Author Archives: Dr. Martin Roos

Für viele – vor allem junge – Menschen ist das Thema Rente in etwa so interessant wie eine Darmspiegelung, eine Krankheit oder ein lästiger Pickel hinterm Ohr. Ein Fehler: Denn anders als bei einer Krankheit, kann man sich auf die Rente gut vorbereiten. Und das sollte man. Am besten mit diesem Buch. Auch wenn es noch nicht klar ist, welche neuen Reformen unsere Rente betreffen werden, versammelt der vorliegende Band viele Modelle und Meinungen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Und damit auch manch‘ kluges Rezept. Was alle eint: Es ist Zeit, Alarm zu schlagen.

Thomas Köster (HG): Zukunftsfeste Rente – neue Impulse für die Alterssicherung, Herder Verlag,  Freiburg im Breisgau 2017

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Ob Deutschland tatsächlich die Digitalisierung verschlafen hat, wie der stets vollmundige Christoph Keese posaunt, bleibt abzuwarten. Dass die Letzten durchaus auch die Ersten werden können, scheint jedenfalls das vorliegende Buch nicht auszuschließen. Welche Chancen der Digitalisierung in Wirtschaft, Verwaltung und Politik auf uns warten, bringen die Autoren des „Wirtschaftswunder 4.0“ kurz, treffend und nicht ganz selbstlos auf den Punkt.

Alexander Bode, Martin Pätzold (Hg.): Wirtschaftswunder 4.0 – wie Unternehmen und Politik den Weg ins digitale Zeitalter meistern, Herder Verlag, Freiburg 2016

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Deutschland will eine offene Gesellschaft sein. Doch das geht nicht, ohne Veränderungen zuzulassen. Wer sich eine freiheitliche, offene und tolerante Lebensweise wünscht, muss akzeptieren, dass sich althergebrachte Ansichten, über das, was deutsch sein ausmacht, längst überholt haben. Den beiden Autoren ist der schwierige Spagat gelungen, eine Definition zu formulieren, die die Werte unserer Gesellschaft bewahrt und gleichzeitig Neues zulässt – eine Definition, die provoziert.

Herfried Münkler, Marina Münkler: Die neuen Deutschen – ein Land vor seiner Zukunft. Rowohlt Verlag, Berlin 2016

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Wieder ein Buch von Thilo Sarrazin. Und wieder steht die Frage im Raum, welche angeblich so unbequemen Wahrheiten er jetzt auftischt. Außer viel Belehrung ist nicht so viel Neues drin. Nach der Lektüre auch dieses Sarrazin-Buches steht jedenfalls fest: Man muss nicht seiner Meinung sein – Querdenkertum hilft, den eigenen Gedankenquark zu überwinden. Aber: Sarrazins Eitel- und wohl auch Verletzlichkeit sind nur schwer zu ertragen.

Thilo Sarrazin: Wunschdenken – Europa, Währung, Bildung, Einwanderung- warum Politik so häufig scheitert, DVA, München 2016

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Europa muss sich neu erfinden. Das stand schon vor dem Brexit fest. Insofern ist den drei Autoren ein halbwegs hellseherischer Titel gelungen. Sie kündigen die nächste Stufe der europäischen Integration an. Diese hat aus Sicht der Autoren vor allem mit einem reformierten Finanzsystem und Kapitalmarkt zu tun. Leider wird man das Gefühl nicht los, dass es sich hier eher um die Rettung der europäischen Banken als um das Wohl des Kontinents dreht.

Luc Frieden, Nicolaus Heinen, Stephan Leithner: Europa 5.0 – ein Geschäftsmodell für unseren Kontinent. Campus Verlag Frankfurt am Main 2016

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Der Glaube an endloses Wirtschaftswachstum ist genauso sinnvoll wie der Glaube an Unsinn. Warum sich dennoch über Jahrzehnte die Idee eines steten Wirtschaftswachstums tief in unsere Köpfe eingebrannt hat, beantwortet Ferdinand Knauß in seinem nun erschienenen Buch „Wachstum über alles?“ – und entlarvt die deutsche Wirtschaftspresse als allzu unkritische Steigbügelhalter von Politikern und Ökonomen.

Ferdinand Knauß: Wachstum über alles? Wie der Journalismus zum Sprachrohr für Ökonomen wurde, oekom-Verlag, München 2016

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1973 sorgte David D. Friedman mit seiner „Machinery of Freedom“ erstmals für Wirbel. Das Buch ist seitdem Kult. Seine Thesen, dass der Staat nicht in der Lage ist, für Sicherheit, Bildung, medizinische Versorgung und soziale Gerechtigkeit zu sorgen, hat vor allem in den USA großen Anklang gefunden. Jetzt wurde der Klassiker des Anarchokapitalisten wieder einmal neu aufgelegt.

David D. Friedman: Das Räderwerk der Freiheit – für einen radikalen Kapitalismus, Lichtschlag Verlag, Grevenbroich 2016

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Recht und Justiz geben oft genug Anlass zur Empörung. Manchmal zu Recht. Manchmal zu Unrecht. Vielen Bürgern erscheint die Strafe für den Mörder zu klein und für den Automatenknacker zu groß. Thomas Fischer will für mehr Verständnis im Dschungel der Rechtsauslegung werben. Das gelingt. Und doch gehören seine Einlassungen zum deutschen Strafrecht mit zu den gelungensten Provokationen seit Kurt Tucholsky.

Thomas Fischer: Im Recht – Einlassungen von Deutschlands bekanntestem Strafrichter, Droemer-Verlag, Berlin 2016

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Nur weil jemand ein höheres Einkommen als der andere hat, ist er längst noch nicht zufriedener. Harry G. Frankfurt räumt mit der ständigen Forderung vieler nach ökonomischer Gleichheit auf und zeigt, dass es akzeptabel sein kann, wenn wir eben nicht gleich viel haben. Ungleichheit ist für ihn moralisch nicht relevant. Einzig wichtig ist zu wissen, was für einen genug ist.

Harry G. Frankfurt: Ungleichheit – warum wir nicht alle gleich viel haben müssen, Suhrkamp, Berlin 2016.

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Die Bundesrepublik wird nicht nur immer älter, sie liegt auch bald im Sarg. Solche wie Mantras wiederkehrenden Vorurteile ärgern Thomas Straubhaar. Gleich zehn Mythen des demografischen Wandels hat der Ökonom ausgemacht. Dass die Bundesrepublik nicht ausstirbt, liegt für ihn vor allem an den noch ungenutzten Chancen und guten Perspektiven, die eben genau jene gefürchtete Alterung mit sich bringt.

Thomas Straubhaar: Der Untergang ist abgesagt – wider die Mythen des demografischen Wandels, edition Körber-Stiftung, Hamburg 2016

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Deutschland ist in Europa zu mächtig, um nicht zu führen, und zugleich zu schwach, um Europa zu reformieren. Und wenn es nicht aufpasst, verabschiedet es sich langsam auch aus seiner West-Anbindung – der Autor Hans Kundnani  zeichnet ein pointiertes Psychogramm der deutschen Befindlichkeit – ein strenges, starkes, sensibles und auch verzagtes Land. Nur wenn es um seine ökonomischen Interessen geht, ist Deutschland in Europa die unangefochtene „geoökonomische“ Nummer Eins.

Hans Kundnani: German Power – Das Paradox der deutschen Stärke,  C.H. Beck, München 2016

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Der real existierende Kapitalismus taugt nichts. Sahra Wagenknecht fordert eine neue Wirtschaftsordnung, in der Eigentum nur noch durch eigene Arbeit und nicht beispielsweise durch Erbe oder Investment-Abzocke entstehen kann. Ein staatlicher Wagniskapitalfonds soll den Zugang zu unternehmerischem Kapital für alle öffnen. Das Ziel ihres Wirtschaftsmodell: eine gerechtere soziale Marktwirtschaft – freilich schön links eingefärbt.

Sahra Wagenknecht: Reichtum ohne Gier – wie wir uns vor dem Kapitalismus retten; Campus-Verlag, München 2016

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Bildung ist nicht alles. Aber ohne Bildung ist alles nichts. Oder fast nichts. Davon sind die Autoren überzeugt. Bildung verhilft zu sozialem und materiellem Wohlstand, verbessert die Gesundheit, das politische Zusammenleben, reguliert den weltweiten Bevölkerungszuwachs, erhöht die Lebensqualität und damit letztlich auch das Glück. Dass nichts besser als Bildung die Konflikte zwischen der armen und reichen Welt lösen kann – davon sind die Autoren überzeugt. Fragt sich nur, wer bereit ist, das alles zu bezahlen.

Reiner Klingholz / Wolfgang Lutz: Wer überlebt? Bildung entscheidet über die Zukunft der Menschheit, Frankfurt am Main 2016, Campus-Verlag

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Buchkritik: John Lanchester: Die Sprache des Geldes – und warum wir sie nicht verstehen (sollen), Klett-Cotta, Stuttgart 2015

Das wichtigste Werkzeug der Ökonomie ist die Sprache – die Insider-Sprache. Doch leider versteht sie nicht jeder. Auch dem britischen Bestsellerautor und Wirtschaftsjournalisten John Lanchester erging es so – bis er die Nase voll von all dem Fachchinesisch und der Geheimniskrämerei der Finanzexperten hatte. Er begann die Sprache des Geldes zu lernen – und damit auch ein Gespür zu entwickeln für die wirkliche Bedeutung vieler Aussagen, aber auch für die Schurkereien auf den Finanzmärkten. Sein nun erschienenes „Geldlexikon“ ist eine Bereicherung für jeden.

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