Uhr
@Keynesianer
Ihre Art Dinge unbelegt zu behaupten, ist wirklich erfrischend. Bitte tun Sie mal Butter bei dei Fische und zitieren Sie die OECD-Studie, damit man sich ein eigenes Urteil bilden kann …
Ich lebe seit mehreren Jahren in England, habe eine halbierte Steuerlast, weniger Kriminalitaet in meinem Umfeld, bin von netten gebildeten Menschen umgeben und obendrein noch nicht einmal mit der Notwendigkeit konfrontiert worden, etwas einklagen zu muessen – Sie sehen Lebensqualitaet gibt es mit weniger Steuern …
Zu 3.; was ich an Keynesianern so schaetze, ist ihr voelliger Unverstand, mit dem sei dem Konzept des Mehrwerts gegenueber stehen, der durch Investitionen der privaten Wirtschaft und eben nicht durch staatliche Umverteilung erwirtschaftet wird. Was ausser rent seeking udn Konsum haben staatliche Umverteilaktionen je befoerdert?
Gut dass Sie es schaffen, ihre eigenen Interessen dem groesseren Ganzen unterzuordnen bzw. dem, was sie als groesseres Ganzes ansehen. Ich hoffe, ihre ueber-einzelunternehmerische Sichtweise wird nicht durch Zweifel oder Gewissensbisse, dass Sie sich gerade ueber die Sichtweise anderer erheben und fuer sich einen Wahrheitsstatus reklamieren, getruebt. Aber vermutlich sind Sokratsiche Zweifel bislang bei Ihnen nicht angekommen.
Am 19. Juli 2010 um 12:52 Uhr
@Michael Klein
In Deutschland sind die Steuern nicht so üppig wie oft behauptet wird.
http://www.jjahnke.net/steuern.html
“Sie sehen Lebensqualitaet gibt es mit weniger Steuern …”
Sie haben einen Messpunkt und extrapolieren auf das gesamte England und werfen dem Keynesianer vor Dinge unbelegt zu behaupten.
Am 19. Juli 2010 um 14:55 Uhr
@chriwi:
“Sie haben einen Messpunkt und extrapolieren auf das gesamte England und werfen dem Keynesianer vor Dinge unbelegt zu behaupten.”
Bestenfalls koennten sie mir eine hasty generalisation vorwerfen, aber keine Extrapolation. Anyway, ich mache nicht einmal eine hasty generalisation, denn ich uebertrage nichts auf das gesamte England. Nein, ich berichte meine Erfahrung und gebe damit ein Beispiel, und da das englische Steuersystem landesweit gilt, habe ich guten Grund anzunehmen, dass aehnliche Erfahrungen noch oefter zu finden ist.
Ueberdies will ich nichts verifizieren, sondern eine Aussage von Keynesianer falsifizieren, der behauptet hat, dass “es Infrastruktur, Bildung, sozialen Frieden, Sicherheit, Rechtssicherheit, …nicht zum 0-Tarif gibt”. Was ich dagegen gesetzt habe ist die Aussage, dass es mit weniger Steuern zuweilen bessere Lebensqualitaet gibt, was die allgemeine Aussage (oder die hasty generalisation) von Keynesianer widerlegt (nachzulesen in Poppers Logik der Forschung, aus dem Kopf wuerde ich sagen: viertes Kapitel).
Wissen Sie, das mit den Steuern hat auch eine subjektive Komponente (wie man es in der Laffer-curve zu fassen versucht). Mir waren die Steuern in Deutschland deutlich zu hoch und wenn dann noch die Lebensqualitaet hinzugerechnet wird, dann war fuer mich ein Leben in Deutschland schlicht indiskutabel.
Am 21. Juli 2010 um 08:23 Uhr
@Michael Klein
Bei dem Steuersystem gebe ich ihnen Recht. Ihre Schlussfolgerung, dass alle Menschen gut gebildet sind, höhere Lebensqualität, etc. ist eine Erweiterung auf das ganze Land.
Sie kritisieren das Model von Keynes und bringen die Laffer-curve. Ein Model, welches weder bewiesen noch anwendbar ist. Wo liegt denn das angebliche Optimum? Gibt es vielleicht sogar mehrere? In Dänemark liegt die Pro Kopf Belastung deutlich über Deutschland und den Menschen dort geht es super. Es gibt viele Einflussgrößen. Die Steuern sind ein kleiner Teil, welcher die Zufriedenheit der Menschen beeinflusst. Ein wesentlicher anderer Teil ist der Unterschied zwischen den Einkommen und Vermögen. Laut vielen Studien ist der absolute Wohlstand unwichtiger als der relative. So lange jemand deutlich mehr Vermögen besitzt als man selber werden die Menschen unglücklich. Das passiert auch, wenn sie viel Geld haben. Diese Effekte haben nachweißlich Einfluss auf den Bildungsdurchschnitt, die Gesundheit und die Zufriedenheit im Land. Steuern können diese Effekte positiv oder negativ beeinflussen.
Am 21. Juli 2010 um 11:44 Uhr
@chriwi: nochmals, ich habe meine eigene Erfahrung berichtet und die werden Sie ja wohl kaum in Frage stelle wollen – oder?
Nun zum:
“Ein wesentlicher anderer Teil ist der Unterschied zwischen den Einkommen und Vermögen. Laut vielen Studien ist der absolute Wohlstand unwichtiger als der relative. So lange jemand deutlich mehr Vermögen besitzt als man selber werden die Menschen unglücklich. Das passiert auch, wenn sie viel Geld haben. Diese Effekte haben nachweißlich Einfluss auf den Bildungsdurchschnitt, die Gesundheit und die Zufriedenheit im Land. Steuern können diese Effekte positiv oder negativ beeinflussen.”
Das nennen Soziologen relative Deprivation und im Hinblick auf den relativen Wohlstand haben Sie auch Recht. Aber: Das hat nichts damit zu tun, dass Menschen ungluecklich sind, wenn andere mehr Geld haben. Wo haben Sie diese Idee her? Dieses Menschenbild ist ja schrecklich. Ich empfehle Ihnen die umfangreiche Literatur zum Thema “procedural justice” oder zu “equity” (equity theory von J. Stacey Adams). Wenn Sie dort nachlesen, werden Sie erfahren, dass Menschen mit Einkommensunterschieden sehr wohl leben koennen, womit sie nicht leben koennen, ist der Eindruck, dass sie fuer gleiche Leistung weniger Einkommen beziehen. Steuern beeinflussen entsprechend das equity Gefuehl. Ein Beispiel: Ich fand es unertraeglich, dass ich eine Unmengen Steuern bezahle, damit Mamas zuhause sitzen und sich um die “Erziehung” ihrer Kinder kuemmern koennen, bei denen sich dann, wenn die Einschulungsuntersuchung ansteht, herausstellt, dass sie nicht richtig sprechen koennen, weil ihre entsprechende Muskulatur unterentwickelt ist. Und das ist nur ein Beispiel fuer Verstoesse gegen mein Empfinden von equity in D. Im uebrigen habe ich keinerlei Probleme mit Bill Gates, mein Glueck haengt nicht von seinem Geld ab… Glauben Sie das wirklich, dass in D. die Menschen ungluecklich sind, weil es Bill Gates gibt. Eine solche Neidkultur will nicht einmal ich mir vorstellen. Was das empfundene Glueck oder Unglueck mit Bildung und Leistungsbereitschaft zu tun hat, weiss ich nicht so richtig… Aber wenn Sie sagen wollen, dass ungerechte Steuersysteme Menschen daran hindern, ihr Humankapital zu bilden dann kann ich Ihnen nur zustimmen.
Am 21. Juli 2010 um 16:54 Uhr
@Michael Klein
Der “chancellor” George Osborne meint:
> Britain had “one of the most complex
> and opaque tax codes in the world”
> and it needed to be simplified.
Quelle: http://www.bbc.co.uk/news/uk-politics-10691779
Vorsicht, nicht das sich herausstellt, dass das gute Steuersystem, im Land der wenigen Kriminalität, halbe Steuern bei vollem Lebensqualitätsausgleich mit netten gebildeten Menschen, nicht doch ein undurchsichtiges, verzweigtes Dickicht grassierende Komplexität ist.
Ich meine, wenn das sogar schon der “chancellor” sagt.
Wäre natürlich interessant zu wissen auf welche OECD Studi der sich bezieht.
Am 22. Juli 2010 um 11:14 Uhr
@int
da ich seit mehreren Jahren hier lebe UND STEUERN bezahle und meine Steuer selbst erstelle und auch in D. meine Steuer ohne Fremdhilfe erstellt habe, koennen Sie mir ruhig glauben, wenn ich Ihnen sage, dass das Steuersystem in UK deutlich durchsichtiger und weniger ausgepraegt ist als das deutsche. Und dass Osborne ein sehr guter Taktierer ist und obendrein mit viel Energie daran geht, Steuern ABZUBAUEN, das Steuersystem weiter zu vereinfachen und Regelungen zu streichen, sagt nur, dass die Toleranz gegen Red Tape in UK nicht ansatzweise so ausgepraegt ist wie in D.
Die eigentlich spannende Frage ist, was Osborne, der das englische Tax-System als Spaghetti Bowl bezeichnet, einfallen wuerde, muesste er das deutsche Steuersystem beschreiben, vermutlich nichts, doch bin ich sicher, ihm waere der Schrecken ins Gesicht gemeiselt… Oder er wuerde einfach nur unglaeubig staunen, so etwa, wie die meisten meiner englischen Bekannten, wenn ich Ihnen erzaehle, dass man in Deutschlane eine Gebuehr dafuer bezahlen muss, dass man ein Konto bei einer Bank hat …
By the way, die in diesem Blog bereits zitierte Doing Business 2010 Studie der Weltbank sieht das UK im Hinblick auf die Einfachheit und Ueberschaubarkeit des Steuersystems auf Rang 17 von 183 Laendern, waehrend Deutschland auf Rang 71 duempelt. Sie sehen, es ist immer relativ, was man als complex und opague versteht… Scheinbar ist die Toleranz und Leidensfaehigkeit in dieser Hinsicht in D. ausgepraegter.